Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 5 (29.1.1926)
- Date
- 1926-01-29
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite i2 DIE WAtfRHEIT Nr. 5 Jix R e i k, Salamon, Steiner, P i 1 a t h und die Herren Dr. Stern und Dr. Spitzer im Schweiße ihres Angesichtes trachten, möglichst viel für den Verein zu gewinnen. Bei der stattgefundenen Chanukkafeier war es wieder unser bewährtes Vorstandsmitglied Herr Samuel Fischer und die Herren Wegler, Kohn, die Ehepaare Siegmund und Leopold Reiß, Herr Kommerzialrat S: N i s s e 1, die Herren G o 1 d b 1 a 11 und Trost, welche in hervorragender Weise zum Gelingen dieses schönen Festes ihr Bestes beigetragen haben. Und nun sehen wir, daß auch die äußeren Bezirke Wiens sich für uns interessieren, getreu dem Ausspruche De Silvas, welcher in Gutzkows „Uriel Acosta" sagt: „Treu in unserem Volke lebt der Zauber der Familie. Und wenn dieser Ausspruch je Anspruch auf Wahrheit haben sollte, dann ist dieser Spruch das Aushängeschild des Ausspeisevereines für den 16. und 17. Bezirk, denn er verkörpert die Traditionen dieses Vereines. Josef Salamon, Vizepräsident. „Kurfürsorge", hum. Verein, II., Große Stadtgutgasse 7. In den Klublokalitäten des Vereines „Kurfürsorge" im Cafe Arlon, I., Rothgasse 5, fand am Samstag, den 23. d. eine erhebende Feier statt, bei der den seit vielen Jahren dem Vorstande angehörenden Herren Obmannstellvertreter Samuel Sperling und Schriftführer Fürsorgerat Leopold Heller die Diplome als Ehrenmitglieder überreicht wurden. Zahlreiche Gäste und Abordnungen, die Mitglieder mit ihren . Damen waren gekommen, um Zeugen der Ehrung genannter Herren zu sein. Eingeleitet wurde der Abend mit einer sehr eindrucksvollen Rede des Obmannes Dr. J. L. Braun, der die Verdienste der beiden ausgezeichneten Herren hervorhob. Es ergriff sodann die Delegierte Frau Dr. Regine K r i s das Wort, um den jüngsten Ehrenmitgliedern die Anerkennung des Vorstandes auszusprechen. Obmannstellvertreter Salomon Werthammer richtete einen warmdurchfühlten Appell an die Anwesenden und von tiefster Rührung übermannt, schloß er seine ausgezeichnete Rede mit den Prophetenworten: „Friede, Friede den Nahen und den Fernen", welche Worte rauschenden Beifall auslösten. Prof. Nasche war wie immer auf der Höhe seiner rhetorischen Aufgabe, der er alle heiteren Lichter aufsetzte. Die meisterhaften musikalischen Gaben des sangeskundigen Herrn Oberkantors M a r g u 1 i e s, die Herren Thiemann, Stricks, Balaban und Reich im Quartett, das im Vereine mit den vorzüglichen Cellisten Herrn Theo Salzmann (am Klavier Frau Julie Sa 1 zmann), der das Bruchsche Kolnidre zum Vortrag brachte, zündende Wirkung übte, wurden mit Beifallsstürmen belohnt. Den Clou des Abends bildete das schöne Fräulein Berta Horovitz mit ihren reizend interpretierten und selbstbegleiteten jüdischen Tempelgesängen (wie Kiddusch) und die junge Dame erzielte einen schlagenden Erfolg. Damit schloß der gelungene Abend, dessen Arrangement in den Händen des Vorstandsmitgliedes Herrn Verwaltars .Max Schwager lag. Unter den Festgästen sah man u. a. die Herren Amtsleiter Rudolf Kraus und Hauptkassier Apte von der Kultusgemeinde, den Vorstand Hugo Heller des Fürsorgeinstitutes II, Bez., mit den Fürsorgeraten Frankl und Horowitz und Delegierte vieler humanitärer Vereine. N. Jüdische Volksbibliothek des Brigittenauer hum. Untersfötzungsvereines für Kriegswitwen und Waisen. Nach Beendigung des grausamen Weltkrieges bildete sich auch im XX. Bezirk ein Verein, der es sich zur Aufgabe machte, insbesondere dürftige Witwen und Waisen sowie andere arme Angehörige nach im Kriege gefallenen, verschollenen oder invalid gewordenen Soldaten nach Maßgabe der vorhandenen Mittel zu unterstützen. Welch segensreiche Tätigkeit dieser gegenwärtig rund 900 Mitglieder zählende Verein in der Brigittenau entfaltet, bezeugt am besten die Tatsache, daß derselbe im Jahre 1923 rund 52 Millionen, im Jahre 1924 rund 70 Millionen und im Jahre 1925 rund 59 Millionen Kronen zur Verteilung gebracht hat. Das Bestreben dieses Vereines geht aber auch nach Höherem; denn er beabsichtigt einerseits um seine Einnahmen zu erhöhen, anderseits aber auch um seinen Schützlingen und Mitgliedern bessere geistige Kost zu verschaffen, eine Leihbibliothek zu errichten. Den Grundstock hierzu lieferte eine Schenkung von 300 Bänden jüdisch-deutschen Inhaltes, welche dem Vereine von der hochherzigen Bücherfreundin Frau Taube Rosenbaum und eine Schenkung von rund 100 schönen Büchern, welche dem Verein von einem ungenannt sein wollenden Herrn zugekommen sind, während ein zweckentsprechender, schöner Bibliothekskasten von den Vorstandsmitgliedern beigestellt wurde. Uni aber diese Bibliothek eröffnen zu können, dazu bedarf es noch vieler Bücher, die aber der Verein bei den hohen Bücherpreisen anzuschaffen außerstande ist. Der Vorstand des Vereines ist aber überzeugt <laß in zahlreichen Familien Bücher vorhanden sind, welche nicht mehr gelesen werden, ja vielleicht sich im Bodenkran* befinden. Und doch kann jedes Buch wohltätig wirken. Darum wendet sich der. Vorstand dieses Vereines an jeden hochherzigen Menschen, der in der Lage ist, uns bei der Errichtung und Eröffnung einer jüdischen Volksbibliothek im XX. Bezirke hilfreich zur Seite zu stehen, mit der innigen Bitte um eine freundliche Bücherspende oder auch um einen gütigem Geldbeitrag für diesen Zweck. Der Sitz des Vereines ist XX., Gausplatz 7, Cafe Neptun. Auf Wunsch werden Bücher auck abgeholt. J. K. Gesangsabend. Montag, den 1. Februar 1926, 8 Uhr abends, veranstaltet Herr Oberkantor E. Fränkl im große« Saale des Hotel „Continental" unter gefälliger Mitwirkung seiner Kollegen Oberkantor I. Katz, G. Margulies und S. P o s t o 1 o w, ferner des Opernsängers Herrn Walter A ndree, des Fräulein Margarethe Bach und Fräulein Lewin, Prof. Nasche, des Chores des polnischen Tempels einen Vortragsabend. Zum Vortrage gelangen: Chöre, Solis, Duette und Rezitationen. Der Reinertrag fließt einem wohltätigen Zwecke zu. Brigittenauer Tempelverein. Wie uns mitgeteilt wird, ist Herr Oberkantor Samuel Landerer aus Karlsbad zum Oberkantor obigen Tempels bestellt worden und tritt dieser Freitag, am 29. d. M., 5 Uhr, seine neue Stelle an. Verlobungen. Fräulein Henni Feucht w angr Tochter des Rabbiners Dr. David Feuchtwang und der Frau Jeannette, geb. Dünner, hat sich mit Herrn Dr. Heinrich Feuchtwanger, Sohn des Herrn Dr. August Feuchtwanger und der Frau Berta, geb. Fraenkel, aus München, verlobt. Fräulein Margit L e i t n e r, eine Schwester des Herrn Moritz L e i t n e r, Chef der Firma Adolf Leitner & Bruder, verlobte sich mit dem Papiergroßhändler Herrn Julius Klein, Sohn des Mattersburger Kultusvorstehers. Trauung. Sonntag, den 24. d. M. fand im großen Leopoldstädter Tempel die Trauung des Herrn Leon Schwarz mit Frl. Käthe F e 1 d m a r, Tochter des in weiten Kreisen bestens bekannten Herrn Adolf F e 1 d m a r und seiner Gattin Olga, geb. Stadler, statt. Im Tempel fanden sich eine große Anzahl Vertreter von verschiedenen Korporationen, Herr Vizebürgermeister E m m e r 1 i n g sowie ein zahlreiches Hochzeitspublikum ein, das für die Wertschätzung des Brautpaares und dessen Familie beredtes Zeugnis gab. Se. Ehrw. Herr Rabb. Dr. Max G r u n w a 1 d hielt an das Brautpaar eine herzliche Ansprache. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Heinrich Fischer. Zitate. Immer wieder versuchen die Antisemiten, große Dichter und Gelehrte als Anhänger ihrer Ideen auszugeben: dabei führen sie angeblich judenfeindliche Aeußerungen aus deren Werken und Schriften an. Diese Beweisführung ist ■ meist — nichts anderes als ein Trick, der leider im Augenblick mehr blendet und Unheil stiftet, als zu wünschen wäre. Denn die Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissen, oft sind sie entstellt, oft aus einer Zeit der betreffenden Person gewählt, in der sie aus irgendwelchen Gründen so gefallen sind. Die Mittel, mit denen wir im allgemeinen dagegen ankämpfen, beschränken sich darauf, da's Falsche an den Zitaten zu erweisen, zu zeigen, wie sie in den Zusammenhang sich einfügen, unter welchen Voraussetzungen sie zu lesen, in welchem Sinne sie. zu verstehen sind. Das ist gewiß löblich, wird auch nicht gut und. ohne Schaden unterbleiben dürfen, aber wir sollten es dabei nicht bewende« lassen. Wollen wir einmal dabei eine Sammlung von Zitaten erstreben aus eben denselben Werken von eben denselben Verfassern, die für die Antisemiten eine Fundgrube von Schmähungen des Judentums darstellen, es wird uns m. E. nicht schwer fallen, zu zeigen, daß dieselben Personen sich auch anders geäußert haben, daß sie judenfreundlich auch geschrieben und gesprochen haben. Dr. A. P o s n e r, Kiel. über mangelhafte Zustellung der „Wahrheit" sind bei den zuständigen Postamte, und erst, wenn dies keinen Erfolg hat, bei der Administration anzubringen.