Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 51 (25.12.1925)
- Date
- 1925-12-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite ischen ihr Los zu erleichtern. Das Makkabäerfest ist jenes Fest, welches uns daran erinnert, daß die Religion dem Menschen die einzig sichere Stütze bietet, daß aber auch unsere Religion die Erfüllung der Staatsbürgerpflicht zur Religionspflicht macht Er richtet daher an die Häftlinge den Appell, wenn sie dieses Haus verlassen, ihrer staatsbürgerlichen und religiösen Pflichten eingedenk zu sein. Der Eindruck, den die Feier auf die Häftlinge machte, war ein für alle Anwesenden tief ergreifender. Erinnerungen an die Jugend und das Elternhaus mögen in ihnen aufgestiegen sein, als die Chanukalichter entzündet wurden und das „Moaus zur" erklang. Lautlos bewegten sich ihre Lippen und Tränen quollen aus ihren Augen. Die gottesdienstlichen Funktionäre hatten aber auch ihr Bestes ge-> leistet, um den unglücklichen Verirrten eine Stunde der Erbauung und Erhebung zu bereiten. Mitgliederaufnahme. Sonntag, den 10. Jänner, 4 Uhr nachm. findet im Vereinshause in der Herklotzgasse die feierliche Aufnahme von Mitgliedern der Chewra Kadischa für die Bezirke VI., VII. und XV. statt, Vereinsiubiläum. Zu der Präsenzliste bei der Tempelfeier anläßlich des 5üjährigen Jubiläums des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" haben wir noch nachzutragen: in Vertretung des Synagogevereines „Beth Israel" in der Leopoldgasse die Herren Prof. M. Rath und Naftali G o 1 d b e r g, in Vertretung des Vereines „Kurfürsorge" die Herren Dr. J. L. Braun, Restaurateur S. Grüner, Fürsorgerat Leopold Heller, Großgrundbesitzer S. Rosenblatt und S. W e r t h a m m e ir; mit der Deputation des „Oesterreicliischen Kantorenvereines" erschien Oberkantor S. P o s t o 1 o w. Jubiläum. Der Verwalter des Altersversorgungshauses in der Seegasse, Herr Josef Popper, feiert am 1. Jänner 1926 sein 25jähriges Amtsjubiläum im Dienste der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Vom Jahre 1904 bis zum Jahre 1914 war er als pflichteifriger Verwaltungsbeamter im Rothschildspital dem damaligen Verwalter Dr. Koranyi zugeteilt. Während des Krieges betätigte er sich bis zu seiner Einrückung hervorragend im Verwundetenspital (Reservespital des Roten Kreuzes im Rothschildspital) und wurde für seine ersprießliche Dienstleistung vom Roten Kreuz ausgezeichnet. Im Jahre 1918. als der wirtschaftliche Zusammenbruch unsere Wohlfahrtsanstalten mit Schließung bedrohte, wurde Josef Popper zum Verwalter der Altersversorgungsanstalt und des Siechenheimes bestellt. Es war dies zur Zeit, als das Komitee zur Sanierung notleidender israelitischer Wohlfahrtsanstalten, vertrauend auf die altbewährte Mildtätigkeit der Wiener Juden und mit einem eindringlichen Appell an jüdische Herzen des Auslandes den kühnen Versuch wagte, gegen die Lawinenwucht der täglich höher anschwellenden Not aus privaten Mitteln einen schützenden Damm zu errichten. Das Komitee fand hierbei in Josef Popper einen rastlosen und unermüdlichen Helfer. Mit dieser Aufzählung wollten wir nur die Dienstverwendung des Mannes zeigen, der voll Begeisterung, Aufopferung, Fleiß und hohen Sinnes für die Bedürfnisse der ihm anvertrauten Alten und Siechen Tag für Tag sorgt, denen er weniger Vorgesetzter als treuer Berater und Freund ist. Wir beglückwünschen diesen pflichteifrigen Beamten zu seinem Ehrentage. Oberkantor Jakob Schleifers Ehrentag. Samstag, den 19. d. M. beging, wie wir bereits in der vorigen Nummer mitgeteilt haben, Herr Oberkantor Jakob Schleifer das Jubiläum seiner 25jährigen Wirksamkeit Er war im Fünfhausertempel, in welchem er seit einem Vierteljahrhundert das Amt eines Oberkantors bekleidet Gegenstand der herzlichsten Ovationen und wurde in den Ansprachen Sr. Ehrw. Herrn Rabbiners Dr. T a g 1 i c h t und des Obmannes des Bethausvorstandes S. Bernhard sowie durch Herrn Kommerzialrat Buchwald als Vertreter der Kultusgemeinde als ein Mann gefeiert, der durch seine Tätigkeit zum Ansehen und zur Würde des Gotteshauses viel beigetragen hat. Die schöne Feier, welche ihm im Tempel bereitet wurde, fand am Abend ihre Fortsetzung. Sonntag, den 20. dieses Monats veranstaltete der Oesterreichische Kantorenverband in A. Barschaks Restaurant ein festliches Abendessen zu Ehren des Jubilars, der erster Vizepräsident des Verbandes ist Alle Kollegen, in deren Kreis sich der Jubilar infolge seiner menschlichen Eigenschaften großer Beliebtheit erfreut, sowie viele Repräsentanten seiner Gemeinde waren erschienen, um ihm ihre Glückwünsche und Sympathien zum Ausdruck zu bringen. Oberkantor I. Löwit als Präsident des Oesterreichischen Kantorenverbandes begrüßte zunächst die zahlreich erschienenen Festgäste, vor allem Se. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. T a g I i c h t, Bethausobmann von Fünfhaus Herrn S. Bernhard, den Präsidenten der Chewra Kadischa für die Bezirke XII. und XV. Herrn Oskar Goldschmied mit Gemahlin, den Präsidenten des Hietzinger Tempelvereines Hermann K u n e r, die Vorstandsmitglieder Karl Altman n, Bernhard Freund, Bernhard Kohn, Franz Weiß, F. Berliner, den Obmann der Bezirkskommissiön XII. und XV. Arthur A1 b e r s, den Obmann des Humanitätsvereines Haknosses Kallo Max Vogelfänger, die Amtsdirektoren Dr. Emil Adler und Guido F u c h s g e 1 b, Chefredakteur Ludwig Hirschfeld und Prof. Nasche. Er würdigte sodann in einer formvollendeten Rede die Bedeutung und die Wirksamkeit Oberkantor Schleifers, den er als einen der Besten seines Standes feiert. Sodann brachte Schriftführer Oberkantor F r ä n k 1 eine vom Kantorenverband dem Jubilar gewidmete Glückwunschadresse zur Verlesung, die in Inhalt und äußerer Form ein wahres Künstlerwerk darstellt, und überreichte ihm sodann einen silbernen Pokal mit der Widmung der gesamten Kollegenschaft. Den ersten Toast brachte Rabb. Dr. T a g 1 i c h t auf den Jubilar und den Kantorenverband aus, sodann erhoben die nächstfolgenden Redner die Obmänner S. Bernhard, Oskar Goldschmied und Arthur A1 b e r s das Glas auf das Wohl des Gefeierten sowie des Kantorenverbandes, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit sich als ein wahrer Freund der Fünfhauser Gemeinde erwiesen habe. Amtsdirektor Guido Fuchsgelb überbrachte die Glückwünsche der Gemeindebeamten und sprach in glänzender Weise über Jubiläen im allgemeinen und über das Jubiläum Schleifers im besonderen. Nachdem die Vorsteher Vogelfänger und Kuner den Jubilar gewürdigt hatten, brachte Solosänger Strix die Wünsche der vereinigten Chorsänger zum Ausdruck. Als letzter Redner behandelte Prof. Nasche in überaus humorvoller Rede die Rede der Vorredner. Es folgten nun einige schöne Gesangesvorträge der Oberkantoren Groß, Müller und P o s t o 1 o w. Den Abschluß der schönen Feier bildete der von einem Quartett, bestehend aus Oberkantor Fränkl und den Chorherren Balaban, Reich und S t r i t, gesungenen Choral: „Das ist der Tag des Herr n." Barmizwahfeier. Samstag, den 19. d. M. fand im Pazmanitentempel die Barmizwahfeier des Studenten Robert Körner, Sohn des Herrn Hermann Körner und seiner Gattin Josefine geb. Körner, ein Enkel des langjährigen Vorstandsmitgliedes Herrn Albert Körner, statt. Zu der schönen Feier hatten sich Präsidium und Vorstandsmitglieder des Tempelvereines, Verwandte sowie viele Freunde der Familie Körner eingefunden. Nachdem der Konfirmant die Paraschah wie den Prophetenabschnitt mit Verständnis vorgetragen hatte, hielt Herr Rabbiner Dr. S. Funk an den jungen Körner eine herzliche Ansprache, in welcher er den Sinn für das Judentum seines Vaters, seines Großvaters Albert, der als Vorsteher des Tempelvereines sich speziell um die Bibelschule seit Jahren verdient gemacht hatte, hervorhob. Er sprach sodann von dem Großvater des Konfirmanden mütterlicherseits, Herrn Isidor Körner s. A., der als langjähriger Vorsteher der Kultusgemeinde Neutitschein sich um das mährische Judentum unvergängliche Verdienste erworben hatte. Großvater, Vater und Sohn sowie alle zur Thora gerufenen Freunde der Familie benützten in hochherziger Weise diesen schönen Anlaß, um für jüdischhumanitäre Institutionen zu spenden. Todesfall. Mittwoch, den 16. d. M., fand das Leichenbegängnis dier im 64. Jahre verstorbenen Frau Laura Patzik vom Trauerhause, IL, Glockengasse 24, statt. Die überaus große Beliebtheit der Heimgegangenen zeigte._.-sich in der bedeutendem Anzahl der Teilnehmer, die der braven Frau, die Sir ganzes Leben dem Glücke ihrer Familie widmete, die letzte Ehre erwiesen. Die Verewigte betrauern die Kinder Leon Patzik, Frieda Mayer, Gattin des bekannten Industriellen Herrn Josef Mayer, Helene Stalt, Dora Jänner, Ernestine Goldblum sowie Schwiegersöhne Siegmund Stahl, Emil Jänner, Elias G o 1 d b 1 u m und Enkelkinder. Nachdem Oberkantor Heinrich Fischer die Trauergebete verrichtet hatte, wurde die Fahrt nach dem Zentralfriedhof (III. Tor) angetreten, wo Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d der Entschlafenen einen tiefempfundenen Nachruf hielt in welchem er ihren großen Familiensinn und stete Hilfsbereitschaft Bedrückten und Armen gegenüber würdigte. Die kantorale Funktionversah auch am Zentralfriedhof Herr Oberkantor Heinrich Fischer mit großer Assistenz. Das Andenken dieser braven, wackeren jüdischen Frau werden alle, die sie gekannt haben, stets in Ehren halten. Druckfehlerberichtigung. In dem Bericht über die Chanukafeier im Merores-Waisenhause wurde der Name des Direktors Prof." Josef H er z entstellt, was wir hiermit berichtigen.