Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 49 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Österreichische Wochenschrift ihr indische Interessen Mit dem Beiblatt: Veröfiemlichungen der Union deutscftösterreidiisdier Inden" Keöaktion und Administration fVleii II.. Heineslratte - Pernrut 42-2-16 XLl. janrgaxg Wien, 11. Dezember l**25 Nummer 49 Chanukka 5686 (Eine zeitgemäße Betrachtung von Rabbiner Dr. Alfred Willmann, Nikolsburg.) In dem an phantastischen Sinnbildern und geheimnisvollen Visionen reichen biblischen Buche Daniel wird unter anderem von einer Bildsäule gesprochen, deren Haupt von schönem Oolde war; -die Jfrrust und die Arme waren von Silber, der Leib und die Lenden von Kupfer, die Schenkel von Eisen und die Füße teils von Eisen und teils von Ton. Da löste sich ein Steinchen los, nicht von Menschenhand und schlug das Bild auf die Füße von Eisen und Ton und zermalmte sie; und da waren auch das Gold, Silber und Kupfer zugleich zermalmt, und sie -schwanden wie Spreu in der Sommertenne und keine Spur wurde von ihnen gefunden. Aber das Steinchen wurde zu einem großen Berge und füllte die "Erde.*) Die meisten Bibelerklärer der Gegenwärt verlegen die Zeit der Entstehung des Buches Daniel in die bewegten Tage der großen Religionsverlolgung unter Antiochus Epiphanes (175—164 vor der;gew. Zeit) und beziehen sie darum 4ie ,»Gesichte" des Daniel auf die Zeit der Makkabäer, und der Beiname Makkabi „der Hammer" paßt ja, wie es scheint ganz vortrefflich zu dem Gleichnis von dem ^Stein, der das Bild zerschlägt. Kein Zweifel, daß das Buch Daniel auf der Makkabäer heldenmütiges Beginnen zielt, daß ihm J uda Makkabi Juda der Hammer der Steine ist, der das hellenistische Weltreich und die hellenische Bildung und lockere Lebensfreude umstürzt und begräbt. Kein Zweifel, daß das hoffende Auge des Sehers eine Zukunft erblickt, wo diese Bewegung, die von Juda Makkabi ihren Ausgang genommen, den ganzen Erdball durchzittert und niederwirft die falschen Götzen und ihre weihelosen Altäre. Das Buch Daniel läßt uns so recht erst den richtigen Standpunkt gewinnen, von dem aus wir die welthistorische Tat der Hasmonäer klar übersehen und würdigen können. Indem Juda Makkabi den fast erstorbenen jüdischen Geist wieder zum Leben erweckte, indem er durch seine Siege Begeisterung in die ermatteten Seelen hauchte, gab er dem jüdisch-religiösen Bewußtsein eine kaum geahnte Stärke und Freudigkeit; ein neues Feuer durchglühte die Nation. Wie die Lavaflut die Erde spaltet ünd weithin sich ergießt so drängte diese Glut zum Ausbruch. Damals — ich setze die historischen Vorgänge, welche zur Einsetzung unseres Halbfestes führten, als im allgemeinen als bekannt voraus — als Juda Makkabi mit der heldenmütigen Schar seiner Getreuen nach dem denkwürdigen Siege bei Emmaus in Jerusalem einzog und das Chanukkafest feierte, hatte das *) Dan. Kap. 2. Steinchen sich losgelöst wider das Heidentum, Israel war wieder lebendig, Israel, das in einem fremden Kulturkreis, der so ganz der jüdischen Wesensart entgegengesetzt gewesen ist, aufzugehen drohte, hatte sich wieder gefunden, sich selbst seine Eigenart, seine Mission, sein Volkstum. Das ist die große Bedeutung der Siege des Juda Makkabi, daß er der großen Gefahr, die durch das Aufgeben jüdischer Eigenart, durch die vollständige Assimilation mit der hellenischen Kultur seinem Volke drohte, ein machtvolles Halt entgegenstellte und den von den Vätern als treues Vermächtnis gehüteten jüdischen Geist über den Geist des Heidentums siegen ließ. Bekannt ist die Sage von dem Krüglein heiligen Oeles, das die siegenden Hasmonäer in dem entweihten Tempel an entlegener Stätte vorfanden und das durch ein Wunder acht Tage reichte. Es ist nicht zufällig, daß gerade dieses Märchen dem Volksgeiste vertraut geworden ist, während so viele rühmliche Taten der tapferen Makkabäerschar weniger bekannt sind. Ein Volk gewinnt nicht selten eine Sage deswegen lieb, weil in ihr Charakter und Schicksal, sei es seines Helden, sei es des Volkes selbst mit besonderer Deutlichkeit ausgeprägt ist, und kaum gibt es eine bessere Symbolik für das Schicksal der Makkabäer als dieses Märchen vom Oelkrüglein. In einem entlegenen Winkel Palästinas wohnte Mathathias mit seinen Söhnen, um sich vor den Schergen zu schützen; wäre er nicht gewaltsam hineingestoßen worden in den Streit, sein Ehrgeiz hätte ihn nicht gedrängt, die Leitung des Widerstandes zu übernehmen; aber kein Fleck des Landes ist vor dem syrisch-griechischen Uebermut sicher, Mathathias muß vor seinen Augen den Abfall, die Schande des Götzendienstes sehen, er selbst wird auigefordert, durch sein Beispiel die anderen zum Abfall zu verleiten. Da erwacht in ihm der Zorn, der die Hasmonäer aus Duldern zu Helden machte, und wie das Oelkrüglein an einer entlegenen Stelle gefunden wird, so erhebt sich aus der kleinen vergessenen Stadt Modiin der Widerstand gegen den Unterdrücker, den griechisch-heidnischen Koloß. Und nun geschieht ein Wunder. Der kleine Krug enthält eine überschwengliche Fülle des Oeles und fort und fort speist er die Flamme. Wer ist das anders als Juda Makkabi, an dessen Begeisterung sich eine Flamme entfachte, die den Erdball entzündet und erleuchtet hat. Judentum und Heidentum, die Herrschaft des Geistes und die Herrschaft der rohen, physischen Kraft, sie lagen damals im heftigen Kampfe miteinander und Juda Makkabis hohes Verdienst war es, daß er dem ersteren zum Siege verholfen hat und eine neue Aera des gefestigten jüdischen Geistes begründete. Der 25. Kislew, einst der Tag der Entweihung,