Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 48 (4.12.1925)
- Date
- 1925-12-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064022-3064067--14172-3081716- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite _12 DIE WAHRHEIT Nr. 48 komitees steht der verdienstvolle Kultuspräsident Dr. Adolf Klein. Ein Festgottesdienst fand am Samstag, den 31. Oktober, für den nach 34jährige*r Tätigkeit im Dienste der hannoverschen Synagogengemeinde am 1. November in den Ruhestand getretenen Oberkantor Linhardt in der Synagoge statt Im vollendeten klassischen Hebräisch sang sein Amtsnachfolger Oberkantor Alter einen Mischeberach. Nach dem feierlichen Einheben dankte Herr Landrabbiner Dr. Freund in seiner Predigt dem Gefeierten für seine langjährigen treuen Dienste. Die ganze Gemeinde erhob sich von den Plätzen, als mit einem Gebet für die Zukunft dieses allseitig beliebten Beamten die Predigt schloß. Nun schritt Herr Oberkantor Linhardt zum Vorbeterpult, um das Mussafgebet zu verrichten. Nachdem das Kaddischgebet der Leidtragenden verklungen war, versammelten sich die Vorsteher und Repräsentanten der Gemeinde tun den Gefeierten. Bald umdrängte eine dichte Menschenmenge diesen Kreis, um den Worten des ersten Vorstehers, "Herrn Kommerzienrat Berliner, zu lauschen. Dieser betonte, daß es Herrn Linhardts eigener Wunsch sei, sich aus dem Amte zurückzuziehen, und würdigte die Verdienste des Scheidenden. Herr Oberkantor Linhardt dankte sichtlich ergriffen Herrn Landrabbiner Dr. Freund, Herrn Kommerzienrat Berliner sowie den Herren des Vorstandes und JRepräsentantenkollegiums. Er hat von diesen ein schönes Abschiedsschreiben erhalten, aus dem wir folgendes zitieren: „Wir nehmen gern Veranlassung, Ihrer Verdienste mm den schönen hannoverschen Gottesdienst, und somit um die altehrwürdige Synagogengemeinde Hannover, zu gedenken. Im schönsten Alter von kaum 33 Jahren traten Sie hier vor fast 34 Jahren die Stellung des Oberkantors an. Sie besaßen herrliche Stimmittel, in denen sich Natur und Kunst zw schönsten Harmonie vereinigten. Diese nebst Teichem musikalischem Wissen, bereits langjährigen kantoralen Erfahrungen, verschafften Ihnen jene achtunggebietende Stellung, die Sie selbst unter den Kantoren und auch außerhalb Deutschlands einnehmea In der hannoverschen Gemeinde haben Sie sieh xlurch die Eigenschaften und mit ihrem stets gleichbleibenden liebenswürdigen Wesen die Herzen von groß und klein gewonnen. In der richtigen Erkenntnis, daß zu einem vollkommen schönen Gottesdienst ein guter Chor gehört, waren Sie von Anfang an unablässig bemüht, dem Chor solche Kräfte zuzuführen, die denselben zu dem berühmtesten Deutschlands machten." Herr Oberkantor Alter, dessen Scheiden von Wien für viele seiner Anhänger schmerzlich war, zeigte, wie uns aus Hannover gemeldet wird, auch außerhalb des dortigen Gotteshauses, an dem er hervorragend als Oberkantor wirkt bei einem vor kurzem stattgefundenen Konzert wieder sein großes und vielseitiges Können und mußte sich am Schlüsse des Abends zu mehreren Zugaben verstehen. Verlobung. Sonntag, den 29. v. M., fand die Verlobung des Frl. Erna Schafranik mit Herrn Otto O e s te r r e icher, Sohn des Vorstandsmitgliedes der „Union deutschösterreichischer Juden" und des Vereines „Wohlfahrt" Herrrti Moritz Oesterredcher und seiner Gattin Hermine, geb. Deutsch, statt — Die Redaktion der „Wahrheit" gratuliert dem Brautpaar und! den Brauteltern aufs herzlichste. Barmizwahfeier. Samstag, den 28. November 1925, fand im großen Leopoldstädter Tempel die Barmizwahfeier des jüngeren Sohnes des Oberkantors Heinrich Fischer, des Studenten Sander Fischer, statt Es war nicht nur ein Ehrentag des kleinen Sandor, sondern auch ein Ehrentag für Oberkantor Fischer selbst, da es sich aus Anlaß der Feier in seiner Familie deutlich gezeigt hatte, wie groß die Beliebtheit und Wertschätzung ist, die sich Oberkantor Fischer in einer so kurzen Spanne Zeit bereits erworben hat. Unter den zahlreichen Festgästen sah man den Vizepräsidenten der Gemeinde Dr. Jakob Ornstein mit den Kultusvorstehern David Dohan, Edmund Hoffmann, S. Meister, in Vertretung des Bethausvorstandes Präs. A. Beck, Vizepräsident Doktor E. Münz, die Bethausvorsteher F. Den es, S. Ernst, Direktor J1. Habe(r, Kommerzialrat A. Landesbergar, G. Planer, I. Vogel, die Amtsdirektoren Dr. E. Adler und G. Fuchsgelb, Oberkantor B. Kaufmann, die Amtsleiter Freistadt Rosenfeld, Sekretär Meissner u. a. m. Nach alter jüdischer Sitte trug der Knabe die Paraschah wie den Prophetenabschnitt in der weihevollen traditionellen Art vor und es war tatsächlich ein Moment tiefster Symbolik, die uralten Worte der Schrift aus dem Mund einer jugendfrischen klaren Knabenstimme zu vernehmen. Herr Kantor Funke rezitierte sehr stimmungsvoll einen Mischeberach. Tiefen Eindruck machte auf alle Anwesenden die innige Rede des Herrn Rabbiner Dr. M. Grunwald, der dem Konfirmanden die Bedeutung dieses Tages in überzeugenden Worten erklärte. Vom Wochenabschnitt ausgehend, führte Dr. Grunwald dem kleinen Sandor vor allem die Liebe Jakobs zu seinem Elternhaus als leuchtendes Beispiel vor Augen und zeigte ihm, daß auch er allen Grund habe, sein Elternhaus zu lieben und zu schätzen, seinem Vater, dessen Lebenswandel ein mustergültiger sei, und seiner Mutter, einer echten jüdischen Hausfrau, nachzueifern. Herr Oberkantor Fischer sprach hierauf in klassischem Hebräisch den Segen auf seines Kindes Haupt. Am Nachmittag fand eine Familienfeier statt, bei welcher der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alois Pick die Glückwünsche der Gemeinde überbrachte. Nach einer vom Herzen kommenden Ansprache des Konfirmanden sprach Professor Nasche1 einige Worte. Die Feier, zu welcher sich eingefunden hatten: Herren des Bethausvorstandes, Prof. Dr. S. Kraus, für den Pazmanitentempel Nathan söhn und Ehrenfeld, für den Polnischen Tempel Spira und Gr üb er, für den IV. und V. Bezirk Dr. Petö und Wollner, für den IX. Bezirk Präsident Ignaz Glück, für den XX. Bezirk Preß burger, Amtsleiter Kraus, nahm einen animierten Verlauf und zeigte die Beliebtheit Oberkantor Fischers auch im Kreise seiner Kollegenschaft die sich unter Führung des Oberkantors Fränkel angefunden hatte. Todesfall. Frau Betti Kraus, geb. Blum, ist Samstag, den 28. d, M., im Alter von 85 Jahren gestorben und wurde Montag, den 30. d. M., unter zahlreicher Beteiligung ihrer Verwandten und Freunde zu Grabe getragen. Trauerfeier. Anläßlich der Aufstellung eines Gedenksteines am Grabe des Herrn Kultusvorstehers Isidor Schwarz s. A. findet Sonntag, den 6. Dezember 192S, um %\\ Uhr vormittags, auf dem Zentralfriedhofe, 3. Tor, eine Trauerfeier statt Ein Grabdenkmal für Karl Goldmark. Unter dem Vorsitze des Präsidenten der Kultusgerneinde, Undversitätsprofessors Dr. Alois Pick, hat sich ein Kreis kunstliebender Verehrer Goldmarks vereinigt, um dem Meister ein würdiges Denkmal zu setzen. Bildhauer Hegenbarth wurde mit seiner Ausführung betraut und hat es nun vollendet. Dienstag, den 8. d., um 10 UhT vormittags, findet auf dem Zentralfriedhof (1. Tor) die feierliche Enthüllung des Grabdenkmals und seine Uebergabe in die Obhut der Kultusgerneinde statt. Körperschaften und Vereine, die an der Feier teilnehmen wollen, werden ersucht, dies dem Komitee zur Errichtung des Grabdenkmals für Karl Goldmark, I., Seitenstettengasse 4 (Tel. Nr. 60-4-32), rechtzeitig bekanntzugeben. Jüdische Schachmeister. Am 9. v. M. ist bekanntlich in Moskau das Internationale Schachtournier eröffnet worden. Es; .selten der Fall, daß sich so viele hervorragende Meister der Schachwelt an einem Orte zusammenfanden. Uroß ist diesmal die Zahl der jüdischen Meister. In erster Reihe zu nennen ist der frühere Weltmeister Dr. Emanuel Lasker, dann Grünfeld aus Deutschland, Rubinstein aus Polen, Tartakower aus Frankreich, Spielmann aus der Tschechoslowakei, Löwenfisch aus Holland, Schitomirsky, Werlinsky, Rabinowitsch, Gotthilf und üjischensky aus Rußland. Gleich für die erste Runde wurden Dr. Lasker und der jetzige Weltmeister Capablanca als Partner ausgelost. Ihr Spiel dauerte zwei Stunden und endigte mit Remis. Als Lasker im Turniersaal erschien, wurden ihm seitens der anderen Meister große Ovationen bereitet Die illustrierte Kinderzeitschrift „Meine erste Zeitung" (Wien XIX., Billrothstraße 13, 1. Stock, Tür 41, S 2.—, Probeheft kostenlos) ist in ihren 16. Jahrgang getreten. Das uns vorliegende Heft zeigt wieder, mit wieviel Verständnis und liebevoller Sorgfalt hier gearbeitet wird. Das ist ein Blatt, das unseren Kindern in herzerfreuend frischem, kindlichem Ton nur Gutes und Gediegenes bringt, das sie in richtiger Art anzuregen, zu unterhalten und zu beschäftigen versteht. Diese Kinderzeitschrift kann allen Eltern als wertvolle und dabef wohlfeile Weihnachtsgabe auf das wärmste empfohlen werden. JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Deiailverkaut: Wien II.. Glockeneasse 24 Wien H.. Taborstraße 44