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Die Wahrheit · 1925-11-27 · Heft 47 (27.11.1925) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 47 (27.11.1925)
Date
1925-11-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 47 lesungen: Erklärung des Buches Hiob, Montag und Mittwoch, 6—7; More Nebuchim (IL Teil), jeden Montag, 7—8; Pentateuch (Wochen-Sidra), Samstag, 3—4. Herr Rechtsanwalt Dr. N. Goldstein: Juristische Erläuterungen zu Baba Kama, Perek Hagosel Ezim (Eigentumserwerb durch Spezifikation). Der geräumige Vortragssaal Hetzgasse 40 ist bei allen Vorträgen überfüllt. Ueber dringende Bitte von Institutsmitgliedern in Mariahilf hat Herr Dr. Kaminka vor kurzem einen seiner Vorträge im dortigen Bezirke abgehalten. Zahlreiche Teilnehmer aus anderen fernen Bezirken halten sich darüber auf, daß dem so segensreich wirkenden Institut nicht größere, im Zentrum gelegene Lokalitäten beschafft werden, um auf diesem einzig richtigen Wege die so dringend notwendige systematische Verbreitung der religiösen Ideen und der Ethik des Judentums zu fördern. Das Jubiläum der Handels- und Gcwerbekammer von Miskolcz. Sonntag, den 15. d. M. feierte die Handels- und Gewerbekammer in Miskolcz, einer der größten ungarischen Industrie- und Handelsstädte, das Jubiläum ihres 50jährigen Bestandes. Die Kammer, welche sich um den Aufschwung der ungarischen Industrie und die Intensivierung des ungarischen Handels große Verdienste erworben hat, war Gegenstand zahlreicher Ehrungen. Besonders aber wurde ihr verdienstvoller Präsident Herr Adolf N e u m a n n, der einer der angesehensten Bürger der Stadt ist, aufs herzlichste gefeiert,. zumal er gleichzeitig das Jubiläum des 30jährigen Bestandes seiner Firma feierte. Herr Adolf Neumann, der auch langjähriger Präsident der dortijr-n Chewra Kadischa und eines der angesehensten Mitglieder des dortigen Kultusvorstandes ist, erhielt von allen Seiten zahlreiche Glückwünsche und nicht nur alle Kreise der Stadt Miskolcz, sondern ganz Ungarn vereinigten sich, um ihn zu feiern. Aus der großen Zahl der Gratulationen, welche Herr Adolf Neumanri erhalten hat, erwähnen wir die folgende, die wegen der Persönlichkeit des Gratulanten einiges Interesse erwecken dürfte. Der Schreiber ist nämlich Herr Ladislaus M e 1 z e r, ein Schwager des Reichsverwesers Nikolaus H o r t h y und selbst ein bekannter ungarischer Politiker: „Mein lieber Adolf! Ich bedauere unendlich, daß es mir nicht möglich ist, an deinem schönen Festtage persönlich teilzunehmen, da ich für diesen Tag mit meinem Schwager, dem Herrn Reichsverweser, eine gemeinsame Fahrt nach Mezöhegyes vereinbart habe. Im Gedanken jedoch feiere auch ich das schöne Jubiläum deiner 30jährigen Tätigkeit in der Handelswelt aus vollem Herzen und bewundere den großen. Fleiß, die kaufmännische Anständigkeit, durch welche du dir die Hochschätzung deiner Mitmenschen erworben hast Gebe dir Gott noch viele Jahre Kraft und Gesundheit, damit deine Arbeitstätigkeit noch lange Zeit uns erhalten bleibe und schöne Früchte trage. Sei also nicht böse, daß ich aus obigem Grunde an deinem Freudentage nicht teilnehmen kann und. empfange die herzlichsten Grüße von deinem alten Freunde Ladislaus Melzer." Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien besprach am 2. diesjährigen Vortragsabend Herr Rabb. Dr. A; Z. Schwarz die Schätze, welche die Wiener Nationalbibliothek an hebräischen Handschriften, Talmud- und Bibeldrucken besitzt. Unsere Geschichte ist, wie der Gelehrte temperamentvoll ausführte, mehr als andere Resultate der Forschung aus der Literatur. Diese Forschung hat erst ungefähr um 1822 begonnen; dann erst konnte Geschichte geschrieben werden. Als verdienstvoller Verfasser des Katalogs der hebräischen Handschriften der Nationalbibliothek konnte der Vortragende interessante Schilderungen und Bemerkungen über die verschiedenen Schriftarten, den Bildschmuck, den Einband, die Autorschaft, die meist anonym blieb (!), besonders aber die Art der Erwerbung aus Konfiszierungen nach Plünderung und Vertreibung (1421) bieten. Es ist ihm u. a. der höchst bemerkenswerte Nachweis gelungen, daß man unschwer die verschiedenen Schriftformen nach dem Milieu, aus welchem sie stammen, zu erkennen vermag und er eröffnete die wertvollsten Perspektiven, nach welchen die Kenntnis der an diesem Orte angesammelten Literaturschätze aus dem Staube — und aus dem Ghetto herauszuführen vermag. Als wertvolle Ergänzung des Vortrages hat sich Rabb. Dr. Schwarz in liebenswürdiger Weise erbötig gemacht, sich einer Führung und Demonstrierung in der Nationalbibliothek für die Mitglieder des Vereines selbst demnächst anzuschließen. Maimonides-Institut. Herr.Ignacio Bauer, Chef des Bankhauses Bauer Cia in Madrid, der ein großer Verehrer des in Spanien im Jahre 1135 geborenen Philosophen Moses Mäimonides ist und vor einiger Zeit, anläßlich seines Aufenthaltes in Palästina bei den Universitäts-Feierlichkeiten die Anregung zur Errichtung eines würdigen Denkmals für den großen Denker gegeben hat, besuchte dieser Tage in Wien den Leiter des Maimonides-Institutes, Herrn Dozenten Doktor Armand K a m i n k a, und schlug ihm die Herausgabe seiner religions-philosophischen Vorträge nicht nur in deutscher, sondern auch in französischer oder spanischer Sprache vor. Zur Förderung der Bestrebungen des Instituts überwies er seinerseits demselben durch das Bankhaus S. M. von Rothschild einen Stiftungsbeitrag von 576 Schilling (400 Goldkronen). Baja (Südungarn). Es wird uns von dort berichtet: Unsere Gemeinde hatte, dank des Entgegenkommens des Herrn Heinrich Fischer aus Wien, drei erhebende Festtage zu verzeichnen. Die Kultusgemeinde der Ungarstadt, wo Oberkantor Fischer die Bürgerschule absolvierte, nahm seinen Aufenthalt im Vaterhause zur Veranlassung, ihn in einer Adresse zu bitten, den Feiertag- und Sabbatgottesdienst, und anknüpfend1 daran die Gedenkfeier am Sonntag, den 15. d. für den verew. Oberkantor B e r g e r in dem Tempel zu vollziehen, der seinerzeit den talentierten Knaben im Chor sah. Alle drei Tage war das große Gotteshaus von einer begeisterten Menge erfüllt und endlos waren die Ovationen, die alle Kreise dieser Stadt dem Gast darbrachten. Als Zeichen der Dankbarkeit überreichte der Kultusvorstand dem Oberkantor einen mächtigen Solberpokal, den er mit innigen Worten entgegennahm. Der Abschied Fischers wiederholte die lauten Ausdrücke der Verehrung seitens der geleitenden Menge und eine Dankadresse betonte, daß die durch Oberkantor Fischer bewirkten Weihestunden in Stadt und Gemeinde unvergeßlich bleiben werden. Verlobung. Samstag, den 21. d. M., fand die Verlobung des Fräulein Pauly Landesberg er, Tochter des Kommerzialrates Alfred Landesberger, mit Herrn Dr. Paul Geiger statt. Mit Rücksicht auf die Stellung der. Eltern der Braut in der Wiener jüdischen Gesellschaft und des Ansehens, das sich Herr Kommerzialrat Landesberger, der auch Mitglied des Bethausvorstandes ist, allgemein erfreut, wird diese Nachricht in den Kreisen seiner zahreichen Bekannten, Freunde und Verehrer aufrichtige Freude, erwecken. Die Redaktion der „Wahrheit" gratuliert dem Brautpaar und seinen Eltern auc, vollem Herzen. Moritz Mezei gestorben. Vor kurzem starb in Budapest im 90. Lebensjahre Moritz Mezei, eine der bekanntesten Gestalten des ungarisch-jüdischen öffentlichen Lebens im abgelaufenen Jahrhundert. Er stammte aus Satoralja- Ujhely, nahm sehr früh am politischen Leben teil und gehörte zu den Vorkämpfern für die Unabhängigkeit Ungarns. Mezei war der erste diplomierte jüdische Advokat inUngarn. Die damalige Kamarilla verweigerte ihm jedoch das Diplom, da er wegen seiner freiheitlichen politischen Betätigung zu einer halbjährigen Kerkerstrafe verurteilt worden war. Erst auf Intervention der Kaiserin Elisabeth wurde dem jungen jüdischen Advokaten das Diplom ausgefolgt. Mezei wurde bereits in den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts neben dem alten Grafen Julius Andrassy vom Zemplener Komitat als Ab.geordneter gewählt. Seit jener Zeit spielte .Mezei.in der ungarischen Politik eine hervorragende Rolle. Nach' dem Tode Moritz Wahrmanns wählte ihn der Budapester jüdische Wahlkreis zu-seinem Abgeordneten. Moritz Mezei hatte große Verdienste um die Emanzipa t ion der Juden in Ungarn; der Judenkongreß vom Jahre 1867 war zum großen Teile sein Werk, er war auch viele Jahre hindurch Präsident der neologen israelitischen Landeskanzlei. Moritz Mezei war bis zum Ausbruch des Krieges der Ratgeber liberaler. ungarischer Staatsmänner und . hat sich sowohl als hervorragender Jurist wie auch genauer Kenner des internationalen Handelsrechtes große Verdienste um das Aufblühen Ungarns erworben. Todesfall. Am 18. November d. J. wurde das älteste Mitglied der Chewra Kadischa Herrn David Färber im 92. Lebensjahre unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. In Vertretung der Chewra Kadischa waren die Herren Vorsteher Josef D o h a n und Amtsleiter Wilhelm Freistadt er^ schienen. Herr Rabbiner Dr. *T a g 1 i c h t hielt eine tiefemp-r fundene Trauerrede, in welcher er all die Tugenden des Ver-i ewigten würdigte. Die kantorale Funktion versah Herr Ober-: kantor Schleifer. i. Erklärung. Unter höflicher' Bezugnahme auf die beiden Notizen „Ein Elendsfair in Nr. 34 und 35 der „Wahrheit" bitte ich -hiermit um gefällige Richtigstellung dahän, daß ich mich tatsächlich über ausdrückliches Verlangen des Herrn Muschel, IL Gr.'Sperlgasse 41/8, wegen Unterstützung seiner Familie an die Oeffentlichkeit gewendet habe. Oskar Singer, II., Ferdinandstr. 17/11.

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