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Die Wahrheit · 1925-10-23 · Heft 42 (23.10.1925) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 42 (23.10.1925)
Date
1925-10-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Von Woche zu Woche Eine Schrifttafel Moses gefunden. Am 18. d. M. hielt der Münster Universitätsprofessor Grimme in Berlin einen aufsehenerregenden Vortrag über die Entdeckung einer Schrifttafel, die er Moses zuschreibt Ein englischer Gelehrter fand vor zirka zwanzig Jahren in einem alten ägyptischen Tempel im Sinaigebirge uralte Steintafeln mit unbekannten Schriftzügen. Die Tafeln und Inschriften wurden photographirt die Kopien nach Europa geschickt und nun ist 'es Profesor Griirane gelungen, einen Teil der Inschrift zu entzifffern. Er stellte fest, daß es sich um eine der hebräischen ähnlichen Sprache handelt und hat auf einer Tafel drei Zeilen gefunden, die ihm, wie er selbst sagte, das Herz stocken ließen. In diesen Zeilen dankt ein Tempeloberst und Pharaone dafür, daß sie ihn aus dem Kanal gezogen und zu hohen Stellen befördert haben und er nennt dabei selbst seinen Namen: „Moses". Oberrabbiner Dr. Chajes. Nach Zeitungsnachrichten soll Herr Oberrabbmer Dr. Chajes zum Leiter des Universitätsdepartements in Palästina designiert worden sein und dieses Amt bereits angetreten haben. Es sollen deshalb zwischen der zionistischen Partei und der Majorität des Kultusvorstandes wegen Erteilung eines einjährigen Urlaubes Verhandlungen stattfinden. Wir erfahren von wohlinformierter Seite, daß diese Nachrichten vorläufig jeder Grundlage entbehren, da Herr Oberrabbiner Dr. Chajes selbst noch keinen Entschluß wegen Antrittes dieses Amtes getroffen hat Es haben auch bisher keinerlei Verhandlungen zwischen den obgenannten Parteien stattgefunden. Jugendgottesdienst Der 1. Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend im Schuljahre 1925/26 findet am Samstag, den 24. Okaober d. J., um 3 Uhr nachmittags, in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen statt. Wieoer Bet-Hamidrasch (Wien, IL, Ferdinandstraße 23). Vorlesungen im Wintersemester 1925/26. Sonntag 5 bis 6 Uhr: Rabb. Lektor Dr. Gelbhaus, Siphre. 6—7 Uhr: Rabb. Lekt Dr. Rubin, Midrasch. Montag 7 bis 8 Uhr: Rabb. Lektor Dr. Rubin, Talmud. Dienstag 7 bis 8 Uhr: Rabb. Lektor Dr. Gelbhaus Historische Psalmen. Mittwoch 6 bis 7 Uhr: Rabb. Lektor Dr. Gelbhaus, Liturgie, besonders geeignet für Lehramtskandidaten und Kantoren. 7 bis 8 Uhr: Rabb. Lektor Dr. Rubin, More Nebuchim. Donnerstag 7 bis 8 Uhr: Rabb. Lektor Dr. Gelbhaus, Historische Psalmen. Samstag 4 bis 5 Uhr: Rabb. Lektor Dr. Rubin, Parascha der Woche. Sämtliche Vorträge sind öffentlich und für die Hörer unentgeltlich. Freiwillige Spenden und Zuwendungen von Zuhörern und sonstigen Freunden der Wissenschaft des Judentums zur Erhaltung des Instituts werden durch die Postsparkasse (Scheck-Konto 19a997) dankend in Empfang genommen. Dr. Josef T i c h o. Julius Haber. Das Maimonides-Institat hat am 14. d. M. sein zweites Wintersemester eröffnet. Nach einer Einleitung des Obmannes Hofrat Dr. Riesenfeld über die Ziele und Leistungen des Institutes zur „Erhaltung des Erbes Jacobs" beizutragen, sprach der Leiter, Rabbiner Dr. A. Kaminka über „die 13 Glaubensartikel, ihre Vorgeschichte und die Frage ihrer absoluten Geltung im Judentum". Das „Jigdal" enhält die von Maimonides in seinem Kommentar zur Mischna (l 158) aufgestellten Grundsätze unserer Religion; von Daniel ben Jehuda verfaßt, enthält es einige aus einem Gedicht des Immanuel Romi stammenden Verse fast wörtlich.! Schon frühzeitig hat sich die Kritik mit dem in das Gebetbuch aufgenommenen »»Ani maamint befaßt So konstatiert Ibn Daud mit Recht, daß es eine höhere philosophische Bildung voraussetzt Chisday Crescas und Josef Albo finden, daß bloß drei charakteristische Ideen im Judentum maßgebend seien: Das Dasein Gottes, die Offenbarung und die Vorsehung. Don Isak Abarbanel hält das „Ani maamin" ■icht für eine Aufsteilung der bindenden Lehren, sondern für eine Zusammensetzung dessen, wozu man sich bekennen muß, um auch dann aus der jüdischen Gemeinschaft nicht ausgeschlossen werden zu können, wenn man sonst sich versündigt. Moses Mendelsohn wendet sich im „Jerusalem" direkt dagegen, daß das Judentum einen Glauben lehre, es gibt daher auch keine Glaubensartikel. In der Liturgie wurde das „Schemas" dazu gemacht, was durch das daruf folgende „Enress" bekräftigt wird, nämlich zum Bekenntnis. Nun setzt der Vortragende in lichtvoller Weise den historischen Beweggrund auseinander, der Maimonides eigentlich zur Abfassung der „Grundsätze" veranlaßt hat; es war die politische Kampfweise der Almohaden, die" zu Maimonides Jugendzeit unter Ibu Tumar Cordoba erobert hatten und, wie Goldzieher beschreibt, unter Absingen von Bekenntnisstellen aus dem Koran ihre Schlachten eröffneten, welche es nötig erscheinen ließ, die Gleichheit gewisser Grundsätze des Islams und des Judentums und die Erhabenheit Moses als Propheten Mohammed gegenüber zu betonen. Auch Philo hat in seinem Werk über „die Weltschöpfung fünf Grundideen für das Judentum aufgestellt die sich mit denen des Maimonides decken. Bekannt ist die Zurückführung aller Grundsätze des Judentums auf einen durch Hillel. Geistvoll stellt Doktor Kaminka auch hier auf historischer Forschung fußend den Irrtum richtig der in der Uebersetzung von „ol regel achas" auf einem Fuß stehend" bezüglich des Proseliten beruht. Es bedeutet nämlich das „stante pede" nur ein „sofort", „unverzüglich", da der Heide glaubte, daß zur Einführung in das Judentum ebenso wie in die Mysterien anderer Sekten eine lange Zeit beansprucht werde. Eine bedeutsame Reduktion der wichtigsten Verbote hat das Konzil von Lydda b"ei drohender Lebensgefahr vorzunehmen gestattet, nämlich auf den Götzendienst, den Mord und die Unzucht; also nicht etwa wegen Uebertretung des Sabbath, der Beschneidung oder der Speisegesetze. Auch fe. Akiba, R. Asai, Bar Kapara und R. Simlai haben solche Reduktionen der angeblich 613 Ge- und Verbote vorgenommen; der Letztgenannte im Hinweis auf den 50. Psalm Davids, auf Kap. 33 von J e s a i a h, auf Micha und H a b a k u k. Der Eröffnungsvortrag bewies, daß das Institut auf dem richtigen Wege der Belehrung ersprießliches leistend fortschreitet und die weitestgehende' Förderung verdient. Med.-Rat Dr. H. Haase. Jüdischer Diskussions- und Studierklub. Es soll der in Wien ganz neue Versuch gemacht werden, gebildete junge Männer gesetzestreuer Gesinnung zu einem ihrer jeweiligen Vorbildung auf jüdischem Gebiete angepaßten, gruppenweisen Studium der jüdischen Wissenschaften auf politisch neutralem Boden zusammenzufassen, und zwar soll dies durch Diskussior.sabende für die Vorgeschrittenen und Kurse für Anfänger geschehen. Der erste Diskussionsabend wird Samtag, den 24. Oktober, um 8 Uhr im Restaurant Deutsch, Wien IL, Herminengasse 10 (Ecke Franz Hochedlingergasse) durch einen Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Wundermann über die agadischen Teile des Talmud eröffnet werden, zu dem möglichst viele Interessenten hiermit eingeladen werden. Barmizwahieier. Samstag, den 17. (Sabboth-Bereschi), fand im Bethausverein „Rasche Hilfe" die Barmizwähfeier des Studenten Otto Rosenblum, Sohn des Ehepaares Joachim und Cäcilie Rosenblum, geb. Kittenplion statt. Nach altjüdischer Sitte und der Tradition, der Familie gemäß, trug der von Herrn Julius C heiz er vorzüglich vorbereitete Knabe die Parschah wie den Prophetenabschnitt in der w'eihevollen Melodie vor, die von frischen Kinderlippen gesprochen, einen ebenso tiefen Eindruck auf die andächtigem Zuhörer machter wie sein mit großem Beifall aufgenommener Vortrag. Herr Rabbiner Moses H o r o w i t z mahnte in einer eindrucksvollen Ansprache den Barmizwanten, die guten Lehren und edlen Regungen, die er von seinen hochgeachteten Eltern empfing, ins Leben mitzunehmen. Der Vater des Barmizwanten sowie die gleichfalls zur Thora aufgerufenen Verwandten ünd Freunde der Familie spendeten bei diesem schönen Anlasse namhafte Beträge für Wohltätigkeitszwecke. Sie sehen einer sorgenfreien Zukunft entgegen, wen» Sie im Besitze eines Klassenloses sind, mit dem Sie den höchstmöglichen Treffer von S 750.000, das ist der enorme Betrag von lYt Milliarden Kronen erzielen können. Als Bezugstelle dieser Lose empfehlen wir unseren Lesern die allseits bekannte Geschäftsstelle J. Prokopp, Baden bei Wien, und liegen unserer heutigen Ausgabe Prospekte und Bestellkarten bei. Preis der Lose: xh S 4.—, K S 8.--r S 16.—, 1/1 S 32.—, Mikdas Meat Im Bethause, IL, Kleine Schiffgasse 8, finden jeden Samstag um 3 und 5 Uhr Midrasch-Vorträge des Räbbiners Dr. M. Wundermann statt Met Abonnenten für „Die Wahrheit"!

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