Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 40 (9.10.1925)
- Date
- 1925-10-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 40 DIE WAHRHEIT * Seite 11 seinerzeitigen Vereinbarungen entsprechende Besetzung dieser Stellen in Vollzug gesetzt werde. 4. Durch eine Zuschrift des Herrn Dr. Rudolf Schwarz- Hill er wurde die Aufmerksamkeit des Kultus Vorstandes darauf elenkt, daß der Bestand der israelitischen Kinderewahranstalt im XX. Bezirke, Othmargasse, aufs höchste gefährdet sei. Das Vertreterkollegiuni hat Erhebungen einleiten lassen und ist bemüht, Mittel und Wege zu finden, um geeignete Kreise für diese so wichtige Fürsorgeinstitution zu interessieren. Ueber die Ergebnisse dieser Bemühungen wird in der nächsten Sitzung berichtet werden können. 5. Seit vielen Jahrzehnten erhält der „Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" ein Lehrlingsheim im IX. Bezirk, Grüne Torgasse 26. Durch die Entwertung des Fondsvermögens und durch den Wegfall von Mieterträgnissen des dem Lehrlingshause vorgebauten Zinshauses, ferner durch den "Rückgang an Spenden und Mitgliederbeiträgen war der Verein nicht mehr in der Lage, das Heim in einem den Anforderungen des Zweckes und der Hygiene entsprechenden Zustande zu erhalten und es mußte die Zahl der Schützlinge bis auf ^zehn herabgemindert werden. Es bestand die Gefahr, daß diese alte und. bewährte Institution ihrem ursprünglichen Zwecke entfremdet oder aber geschlossen werden muß. Auf Intervention des Kultusvorstandes und der Vertreter der israelitischen Humanitätsvereine „Wahrheit" und „Massada" B. B. wurde mit dem gegenwärtigen Vereinsvorstande ein Uebereinkommen getroffen, wonach je drei Delegierte dieser Körperschaften in den Vereinsvorstand eintreten und die Wiederaufrichtung dieser Institution in Angriff nehmen sollen. Vom Kultusvorstande wurden der Obmann der Fürsorgekommission, Herr Emil Engel, der Obmann der Jüdischen Jugendfürsorge, Herr Dr. Low, und der Erste Sekretär der israelitischen Kultusgemeinde. Guido Fuchsgelb in den Vereinsvorstand delegiert. Es wird nun die Fusionierung mit dem in Baracken untergebracht gewesenen Lehrlingsheim des Vereines „Zukunft" in Baumgarten durchgeführt, das Heim in der Grünen Torgasse einer gründlichen Renovierung unterzogen, zur Erhöhung des Fassungsraumes ein Stockwerk aufgesetzt und so eine Heimstätte für 71 jüdische Lehrlinge geschaffen. Von den israelitischen Humanitätsvereinen „Wahrheit" und „JCAassada" wird ein Großteil der erforderlichen Kosten aufge- * Wacht werden. Seitens des Präsidiums der Kultusgemeinde ist für die erwähnten Zwecke ein Darlehen von S 5000.—, rückzahlbar innerhalb sechs Monaten nach der Inanspruchnahme in Aussicht gestellt worden. 6. In Rücksicht auf den bevorstehenden Bau der neuen Zeremonienhalle am Neuen Friedhofe mußte wegen Bestimmung der Baulinie und der Straßenhöhe mit dem Magistrat und den städtischen Aemtern ein Uebereinkommen getroffen werden. Die bezüglichen Verhandlungen, bei welchen das Mitglied des Kultusvorstandes Herr Emil Engel in Vertretung des Kultusvorstandes intervenierte, haben zu einem befriedigenden Ergebnisse geführt und es hat das Vertreterkollegiüm den von den städtischen Aemtern an die Gemeinderatsausschüsse zu stellenden Antrag zur Kenntnis genommen'. 7. Das Vertreterkollegium ließ sich in seiner Sitzung vom 9. September 1925 über die Gebarungsergebnisse der Periode vom 1. Jänner bis Ende August 1925 Bericht erstatten. Tn dieser Zeit haben die gesamten Einnahmen der Kultusgemeinde S 2,825.365.—, die gesamten Ausgaben S 2,569.157 betragen, so daß sich für diese Periode in der laufenden Gebarung ein Abgang von S 43.792.— ergeben hat. Im großen und ganzen konnte der Rahmen des Budgets eingehalten werden. Das Präsidium hat die erforderlichen Maßnahmen getroffen, damit das Mahnverfahren hinsichtlich der rückständigen Kultussteuer pro 1925 mit größter Beschleunigung durchgeführt werde. Dadurch war es möglich, die Steuereingänge so zu heben, daß bis zum 1. Oktober 1925 die Inanspruchnahme eines Konto-Korrent-Kredites nicht erforderlich war. Mit 1. Oktober sind die Kassenbestände und Guthabungen erschöpft,, so daß fortlaufend der Einbringlichmachung der Steuerrückstände ein stetes Augenmerk zugewendet werden muß. 8. Ueber Auftrag des Präsidiums und unter Zustimmung des Vertreter-Kollegiums wurden an,alle Kommissionen und Aemter der Kultusgemeinde Weisungen erlassen, um die Fertigstellung des Voranschlages für das Jahr 1925 in der ersten Novemberhälfte zu ermöglichen. Der Kultusvorstand wird daher in der Lage sein, sich in der zweiten Novemberhälfte mit der Verabschiedung de? Voranschlages ^u befassen. 9. Ueber Ersuchen des israelitischen Humanitätsvereines „Wahrheit B. B.", der die Patronanz über die „Mens-a academica judaica" führt, hat das Vertreter-Kollegium Herrn Kultusvorsteher Justizrat Dr. Adler in das Kuratorium dieser Institution delegiert 10. Gelegentlich der Restaurierung der Präsidialräume hat sich auch die Herrichtung der Sitzungsräume dringend erforderlich erwiesen. Ganz besonders mußte durch die Schaffung zweier Kommissionszimmer der Uebelstand beseitigt werden, daß Sitzungen mangels verfügbarer Räume unterbleiben. Hierfür war ein Nachtragskredit von S 4661.— erforderlich, den das Vertreter-Kollegium genehmigt hat. 11. Die mit S 1200.— p. M. vom Kultusvorstande bewilligte Subvention für das Israel. Religionslehrer- Seminar wurde vom Vertreter-Kollegium ab 1. September bis zum Ende dieses Verwaltungsjahres in dem gleichen Ausmaße zuerkannt. 12. In Anbetracht von Reklamationen über das Knarren der Böden der Galerien des Leopoldstädter- Tempels hat das Vertreter-Kollegium das Technische Amt mit der schleunigsten Durchführung von Abhilfemaßnahmen betraut und die erforderlichen Kosten votiert. 13. Der „Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge4* wurde für die Erstattung von Vorschlägen für eine Reorganisation der Zentralstelle gelegentlich der Weiterbewilligung der Subvention eine Frist bis Ende Oktober 1. J. gestellt. 14 Das Vertreter-Kollegium hat schließlich die befriedigenden Berichte der Herren Vizepräsidenten über die I nspizierungen der Aemter der Kultusgemeinde, ferner fallweise erstatteten Revisionsberichte des Rechnungsdirektors Petersilka zur Kenntnis genommen. Vizepräsident Dr. Löwenherz berichtet über temporäre Betveranstaltungen anläßlich der hohen Feiertage. In diesem Jahre haben in 77 Lokalen aus Anlaß der hohen Feiertage temporäre Betveranstaltungen stattgefunden. Hiervon waren veranstaltet: J 8 vom Kultusvorstand und den Bethaus.vorständen der Kultusgemeinde, 55 von Bethaus- und humanitären Vereinen, 14 von Privatunternehmern. Nach dem Ergebnisse der behördlichen Kommissionierungen war in diesen Minjamin für 25.000 Personen Raum. Die 59 in Wien bestehenden ständigen Bethäuser weisen einen Fassungsraum für 18.900 Personen auf, so daß 44.400 Betsitze verfügbar waren. Durch den Kultusvorstand und die Bethausvorstände wurden unentgeltlich Betsitze an Mittel- und Hochschüler, an jüdische Invalide, an Chaluzzim, an verarmte Gemeindemitglieder usw. abgegeben. 4500 Gratiskarten gelangten so zur Verteilung und es ist weder in der Zentrale, noch in den anderen Ausgabestellen efin Unbemittelter mit seinem Begehren um eine unentgeltliche Einlaßkarte abgewiesen worden. Außer den angeführten 77 Minjamin sind 19 Veranstaltungen von Hausandachten dem Kultusvorstand ordnungsgemäß angezeigt worden. Das Minjamin-Komitee, weUhes unter Zuziehung von Delegierten der Bethausvorstände, der Bezirkskommissionen und der Tempelvereine die eingebrachten Ansuchen um Minjaminbewilligungen prüfte, hat in 11 Fällen wegen Nichtzutreffen der erforderlichen Voraussetzungen die Ablehnung beschlossen. Von 6 Parteien wurden Rekurse eingebracht. In zwei Fällen konnte dem Rekurse stattgegeben werden, weil inzwischen die Umstände, welche für die erste ablehnende Entscheidung maßgebend gewesen sind, in Wegfall gekommen waren. Die Ergebnisse des Betsitzkartenverkaufes in den Gemeindetempeln, ganz besonders aber für den Leopoldstädter Tempel, haben erwiesen, daß die Kultusgemeinde durch manche Minjaminveranstaltungen, deren Anpreisung in unwürdiger und unzulässiger Weise vor sich geht, auch finanziell empfindlich geschädigt wird. Das Bestreben des Kultusvorstandes wird daher darauf gerichtet sein müssen, möglichst zahlreiche Minjaminveranstaltungen durch die Kultusgemeinde, bzw. die Bethausvorstände durchführen zu lassen, die Erteilung der Bewilligung an Privatunternehmer tunlichst zur Gänze auszuschalten und nur jenen Vereinen Minjaminbewilligungen zu erteilen, bei welchen auf Grund der gemachten Erfahrungen die Gewähr besteht, daß die Veranstaltung tatsächlich einem lokalen Bedürfnisse entspricht, t