Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 37-38 (18.9.1925)
- Date
- 1925-09-18
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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prachtvolle Stimme des Oberkantors mit den hellen und rein erklingenden Knabenstimmen zu einem Hymnus vereinigte, in welchem die Liebe Gottes für sein Volk gefeiert wird, dem Gott die Thora gegeben hat. Todesfälle. In Linz verstarb am 5. d. M. Frau Albine Schwager, Gattin des all verehrten Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Linz Herr Benedikt Schwager, und wurde am 8. September 1. J. auf dem israelitischen Friedhofe in Linz beerdigt Die Verblichene erfreute sich in allen Kreisen der Bevölkerung ungeteilter Sympathien. Die Beteiligung am Leichenbegängnisse gab Zeugnis, welche Wertschätzung das Ehepaar Schwager in Linz genießt Eine fast unabsehbare Menge von Trauergästen fällte den Friedhof, und zahlreiche Deputationen von humanitären und wirtschaftlichen Korporationen kondolierten schriftlich und mündlich. Der Verblichenen hielt Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Viktor K u r r e i n einen ehrenvollen und sichtlich ergreifenden Nachruf, indem er dem Wirken der Verklärten und den Verdiensten ihres Gatten die gerechte Würdigung zuteil werden ließ. Die kantoralen Funktionen versahen Oberkantor Löwensohn und Kantor Piskaty in gewohnter exakter Weise. Mit dem Gatten trauern vier Kinder um die unvergeßlich Verblichene, von denen Herr Karl Schwager zurzeit in Palästina weilt. — Am 13. d. M. wurde unter außerordentlich großer Beteiligung Frau .Rosa Neumann zu Grabe getragen. Sie war eine wahrhaft jüdische Frau, eine Esches Chajil, die ihr ganzes Leben dem Glück ihrer Familie und der Wohltätigkeit widmete. Die Verewigte betrauern der untröstliche Gatte Herr Philipp N e u m a n n, die Kinder Martin und Fritz Neumann, Bella Hübscher, geb. Neumann, Hilde Springer geb. Neumann, die Schwiegersöhne Rudolf Hübscher und Emanuel Spjrinße/r, Enkeikfinideri, Geschwister und viele Verwandte. Herr Rabb. Dr. M. J. Bach hielt eine zu Herzen gehende Trauerrede, in welcher er all die lugenden der Verewigten würdigte. Die kantoraJe Funktion versah Herr Oberkantor Rudolf K o g a n. Kunst und Kunstgewerbe beim 14. Zionisteu-Kongreß. Die mit dem Kongreß verbundene Palästina-Ausstellung fand bei allen Kongreßteilnehmern lebhaftes Interesse. Der erste Sali bot durch moderne, Landschaften und Bildnisse einen Ueberblick über die Leistungen der dortigen Künstler. Im nächsten Raum waren die Feld und Gartenbauprodukte ausgestellt, daneben das Kunstgewerbe. Die Bezalel-Schule hatte ihre zierlichen Arbeiten in Vitrinen untergebracht Die früheren Schüler, nun selbständige Meister, stellten Metallarbeiten, geschnittene Kameen usw. aus. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die Kultusgeräte aus Filigran, wie Thoraschmuck, Psembüchsen, Mesusen. Der Verband jüdischer Frauen und mehrere Jerusalemer Firmen zeigten die feinen Nadelspitzen, geflochtene Körbchen, gestickte Kinder- und Damenkleider in schöner Farbenstimmung. Im oberen Stockwerk hatte der Verlag L ö w i t alle Neuerscheinungen an jüdischen Büchern und Kunstmappen in vornehmer Weise ausgestellt. In einer Vitrine sah man kostbare alte Werke, der Raum war mit moderner jüdischer Plastik und Malerei geschmückt. Von den übrigen Ausstellern wäre der Verlag „Aufbau" zu erwähnen, sowie die Plaketten von Kretschnter, während Taschentücher mit Herzl-Bildnis wohl zu geschmacklosen Entgleisungen zu rechnen sind. Viel Beachtung fanden die künstlerischen Kultusgeräte und Kultushandarbeiten der Kunstgewerbestube Freudenthal. Man hielt die Arbeiten zunächst für „Bezalel" und war dann erstaunt, gutes jüdisches Kunstgewerbe aus Deutschland und noch dazu aus Breslau vorzufinden. Berichtigung. In dem Aufsatze „Jüdische Kunst" in der Festnummer 32/33 vom 17. August 1. J., 2. Spalte, 1. Zeile von unten, ist ein Satz ausgefallen, den wir nachstehend berichtigen Es soll dort heißen: Nicht anders ist es mit dem romanischen Stil. Und darum wird jeder usw. Der jüdische Frauenverein für den 2. Bezirk steht vor leeren Kassen! Neun Jahre hat der Verein im Dienste der Armen des 2. Bezirkes redliche Arbeit geleistet. Unser Bezirk ist an jüdischen Bewohnern und zugleich an jüdischen Armen der reichste, an jüdischen Reichen der ärmste Wiens. Trotzdem wurde Unzähligen durch uns geholfen. Man schaffte ihnen Brot, Kleidung, Heizung, Kurbeiträge, bewahrte sie vor Delogierung usw. Von Jahr zu Jahr wuchsen die Anforderungen an unseren Verein. Die Spenden flössen ihm aber nicht in gleichem Maße zu. Jetzt haben sie so gut wie aufgehört. Wir müssen unsere Arbeit einstellen, wenn uns nicht ehestens größere Beiträge zur Verfügung stehen. Darum bitten wir alle, die für das jüdische Elend im 2. Bezirk ein fierz haben, uns aus Anlaß der Feiertage Spenden zuzuwenden nnd unser Mitglied zu werden. Die mindeste jährliche Mitgliedsleistung beträgt nur 8 3.— Klara Kaminka Marie Rflbner Margarete Grunwald Präsidentin Vizepräsidentinnen Schriftführerinnen Stephanie Schein Sophie Mandl Geldsendungen nehmen entgegen: Natalie Beran Anna Fischer I., Burgring 1 Sanitätshaus II., Taborstr. 22 Kassierinnen und die Redaktion der „Wahrheit", II., Heinestraße 13, Postscheckkonto des Vereines 185.517