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Die Wahrheit · 1925-08-28 · Heft 34 (28.8.1925) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 34 (28.8.1925)
Date
1925-08-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 34 ■ Von Woche zu Woche Baron Edmond de Rothschild, der große jüdische Philantrop, hat, wie aus Paris gemeldet wird, seinen achtzigsten Geburtstag im Kreise seiner Familie in stiller Zurückgezogenheit begangen. Aus der französischen Judenheit sind dem Jubilar zahlreiche telegraphisch und brieflich übermittelte Glückwünsche der jüdischen Gemeinden, Rabbinate und Organisationen zugegangen. Auch aus der ganzen jüdischen Welt langten Glückwünsche ein. Aus Jerusalem lief ein Telegramm ein, welches „An den Vater des jüdischen Jischuw in Erez Israel" adressiert war und in welchem ausgedrückt wird, daß die gesamte Judenheit Palästinas diesen Tag als ein Fest begeht. Empfang in der Wiener Kultusgemeinde. Dienstag, den 25. d, M., wurden das Präsidium des Zionistenkongresses und die hervorragendsten Mitgliederder Exekutive und der Kongreßleitung als Gäste des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde im Gemeindehause empfangen. Ungefähr 200 führende Persönlichkeiten der jüdischen Oeffentlichkeit, u. zw. die Obmänner der Bezirkskommissionen, die Vorstände sämtlicher Tempel vereine Wiens, alle in Wien anwesenden Gemeinde- und Vereinsrabbiner mit Oberrabbiner Prof. Dr. C h a j e s an der Spitze, Delegierte des österreichischen Kantorenvereines und der Wohlfahrtsanstalten der Gemeinde, die Chefredakteure vieler jüdischer Zeitungen, die Vorstände mehrerer Logen des U. O. B. B., bedeutende jüdische Künstler, Gelehrte und Männer des öffentlichen Lebens waren erschienen. Es war ein Gesellschaftsbild ersten Ranges, und wenn man die festlich ausgestatteten und neu adaptierten Empfangsräume der Gemeinde, welche in einem Lichtmeer erstrahlten, überblickte, mußte sich einem unbedingt das Gefühl der Dankbarkeit denen gegenüber aufdrängen, welchezum Gelingen dieses würdevollen, Abends beigetragen haben. Man kann mit Recht sagen, es war ein Ehrentag nicht nur für die israelitische Kultusgemeinde, sondern für die gesamte Wiener Judenschaft. Alle in Wien weilenden Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde hatten sich ohne Unterschied der Partei eingefunden. Den Empfang leiteten der Präsident Univ.-Prof. Dr. Alois Pick und Vizepräsident Dr. Josef Löwenherz mit ihren Gemahlinnen, unterstützt durch die Oberbeamten der Gemeinde unter Führung des I. Sekretärs Guido Fuchsgelb, dem für das geschmackvolle Arrangement des Abends ein ganz besonderes Lob gebührt. Der Bethausvorstand war durch Herrn Vizepräsidenten Dr. E. Münz vertreten. Gegen 10 Uhr abends erschienen Prof. Dr. Chaim Weizmann, Präsident der zionistischen Weltorganisation, in Begleitung von Nahum Sok o 1 o w, Präsident der Exekutive, mit seiner Familie, der Präsident des Keren Kajemeth Menachem, U s s i s c h k i.n, Doktor Halpern, Dr. Feiwel und Israel Cohen. Außerdem waren zu sehen der Vizepräsident der Berliner jüdischen Gemeinde Dr. K1 e e, die Senatoren Dr. Leon Reich und Doktor Rotenstein und viele andere. Prof. Dr. Pick begrüßte dje erschienenen Gäste, vor allem das Präsidium des Kongresses in der ihm eigenen Hebenswürdigen Weise und betonte, daß es das erstemal ist, daß in diesem, dem Wohle der gesamten Wiener Judenschaft gewidmeten Räumen ein Empfangsabend stattfindet. Er hob hervor, daß die Wiener Kultusgemeinde die Chaluzimbewegung seit mehreren Jahren unterstützt und auch anläßlich der Eröffnung der Universität in Jerusalem einen bedeutenden Betrag dem Wiederaufbau des Heiligen Landes gewidmet habe, und erwähnte schließlich, 9 daß die aus Erez Jisroel nach Wien kommenden Kranken im Spital der israelitischen Kultusgemeinde stets mit .besonderer Aufmerksamkeit behandelt werden. Er zollte den Leistungen der Pioniere im Heiligen Lande seine Bewunderung und sagte am Schlüsse seiner vortrefflichen, mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen, daß er sich glücklich schätze, die Führer dieser segensreichen Bewegung namens der Wiener Judenschaft begrüßen zu können. Prof. Dr. Weizmann dankte sichtlich gerührt für die warmen Worte der Begrüßung und sagte, daß er sich besonders freue, daß im Kreise der Wiener Judenschaft Interesse für ein Werk vorhanden sei, das in der Geschichte einzig dastehe und den Wiederaufbau eines seit Jahrtausenden verödeten Landes bezwecke. Er sehe die Zeit nicht mehr ferne, wo alle Juden der Welt an diesem Werke mitzuarbeiten gewillt sein werden. Er danktd schließlich dem Präsidenten der Gemeinde für die bisherige werktätige Förderung. Nachum S o k o 1 o w hielt sodann eine geistessprühende Rede, in welcher er der Wiener Judenschaft den Dank des Kongresses für die freundliceh Aufnahme aussprach und betonte, daß er es für besonders bedeutungsvoll halte, daß der XIV. Zionistenkongreß, "welcher vielleicht einen Markstein der zionistischen Bewegung darstelle, gerade" in jener Stadt tage, von welcher die Idee des Zionismus ausgegangen sei und die stets mit dem"~unvergeßlichen Namen Theodor Herzls verbunden bleiben werde. Dieser Bahnbrecher der Bewegung habe einst die Parole ausgegeben, die Wiener Kultusgemeinde zu erobern, allerdings nicht mit den Waffen, sondern mit dem Stimmzettel in der Hand. £r freue sich, nun feststellen zu können, da§ nach dem warmen Empfang, welcher der Kongreßleitung zuteil wurde, zu schließen, statt der Eroberung eine Verständigung eingetreten sei. Nach der, reichlichen Bewirtung der Festgäste durch die Gemeindevertretung erhöhten erstklassige künstlerische Darbietungen den Glanz dieses gelungenen Abends. Der Wiener Meistersänger Viktor Heim brachte einige Wiener Lieder in hervorragender Weise zum Vortrage, der junge Klaviervirtuose Robert Golds arui entzückte die Anwesenden durch sein vortreffliches Spiel und das Ehrenmitglied des Deutschen Volks.theaters Theodor Weiss erntete für seine ernsten und heiteren Vorträge ebenso wie die anderen Künstler stürmischen Beifall. Die Festgäste blieben bis in die späten Nachtstunden in angeregter Unterhaltung beisammen. Barmizwahieier. Samstag, den 15. August, fand in der Badener Synagoge die Barmizwahieier des Kurt Regner, Sohn des im Orte überaus beliebten und angesehenen Herrn Moritz Regner und seiner Frau Klara statt. Der Konfirmand, der in vorbildlicher Weise die Haftorah zum Vortrage brachte, wurde von Herrn Oberrabbiner Reich aufgefordert, in den Bahnen seines um das Judentum hochverdienten Vaters zu wandeln. An die Feier im Gotteshause schloß sich noch eine intime Feier im Hause der Eltern des Barmizwanten, bei der viele Freunde und Bekannte der Familie anwesend waren. Silberne Hochzeit. Mittwoch, den 26. d. M. feierte Herr Fürsorgerat Moses Friedmann das Fest der silbernen Hochzeit mit seiner Frau Ernestine geb. Rosenbaum. Herr Friedmann ist der Begründer und Obmann des humanitären Vereines „Die Neutraer" in Wien. Todesfall. Am 18. d. M. verschied nach langem Leiden im 47. Lebensjahre der bekannte Zuckerbäcker Herr Berthold Stein. Der Verblichene, der eine untröstliche Gattin hinterläßt, war speziell in der Leopoldstadt ob seines Rechtlichkeitssinnes sehr geschätzt, wie man ihn auch wegen seiner Rastlosigkeit überall rühmte. Todesfall. Freitag, den 31. Juli, wurden in St. Pölten Herr Emil und Frau Wilhelmine Großman, die bei einem Autounfall verunglückten, unter Beteiligung einer überaus zahlreichen Trauergemeinde, beerdigt. In Vertretung des erkrankten Herrn. Rabbiner Dr. Schächter fungierte Herr Rabbiner Dr. Taglicht, welcher eine tief ergreifende' und formvollendete Trauerrede hielt, die der Trauergememde aus dem Herzen gesprochen war. Er betonte die selten treue Pflichterfüllung, das innige Familienleben des Direktors Emil Großman, der nicht nur ein Freund der Arbeit, sondern auch ein Freund der Arbeiter war. der immer die heute hart gegeneinander stoßenden Gegensätze zu mildern verstand, was die Arbeiterschaft auch bestätigt. Die kantorale Funktion versah mit gewohnter Meisterschaft Herr Öberkantor Zimmerspitz. In wehmütiger Erinnerung schied die große Schar von den Gräbern. In der am 30. Juli stattgefundenen Sitzung der Kultusvertretung widmete Kultusrat Julius Kohn gehaltvolle Worte des Gedenkens dem auf so tragische Weise verstrobenen Ehepaar. Direktor Emil Großmann war dreißig Jahre Mitglied der Kultusgemeinde und ist seinem Judentume stets treu geblieben. J. K. Aerztliche Nachricht. Dr. Sigismund Bauer ist von seinem Urlaub zurückgekehrt und hat seine homöopatischebiochemische Ordination für sexuelle und Nervenkrankheiten Wien, 1. Tuchlaüben 18, wieder aufgenommen. Telephon: 67-7-23. Oberkantor Ephraim Rowinsky in Svaty-Jur (Slowakei) wurde in gleicher Eigenschaft von der Gemeinde Colmar' (Frankreich) gewählt. Mikdas Meat. Im Bethause. Kleine Schiffgasse 8, finden: Samstag um 5 und halb 7 Uhr Vorträge über den Wochenabschnitt statt. Vortragender Rabbiner Dr. Wundermann.

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