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Die Wahrheit · 1925-08-28 · Heft 34 (28.8.1925) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 34 (28.8.1925)
Date
1925-08-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Österreichische Wochenschrift ihr jüdische Interessen Nif dem Beiblatt: YerMientttchunäen der ..Union dentschösterreithisdier Jaden Redaktion und Administration . Wl<es» ML. M«5iM»«S»<r€»0« 13. - Fernruf 42-2-16 XLI. Jahrgang Wien, 2S. August 1925 Nummer 34 Bings um den Zionistenkongreß. Am 18. August* wurde in Wien der XIV. Zionistenkongreß eröffnet. Dieses Ereignis, von weiten Kreisen ebenso enthusiastisch begrüßt, wie von den Judenfeinden in allen Lagern mit Erbitterung aufgenommen, stellt einen Markstein in der Geschichte der zionistischen Bewegung dar. Die zionistische Bewegung ist eine Zivilisationsbewegung, denn heimatlosen Menschen ein neues Heim zu schaffen, ein zweitausend Jahre lang verwüstetes Land wieder zu besiedeln und europäische Kultur in den Orient zu verpflanzen, ist eine eminent zivilisatorische Tätigkeit. Es nimmt daher nicht Wunder, wenn zivilisierte Menschen aller Völker und aller Länder diese Bewegung mit Sympathie begleiten und die Fortschritte in der Aufbauarbeit mit Interesse verfolgen. Aus diesem Grunde sind die Augen vieler Millionen Menschen in diesen Tagen auf Wien gerichtet und zahlreiche ausländische Zeitungen haben ihre Berichterstatter hierher entsendet, um über die Vorgänge auf dem Kongreß rasch informiert zu werden. Auch viele Fremde weilen nebst den hunderten zionistischen Delegierten und Funktionären aus allen Ländern in den Mauern unserer Stadt, die durch ihre zentrale. Lage und den Ruf besonderer Gastfreundlichkeit zur Kongreßstadt prädestiniert erscheint. Doch welches Schauspiel bot sich den in Wien weilenden Fremden und welches sind die Eindrücke, über welche die ausländischen Journalisten ihren Zeitungen zunächst berichten konnten? Könnten wir es einem angelsächsischen Pressevertreter etwa für übel nehmen oder als besondere Uebertreibung hinstellen, wenn er den Auftakt zum Kongreß etwa folgendermaßen in knapper Form geschildert hätte: In Wien werden Schlachten geschlagen. Die. Stadt gleicht einem Heerlager. Die wichtigsten Gebäude sind von starken Wachekordons umringt. Berittene Polizeieskadronen sprengen durch die Straßen der Stadt. Der Verkehr ist eingestellt. Das Innere der Stadt ist wie ausgestorben . . . Warum? Weil bei uns in Wien Lausbuben und Strolche, wie es solche in jeder Großstadt massenhaft gibt, „Politik" treiben wollen, indem sie ihrer „Gesinnung" mit Stöcken, Messern und Pflastersteinen lauten Ausdruck geben. Doch niemals würden 'derartige Elemente, die den Abschaum der Menschheit darstellen, eine solche Bedeutung erlangt haben, wenn nicht skrupellose Hetzer, denen kein Mittel zu schlecht ist, um ihre dunklen Pläne durchzusetzen, diese Individuen mißbrauchen würden und nicht eine allzu milde Handhabung der staatliehen Machtmittel die systematische Verhetzung, welche bereits seit Monaten betrieben wird, erleichtert hätte. Erst im letzten Moment wurde an maßgebender Stelle erkannt, welch namenlosen Schaden die Ehre und das Ansehen unserer Stadt erleiden müßte und wie sehr ganz Oesterreich vor aller Welt bloßgestellt würde, wenn es nicht gelänge, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Dies ist der Grund, warum Wien am Montag und Dienstag der vergangenen Woche einem Heerlager glich und das früher Versäumte nunmehr durch doppelte Energie nachgeholt werden mußte. Es war notwendig, allen, die es nicht auf gütlichem Wege begreifen wollten, durch die Anwendung der schärfsten Maßnahmen klar zu machen,, daß Wien seinen guten Ruf nicht durch Hakenkreuzler, Lausbuben und Banditen beschmutzen und seine Würde durch eine zügellose Horde von Radaumachern vor aller Welt in den Kot zerren lasse. Und in der Tat ist es auch der Polizei gelungen, weit größere Schmach und Schande von unserer Stadt abzuwehren und jeder gute Oesterreicher, jeder Wiener, der seine Vaterstadt liebt, wird den Wächtern der öffentlichen Ordnung und insbesonders dem Polizeipräsidenten Dr. Hans Schober Dank wissen für die Entschlossenheit ihres Auftretens. Es ist sicher nicht zu viel gesagt, wenn wir behaupten: Sie haben den guten Ruf Wiens, soweit dies noch möglich war, gerettet. Leider war die gleiche Entschlossenheit, wie sie die Wiener Polizei gezeigt hat, auf Seite der österreichischen Regierung nicht zu beobachten. Denn während diese auf der einen Seite die Wahl Wiens zur Kongreßstadt warm begrüßte und sich bemühte, alle Bedenken der zionistischen Exekutive bezüglich des ungestörten Verlaufes des Kongresses zu zerstreuen, hat sie anderseits nicht nur fast nichts getan, um die Unruhestifter unschädlich zu machen, sondern auch noch knapp vor Eröffnung des Kongresses eine Haltung gezeigt, die durch ihre Zweideutigkeit den Kongreßsprengern und Terroristen den Rücken steifte. Diese eigentümliche Stellungnahme wird den nicht wundern, der die Strömungen und Stimmungen innerhalb der eigentlichen Regierungspartei, nämlich der Christlichsozialen kennt, woselbst ein einflußreicher Flügel die guten Absichten eines Ramek durchkreuzt. Weder wohlgeformte Regierungserklärungen noch schöne Begrüßungsansprachen werden uns darüber hinwegtäuschen, daß die christlichsoziale Partei nach wie vor antisemitischen Charakter besitzt und daß es viele einflußreiche christlichsoziale Politiker gibt, die eine Einbuße an allgemeinem Vertrauen in der Welt leichter verschmerzen als eine Einbuße an An-

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