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Die Wahrheit · 1925-08-17 · Heft 32-33 (17.8.1925) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 32-33 (17.8.1925)
Date
1925-08-17
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Veröffentlichungen ■Ii' der „Union deutschösterreichischer Juden" Wien IX. Berggasse 4 Postsparkassen - Konto Nr. 9464 Telephon Nr. 19-2-77 Pro domo. „Unduldsamkeit .ist furchtbar, und wehe den Geschlechtern,'die bei fortgeschrittener Bildung zur Entwicklung der höchsten Güter berufen, den fanatischen, fluchbeladenen Predigern des Glaubenshasses, den schrecklichsten Geißeln der Menschheit Gehör geben!" So spricht Johann Wilhelm L o e b e 11 in seinem „Gregor von Tours". Mit solchen Aussprüchen sollten wir Juden auf unsere unterschiedlichen Gegner nicht zu wirken versuchen. Sie werden den hohen und wahren Sinn derartiger Sentenzen nimmer verstehen. Nun wollen wir uns aber mit dem, was wir unter die obige Devise gesetzt haben, nicht an unsere Gegnerschaft wenden, vielmehr an unsere Freunde und Genossen jüdischen Glaubens. Es braucht nicht betont, zu werden, daß unter dem „Wir" die „Union deutschösterreichischer J u d_e n" gemeint ist. Also von der „Union", ihren Freuden und Leiden soll hier die Rede sein. Eine eindringliche Rede pro domo sua... Das Wesen der „Union" bedeutet Kampf. Kampf nach mannigfachen Seiten, ununterbrochener Kampf gegen die Feinde des Judentupis, gegen jene, die unsere Glaubensgenossen in ihren Rechte beschränken wollen, aber leider auch denj Kampf um die eigene Existenz, Nicht Unbescheidenheit liegt als Motiv diesen unseren Zeilen zugrunde, vielmehr zwingen uns die Umstände, in eigener Angelegenheit das Wort zu 'ergreifen. Man weiß es ja: Seit ihrer Gründung, also durch volle vier Jahrzehnte, ist die „Union" gezwungen, einen schweren Abwehrkampf zu führen. Auf alle Provinzen der ehemaligen ■ Monarchie erstreckte sich ihre schwierige Tätigkeit. Wir wollen jedoch hier weniger von deri Erfolgen als vielmehr von den! Aufgaben der „Union" sprechen. Die Zeiten haben sich geändert. Ritualmordprozesse kommen zwar heute nicht vor, dafür aber sind andere, jeden einzelner« Juden Oesterreichs betreffende Zustände eingetreten, die viel tiefer in das Leben und die Existenz unserer Glaubensgenossen eingreifen. Der Antisemitismus hat Formen und Gestalten angenommen, die allen Begriffen von Anständigkeit Hohn sprechen. In unerhörtester Weise gehen die Hakenkreuzler, Nationalsozialisten gegen die Juden vor, täglich frische Lügen und Verleumdungen schmiedend. Sie greifen zu Mitteln, auf die ein moralisch denkender Mensch gar nicht verfallen könnte. Gegen dieses abscheuliche Treiben richtet sich in erster Linie die Aktion unseres Vereines, um die Auswüchse der Gemeinheit in den Morast zurückzuschaudern, aus dem sie hervorgegangen sind; Auf diese stete Wirksamkeit der „Union" ist bereits wiederholt hingewiesen worden. Doch leider haben unsere Glaubensgenossen nicht das richtige Verständnis für die; Wichtigkeit unserer Arbeit für die österreichische Judenheit. Wohl haben wir bei unseren Schritten und deren Ergebnissen nicht die Trommel geschlagen, sondern ruhig und zielbewußt gekämpft und gestritten. Doch diese Ruhe, diese stille Arbeit, die keinen Lärm schlägt, war vielleicht ein Fehler der „Union", da sie sich dabei nicht in die Brust geworfen und hinaustrompetet hat: Seht ihr, was wir gelejstet! Das hätte vielleicht vielen mehr imponiert als die geräuschlose Wirksamkeit unsererseits und deren Resultate. Allein durch solche Einwände werden wir uns von unserer bisherigen Arbeitsmethode nicht abbringen lassen. Nach wie vor ist das Eintreten für* unsere* Glaubensgenossen innerhalb des Staates das erhabene Ziel der „Union" und daran wird uns auch die sonderbare und unerklärliche Gleichgültigkeit vieler jüdischer Kreise unserem Vereine gegenüber nicht hindern. Man hat das Gerücht verbreitet, die ,.Union" sei ein Gegner, ja ein Feind des jüdischen Nationalismus. So steht die Sache aber nicht. Wir legen den Nationaljuden keine Hindernisse in den Weg, wenngleich wir keineswegs ihren Tendenzen huldigen. Wir stehen auf dem Standpunkte, daß vorerst der heimatliche Herd von den Schlacken des Antisemitismus befreit werden müsse, daß die Juden nicht entrechtet werden dürfen, daß sie in der vollenl Ausübung ihrer gesetzlich gewährleisteten Rechte keine Störung erleiden, daß die Juden weiters vor Ueberfäilen gesichert seien, sich kulturell und wirtschaftlich entfalten können. Wenn die Nationaljuden nach Jerusalem gravitieren, so mögen sie es immerhin tun und hinziehen, so viel ihrer dazu gewillt sind. Zu Hause muß früher reiner Tisch gemacht werden für die, die im Lande sich redlich nähren wollen. Das Organ, das diese Anschauungen unablässig und mit nie erlahmender Entschiedenheit vertreten hat, ist die „Wahrheit", welche seit Jahren das offizielle Organ unseres Vereines ist. Wir benützen daher die Gelegenheit, um diesem Blatte, das sich durch seine Tätigkeit viele Verdienste um die österreichische Judenheit erworben hat, an dieser Stelle die besten Glückwünsche zu seinem 4Qjährigen Jubiläum auszusprechen. Gleichzeitig richten wir an ajle Mitglieder unseres Vereines die Bitte, die „Wahrheit" als das Sprachrohr der „Union", auch fernerhin zu unterstützen., Denn alles was sie für die „Union" und für die „Wahiheit" leisten, tun sie für das österreichische Judentum selbst. Wenn unsere Mitglieder uns in dem Abwehrkampfe, den wir gegen den gerade in jüngster Zeit besonders stark hervortretenden Antisemitismus zu führen gezwungen sind, tatkräftig unterstützen und auch dem Blatte, welches im Vordertreffen dieses schweren Kampfes steht, die Hilfe leisten, die es für diesen Kampf benötigt, dann schützen sie sich und ihre Kinder vor den Gefahren, die ein weiteres Wachsen der judenfeindlichen Bewegung nach sich ziehen muß. Aber nicht allein die in der „Union" vereinigten Juden haben die Pflicht, zu kämpfen für die Ehre und die* Rechte des Judentums, sondern es ist dieser Kampf Sache der gesamten Judenheit. Wenn wir also pro domo gesprochen haben, so haben wir uns demnach nicht an unsere Mitglieder allein gewendet, sondern wir wollten das Gewissen ajler österreichischen Juden aufrütteln. U . <kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk>t I STRICK- UND WIRKWAREN | jj IN GROSSER AUSWAHL jj B ENGROS DETAIL EXPORT jj ■ FABRIKSNIEDERLAGE jj |HUOO BRUNNER| I IL, GROSSE SPERLGASSE NR. 5 jj jj NÄCHST HOTEL NEW-YORK, NATIONAL UND GUTH g II KONGRESSBESUCHER ERHALTEN UNTER HINWEIS jf fi . AUE DIESES INSERAT DREI PROZENT RABATT M KONKURS I Die israel. Kultusgemeinde in Wukowr (Jugo- < slawien) sucht für Rausch Haschono und Jaum Kippur ► i einen musikalisch gebildeten Kantor, der den Gottesp dienst mit Chor und Orgel zu versehen hat. Falis der Petent Beifall findet und die Qualifikation eines Schauchet ► Ubaudek besitzt, wird eine dauernde Anstellung in Aussieht gestellt, ► . Gesuche mit Ansprüchen des Honorars sind ehe ► baldigst an den Unterzeichneten zu richten. Vukovar, den 6. August 1925- £ Heinrich Steiner £ Präses ► ^▼▼▼TTfTfVfVfTfTTfTfT?V?ff¥VfVfVTVTTfT*fc

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