Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 32-33 (17.8.1925)
- Date
- 1925-08-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Jubiläuinsnummer DIE WAHRHEIT DeutschOsterrelcimcIie Wochenschrift iür iüdisdie Interessen Uli dem Beiblatt: VeröifenflKhumgen der ..Union deulschöslerreldiisdier Joden* Redaktion und Administration: Wien ML, Heine§iraOe 13. - Fernruf 42-2-16 XLI. Jahrgang Wien, 17. August 1925 Nummer 32/33 IUI 40 Jahre Wahrheit üü Am heutigen Tage sind es vierzig Jahre, seitdem „Die Wahrheit" zum ersten Male erschienen ist; Seit vierzig Jahren ist sie den österreichischen Juden ein treuer Gefährte gewesen, seit vierzig Jahren war sie bestrebt, dem Judentum nach besten Kräften zu dienen und die Ehre des jüdischen Namens gegen seine Widersacher zu verteidigen. So sehr uns auch das bisher Geleistete mit Stolz erfüllen mag, so läßt doch die traurige Zeit, in welcher wir unser Jubiläum feiern, keine wahre Festesfreude aufkommen. Bedrückt uns doch der Gedanke an das unsägliche Leid, das uinsere Glaubensbrüder in vielen Ländern um ihrer Religon willen noch immer erdulden müssen, und erfüllt uns mit Schmerz und Kummer. Denn allenthalben sind Judenfeinde am Werke, die das Judentum in seiner Gesamtheit wie auch den einzelnen Juden mit Haß und Neid verfolgen und auch in Oesterreich hat gerade in der letzten Zeit eine erbitterte Judenhetze eingesetzt, deren traurige Folgen wir mit Schaudern erleben. Doch man muß die Feste feiern wie sie fallen, und so wollen auch wir an unserem Ehrentage Rückschau halten auf den Weg, den wir bisher zurückgelegt haben und den wir auch weitergehen wollen, und unsere Festnummer mit einer kurzen Darstellung der Geschichte und Ziele unseres Blattes beginnen. Gegründet wurde „Die Wahrheit" im Jahre 1885 von Oberkantor Jakob Bauer, einem um das Wiener Judentum sehr verdienten Manne, als ein Fachblatt, welches sich speziell mit den inneren Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie beschäftigte und vor allem den Vorgängen in der Wiener israelitischen Kultusgemeinde sein Augenmerk zuwendete. Es hat durch diese seine Tätigkeit die Entwicklung und den inneren Aufbau der jüdischen Gemeinden in Oesterreich gefördert und speziell zur Hebung des Kantorenstandes beigetragen. Als sich nach dem Umsturz die wirtschaftlichen Verhältnisse immer schwieriger gestalteten und der Zerfall der österreichisch-ungarfschen Monarchie eine Abwendung der jüdischen Gemeinden der Nachfolgestaaten von Wien, das bisher der Mittelpunkt auch des jüdischen Lebens gewesen war, mit sich brachte, da geriet auch die „Wahrheit" in eine schwere Krise, die ihr regelmäßiges Erscheinen gefährdete. Zur selben Zeit mußte die von Dr. Bloch herausgegebene „Oesterreichische Wochenschrif t", die bis dahin unablässig für die Interessen des Judentums eingetreten war, aus ähnlichen Gründen ihr Erscheinen einstellen und es war daher die Gefahr vorhanden, daß das österreichische Judentum gerade in entscheidender Zeit ohne publizistisches Organ dastünde, welches seine Interessen verteidigte. In dieser kritischen Stunde übernahm der Schriftsteller Ludwig H i r s c h f e 1 d, der sich seit 1900 mit der Herausgabe von periodischen Druckschriften beschäftigt hatte, das von Oberkantor Bauer begründete Blatt und machte es gleichzeitig, unterstützt von seinem langjährigen Freunde Gustav D e u t s c h, zur geistigen Nachfolgerin der Blochsohen Wochenschrift. „Die Wahrheit", die bisher das Blatt jener Kreise gewesen war, welche sich im jüdischen Gemeindeleben betätigten, wurde somit zum Blatte des jüdischen Lebens überhaupt und machte sich die Interessenvertretung des Judentums in Oesterreich zur besonderen Aufgabe. Ebenso wie sie nicht zögerte, Uebelstäjnde im eigenen Lager kritisch zu beleuchten und Mißstände aufzudecken, so führte sie auch einen entschlossenen und oft von Erfolg gekrönten Kampf gegen die zahllosen offenen und versteckten Feinde des Judentums. Durch diese ihre Tätigkeit hatte sich die „Wahrheit" so viel Ansehen und einen in stetem Steigen begriffenen Leserkreis erworben, daß die „U n i o n deutschösterreichischer Juden4 sie nach Einstellung ihrer monatlichen Mitteilungen zu ihrem offiziellen Organ machte. Da der vergrößerte Aufgabenkreis unseres Blattes ein häufigeres Erscheinen notwendig machte, zumal che gespannten politischen Verhältnisse oft ein unverzügliches Ein treten für bedrohte jüdische Interessen erforderten, erscheint „Die Wahrheit" seit Beginn des vorigen Jahres als Wochenschrift.