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Die Wahrheit · 1925-07-24 · Heft 29 (24.7.1925) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 29 (24.7.1925)
Date
1925-07-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 29 ■ Von Woche zu Woche Preisausschreiben. Von den bei der Konkurrenz der Großloge für Deutschland eingegangenen zwanzig Arbeiten entsprach keine den Anforderungen des Preisausschreibens. Es wurde daher von der Verteilung eines Preises im Sinne des Preisausschreiben abgesehen. Einigen Arbeiten, die über das Niveau der übrigen hinausragen, ist ein Anerkennungspreis zuerteilt, um die Autoren zu weiterer Arbeit zu ermutigen, und zwar: „Wurzel und Krone", Kennwort: „Höre Israel" M. 200.—, „Was Tamid erlebte", Kennwort: „Ein Gotteslicht ist die Menschenseele" M. 200.—, „Die Uhr", Kennwort: „Franken" M. 50.—, „Hermann Goldstein", Kennwort: „Optimismus" M. 50.—. Der Ausschuß erachtet sich, da von der Verteilung eines, eigentlichen Preises abgesehen worden ist, nicht für befugt, die eingesandten Umschläge zu öffnen und die Namen der Einsender festzustellen. Die Autoren werden daher gebeten, sich bei dem Büro der Großloge, Berlin W. 62, Kleiststraße 12, zu melden. Die übrigen Arbeiten stehen den Einsendern auf Verlangen zur Verfügung. Probevortrag. Herr David Bogomolny, Oberkantor aus Sombor, gastierte Freitag, den 17. Juli abends im Döblinger Tempel zum großen Gefallen des zahlreichen Publikums. Herr Bogomolny verfügt über gewaltige Stimmittel, die er durch sein hohes musikalisches Können derart entfaltet, daß sein Vortrag als virtuos bezeichnet werden kann. Der Eindruck seines Probevortrages wird ein dauernder bleiben. D. W. Ein Maler des Judentums. Wie aus Bad Weiler gemeldet wird, hat dortselbst am vergangenen Freitag der Maler Lilien die Augen für immer geschlossen. Mit ihm verliert das Judentum einen seiner hervorragendsten Künstler, einen Maler, der wie kaum ein zweiter das jüdische Milieu dargestellt hat. Er war der Maler des Ghettos,, in welchem er aufgewachsen ist, ein unerreichter Schilder er jüdischen Lebens und jüdischen Leidens, das er am eigenen Leibe erdulden mußte. Ephraim Mosche Lilien wurde im Mai des Jahres 1874 als Sohn eines armen Drechslers in Drohobycz geboren. Er verbrachte seine Jugend in bitterster Not und Armut und wurde im Alter von vierzehn Jahren von seinem Vater zu einem Schildermaler in die Lehre gegeben. Sein künstlerischer Drang treibt ihn nach Krakau und später nach Wien, doch Hunger und Elend stößt ihn in seine Heimat zurück. Nach einigen Jahren zieht er nach München, um sich in seiner Kunst weiter auszubilden und verbringt dort, ganz auf sich selbst angewiesen, Jahre der Not und der Armut, bis es ihm gelingt, als Illustrator bei der Münchner „Jugend" unterzukommen. Seine Schwarz-weiß-Zeichnungen machten ihn bekannt, zumal ihm nur wenige Künstler in seiner Federtechnik gleichkamen und nun beginnt sein eigentlicher künstlerischer Aufstieg. Lilien blieb zeitlebens ein treuer Sohn seines Volkes und verwendete seine Kunst vor allem darauf, das Leben und Treiben desselben zu schildern. Von tiefstem und edelstem künstlerischen Empfinden zeugen vor allem seine Illustrationen zu Morris Rosenfelds „Lieder des Ghetto" und zum Balladenbuche „Juda", welche zu den Meisterwerken illustrativer Buchkunst, gehören. Bekannt sind vor allem seine Illustrationen zur Bibel, welche ein monumentales Werk darstellen. Ephraim Mosche Lilien war deshalb ein großer Künstler, weil er auch mit seiner Seele gemalt hat Otto Margulies. Der Führer der am 28. Juni auf dem Hochtor erfrorenen 7 Mitglieder der aus dem Alpenverein hinausgeekelten „Donauland" war der jüdische Bankbeamte Otto Margulies. Dieser hatte schon im jugendlichen Alter seine Begeisterung für die Berge mit dem Verlust eines Beines bezahlen müssen. Aber auch noch als Einbeiniger blieb er semer Leidenschaft treu. Er ließ sich eine Prothese konstruieren, die er aber auf besonders waghalsigen Touren oft genug als hinderlich abschraubte und in den Rucksack steckte. Auf solche Weise hat er nicht nur alpinistische Gipfelrekorde geschlagen, sondern auch auf allen anderen Sportgebieten, besonders als Schwimmer Ruhm und zahlreiche Preise errungen. Vielleicht wird ein Geschichtsschreiber künftiger Tage sich das Wunder dieses einbeinigen Sporthelden gar nicht anders deuten können als — symbolisch. Und er wird meditieren: Es ist klar, daß ein solcher Mensch nicht wirklich gelebt hat. sondern die tiefsinnige Schöpfung eines jüdischen Dichtergenies ist. Die Figur will das Aufwärtsstreben des jüdischen Geistes symbolisieren und ihre Einbeinigkeit das Hemmnis, das dem Judentum bei solchem Streben geradezu immanent war. Eine grandiose Verkörperung der jüdischen Größe und zugleich der jüdischen Tragik. Auch wir jüdischen Zeitgenossen, die Otto Margulies leibhaftig zu Grabe tragen sahen, grüßen ihn im Sinne dieser Symbolik iiftd empfinden als Trost über den Verlust eines wertvollen Menschenlebens den Sinn dieses Lebens: den Sieg jüdischer Sehnsucht nach den Höhen über alle Tücken und Gebrechen, die uns gewaltsam in den Niederungen festzubannen suchen. . . Dr. H. Sp. Grabsteinsetzung. Sonntag, den 19. d. M. wurde dem leider viel zu früh verstorbenen (er erreichte nur ein Alter von 47 Jahren) Herrn Julius Riess, Vorstandsmitglied des Leopoldstädter Tempelvereines „Aeschel Awrohom" II. Pazmanitengasse, auf dem neuen Friedhofe von seiner Familie ein Grabstein gesetzt. Es hatte sich beim Grabe außer der Familie eine Abordnung obigen Tempelvereines eingefunden. Vorstandsmitglied Josef Singer widmete dem verstorbenen Kollegen gehaltvolle Worte des Gedenkens, in welchen er auf seine hingebungsvolle Tätigkeit im Interesse des Tempelvereines hinwies und betonte, daß er sich durch dieses sein Wirken und seine hervorragenden Eigenschaften und Tugenden schon zu Lebzeiten ein bleibendes Denkmal gesetzt habe. In wehmütiger und dankbarer Erinnerung an das selbstlose Schaffen des Entschlafenen schied die Schar der Teilnehmer ..von dem Grabe des unvergeßlichen Mannes. Vorträge. Im Bethausverein Migdasch me'at, Wien IL, Kleine Schiffgasse 8, finden Samstag um 5 und halb 7 Uhr nachmittags religiös-wissenschaftliche Vorträge des Herrn Rabbiner Dr. M. Wund er mann, statt. Austritte aus dem Judentum. ' Hof mann Andreas, geb. 25. August 1902, Juchopolje, Mediziner, XV,. Karl-Marxgasse 1. — Dr. Fleischner Konrad Gottlieb, geb. 12. Oktober, Wien, XII., Hadikgasse 144. — Banaschek Sophie, geb. 28. Februar 1890, Wien, Hilfsarbeitern!, XV., Ortnergasse 5. — Breißler Johanna geb. Strauß, geb. 23. Juni 1852, Luze, XIV.. Sechshauserstraße 72. — Baumann Jenny, geb. 13. November 1854, Immerosche, V., Einsiedlerplatz 5. —- Fuchs Paul Arnold, geb. 24. Juli 1918, Wien, XIX, Reithleg.. 12. — John Angela, geb. 18. Dezember 1906, Wien, IX., Bergg. 19. — Holzer Fanny, geb. 28. Juli 1894, Wien, Schneiderin, III.,. Landstraße Hauptstraße 28. — Goldner Arpad. geb. 20. April 1882, Budapest, VII., Mariahilferstraße 54. — Sträußler Ernst,, geb. 26. August 1896, Bisenz, XVIII., Wallrißstraße 126. — Naschitz Johann, geb. 19. Mai 1896, Wien, VIII., Daungasse 1. — Rafael Ella, geb. 7. November 193, Wien. IX., Gilgegasse 14. — Fischer Fritz, geb. 20. Juni 1886, Wien, VIII., Strozzig. 26. — Zerner Ediht Mitzi geb. Schlotz, geb. 19. Jänner 1892, Wien, VIII., Wickenburggasse 16. — Schwarzbarth Walter, geb. 1. Oktober 1896, Wien, IX.. Liechtensteinstraße 123. — Koch Anna geb. Hirschenbeck, geb. 23. März 1864, Wien, VIII., Langegasse 30. Berichtigung. Der Austritt: Kohn Rosa, geb. 5. Februar 1901, Nemet Keresztur, IL, Schiffamtsgasse 9, wurde, irrtümlicherweise zum zweitenmal veröffentlicht, obwohl der Rücktritt bereits am 20. Februar 1925 in Nr. 7 gemeldet wurde. Briefkasten. Baden bei Wien. Die Ausschreitungen der hakenkreuzlerischen Zeitungsverkäufer im Badener Kurpark werden durch die Exzesse im Wiener Stadtpark, die wir in unserer heutigen Nummer behandelt haben, weitaus in den Schatten gestellt . Wir hoffen aber, daß, ebenso wie in Wien nunmehr energische Maßregeln gegen die Hakenkreuzler getroffen wurden, auch die Badener Behörden, schon mit Rücksicht auf die zahlreichen jüdischen Kurgäste, diesen Aergernis erregenden Unfug abstellen werden. Dies wäre schon i m e i g e n s t e nr-. Interesse dieses Kurortes notwendig» Villach. Eine endgültige Regelung der Staatsbürgerschaftsfrage ist noch nicht erfolgt; doch glauben wir nicht, daß Sie Grund zu irgendwielchen. Befürchtungen haben. Ihre ' Anmeldung wurde vollzogen.

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