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Die Wahrheit · 1925-07-17 · Heft 28 (17.7.1925) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 28 (17.7.1925)
Date
1925-07-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Deutschösterrelclüsche Wochenschrift fOr ifidische Interessen Mit dem Beiblatt: Yeröffentlidiungen der ..Union deufschösterrekhisdier Joden Redaktion und Administration: Wien II., Helnesfraße 13. - Fernruf 42-2-16 XLI. Jahrgang Wien, 17. Juli 1925 Nummer 28 Die Judenpest. Unvermindert dauert die Mordbetze der Hakenkreuzler an, immer wieder aufs neue wird unter den Augen der Behörden zum Judenpogrom gehetzt und die niedrigsten Instinkte des Pöbels werden zum Kampf gegen die Judenheit systematisch mobilisiert. Mit welchen Mitteln dieser Kampf geführt wird, hat die „Wahrheit" oft zu zeigen Gelegenheit gehabt. Doch die Art und Weise, wie anläßlich des bevorstehenden Zionistenkongresses von den Nationalsozialisten gegen die gesamte Judenschaft gehetzt wird, stellt alles bisher Dagewesene an Niedertracht und Gemeinheit weit in den Schatten. Ziel der nationalsozialistischen Bewegung ist eingestandenermaßen die vollständige Ausrottung der Juden, die Vernichtung alles Jüdischen mit Stumpf und Stiel, und der im August stattfindende Kongreß ist ihr nur ein willkommener Anlaß zur wüstesten Hetze, die sich nicht allein gegen die Zionisten, sondern gegen das gesamte Judentum richtet. „Der Kampf gegen diese „Schweine in Menschengestalt" ist einmal begonnen und muß ausgefochten werden. Jedes längere Zuwarten ist Verrat und Mord am eigenen Volke". Den Gipfelpunkt der Infamie aber stellt ein Flugblatt dar, das den Titel trägt: Die Judenpest. Streiflichter zur Rassenverschlechterung und Mädchenschändung. Dieses Pamphlet ist von cand. med. vet. Adolf Bauer, dem Obmann der nationalsozialistischen Jugendgruppe, verfaßt und wird von der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei, I. Elisabethstraße 9, zum Preise von S 1,— für 100 Stück in einer Auflage von 100.000 Exemplaren vertrieben. Als verantwortlich zeichnet der unseren Lesern bereits bekannte Josef Müller, der Schriftleiter der „Deutschen Arbeiter-Presse" ist. in diesem in einer Reihe antisemitischer Zeitungen teils angepriesenem, teils ganz oder auszugsweise wiedergegebenem Erzeugnis grenzenloser Verrohung und tiefsten moralischen Verfalles wird das Judentum beschuldigt, „die Ursache des sittlichen und politischen Niederganges des Deutschtums" zu sein, ja es wird direkt als eine „Pest", als eine „Seuche" hingestellt, „die am Mark des deutschen Volkes zehre". „Die sittliche und rassische Verseuchung unseres Volkes" heißt es in diesem Flugblatte, „geht ihren langsamen, verheerenden Gang. Frauenwürde und Mädchenehre, Tugend und Idealismus, sittliches Höherstreben und all die Begriffe von wahrem Menschentum werden in schamlosester Weise verspottet, verhöhnt und verlacht. Wirtschaftlich bis aufs Mark ausgesogen, zum Bettler herabgewürdigt, von jüdischen Bestien begeifert und geschändet, soll dieses tief unglückliche, gemarterte deutsche Volk seines letzten Haltes, seiner Moral beraubt werden, um in den Senkgruben jüdischer Geilheit zu verkommen." „Deutsche Mädchen als künftige Mütter und Hüterinnen unserer rassischen Reinheit sind Beuteobjekte asiatischer Dirnenmoral und Freiwild verkommener Kaftangestalten. Schundliteratur und Schweineblätter, geheuchelte Liebenswürdigkeit und List, ja selbst brutale Gewalt, kein Mittel erscheint dieser geilen Judenmeute zu schlecht, um diese unglücklichen Wesen in ihre teuflische Macht zu bekommen." Als Beweis für diese unerhörten Beleidigungen eines ganzen Volkes bringt das Flugblatt folgenden Vorfall, der sich Anfang dieses Jahres in Salzburg abgespielt haben soll: Ein bei der Salzburger jüdischen Familie Weinstein bedienstetes Mädchen gab bei der Polizei an, es sei vom Dienstgeber mißbraucht, von dessen Gattin beschimpft und vom Sohn in brutalster Weise mißhandelt worden. Im Falle, daß die Angaben dieses Mädchens stichhältig wären, hätte ein solches Vorgehen gegenüber einem armen Dienstmädchen jeden anständigen Menschen mit tiefsten Abscheu erfüllen müssen und man hätte die empfindlichste Bestrafung einer solchen Roheit verlangen müssen. Aber auch dann wäre es eine ganz unerhörte Gemeinheit gewesen, ob eines einzelnen verbrecherischen Juden oder einer einzelnen verderbten jüdischen Familie ein ganzes Volk auf das schwerste zu verunglimpfen, ja direkt als ein Volk von „Zuhältern und Mädchenhändlern" zu bezeichnen. Doch liegt die Sache wesentlich anders. Denn mittlerweile gelangte die Angelegenheit zur gerichtlichen Entscheidung und Weinstein wurde freigesprochen. Jeder normall denkende und nicht von Rassenhaß besessene Mensch hätte aus diesem Freispruch die Folgerung gezogen, daß die Anschuldigungen des Mädchens erdlichtet und erlogen sind. Oft sind derartige Denunziationen nichts anderes als die Folge eines mißglückten Erpressungsversuches, der Verfasser der „Judenpest" jedoch erklärt sich dieses „sondierbare Urteil" folgendermaßen: „Weinstein konnte sich's mit seinem Oelde leisten, von mit allen

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