Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 27 (10.7.1925)
- Date
- 1925-07-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 27 Von Woche zu Woche Israelitischer Frauen-Wohltätigkeits-Verein für den 16. und 17. Bezirk. Dieser Verein, der im Jahre 1899 gegründet, 15 Jahre unter Leitung der sei. Frau Sali Bach blühte und dann unter dem Präsidium ihrer Schwiegertochter, Frau Rabbiner Dr. Bach fortgeführt wurde, war unter der Ungunst der Zeiten stark zurückgegangen. Nicht nur, daß die Unterstützungen immer spärlicher wurden, blieb der Präsidentin nur ein ganz kleiner Kreis von Mitarbeiterinnen treu, so daß zuletzt beinahe die ganze innere Leitung allein auf ihr lastete. So legte sie ihr Amt nieder und es wäre zur Auflösung des Vereines, der im Stillen gearbeitet und verhältnismäßig große Summen an alle Bittstellerinnen verteilt hatte, gekommen, wenn nicht im letzten Moment der seit Jahren in Ottakring und fiernals wohltätigst wirkende Herr S. K1 a w i r die Sache in die Hand genommen und damit eine Wiedergeburt des Vereines bewerkstelligt hätte. In der am 1. Juli d. J. stattgefundenen Generalversammlung fand eine Neukonstituierung statt, laut welcher neben der bisherigen verdienstvollen Präsidentin folgende Damen in die Leitung gewählt wurden: Dr. Deutsch, Drab, Engel, Haas, Klawir, Kotanyi, Dr. Paschkes, Reis, Reiß, Salamon, Tausend. Treu, Ungvary, Urbach und Wetter. Als Beiräte fungieren die Herren: Rabbiner Professor Dr. Bach, Kultusvorsteher Medizinalrat Dr. Deutsch, S. Klawir und der Obmann des Bethausvorstandes S. Weiler. Dem neukonstituierten Vereine spendete Frau Krupnik sofort einen ansehnlichen Betrag, welchem Beispiele sich auch andere Damen anschlössen. An die jüdische Oeffentlichkeit ergeht der dringende Ruf, diesem Vereine helfend beizüspringen, der in den Bezirken größter Armut und traurigsten Elends Witwen und Waisen, Greise und Wöchnerinnen freigiebigst unterstützt. Probevortrag. Oberkantor Bogomolny, der der Wiener Gemeinde von seiner Tätigkeit als Oberkantor am Döblinger Tempel rühmlichst bekannt ist und hernach in der Kultusgemeinde Sombor, S. H. S., in der gleichen Funktion wirkte, hat am 3. und 4. Juli d. J. im Tempelverein des 20. Bezirkes einen Probevortrag gehalten und vermöge seines bedeutenden Könnens, insbesonders seiner trefflichen, wohlgeschulten Baritonstimme und kantoralen Leistungen ungemein gefallen. Weltkongreß hebräischer Lehrer. Im Zusammenhang mit dem in der zweiten Augusthälfte. in Wien stattfindenden 14. Zionisten-Kongreß wird ein Weltkongreß der hebräischen Lehrerschaft abgehalten werden. Die Anregung geht von der hebräischen Lehrerorganisation Palästinas (Histadruth Hamorim) aus. Erwogen wird die Schaffung einer Weltorganisation hebräischer Lehrer. Vom österreichischen Touristen-Klub. Die „Oesterreichische Touristen-Zeitung" vom 15. v. M., Folge 6a, enthält einen Tätigkeitsbericht über das Jahr 1924. Darin berichtet der Rechtsausschuß: Im Verein mit dem Obmann unseres Bauausschusses'Herrn Sekirnjak wurde mit dem Vertreter der Rothschildschen Gutsverwaltung nach langwierigen Besprechungen und wiederholten Aenderungen ein Schenkungsvertrag abgeschlossen, durch welchen der Klub jenen Grund unentgeltlich zugewendet erhielt, den er zum Bau des neuen Oetscherhauses benötigt. Wir fühlen uns veranlaßt. Herrn Rothschild für diese freiwillige Zuwendung unseren besten Dank zum AusdTuok zu bringen. Bekanntlich hat der Touristen-Klub vor nicht langer Zeit den sogenannten Arierparagraphen angenommen. Nichtsdestoweniger hat ein angesehener Vertreter des Wiener Judentums die Ziele des Vereines in selbstloser Weise gefördert. Er hat Böses mit Gutem vergolten! Vielleicht werden die Mitglieder des Vereines bei einem solchen Anlasse dessen inne, wie sehr sie dem Vereine durch ihr Tun schaden. Bramizwahfeier. Samstag, den 4. Juli fand im Pazmanitentempel die Barmizwah des Studenten Fritz L u n z e r statt. Der Konfirmand, ein Enkel des in weitesten Kreisen bestbekannten und populären Besitzers des Cafe Fürstenhof Salomon Neumann, trug die Haftora nach althergebrachter, traditioneller Art zur größten Zufriedenheit der überaus zahlreich erschienenen Verwandten und Bekannten in geradezu trefflicher Weise vor. Oberkantor Müller rezitierte einen feierlichen Mischeberach. Der Barmizwant hatte seine Ausbildung beim Kantor A. Stift genossen. Trauung. Sonntag, den 5. Juli, nachm., fand im Großen Leopoldstädter Tempel, IL, Tempelgasse. .3, die Trauung "des Fräulein Else Schlesinger, Tochter des in weiteten Kreisen bekannten Stampiglienerzeugers Jakob Schlesinger und seiner Gattin Sidonie, mit Herrn Alfred Dukes statt. Das Gotteshaus war von einem zahlreichen Publikum besucht. Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald hielt an das Brautpaar eine überaus herzliche Anspräche. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Fischer mit Chor in vorzüglicher Weise. Die Bedeutung der Verwendung von Knaben fem synagogalen Chor. Die Tatsache, daß heutzutage gute Kantoren immer seltener werden, die Tempelchöre, sowohl in Wien als auch in vielen anderen Städten nur notdürftige Besetzung aufweisen und die Tempelbesucher bei weitem nicht befriedigen, ist allgemein bekannt. Es tut Not, hier helfend einzugreifen. Woher stammten denn früher die guten Kantoren? Jeder dieser Berühmten hat seine Lehrzeit bei irgend einem Kantor als Chorknabe verbracht und den Geist des jüdischen Gesanges in seinen Jugendjahren in sich aufgenommen, Stimme und Charakter ausgebildet, die Mutationszeit für allgemeine musikalische Bildung verwendet, um dann als reifer,- jüdischer Musiker und Sänger die Stelle eines Kantors vollwertig bekleiden zu können. Es war stets ein großer Ueberfluß an gut ausgebildeten Kantoren und gar mancher war gezwungen, umzusatteln und zur Oper zu gehen. Bekanntlich waren die besten Sänger an den kaiserlichen Bühnen in Rußland Zöglinge von Tempelchören; auch deutsche Bühnen haben eine große Anzahl (meist russischer) Tempelsänger 'aufzuweisen. Es ist klar, daß der Verfall der spezifisch jüdischen Musik, wie wir sie früher in den Synagogen hörten, nur darauf zurückzuführen ist, daß die meisten Tempel die Knabenchöre aufgaben und an ihrer Stelle Damen verwenden. Für den Dirigenten ist das zweifellos ein leichteres Arbeiten, aber leider haben auch die Damen in ihrer Jugend nicht den Tempelgesang gepflegt, sondern deutsche Schul- Jieder und Operettenmelodien gesungen und dann erst das „Schma jissroel". Hier muß Wandel geschaffen werden! Mein Vorschlag geht dahin, daß die Tempelvorstände den Tempelgesang als Bestandteil des Religionsunterrichtes erklären. Die Schulkinder sollen ausgewählte Psalmen und Tempellieder singen und die Fähigsten mögen für den Tempelgesang verwendet werden. Selbstverständlich müßten die Gesänge danach beschaffen sein. Allerdings sind in den letzten Dezennien viele und gute Tempelgesänge komponiert worden (ich persönlich habe auch eine ganze Reihe solcher Gesänge geschrieben und mit Erfolg aufgeführt), doch muß betont werden, daß diese alle für den Schulunterricht nicht geeignet und vielfach unjüdisch sind. Diese Erkenntnis bewog mich, eine neue, einfache, rein jüdische Art von Psalmen und Tempelgesängen zu kultivieren, die demnächst als Gesangbuch für Schule, Tempel und Haus in Druck erscheint. Um das Interesse der jüdischen Oeffentlichkeit zu wecken, erkläre ich mich bereit, dieselben auf Wunsch mit meinem Knabenchor vorzuführen. Ferner ersuche ich die Tempelvorstände, meinen folgenden Antrag zu akzeptieren: Um den Anfang zur Neuausbildung von Chorknaben zu machen, will ich einen Teil meiner Sommerferien dem Unterricht der Chorknaben Wiens widmen. Ich bin also bereit, 1 bis 2 Stunden Unterricht wöchentlich, unentgeltlich, zu erteilen, wo immer sich 6 bis 8 stimmbegabte Kinder finden. Ephraim Niswizski-Abilca. Ein gutes Urteil vernehmen wir über die Richter- und Predigertalare und Barette der bekannten Spezialfirma Rudolf G o 1 d s t e i n, Wien IL, Taborstraße 54, in bezug auf G ü t e, Dauerhaftigkeit und vornehme Paßform. Telephon 45-6-29. + Im Restaurant Theresienhof in Gleichenberg (unter persönlicher Leitung des bekannten Restaurateurs A. Bärschak) sitzt im schönen, schattigen Garten alles fröhlich vereint, ist doch die Küche vorzüglich und die Bedienung wirklich aufmerksam. Wer also zur Kur ins herrliche Gleichenberg fährt, versäume nicht, in Barschaks Restaurant „Theresienhof" (neben dem Kurpark) zu gehen, der Kurerfolg wird umso größer sein. JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien H., Taborstraße 44