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Die Wahrheit · 1925-07-03 · Heft 26 (3.7.1925) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 26 (3.7.1925)
Date
1925-07-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 26 Obmann des Tempelvereines 19. Kommerzialrat Philipp K o h n mit den Vorständen Löwenbein und Ludwig Tauszky, der Obmann der Bibelschule Lockspeiser, der Obmann der Bezirkssektion Ed. Rechnitzer, Hof rat Ing. Brückner, Direktor Brüll, Dr. Bruno Werner u. a. Nach einleitenden Worten des Leiters und Ehrenpräsidenten der Bibelschule Sr* Ehrw. Dr. Arnold Frankfurter nahm Inspektor Wiesner die Prüfung der Volks- und Bürgerschule vor. Diese, sowie die Mittelschüler unter der Leitung Dr. Frankfurters beantworteten mit Sicherheit und prompt die an sie gerichteten Fragen, Dr. Feuchtwang dankte hierauf den Leitern der Bibelschule Dr. Frankfurter und Inspektor Wiesner, sowie allen Faktoren für die hingebungsvolle Tätigkeit und mit einem Appell an die Elternschaft, ihren Kindern auch weiterhin den Unterricht in der Bibelschule teilhaftig werden! zu lassen, schloß die schöne eindrucksvolle Feier. Trauung. Sonntag, den 28. Juni d. J., fand im festlich beleuchteten Gemeindetempel, XVI., Hubergasse, die Trauung des Fräulein Grete H o 1 z e r, Tochter des in weitesten Kreisen bekannten und allgemein geschätzten Goldkettenerzeugers Herrn Jakob H o 1 z e r, mit Herrn Adolf H o 1 z e r aus Leipzig statt. Unter den in großer Zahl erschienenen Gästen, die das Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen füllten, sah man den Kultusvorsteher Herrn Medizinal-Rat Dr.. Jakob Deutsch, die Mitglieder des Bethausvorstandes mit dem Obmann Herrn Siegmund Weiler an der Spitze, sowie die Obmänner und Vorstandsmitglieder aller Wohltätigkeitsvereine des 16. und 17. Bezirkes. Herr Rabbiner Dr. J. M. Bach hielt an das Brautpaar eine überaus herzliche Ansprache, in der er-ein schönes Bild von dem Leben und Wirken der beiderseitigen Eltern entwarf und besonders das jüdisch-religiöse Empfinden und die hervorragenden Leistungen des Vaters der Braut auf charitativem Gebiete betonte. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor K o g a n mit verstärktem Chor in gewohnt vorzüglicher Weise. Doktor Jose! Breuer. In der Sitzung der Gesellschaft der Aerzte vom 26. Juni hielt der Vizepräsident derselben Hofrat Prof. Dr. Wagner v Jauregg „seinem Freunde" Dr. Breuer einen tiefempfundenen Nachruf. „Die Gesellschaft", sagte er, „ist sLh bewußt, daß sie irut ihm einen ihrer Größten verloren hat. Es ist für die Wiener medizinische Fakultät beschämend, daß sie nicht imstande war, diesen Mann in ihre Reihen aufzunehmen. Durch eine persönliche Zurücksetzung verbittert, hat er sich in die Privatpraxis zurückgezogen und es ist unermeßlich, welche großen Leistungen, dadurch für die medizinische Wissenschaft verloren gegangen sind." Dr. Breuer ist aus der Schule des berühmten Internisten O p.p o 1 z e r hervorgegangen. Schon eine seiner ersten wissenschaftlichen Arbeiten hat nicht nur eine neue Entdeckung auf dem Gebiete der Physiologie gebracht, sondern ebenso wie eine spätere (gemeinsam mit Sigmund Freud) mächtige Anregung zur Schaffung neuer Forschungs- und Behandlungsmethoden gegeben. Die oben zitierte Bemerkung Prof. Wagners bezieht sich darauf, daß man den Gelehrten bei der Besetzung eines internen Primariates (im Rudolfsspital) übergangen hat. Sein ungeheures Wissen auf medizinischem Gebiete wurde, nachdem er freiwillig die Dozentur zurückgelegt hatte, nicht von der Fakultät, wohl aber von der Akademie der Wissenschaften gewürdigt, welche ihn 1894 zu ihrem korrespondierenden Mitglied ernannt hat Außerdem ist er dadurch von aller Welt anerkannt worden, daß er als Hausarzt in den Familien Billroths. Notnagels, Chrobaks, Gersunys und anderer mezinischen Kapazitäten, fungierte. Auch als Konsiliararzt wurde Breuer von zahlreichen Wiener Kollegen gerne herangezogen. Daß Billroth sich selbst von ihm behandeln ließ, entbehrt nicht der Pikanterie, da er in seiner Schrift „Lehren und Lernen der medizinischen Wissenschaften" von den für die Medizin unbegaBten Juden spricht, obwohl er in seinen Schülern Wölfler und Gersuny Beweise vom Gegenteil besaß. Breuers Klientenkreis in den höheren Schichten der Wiener Gesellschaft war so umfangreich, daß man ihn wohl zu den meistbeschäftigten Aerzten der Hauptstadt rechnen konnte. Es ist ihm das Verdienst um so höher anzurechnen, daß er durch mehr als zwanzig Jahre seine wertvolle Zeit und seinem kostbaren Rat als Mitglied des Vorstandes der Wiener Kultusgemeinde den Agenden des Rotschildspitals, des Kinderambulatoriums, dem Siechenhause und anderer Wohlfahrtsanstalten derselben gewidmet hat, welchen er in diskretester Art namhafte Spenden zuzuweisen erfolgreich sich bemühte, denen ihre Schaffung oder Erhaltung einzig zu danken war. Breuer war; der Sohni eines Religionslehrers der Kultusgemeinde, der; in der im Tempelgebäude in der Seitenstettengasse untergebrachten Schule Unterricht erteilte und ein Lehrbuch für den Religionsunterricht geschrieben hat. Er wkar ein höchst freisinniger, aber überzeugter Jude, gleich hervorragend als Gelehrter, als Arzt und als Mensch — eine wahre Zierde der Wiener Judenschaft für alle Zeiten. Med.-Rat Dr. Heinrich H a a s e. Todesfälle. Vor kurzem starb in Venedig Herr Leone Levy im Alter von 73 Jahren. Der Verstorbene war einer der Veteranen des Risorgemento. Er beteiligte sich seinerzeit an der italienischen Freiheitserhebung gegen dje Herrschaft der Habsburger und mußte nach deren Unterdrückung viele Jahre im Kerker schmachten. — Donnerstag, den 18. v. M., verschied nach langem schweren und mit größter Geduld ertragenen Leiden Frau Marie Löwensohn, Gattin des allseits beliebten Linzer Oberkantors Herrn Bernhard Löwensohn, im 52. Lebensjahre. Die Dahingeschiedene war eine Esches chajil im wahrsten Sinne des Wortes. Die große Wertschätzung, der sich die Verblichene ob ihres edlen Charakters, ihrer angeborenen Frömmigkeit und seltenen Herzensgüte in weiten Kreisen der Linzer Bevölkerung erfreute, kam in der außerordentlichen Beteiligung an dem Leichenbegängnis zum Ausdrucke. Der Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde Linz, mit dem Präsidenten Herrn Benedikt S c h yy a g e r, der Vorstand der Chewra Kadischa sowie des Frauenvereiues erschienen korporativ bei dem Leichenbegängnisse. Herr Rabbiner Dr. Viktor Kur rein hielt mit tief empfundenen Worten den Nachruf, in welchem er die seltenen Herzenseigenschaften, die Gemütstiefe und insbesondere die große Hilfsbereitschaft gegen Arme so tief ergreifend schilderte, daß alles schluchzte und weinte. In den kantoralen Funktionen teilten, sich die Herren Uberkantor Weiss aus Budweis und Kantor P i s k a t y in gewohnt meisterhafter Weise. , Vor dem XIV. Zionistenkongreß. Die Adresse des Kongreßbüros lautet: Büro des XIV. Zionistenkongresses, Wien HL, Lothringerstraße 20. Die Telegrammadresse: Congrezion Wien. Telephon Nr. 97-5-75. — Alle Kongreßteilnehmer werden darauf aufmerksam gemacht, daß sie ihre Post an das Zionistische Kongreß-Postamt, Wien III.. Lothringerstraße 20, adressieren mögen, insbesonders dann, wenn sie nicht bereits vor ihrer Abreise in der Lage sind, ihre Post an ihr Wiener Hotel richten zu lassen. Jedenfalls wird den Kongreßteilnehmern in ihrem eigenen Interesse davon abgeraten, die Post lediglich nach Wien „hauptpostlagernd" zu adressieren, da sie alsdann gezwungen sind, sich täglich zum Hauptpostamt zu begeben und an den dortigen Schaltern zu warten. Vorträge. Der Bethausverein Mikdasch me 'at, IL, Kl. Schiffgasse 8, veranstaltet jeden Samstag, um 5 Uhr nachmittags, religiös-wissenschaftliche Vorträge. Diesen Samstag wird Rabb. Dr. Wundermann sprechen. Wiener jüdisches Museum. In diesem Institut, Wien IL. Malzgasse 16, besitzen wir eine eminent wichtige Sehenswürdigkeit, die von Nah und Fern aufgesucht wird. Besonders legen wir den Besuch desselben seitens unserer gesamten heranwachsenden jüdischen Jugend, womöglich auch mit ihren Eltern, den Lehrern und Erziehern, vor allem besonders ans Herz. Nicht müde werden Knaben und Mädchen, Studenten und Studentinnen, das alles zu schauen, daraus zu lernen. Als in den letzten Tagen eine Gruppe intelligenter jüdischer Mädchen an der Pforte der von dem genialen Künstler Isidor Kaufmann eingerichteten elektrisch beleuchteten „Sabbatstube" stand, andächtig die große „Mesusa" küssend, das bescheiden und doch so vielsagende Interieur besichtigte und bewunderte, da sagte uns das viel, und ganz begeistert verließen alle das Museum, das an Sabbaten und Sonntags von 11—1 Uhr geöffnet ist und zu jungen, für alles Gute und Schöne empfänglichen Gemütern ganze Bände spricht. ]AC. MAVER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Deteilverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien II., Taborsfraße 44

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