Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 24 (19.6.1925)
- Date
- 1925-06-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Deutsc&üsferrelcliisclie Wodiensdirlfl!Qr {Bdlsdie Inleressai HU dem BciMatf: VerOifenlildiuiifieD der „Union deofsciidsterreidiisiher Mar Beöaktion und Administration: Wien WL, H^lsnwew A3. - Fernruf 42-2-1§ XLI. Jahrgang Wien, 19. Juni 1925 Nummer 24 Bedeutende jüdische Männer. (Aus dem Werke „Des Grecs et lesSemites dans PH i s t' o i r e d e PH u rna n i t ek\ Griechen U'rid Semiten in der, Geschichte der Menschheit. Von D r. P h. Hause r, Paris, A. Maloine) „Unter den zahlreichen Persönlichkeiten, welche die Bestimmunigen der Völker gelenkt haben, giibt es vifer, dlie durch ihre Intelligenz oder ihre Weisheit je eine markante Epoche in der Menschheitsgeschichte repräsentiert haben: Moses, Jesus, Spinoza und Karl Marx. Obgleich jeder auf eine verschiedene Art das Ideal der menschlichen Glückseligkeit aufgefaßt hat, haben alle vieres in der Befriedigung der. moralischen und materiellen Bedürfnisse 'der Gesamtheit gesucht, in der sie gelebt haben. Die beiden ersten fanden seine Verwirklichung im Aufbau dies monotheistischen Prinzips und iini der Erkenntnis der Beziehungen zwischen Gott und dein Mensohlen auf Grund der Offenbarung. Die beidien anidieren haben zwar als rationalistische Philosophen bei Zeiten alle Bande, die sie mit der Religion ihrer Vorfahren verbunden, zerschnitten; sie repräsentieren aber trotzdem nicht weniger die Prinzipien einer 'hohen Moralität, wie sie bei Spinoza in seinem Ideal der Liebe zu Gott, der Vernunft und Menschlichkeit (arnor Dei intellectualis) enthalten ist. Diese legen dlem Menschen die Pflicht auf, durch ■das Meiden aller natürlichen Leidenschaften die Unsterblichkeit zu erringen; das ist von hoher sozialer Bedeutung, weil es die Einigung der durch ihre Somdleiriinteressen und ihre Leidenschaften getrennten Menschen anstrebt. Was das Werk von Kart Marx anilanigt, so ilst es ohne Zweifel ein erhabenes Werk in Anbetracht der Erhöhung, die es der Würde 'der meinschlichen Persönlichkeit zuteil werden läßt, ändern es sich die Verbesserung des moralischen und materiellen Wohlseins von Millionen von Arbeitern zur Aufgabe macht. Die Aspirationen des von ihm begründeten Sozialismus unterliegen, wie alle menschlichen Schöpfungen, iDotwenidiigeirweise einer Entwicklung und werden im Verlaufe derselben zwingenderweise Kapital und Arbeit immer solidarischer zu machen streben; denn schließlich muß die Beteiligung der Arbeiter am Verdienst und ihre Mitarbeit unter den verschiedensten Formen aus dlem Arbeiter einen kleinen Kapitalisten machen, der in gleicher Weise an der1 Vermehrung ider Erträgnisse und der Erhöhung der Löhne interessiert ist. Diesie Evolution des Sozialismus führt unter günstigen Bedingungen mit Notwendigkeit dazu, daß Kapital und Arbeit, statt sich gegenseitig zu befehden, zu einem gemeinsamen Ziel sozusagen assoziiert sein werden. So sieht man, daß diese beiden tiefen Denker, der eine mit idealistischer, der andere mit realistischer Denkart ausgestattet (eine bei Männern von jüdischer Abkunft häufige Merkwürdigkeit) ihr Leben philosophischen und sozialen Problemen geweiht haben, deren Endzweck die Verbesserung des moralischen, intellektuellen unid materiellen Wohlseins der Menschheit beinhaltet. Außer diesen vier Persönlichkeiten, von denen jede eind Etappe in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit bedeutet, begegnen wir einer beträchtlichen Zahl hervorragender Männer von jüdischer Abstammung, weiche im Verlaufe des XIX. Jahrhunderts sich durch ihre wirksame Arbeit an der geistigen und sozialen Bewegung in Europa ausgezeichnet haben. Seitdem die französische Revolution alle Schranken zwischen den Menschen verschiedenen religiösen Glaubens zu Fall brachte, indem sie die Gleichheit alier Bürger vor dem Gesetze ausrief, konnten sich die Israeliten dem Studium der Wissenschaften und Künste widmen und sich aktiv an der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bewegung zunächst in Frankreich, sodann in England! unid Italien, zuletzt in! Oesterreich und Deutschland beteiligen, dank einer allmählichen Milderung der Sitten und dem Fortschreiten der zivilisatorischen Gedanken in allen europäischen Staaten. Nachdem sie sich die wissenschaftliche und literarische Kultur angeeignet hatten, haben sie sich zudem m i t d e m Fühlen und de m n a t f onalen Denken ihrer besonderen Länder identifiziert. Sie wußten sich dem Geschmack, den Ideen, dem Geist und Nationalgefühl dermaßen anzugleichen, 'daß es nicht mehr möglich ist, sie von ihren christlichen M i t b ü rgern zu unterscheiden. Es genügt, zwei große Patrioten zu zitieren, derer» Patriotismus, obwohl sie jüdischer Herkunft sind, legendär wurde: Der erste ist Daniel M. a n i n, dessen Vater aus dem Ghetto kam, der berühmte Verteidiger Venedigs gegen Oesterreich, welche Stadt sich, nach achtzehnmonatiger Belagerung durch Hunger unld Elend gezwungen, der brutalen Uebermacht ergeben mußte. Venedig hat sieine En reu schuld damit beglichen, daß es die Asche seines Helden unter den byzantinischen Arkaden des St. Marcus-Domes beisetzte. Der zweite ißt Leon G a m b e 11 a, dessen