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Die Wahrheit · 1925-06-12 · Heft 23 (12.6.1925) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 23 (12.6.1925)
Date
1925-06-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHgIT fsr. 23 Von Woche zu Woche Ein jüdisches Kriegerdenkmal. Den jüdischen Soldaten aus Oesterreich, die im Weltkriege gefallen sind, soll auf dem" Wiener jüdischen Friedhof ein Denkmal gesetzt werden. Durch ein mächtiges Monument aus Stein will die österreichische Judenschaft das Andenken jener 98.000 Söhne unseres Volkes ehren, die in treuer Pflichterfüllung ihr Leben für das Vaterland geopfert haben. Nur wenigen von ihnen war es vergönnt, in der heimatlichen Erde ihre letzte Ruhestätte zu finden, die meisten ruhen fern der Heimat, in den Sümpfen Wolhyniens, den stillen Bergen Tirols oder den kahlen Felsen des Karstes, dort, wo sie das unerbittliche Schicksal ereilt hat. Sie ruhen in unbekannten Massengräbern gemeinsam mit ihren nichtjüdischen Kameraden oder einsam irgendwo in weiter Ferne in der Erde, die sie mit ihrem Blute getränkt haben. Ihnen allen soll das Denkmal jüdischer Pietät gesetzt werden zum Zeichen, daß wir ihrer stets in Treue gedenken werden. Ein Schälerfest der Verbände jüdischer Eltern. Im Kasino Zögernitz fand am 24. Mai aus Anlaß der Lagbomer-Feier ein Fest statt, zu dem sich mehr als 1000 Eltern und Kinder eingefunden hatten. Es gab musikalische Aufführungen, Tanzarrangements, Vorführungen des Turnvereines, Kinderspiele, Freiübungen der Damen unter Leitung des Turnwartes Max Spielmann usw. Die Festrede hielt der Obmann des Vereines jüdischer Eltern, Dr. David R o t h b 1 u m, unter lebhaftem Beifall aller Anwesenden. Der große Saal des Kasinos war bis auf den letzten Platz gefüllt. Dr. Rothblum verstand es prächtig, seine Zuhörer für die Vereinszwecke zu begeistern, dem jungen Verein Freunde zu gewinnen. Dem gehaltvollen Vortrage folgten musikalische Aufführungen, an denen sich die Schüler der Musikakademie beteiligten, Max Lipschütz trug ein stimmungsvolles Gedicht „Die Animosität in Jerusalem" vor, während der dann eintretenden Pause ließen es sich die Damen des Vorstandes angelegen sein, ihre dem Verein zur Verfügung gestellten Bäckereien in Geld umzusetzen, um durch dessen Erlös die Zwecke des Vereines zu fördern. Es wurde flott gekauft, gesungen, geturnt, gespielt, so daß allen Anwesenden (üe schöne Lagbomer-Feier noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird. I. B. Doktorjubiläum. Die philosophische Fakultät der Universität Halle hat dem Rektor der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien, Professor Dr. Adolf Schwarz, aus Anlaß seines fünfzigjährigen Dcktorjubiläums „in Würdigung seiner zahlreichen wertvollen Arbeiten zur Wissenschaft des Judentums" das Diplom erneuert. Abschiedsfeier. Der Vorstand des österreichischen Kantorenvereines veranstaltete am 1. Juni, abends, in Barschaks Restauration eine Abschiedsfeier zu Ehren seines allseits beliebten Mitgliedes, des nach Hannover berufenen Kollegen, Oberkantors Israel Alter. Bei diesem Abende erschienen die zahlreichen Kollegen mit ihren Damen, der Vertreter des Brigittenauer Tempelvereines, die Herren Vorstände P i s k, F e 11 a 11 und Saborsky, der Erste Sekretär der Kultusgemeinde Guido Fuchsgelb, Professor Nasche, Vertreter der Chorsänger-Vereinigung, der Cafetier H e r 1 i nger und zahlreiche Freunde und Verehrer des scheidenden Oberkantors. Den Abend eröffnete der Präsident des Kantorenvereines. Herr Oberkantor L ö w i t, der die Ehrengäste und Versammelten mit herzlichen Worten begrüßte und den Zweck der Zusammenkunft in wirkungsvollen Worten schilderte. Er betonte den Fleiß und den Aufstieg des Abschiednenmenden. der in der Wiener Schule der Kantoren den Leistungen aller Kantoren lauschte, wie er alles in sich aufnahm und bereits eine bedeutende Stufe des Könnens erreichte, wovon er an der ersten Stelle vollgiltige Proben ablegte. Der Präsident nahm Abschied namens aller Kollegen, beglückwünschte den Scheidenden und gab der Hoffnung Ausdruck, daß er mit gleichem Fleiße sich fortbilden und in kurzer Zeit die Meisterschaft des Faches erreichen werde. Der Wunsch, dyß der Liebe Segungen ihn auch in die Ferne geleiten, fand ein stürmisches Echo in den Herzen aller Anwesenden. Es schlössen sich Kantor Grob, ferner in herzlichen Worten Kantor G w i 11 m a n n an. Zu ■ einer fesselnden * geistreichen Rede ergriff Herr Erster Sekretär Guido Fuchsgelb das Wart. Er führte aus, daß er als erster die Gelegenheit fand, den jungen Kantor zu/ hören, seine schöne Stimme und seine Qualitäten zu würdigen, und ihm einen entsprechenden Wirkungskreis anläßlich der hohen Feiertage einräumte. Er gab der Freude über den Aufstieg Alter's Ausdruck und sprach die Hoffnung aus, daß Alter in absehbarer Zeit in einem Begrüßungsfest gefeiert werden dürfte. Nun ergriff Oberkantor Müller das Wort, schilderte alle Eindrücke vom ersten Schritte des Gefeierten bis zum heutigen Tage und schloß, daß es ihn mit Stolz erfüllte, daß Alter nicht nur sein, sondern auch aller Wiener Kantoren Freund ist und daß er die Ehre der Wiener Kantoren ins Ausland trägt. Zum Schlüsse meldete sich unter allseitiger Spannung Professor Nasche zum Wort. In stürmisch akklamierter. heiterer und geistreicher Weise faßte er die Eindrücke' der Reden des Abends zusammen und fand großen Beifall. Hierauf schloß Oberkantor Alter in gerührten Worten des Dankes den Abend und versicherte, daß ihm die Ehre, die Liebe und die Beweise der Anerkennung unvergeßlich bleiben werden und der Treue Gedenken wird ihm auch in seinem neuen Wirkungskreise nicht entrückt werden. In vorgerückter Abendstunde schloß den schöne und erhebende Abend. Barmizwahfeier. Samstag, 30. Mai (2. Schewuostag), fand im Leopoldstädter Tempel die Barmizwahfeier des Realschülers Berny Antscherl, Sohn des bekannten Musikprofessors Herrn Heinrich Antscherl und Enkel des allbeliebten Herrn Religionsprofessors Herrn Moritz Antscherl, statt. Der Barmizwant trug die Haftora mit besonderer Wärme und Verständnis vor und das den Tempel in allen Räumen füllende distinguierte Publikum lauschte bei feierlicher Stille auf die rührende Ansprache Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d und mit besonderer Weihe und eindrucksvollem Vortrage rezitierten Mischeberach des Herrn Oberkantor H. Fischer. Bei der häuslichen Feier waren unter zahlreichen Honoratioren erschienen Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d, Herr Rabbiner Schenk, Herr Vorstand Doktor E. Münz, Herr Verwalter Max Schwager, Herr Prof. Dr. H u ß, Herr Oberkantor H. Fischer, Herr Oberkantor Müller und zahlreiche Freunde der Familie. 70. Geburtstag. Am 30. Mai feierte Herr Julius F r e u d e r, ein angesehenes Vorstandsmitglied der Rembrandtschul, seinen siebzigsten Geburtstag. Herr Freuder entstammt einer alten Patrizierfamiiie, ist ein Cousin des Misrachiführers Rabbiner Kr am er und selbst seit vielen Jahren ein eifriger und aktiver Bezirksvertrauensmann des Misrachi. Herr Freuder war^ anläßlich seines 70. Geburtstages Gegenstand zahlreicher Lhrungen von sehen seiner Freunde und der Institutionen, in denen er tätig ist. Die Redaktion der „Wahrheit" schließt sich den Glückwünschen herzlichst an. Todesiall. Am 31. v. M. starb plötzlich Herr J. S. K o h n, Herausgeber des „Humorist". Derselbe erfreute sich in allen Gesellschafts- und Theaterkreisen großer Wertschätzung. Das Leichenbegängnis fand am 1. Juni statt. Die Funktion versah in würdiger Weise der Erste Kantor Leo Funke. Professor Nasche hielt dem Verblichenen einen rührenden Nachruf. Kultusfunktionär - Chewramann - Stelle. Bei der israelitischen Kultusgemeinde gelangt eine Stelle für die Funktionen eines Chewramannes zur Besetzung. Bewerber im Höchstalter von 40 Jahren, mit nachweisbar streng religiösem Lebenswandel, den entsprechenden Fachkenntnissen und der Fähigkeit zur Versehung einfacher kantoraler Funktionen wollen ihre Bewerbungsgesuche, ausgestattet mit den entsprechenden Nachweisen (Familienstand, Heimatzuständigkeit, Studium, eventuelle Dienstzeugnisse usw.) bis 15. Juni d. J. an das Sekretariat der israelitischen Kultusgemeinde, Wien I., Seitenstettengasse 4, einsenden. Kinder aufs Land! Der israelitische Humanitätsverein „Nachlat Jeschurun" eröffnet heuer wieder seine Ferienkolonie XX in Vöslau „Floriahof" vom 15. Juni bis 11. September, für Knaben und Mädchen von 6 bis 14 Jahren. Anmeldungen der noch restlichen Plätze bis längsten 5. Juni bei Herrn Ignaz Neufeld, Wien VII., Mariahilferstraße 80. AC. MAVER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Delailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien II.. Taborstraße 44

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