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Die Wahrheit · 1925-06-05 · Heft 22 (5.6.1925) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 22 (5.6.1925)
Date
1925-06-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT DeutscftOsferreltiilscbe Woctiensdirtll Ifta* ffidlsdie Interessen nil dem Deiblatt: Veröffenflitiiiingen der „Union deatscMsteirekttsffier Juder* Redaktion tmd Administration: TOri«»m WL. 13, — Ferarnt 42-2-18 XLL Jahrgang Wien, 5. Juni 1925 Nummer 22 Enthüllungen und Entdeckungen. Von, Dr. Franz Josef Weiß. Als im Jahre 1884 Papst Leo XIII. seine.bekannte Enzyklika „Humanuni genus" erlassen hatte, in welcher er die Freimaurer als einen Bund des Teufels bezeichnete und die katholische Christenheit zu ihrer Bekämpfimg aufforderte, „da traf," wie der deutsche Jesuitenpater Gruber, ein in katholischen Kreisen bekannter Freimaurerkenner, damals schrieb, „der Strahl der göttlichen Gnade einen bis dahin im höchsten Grade kirchenfeindlichen Atheisten und Schriftsteller, der vielleicht mehr als irgendein anderer berufen war, die Aufforderung des Statthalters Christi nach Entlarvung der Ruchlosen zu verwirklichen". Der also Begnadete war Leo Taxil, mit seinem eigentlichen Namen hieß er Gabriel Jogand und stammte aus Marseille, sein Mitarbeiter nannte sich „Dr. Bataille". Diese beiden — oder war es ein und derselbe? — erbrachten mm den Nachweis, „daß die Freimaurer tatsächlich die Kirche Satans auf Erden seien". Die von Leo Taxil massenhaft herausgegebenen Antifreimaurerschriften wurden von seinen Glaubensgenossen direkt verschlungen und trugen ihren (ihrem?) Verfasser nebst einem ansehnlichen Gewinn auch den apostolischen Segen ein. Die „Enthüllungen" waren allerdings auch ganz ungeheuerliche, wie zum Beispiel die Geschichte von der Schlange, die einem jungen, ganz der Freimauerei verfallenen Mädchen namens Diana Vaughans mit dem Schwänze Prophezeihungen auf den Rücken schrieb oder die Geschichte des Teufels, der, um einen Freimaurer zu heiraten, sich zunächst in eine junge Dame verwandelte und am Abend in Gestalt eines Krokodils Klavier spielte. Noch größer jedoch war die Ueberraschung der genarrten Welt, als am 19. April 1897 Leo Taxil in einer großen, im Saale der Geographischen Gesellschaft in Paris abgehaltenen Versammlung erklärte, „er habe sich zwölf Jahre hindurch den Scherz geleistet, die katholische Welt irrezuführen". (Siehe P. Braenrilich, „Leo Taxils Schelmenstreiche," erschienen bei Peitz, Camburg a. S.) Von diesem Moment ab blieb die Welt durch einige Zeit mit solchen Offenbarungen verschont, nur das Ritualmordmärchen wurde ab und zu durch „Enthüllungen" aufgefrischt. Als aber nach dem Zusammenbruch Deutschlands im Weltkriege und dem Sturze der Monarchie die jungdeutsche, nationalreligiöse Bewegung auf der Suche nach einer passenden, wahrhaft „arischen" Weltanschauung es als wichtigste Vorbedingung einer innerlichen Erneuerung zu erkennen glaubte, sich der Fesseln des Judentums zu entledigen und demgemäß auch das Alte Testament abzuschaffen, da begann es abermals „Entlarvungen" und „Enthüllungen" zu regnen, die an Zahl und Verbreitung die Taxiischen Veröffentlichungen noch übertrafen. Wenn wir auch die Ansicht Braennlichs, „daß das Pariser Spötterkonsortium am Werke sei, um die deutschreligiöse Bewegung aufs Glatteis zu führen und lächerlich zu machen," nur mit Vorbehalt wiedergeben, so springt doch die Aehnlichkeit zwischen den 'seinerzeitigen Veröffentlichungen Taxils und den jüngsten Enthüllungen in die Augen. Vor allem ist d;_- Analogie zwischen den „Weisen von Zion" und den „Teufelskardinälen" Miß Vaughans eine so \veitgehende, daß man eigentlich nur überall statt „ 1 eufelskardinäle von Charleston" oder „Meister von Tibet" „Weise von Zion" sagen kann, nur daß diese „Weisen", wie sich dies für „Juden" gebührt, entsprechend grausamer sind. So wie damals die sich der Freimaurerei als willenloses Werkzeug bedienenden „Meister des höchsten luziferianischen Rates", so wollen hetute die „Weisen von Zion" von der Oeffentlichkeit völlig unbemerkt die ganze Welt im Dienste des Teufels verderben und vernichten, um auf den Trümmern der allgemeinen Kultur das Reich Judas aufzurichten. Wahrlich ein grausamer Plan! Leider sind die „Weisen von Zion** ebenso unauffindbar auf Erden wie die „Teufelskardinäle" Leo Taxils, deswegen aber, wie aus ihren „Protokollen" hervorgeht, nicht minder gefährlich. Wer diese „Protokolle" zuerst entdeckt hat, ist ebenfalls unbekannt, auch dürfte der Name des Verräters dieser Geheimnisse kaum, jemals bekannt werden, zumal dieser die grausame Räch der Verratenen zu fürchten hätte. „Nichtsdestoweniger sind diese Protokolle," wie Theodor Fritsch behauptet, „echt und bilden das Grundwesen des jüdischen Weltprogramms." Dennoch aber scheint genannter Forscher seiner Sache nicht vollkommen sicher zu sein, da er sich durch den Hinweis auf die Fälschungen Leo Taxils einigermaßen beunruhigt zeigt und jede Beziehung, der von ihm verfochtenen Protokolle mit den Enthüllungen Leo Taxils entschieden leugnet: „Was haben," ruft er aus, „solch nüchterne, ernste Dinge (gemeint sind die „Weisen von Zion", die Red.), deren Wahrhaftigkeit jedermann kontrollieren kann (auf welche Weise? Die Red.), mit dem Teufelsspuk eines Leo Taxil zu tun. In den Protokollen stehen so nüchterne. Tatsachen, daß jeder, wenn er um sich blickt, ihre bittere Wahrheit mit Händen greifen kann." Die bittere Wahrheit liegt leider darin, daß, wie schon die alten Römer sagten, die Welt betrogen werden will: mundus vult decipi. Darin hat sich leider trotz allen Kulturfortschrittes und aller Aufklärung nicht

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