Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 20 (22.5.1925)
- Date
- 1925-05-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT DeMscMsferreidtfsc&e wodKusmmi m lafflsme Interessen HB iem BeUriott: feröiiaitiidiiinjcn «er JDnioa flomcMlsfaTCRiyMMX JMar B«t>«ktfon tmd - rinmrf M-It £BBBBBSB9BSBSSaK XLI. Jahrgang Wien, 22. Mai 1925 Nummer 20 Noch einmal die Protokolle der Weisen von Zion. Von B. Segel. Zu den Artikeln, die die „Deutschösterreichische Tageszeitung" in ihren Nummern vom 6., 7. und 8. Mai über mein Buch „Die Protokolle der Weisen von Zion, kritisch beleuchtet, eine Erledigung" brachte, möchte ich mir folgende Bemerkungen erlauben. Es ist kennzeichnend für diese, wie für andere Erwiderungen der antisemitischen Blätter auf mein Buch, daß sie ihren Lesern die Hauptsache verschwiegen und sich an Nebensächlichkeiten klammern und dabei vorschwindeln, als hätten sie etwas „widerlegt". Lang und breit wird z. B. dargelegt, daß mein Beweis für die Nichtzugehörigkeit Jolys zum Judentum aus seiner von mir angeführten antijüdischen Aeußerung nicht stichhältig sei, da auch andere Judenstämmlinge schlecht über die Juden gesprochen haben. Aber diese Frage ist schon längst erledigt durch die Entdeckung der Parjser Monatsschrift „Paix et Droit", die in ihrem Novemberheft Auszüge aus der aufgefundenen Selbstbiographie Jolys mitteilte, aus denen hervorgeht, daß Joly als Sprößling einer altkatholischen, mit dem Adel verwandten Familie geboren wurde. 1878 hat er noch als Advokat in Paris fungiert. Was ich über das unflätig freche Gewäsch des Nitus betreffend die angebliche jüdische Pornographie sage, wird damit widerlegt, daß die „jüdische Presse" den „Juden" Bettauer in Schutz genommen habe. Diese jüdische Presse besteht aus dem „Tag", der doch wahrlich nicht den Anspruch erhebt, in den Anschauungen und Traditionen der Bibel und des Talmuds zu wurzeln. Dieser armselige Bettauer hatte mit dem Judentum genau so viel gemeinsam, wie etwa Bela Kun, Szamuely oder dergleichen. Diese Leute sind nur deswegen Juden, weil ihre Großväter es verabsäumt haben, sich taufen zu lassen. Es gehört ein großes Stück hartgesottener Frechheit dazu, solche Leute als Repräsentanten der „jüdischen Rasse" hinzustellen, die von dieser vorgeschickt werden, um v.'e Welt für sie zu erobern. So befindet sich z. B. unter all den „Juden", die in Rußland und im bolschewistischen Ungarn an mehr oder weniger hervorragenden Stelle standen, kein einziger, der jemals auf irgend einem Gebiete jüdischer Tätigkeit etwas bedeutet hätte, sei es als Schriftsteller, als Gelehrter, als sozialer Führer innerhalb der jüdischen Gemeinde oder anderen Gemeinschäftsinstitutionen der Fürsorge, der Volksaufklärung, der politischen oder wirtschaftlichen Organisation. Sie waren samt und sonders als Juden ihren Glaubens- oder Rassengenossen völlig unbekannt. Sehr viele von ihnen hatten längst dem Judentum den Rücken gekehrt und jeden Zusammenhang mit der jüdischen Gemeinschaft aufgegeben, andere hatten ihren Famüiennamen geändert, um ihre jüdische Abstammung unkenntlich zu machen» keiner von ihnen hat sich jemals um die inneren Fragen des jüdischen Lebens gekümmert; den Nöten und Sorgen der Juden und den Judentums standen sie stets gleichgültig und kalt gegenüber. Und auf einmal sollen gerade diese Männer von der „jüdischen Rasse" zu ihren Repräsentanten und Vorkämpfern auserwählt worden sein! Für Rußland hat all das Dimitri Bulaschow durch zahllose Belege mit Namen, Daten und Zahlen nachgewiesen. Und es ist sehr bezeichnend, daß die ganze antisemitische Pressemeute nicht einmal den Versuch gemacht hat, ihn zu widerlegen, obwohl sein Buch „Judentum und Bolschewismus" (Philoverlag, Berlin 1925) bereits im 5. Auflage vorliegt. Das Gleiche gilt von diesem armseligen Bettauer. Keiner hat jemals etwas gehört, daß dieser Mensch auf irgend einem Gebiete in intimerem geistigen Zusammenhange mit dem Judentum gestanden hätte; sicherlich hat er niemals stärkere Eindrücke von der jüdischen Lehre, von der Bibel oder dem Talmud erhalten. Diejenigen Juden, die sich mit jüdischer Literatur und Wissenschaft oder mit jüdischen Fragen beschäftigen, haben niemals seinen Namen gehört. Im Dezember vorigen Jahres bekam ich sein Blättchen in einem tschechoslowakischen Badeort zürn ersten Male zu Gesicht. Es wäre mir nie eingefallen, daß der Herausgeber mein Glaubens¬ oder Stammesgenosse sei. Ich erfuhr davon erst und zwar mit großem Erstaunen, als ihn ein antisemitischer Tugendwächter durch Mord beseitigen zu müssen glaubte. Und nun soll gerade dieser Bettauer auf dem Gebiete der Pornographie das Judentum repräsentieren. Bekanntlich hat Nilus in der Vorrede zu der vierten Auflage (1917) der „Protokolle" versichert, er habe erst jetzt erfahren, daß diese von H e r z 1, dem „Fürsten des Exils" auf dem ersten Baseler Zionistenkongreß, Herbst 1897, vorgetragen worden seien. Ich habe nun aus dem Text der Protokolle der Nachweis geführt, daß dies unmöglich ist, da in den Protokollen auf Vorgänge angespielt wird, die sich erst viel später zugetragen haben, z. B. die Wahl des „Panama'-Präsidenten, die erst am 18. Feber 1898 und die Erlässe des Leon Bourgeois über den Anschauungsunterricht, die erst am 17. und 20. September 1898 erflossen sind. Der Artikelschreiber macht nun die Konzession, daß die Pro-