Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 16 (24.4.1925)
- Date
- 1925-04-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 kes die Herren Berger und Drill, vom achten Bezirk Herr Philipp Weiß, von der Stumperschule Herr Z e i s 1 e r, die Herren Oberkantor Kaufmann, Margulies, K o g a n, Müller und Alter. Nachdem Herr Kantor Schell- Schechter das Schachrisgebet rezitiert hatte, wobei seine schöne geschulte Tenorstimme und sein musikalisch empfindungsvoller Vortrag zur Geltung kam, wurde das Jubelpaar, gefolgt von seinen Söhnen und Enkeln, unter den Klängen des Boruch-habo. vorgetragen vom verstärkten Chorpersonal unter Leitung des Dirigenten Vajda, vom Gesamtvorstande aus dem ZeTemoniensaal eingeholt und zu seinem von dem Mitgliede Tapezierermeister Ign. Schnürmacher mit einem .Baldachin festlich geschmückten Platze geführt. Der Jubilar, der selbst das Leinen hatte, wurde als Schlischi zur Thora gerufen. Nachdem Herr Oberkantor S. Weiß in einem Mischeberach den Segen Gottes auf den Jubilar und seine Gattiii herabgefleht hatte, hielt Herr Rabbiner Dr. Mehr er eine tiefdtirchdachte, feierliche Ansprache an dieselben. Es erfolgte hierauf die Begrüßung durch den Vereinsobmann, Herrn Ehrenpräs. Ad. Hof mann, der Herrn Bassel eine goldene Uhr überreichte als Sinnbild der Pünktlichkeit, der sich dieser stets befleißigt hatte und der gleichzeitig den einstimmigen Beschluß des Vorstandes mitteilte, bei der nächsten Generalversammlung die Ernennung des Jubilars zum Ehrenmitgliede des Tempelvereines zu beantragen. Herr Dr. P e t ö brachte sodann die Adresse des Tempelvereines zur Verlesung. Es folgten Ansprachen des Herrn Kultusvorstandes B. B u c h w a 1 d namens der Kultusgemeinde, der gleichfalls eine Adresse übermittelte, des Herrn Bezirksvorstehers R i s t e r namens der Bezirksvertretung Margareten, des Herrn Winternitz namens der Bezirksvertretung Wieden, des Herrn Dr. Friedlin g für die Bezirkskommission IV—V, der durch seine inhaltsreiche Ansprache besonderes Entzücken hervorrief, des Herrn Ing. S u ß m a n n für die zionistische Sektion Margareten, worauf Frau Präsidentin Karoline Hof mann das Jubelpaar im Namen des Frauenvereines Wieden-Margareten begrüßte und ihm einen silbernen Pokal überreichte. Herr Kantor Bassel dankte hierauf in tiefbewegten Worten und erflehte in einem selbstverfaßten Mischeberach den Segen des Allmächtigen für die gesamten Festgäste. Am gleichen Nachmittag überbrachte Herr Stadtr. Speiser nebst einem stattlichen Geschenk die Grüße der Stadt Wien. Sonntag mittags gratulierte der Präsident der Kultusgemeinde Herr Prof. Dr. A. Pick persönlich — Herr Bassel war auch viele Jahre in der Schechita der Gemeinde tätig — und abends erschienen alle Wiener Oberkantoren unter Führung ihres Präsidenten Herrn J. Low it, um ihre Glückwünsche abzustatten und einen silbernen Pokal zu überreichen nebst einer Adresse, mit welcher Herr Bassel zum Ehrenmitgliede des Kantorenverbandes ernannt wurde. Präsident Adolf Hofmann dankte sowohl Herrn Stadtrat Speiser als auch dem Kantorenverbande für die große Ehrung, die dem verdienstvollen Jubilar und damit auch dem Tempelvereine gezollt wurde. Oberkantor Lazarus gestorben. Die Pester israelitische Religionsgemeinde hat am 15. d. M. unerwarteterweise einen -schweren Verlust erlitten. Oberkantor Adolf Lazarus, der erst vor kurzem anläßlich seines 70. Geburtstages im Mittelpunkte herzlicher Ovationen gestanden war, ist am 15. d. M. plötzlich gestorben. Adolf Lazarus erblickte im Jahre 1853 in der Gemeinde Stomfa (Ungarn) das Licht der Welt. Schon während seiner talmudischen Studien in Pozsony fiel seine klangvolle Stimme auf. Nach Beendigung seiner Studien kam Lazarus nach Deutschland, wo er bei der jüdischen Gemeinde von Hannover als Oberkantor wirkte. Vor 35 Jahren wurde Lazarus nach Budapest berufen, wo er seither als Oberkantor des Tabakgassentempels und auch als Professor am Budapester Rabbinerseminar tätig war. Dun ist zum großen Teile die gründliche gesangliche Reform der jüdischen Gottesdienste, wie auch die Erziehung der neueren Generation der jüdischen Kantoren zu verdanken. Auch als Komponist jüdischer Tempellieder sowie als Erneuerer zahlreicher traditioneller jüdischer Melodien machte Lazarus sich in allen Musikkreisen bekannt. Vor wenigen Wochen fand sein 35jähriges Jubiläum als Oberkantor statt, bei welchem Anlasse ihm sowohl die Pester israelitische Religionsgemeinde als auch seine engeren Berufsgenossen in Ungarn und im Auslande (der österreichische Kantorenverein ernannte ihn damals zum Ehrenmitglied) herzlichste Ovationen bereiteten. Die ersten Ostertage wirkte Oberkantor Lazarus noch in voller Kraft im Tabakgassen- Tempel bei den Gottesdiensten mit. Seinen Tod beklagen außer seiner Gattin und seinen Kindern auch noch eine zahlreiche Verwandtschaft. Die Pester israelitische Religionsgemeinde hat folgende Traueranzeige ausgegeben: Gottes unerforschlicher Wille hat unsere Religionsgemeinde in tiefe Trauer gehüllt. Oberkantor Adolf Lazarus, der durch göttliche Inspiration gesegnete Scheliach Zibur, der Stolz unserer Religionsgemeinde, das Musterbild unvergleichlichen Pflichtbewußtseins, .ist gestorben. Fünfunddreißig Jahre hindurch hatte er in unserer Religionsgemeinde seinen hehren Beruf erfüllt, mit begnadeter großer Kunst und mit echt frommem, jüdischen Gefühl Unsere heiligen Gebete sind durch seine Lippen zum Allmächtigen emporgestiegen, seine heiligen Gesänge haben unsere Seelen gestärkt, die Trauernden getröstet und die Verzagenden mit neuer Hoffnung erfüllt Das Begräbnis fand Freitag, 17. d., vorm., 11 Uhr, im Räkoskereszturer Friedhofe statt. An der Spitze der Trauerversammlung erschienen die Vorstehung und der Ausschuß der Pester israelitischen Religionsgemeinde, geführt von deren Präsidenten Dr. Alexander Leder er. Ferner waren die Mitglieder des Budapester Rabbinats vollzählig erschienen. Abordnungen aller Religionsgemeinden der Hauptstadt und des Extravillans, des Landes-Rabbinerseminars und sämtlicher Wohltätigkeitsanstalten der Gemeinde gestalteten die Menge der erschienenen offiziellen Persönlichkeiten zu einer Vertretung der Gesamtheit des Budapester Judentums. Als Einleitung der Leichenfeier trug Oberkantor Linecky an der Spitze des verstärkten Tempelchors einen ungarischen Trauergesang vor. Sodann verabschiedete sich Oberrabbiner Dr. Julius Fischer von dem Verewigten. Redner schilderte ihn als ehrfurchtsvollen, von seinem heiligen Beruf völlig erfüllten Diener Gottes. „Die Seelen seiner Zuhörer bekamen Schwingen durch seine Gesangskunst und andachtsvolle Frömmigkeit Er war sich stets bewußt, daß er im Namen seiner Gemeinde zu Gott bete. Eine tiefreligiöse Seele wohnte in ihm. Von allen geschätzt und geliebt, wurden ihm erst vor kurzem, anläßlich seines 70. Geburtstages, der mit seinem 35. Berufsjubiläum als Kantor zusammenfiel, rauschende Ehrungen zuteil. Er aber blieb, was er immer war, ein bescheidener, stiller Mann, und ein ganzer, aufrichtiger, wahrer Mensch dazu." In Vertretung der Pester Religionsgemeinde widmete Präsident Dr. Leder er dem Dahingeschiedenen einen schwungvollen, warmgefühlten Nachruf, der in folgende Sätze ausklang: „Nie wollte er etwas anderes sein, als ein seine Pflicht erfüllender, frommer Diener Gottes und der Kultusgemeinde. Mit ihm, durch ihn vermochten wir zu beten. Mit ihm, durch ihn fühlten wir unser Gebet zu Gott emporsteigen." Hierauf folgten Abschiedsworte des Rabbmerseminardirektors Dr. Ludwig Blau und des Tempelvorstehers Julius K u 1 i n e r. Nach abermaligen Trauergesängen wurde der Sarg zu dem von der Chewra Kadischa beigestellten Ehrengrab geleitet. Es sprachen noch Rabbiner Dr. Sigmund Großmann und Kantor F ii 1 ö p. Todesfälle. Am 14. d. M. verschied nach langem schweren Leiden der Gründer, langjährige Obmann und Ehrenmitglied des Döblinger Tempelvereines, Herr Moritz Müller. Bescheiden und liebenswürdig als Mensch, treu und hilfsbereit als Freund, hat er sich die Liebe weiter Kreise, die Hochachtung der Verehrung aller, die ihm im Leben nahegestanden sind, erworben. Diese Beliebtheit kam auch bei seinem am 17. d. M. stattgefundenen Leichenbegängnisse zum Ausdruck. Eine ungemein große Gemeinde von Freunden und Verehrern scharten sich um den schlichten Sarg, an dem die trostlose Gattin Berta Müller, die Kinder Otto, Rosl und Dr. Olga Müller trauerten. Unter den zahlreichen Anwesenden bemerkte man unter anderen Herren Oberrabbiner Dr. H. P. iC h a j e s, in Vertretung der Kultusgemeinde Herrn Präsidenten Prof. Dr. A. P i c k mit Amtsleiter W. Fr e ist ad t für den Bethausvorstand der israelitischen Kultusgeimeinde Herrn Bezirksrat Julius Berger, der Vorstand des Döblinger Tempelvereines war vollzählig unter Führung des Präsidiums, ebenso zahlreiche Mitglieder erschienen, eine große Anzahl Mitglieder der Brudervereinigung Hort mit dem Präsidenten Dr. Gustav Modry, eine Deputation des zionistischen Landeskomitees unter Führung des Präsidenten Dr. J. Ehrlich u. a. nt Rabbiner Dr. Feuchtwang schilderte in beredten Worten die Verdienste des bescheidenen, edlen Menschenfreundes und treuen Sohnes unseres Volkes um seine Familie und die Döblinger sowie die Muttergemeinde. Die kantorale Funktion versah Oberkantor M aty as. — Sonntag, den 12. d. M. wurde der kleine Adolf, das einzige Kind des Ehepaares Jenö und Grete Leitner, geb. Ehrenreich, zur ewigen Ruhe bestattet. Dem Ehepaare und der Familie wendet sich die allgemeine Teilnahme zu..