Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 11 (20.3.1925)
- Date
- 1925-03-20
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 16 DIE WAHRHEIT Nr. 11 Max Schwager zu seiner silbernen Hochzeit. Er ist kein Künstler, kein Großindustrieller, keine geistige Kapazität und dennoch eine sehr bekannte Persönlichkeit im Wiener Judentum. Alle kennen den rastlosen Max Schwager mit seinem unverfälschten gütigen Lächeln und seinem stets hilfsbereiten Wesen. Ueberall, wo es gilt, ein gutes und schönes Werk zu fördern, kann man mit Bestimmtheit auf die Unterstützung Max Schwagers rechnen. Max Schwager ist ke'ne Persönlichkeit im konventionellem Sinne, sondern ein stets hilfsbereiter Mensch, wie man ihn heute selten mehr findet. Schon im zartesten Knabenalter war es ihm gegönnt, sich in den heiligen Dienst des Judentums zu stellen und die großen Altarkünstler der letzten Dezennien, wie Sulzer, Singer, QoIdstein, Guttmann, waren stolz darauf, in Max Schwager eine Stütze ihrer ausgezeichneten Tempelchöre gefunden zu haben. Der nunmehr gefeierte Jubilar beschränkte sich jedoch nicht allein auf seinen Beitrag zur Verherrlichung des jüdischen Gottesdienstes, sondern nahm auch regsten Anteil am jüdischen kulturellen Leben. So war er jahrzehntelang der Administrator der Blochschen Wochenschrift, Mitarbeiter und einer der intimsten Freunde des auf so tragische Weise verschiedenen Herausgebers der ..Jüdischen Volksstimme", Herrn Max Hickl s. A., gab selbständig mehrere kulturgeschichtliche Werke heraus, wie seinerzeit das dem Andenken des unvergeßlichen Vizepräsidenten der Wiener Kultusgemeinde Dr. Gustav Kohn gewidmete Buch, verschiedene lithurgische Werke für Kantoren und Rabbiner und mehrere andere, dem Gesamtjudentum nützliche Bücher. Seit der Wiedereröffnung des nach dem großen Brande restaurierten Leopoldstädter Tempels ist Max Schwager vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde zum Verwalter dieses größten Wriener Gotteshauses ernannt worden und wer nur einmal Gelegenheit hatte, sich persönlich von M. Schwagers Bemühungen um diese heiligen Hallen zu überzeugen, wird es begreifen, daß die vielen Ehrungen, die diesem braven Manne zu seinem silbernen Hochzeitsfeste, das er mit seiner edlen Gattin Frau Regine Schwager, geb Kohn, einer absolvierten Konservatoristin und bekannten Wiener Klavierpädagogin, am 21. d. M. begeht, bevorstehen, vollauf berechtigt sind. Josef Grob. Verein „Wohlfahrt". In Ergänzung unserer vorwöchenttichen gleichnamigen Notiz wäre noch zu berichten, daß der schon durch sein ersprießliches Wirken im „Sanierungskomitee" bestbekannte Herr Bezirksrat S. Weiner in der konstituierenden Vorstandssitzung zum zweiten Vizepräsidenten gewählt wurde. Judischer Kultur- und Tempelbau-Vereln Ottakrlng- Hernals. In der kürzlich stattgefundenen konstituierenden Sitzung dieses Vereines wurden gewählt: Zum Obmann Herr Rabbiner Dr. Julius Max Bach, zu dessen Stellvertretern die Herren Siegmund Weiler, Leopold Sitzmann und Ottomar Katz. zu Schriftführern die Herren Oberveterinärrat Heinrich Rosenzweig und Gottlieb Drab, zum Sekretär Herr Bundesbahn-Inspektor i. R. Siegmund Schlesinger und zu Kassieren die Herren Leopold Löwinger und Samuel Deutsch. Verein zur Ausspeisung armer isr. Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk in Wien. Die 23. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines findet Sonntag, den 22. März 1925, um 10 Uhr vormittags, im großen Saale des Vereinshauses, XVI., Wurlitzergasse 11, statt. Purimfeier der Bibelschule des XIX. Bezirkes. Am 10. März fand in den Räumen des Cafe Döblingerhof eine vom Komitee der Bibelschule des XIX. Bezirkes veranstaltete Purimfeier statt Nach einer eindrucksvollen Ansprache des Leiters der Bibelschule, Sr. Ehrw. Rabb. Dr. Frankfurter, an die Schüler wurden diese sowie die Zöglinge des israelitischen Waisenhauses von den Damen der jüdischen Döblinger Gesellschaft an reichlich gedeckten Jausentischen bewirtet. Die Bibelschule im XIX. Bezirk, die auf eine zweijährige Tätigkeit zurückblickt, hat viel zur Stärkung des Judentums im XIX. Bezirke beigetragen. In unentgeltlichem Unterricht erhalten die Schüler und Schülerinnen Unterweisung in Religion und in der hebräischen Sprache, sowie auch das rührige Komitee keine Gelegenheit vorübergehen läßt, der Jugend die Schönheiten unserer Feste vor Augen zu führen. (So z. B. erhalten alle die Bibelschule besuchenden 80 Kinder anläßlich des Baumfestes |c 15 Baumfrüchte.) Es wäre zu wünschen, daß diese schöne Institution jedweder Unterstützung und Förderung teilhaftig wird, um deren Bestand für fernere Tage zu sichern. Ing. Emanuel Tauber. Cbewra Kadlscha Baden. Bei der am Sonntag, den 15. d. M. stattgefundenen konstituierenden Vorstandssitzung wurden die Herren Ludwig Lackenbacher zum Präsidenten, Gustav Oedenburger zum Präsidenten-Stellvertreter, Josef L ö w i n g e r zum Kassier und Anton Stein zum ersien Beirat gewählt, welch letzterer von seiner langjährigen Tätigkeit in Wien bekannt ist. Todesfall. Am 13. d. M. wurde unter ungewöhnlich großer Beteiligung Frau Leopoldine T o n e 11 o, die im 66. Lebensjahre nach kurzem Leiden verschieden ist, zu Grabe getragen. An ihrer Bahre trauern die Kinder Oskar T o n e 11 o, Frieda Schlesinger, Grete K o 1 b, Harry und Eugen T o n e 11 o, die Schwiegerkinder Jesephlne Tone 11 o geb. Löwenbein, Julius Schlesinger und Rudolf Kolb, sowie die Enkelkinder Ernst Schlesinger und Erich Kolb. Die Verstorbene war eine tiefreligiöse Frau, die sich wegen ihres trefflichen, echt jüdischen Charakters wohlverdienter Achtung erfreute. Wer dieser prächtigen Frau jemals näher gekommen, der war von ihren vornehmen und dennoch schlichten Umgangsformen gefangen. Herr Rabbiner Dr. M. Grunwald konnte mit Recht in seiner ergreifenden Grabrede sagen, sie ist mit reinem Herzen durch das Leben gegangen. Bescheiden und wunschlos für ihre eigene Person lebte sie als ein Musterbild treuer Pflichterfüllung und widmete nach dem Tode ihres unvergeßlichen Mannes ihr ganzes Leben dem Wohle ihrer Kinder. Sie war deshalb die Sonne der Familie, von der strahlende Wärme ausging und die nun untergegangen, nachdem ihre allverehrten Kinder und Schwiegerkinder ihr den Lebensabend verschönt hatten. Herr Rabbiner Dr. Grunwald wies am Schlüsse seiner zu Herzen gehenden Rede auf das segensreiche Wirken ihrer Kinder hin, denen sich die Teilnahme weiter und angesehener Kreis zuwendet. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Heinrich Fischer mit großer Assistenz, der auch am offenen Grabe im Namen der Familie sowie im Namen der Vorstände des „Vereines jüdischer Gastwirte" und des „Vereines der Freunde des großen Lecpoldstädter Tempels" ein ergreifendes El mole rachamim anstimmte. Der tiefgebeugten Familie möge zum Trost dienen, daß die Verstorbene eine Zierde jüdischer Frauen war und als Vorbild in stetem Andenken weiterleben wird. Friede ihrer edlen Seele. Oberkantor Abrahamsohn, der von seinen Probevorträgen im großen Leopoldstädter Tempel bestbekannte Oberkantor des Budapester Rombachtempels, weilte dieser Tage zur Kur in Baden bei Wien und benützte die Gelegenheit, zweimal bei verschiedenen Anlässen zur Freude seiner Zuhörer Proben seiner Gesangskunst zu bieten. Neutra. Herr Arnold Grußmann, Schüler des Herrn Oberkantor Gerson Margulies, Wien, wurde nach einem mit großem Beifall aufgenommenen Probevortrage im Tempel der Kongreßgemeinde Neutra (C. S. R.) zum Oberkantor daselbst bestellt. Chanukkab und Weihnachten — eine Synthese. Folgende Sätze entnehmen wir wörtlich dem Organ Naumanns: Es wird von der Diskussion eines Vortrages gesprochen. Da heißt es: Die Mehrzahl der Redner, denen sich im Schlußwort auch Herr Dr. Peyser anschloß, stellte sich auf den Standpunkt, daß der deutschfühlende Jude beide Feste unbeschadet seines jüdischen Glaubens nebeneinander feiern könne, und zwar Chanukka als religiöses Fest, ohne gekünstelte Umschaffung zum Weihnachtsersatz, Weihnachten als deutsches, in dieser Form auch bei keinem anderen christlichen Volke gefeiertes Familienfest, ohne unwahrhaftige „Ch r i st e 1 e i". Wir wären unseren Lesern für die Empfehlung ähnlicher Scherzartikel dankbar. „Der Chanukkahleuchter — das passende Weihnachtsgeschenk" usw. Herrn Naumann sind wir für seine neue Synthese dankbar. Die reichsten Leute Deutschlands sind der Menge ihres Reichtums nach geordnet Hugo Stinnes, Krupp, Henckell von Donnersmarck, v. Goldschmidt, Rothschild, Hohenlohe- Oehringen, Fürst von Fless, Graf Schaffgotsch, Stumm, Thyssen. Darunter befindet sich ein einziger Jude._ Herbßt und wWet die „Wahrheit."