Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 8 (27.2.1925)
- Date
- 1925-02-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3064022-3064030--13484-3080991- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 12 DTE WAfflRfiEIT Mt. 8 Bemühungen und ersprießliche Tätigkeit im Dienste der „Wohlfahrt!' und Herrn Börserat Glück für die kostenlose Einräumung des Sitzungssaales des Tempelvereines Grüne Torgasse zu den Sektionssitzungen. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Wiedergewählt wurden die Herren: Ehrw. Rabb. Dr. Max Grunwald, Hermann David. Kultusrat David Dohan, Moriz Freund, Paul Friess, Direktor E. Gross, David Goldmann, Ludwig Hirschfeld, E. Juszkovits, Sigmund Kornmehl, Ignaz Müller, M. Oesterreicher, S. Oesterreicher, Rudolf Rudinger, Ignaz Schwarz, Oskar Tonello, Bezirksrat S. Weiner, Max Mich. Weiss, Dr. Walter Werner, Ignaz Walzer; neugewählt die Herren: B. Bürger, Ignaz Kohn, Ludwig Kranzthoi, Stadtbaumeister Edm. Melcher, Leo Weil, Julius Weinmann. Nach Erledigung der Tagesordnung schloß der Obmann mit nochmaligem Dank an die Anwesenden die Generalversammlung. Der Abbau der Korpulenz. In deis letzten Tagen rauschte durch den Blätterwald die Freudenbotschaft, daß es den Chirurgen gelungen ist. das überschüssige und überflüssige Fett der Korpulenten mit dem Messer zu beseitigen. In hochtrabenden Worten wurde dieser Fortschritt in der medizinischen Wissenschaft als Errungenschaft der Neuzeit gepriesen. Diese Operation wurde aber schon, wie der Talmud- Baba in. 83 b berichtet, im zweiten Jahrhundert von jüdischen Aerzten an R. Elasar, Sohn des R. Schimeon, vorgenommen. „Man gab ihm ein Schlafmittel", also narkotisierte ihn, heißt es daselbst „trug ihn in einen Marmorsaal, schnitt ihm den Bauch auf und entnahm ihm ganze Körbe Fett". Interessant ist, daß die damaligen jüdischen Aerzte nicht nur die Narkose kannten, sondern auch Marmorsäle zur Operation hatten, wie sie heute nur in Amerika zu finden sind. Barmizwahfeier. Am Samstag, den 21. Februar d. J. feierte der Student Hans Engel, Sohn des Oberbeamten Herrn Ludwig Engel und seiner Gemahlin Irene, geb. E i s i n g e r. sein Barmizwahfest im Großen Leopoldstädter Tempel. Der schönen Feier wohnten zahlreiche Freunde und Bekannte des Hauses bei. Nachdem Oberkantor Heinrich Fischer einen feierlichen Mischeberach zu Gehör gebracht, richtete Herr Rabbiner Dr. M. Grunwald an den Konfirmanden eine eindrucksvolle Ansprache. Vater und Sohn wurden von den zahlreichen Tempelbesuchern herzlichst beglückwünscht. 80. Geburtstag. Samstag, den 7. d. M. (Schabos Schira) fand im festlich beleuchteten und dekorierten Neudeggertempe! eine seltene Feier statt. Herr Fabrikant Phillip Weiß, langjähriges Vorstandmitglied des Tempelvereines Josefstadt, feierte an diesem Tage in voller Rüstigkeit, die ihm die uneingeschränkte Ausübung seines Berufes gestattet, den 80. Geburtstag. Das zahlreiche Publikum, darunter das Gesamtpersonal der Firma Philipp Weiß & Söhne, bewies, welcher Sympathien sich der Jubilar in weitesten Kreisen erfreut. Derselbe erschien mit seinen Kindern und Kindeskindern im Tempel, wo ihn der Gesamtvorstand auf den Ehrensitz geleitete. Feierlich zur Thora gerufen, richtete Herr Rabbiner Dr. Moritz Bauer eine herzliche Ansprache an ihn, in der er die Verdienste des Jubilars um den Tempelverein Josefstadt, seine Bescheidenheit und stille segensreiche Tätigkeit hervorhob. Präsident Direktor Anton Stein sprach im Namen des Tempelvereines und des Vorstandes und überreichte Herrn Ph. Weiß ein künstlerisch ausgeführtes Ehrendiplom. Kommerzialrat B. B u c h w a 1 d überbrachte die Grüße des Präsidiums und des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde sowie der Chewra Kadischa, deren Delegierter der Jubilar schon seit einem Menschenalter ist, und überreichte ein im herzlichen Tone gehaltenes Gratulationsschreiben. Herr Oberkantor L e w i n rezitierte einen für diesen Anlaß verfaßten, überaus feierlichen Mischeberach. Der Jubilar benützte den schönen Anlaß zu namhaften Spenden für verschiedene Wohltätigkeitszwecke. — Mittags erschienen in der Wohnung, in der sich bereits die engste Familie und intime Freunde des Hauses eingefunden hatten, der Vorstand des Terapelvereines Josefstadt, Herr Präsident Dr. J. E n g e 1 für den Tempelverein VI.—VII., Präsident Adolf Hoffmann für den Tempelverein IV.—V., Michael Max Weiß für den Tempelverein IX., Gemeinderabbiner Doktor Beim I»llft<rf«^rn«c£aä«K€«l»«a»rett der großen PURIM-FEIER örMaössitow Wirtes ternrraieBlt Kuttfcrlfti Bid die vollstiRdise Kapelle J.fielger wrter pcrs. Leitttag des Dirlgeiten Bit Taglicht, Rabbiner Dr. Flesch und Vorsteher Felsenburg für den Tempel verein Stümper gasse. Der Jubilar erhielt zahlreiche Telegramme und Gratulationsschreiben, darunter vom Gremium der Wiener Kaufmannschaft, den Kuratorien des Blinden- und des Taubstummen-Institutes. Möge es dem strammen Achtziger von einer gütigen Vorsehung vergönnt sein, noch viele Jahre seines Lebens in ungeschwächter geistiger und körperlicher Frische zu genießen. Todesfall. Die Bestattung des Herrn Isidor Turner, welcher 40 Jahre lang Vorstandsmitglied; und zuletzt Präsident des Bethausvereines Emunas Awes war, fand unter starker Teilnahme am 17. d. M. statt. Unter anderem waren Vertreter der jKultiusgemeinde, der Chewra Kadischa XII/XV, Agudas Jisroel, Stumperschul erschienen. Rabbiner Weiß hielt einen ergreifenden Nachruf, in welchem er die Verdienste des Verblichenen um das Aufblühen des Bethausvereines schilderte. Präsident der Chewra Kadischa, Herr Goldschmidt, Vorstandsmitglied Herr K r e i s 1 e r und Mitglied des Vereines Herr Schwarzstein, hielten dem Verstorbenen herzliche Nachrufe. Die Familiennamen der Juden. Die Zeitschrift des deutschen Sprachvereines, eine wissenschaftliche Zeitung ersten Ranges, beschäftigt sich u. a. mit den deutschen Familiennamen (ihre Entstehung und Bedeutung) und bringt in Nr. 9/10 vom 1. Oktober 1924 unter dem Titel „Namen" folgende Notiz: „Die Familiennamen der Juden von Anna Reckwitz. Süddeutsche Israelitische Wochenschrift Nr. 5 und Nr. 6 vom 20. und 27. Juli, leitet die jüdischen Namen ab aus: 1. alten Vornamen. 2. Ortsnamen, 3. Hausnamen, 4. Stand und Beruf, 5. Eigenschaftsundt Spottnamen, 6. Phantasienamen. Der Aufsatz enthält mancherlei Aufschluß über diesen besonderen Abschnitt der Namenwelt. So wird es manchem neu sein, daß Ebermann, Aberlieb aus Abraham entstanden ist, daß Seiser, Löser, Lessei auf Elieser, Hirsch und Herzel auf Naftali zurückgehen, daß der Name Brasch aus den Anfangsbuchstaben Ben Rabbi Schimon erklärt wird" Wir bringen das Angeführte nicht bloß wegen seines Inhaltes, sondern auch aus folgendem Grunde: Der Sprachverein betont in seiner Zeitschrift den vaterländischen Gedanken und sieht in der deutschen Sprache das höchste Gut, das dem deutschen Volk nach dem Unglücke des Weltkrieges geblieben ist. Nichtsdestoweniger betrachtet er sprachliche Erscheinungen bei den deutschen Juden unparteiisch und bringt sie seinem zahlreichen Leserkreis in Deutschland, der Schweiz und Oesterreich zur Kenntnis wie jede andere Erscheinung auf dem Gebiete der deutschen Sprache, mit der ein großer Teil des Judentums seit Jahrhunderten innig verwachsen ist. Dr. E. W. Billiger Mittagstisch in der Mittelstandsküche „Woja". Die Mittelstandsküche „Woja" lädt zum Besuche ihrer Küche I., Griechengasse 3, ein. Daselbst wird ein Menü, bestehend aus: Suppe, Fleischspeise, Zuspeise und Mehlspeise, um K 8000, ein zweites, bestehend aus: Suppe, große Fleischspeise, Zuspeise, Beilage und Mehlspeise, um K 13.000 verabreicht Außerdem Speisen nach Wahl. Die Speisen werden streng rituell zubereitet. Arztensstelle. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien teilt mit: In.der Versorgungsanstalt (Altersversorgungs- und Siechenhaus) der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien, 9. Bezirk, Seegasse 9, gelangt die Stelle eines Sekundararztes (Sekundarärztin) zur Besetzung. Für die Anstellung ist erforderlich: die österreichische Buridesbürgerschaft, die Berechtigung zur Ausübung der Hellkunde in der österreichischen Republik, lediger Stand, ein Alter von unter 35 Jahren. Mit dieser Stelle sind nebst den Barbezügen, freie Wohnung und Verpflegung in der Anstalt verbunden. Mit den Personaldokumenten (ärztliches Diplom, Nachweis, der Zugehörigkeit zum Judentume, Zeugnisse über bisherige ärztliche, möglichst spitalsärztliche Tätigkeit) belegte Gesuche sind an den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien 1. Bezirk, Seitenstettengasse 4, bis längstens 15. März d. J. einzureichen. > Für die bevorstehenden Osterfeiertage. Hiermit bezeugt das endesgefertigte Bezirksrabbinat, daß das Kokosfett „Kunerol" mit Ostersiegel, unter strenger Aufsicht erzeugt wird und daher von jedem strenggläubigen Juden mit ruhigem Gewissen in den Osterfeiertagen verwendet werden kann. Mattersdorf, 1. Adar 5685. S. B. Ehrenfeld, Sohn des Rabbiners Samuel Ehrenfeld, Verfasser des Werkes Chok Sofer und Enkel des Chsam Sofer.