Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 8 (27.2.1925)
- Date
- 1925-02-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. g menten zu lösen vermag. Die stichhaltigste Erklärung ist eben die, daß man es mit einem bewußten oder unbewußten Ausfluß gehässiger Rasseninstinkte zu tun hat, die sich wie immer auch in diesem Falle Just gegen eine der geplagtesten und armseligsten Schichten des „gefährlichen" Judentums kehrt. Es ist deshalb um so trauriger, wenn auch die Gedankenlosigkeit wohlhabender Juden den Kampf gegen die „Belästigung" durch den Hausierer mitmacht. Man höre endlich auf, Menschen, dfe auf harte Weise ein kärgliches Brot verdienen wollen, Prügel vor die Füße zu werfen, weil sie einem überfeinerten ästhetischen Geschmack irgendwo stilwidrig das Landschaftsbild zu beeinträchtigen scheinen .... Dr. Hugo Spie gl er. Der Schirm- und Schutzherr der deutschvölkischen Bewegung. Bekanntlich haben vor einigen Tagen General Ludendorff, von Graefe und Strasser die Reicbsführerschaft der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung Groß-Deutschlands niedergelegt und auch im „Deutschen Tapbla+t" sowie Im „Reichswart" bekanntgegeben, daß die nationalsozialistische Freiheitspartei in ihrer jetzigen Form zu bestehen aufgehört hat. Also ein sehr schnelles Ende haben die so Treudeutschen in Norddeu^chland genommen. Aber schon tritt eine andere Partei ans Ruder, und zwar mit dem wohlklingenden Namen ,-Soziale Ständegemeinschaft" mit dem Hauptsitz in Berlin. Der Aufruf der größenwahnsinnigen Führer, wie sie vom eigenen völkischen Freund Hermann Esser im „Nationalsozialisten" Nr. 23 benannt werden, lautet wörtlich: ..Es ist die Aufgabe des heute lebenden deutschen Geschlechtes, die jüdische Weltherrschaft zu zerschlagen. Alle politischen Parteien sind heute unmittelbar oder mittelbar durch Kapitalismus. Korruption, Parlamentarismus und Erfüllungspolitik unbewußte oder bewußte Werkzeuge des Weltjudentums. Die neue Refchsregierung hat bereits erklärt, daß sie nur die Fortsetzung der bisherigen Regierungen sei und parlamentarisch die Erf Altan? der Dawes-Gesetze genau so weiterzuführen gedenke. Die Unterwerfung ist damit erneut bestätigt und bekräftigt." Der große General Ludendorff, der Held des Weltkrieges, bleibt ..Schirm- und Schutzherr" der neuen Partei. Was sagt man in München, rf>sp. in Bavern dazu? „Man staune!", schreibt Esser wörtlich, ..es scheint, daß dfe pseudonatfonalsozialistischen Mandatsschfnder (gemeint sind Ludendorff. Wulle. Reventlow usw.) in Berlin, die aus der Hitlerschen Massenbewegung, die sie so billig übernommen, in wenigen Monaten eine Stantmtischpartei gemacht liaben, sich darauf geeinigt haben, ihren Verrat an Hitler damit zu bemänteln, daß sie ihm Kompromisse in der römischen Frage unterschieben. So hat bekanntlich der größenwahnsinnige Intrigantenkönig Wulle schon auf der Preußentagung vor einigen Tagen erklärt: ,Der Ultramontanismus sei die weitaus größte Gefahr, schlimmer noch, als die jüdische', Hitler habe dem Ministerpräsidenten Dr. Held in München einen Besuch gemacht. Die Gefahr bestünde, daß Hitler, durch die lange Haft vielleicht mürbe gemacht, sich vor dem Ultramontanismus beuge. Der hochgeborene Graf Reventlow schlägt we'ter in die Kerbe, wobei er ebenfalls, wie wir konstatieren müssen, Adolf Hitler einer politischen Charakterlosigkeit für fähig hält. Reventlow schreibt: ,Es wäre auch wirklich merkwürdig genug, wenn Politiker wie Held und seine Hinterleute versäumt hätten. Hitler zu binden, bzw. zu verpflichten unter Androhung der zwei sehr einfachen Mittel: weiteres Verbot der Partei und Wiederfestsetzung Hitlers, sobald dieser etwas tue, das den politischen Beherrschern Bayerns nicht gefalle.' Nun sagt Esser weiter: .,Du mußt dich verschnaufen, Brüderl, es geht nicht so, wie du völkischer Jesuit es haben willst. Ein Schurke, wer noch eine Stunde zaudert Heraus mit dfr, alter Nationalsozialist, aus dem Schwindel- und Verräterkonzern der Wulle, Graefe. Reventlow und Konsorten." Also das ist die Ansicht der Völkischen in Bavern über die Größenwahnsinnigen der Sozialen Stand egemein- ■^chaft. Nun, Herr Ludendorff hat immer Glück, erst der große General im Weltkriege, dann großer Geschichtsschreiber, der;v-ch mit dieser oder jener Lüge arbeitet. Als Abgeordneter ht er auch nicht so übel — meinen die völkischen Jünglinge v~r dem Reichstag in Berlin. Als Schirm- und Schutzherr wird t:r sicher auch viel Glück haben. Also, Herr Ludendorff, nun zeigen Sie, bitte, was Sie leisten können. S. Jacoby. Theater, Kunst u. Literatur Künstlerischer Abend des Verbandes der Fachpresse. Der am 18. d. M. im Hotel Continental veranstaltete künstlerische Abend bot ein ungemein fesselndes Programm. Herr Karl Norbert von der Staatsoper sang, von der Pianistin Hilde Löwe feinfühlig am Flügel begleitet, mit mächtiger, herrlicher Stimme Arien aus ,.Eugen Onegin" und ..Ernani" und erntete lebhaftesten Beifall. Meister Edmund Eys'ler, stürmisch begrüßt, spielte ein Potpourri aus eigenen Werken und wurde bejubelt. Frau Käthe von Gutmann rezitierte stimmungsvoll einige Gedichte und zeigte sich als Meisterin der Vortragskunst. Eine Glanzleistung bot das Bittner-Ouartett (Bittner, Geißler, Kausei, Schuster,?m Klavier Robert Puch er \ das heitere Quartette, auserlesene Tonstücke, sehr wirkungsvoll zu Gehör brachte und sich zu vielen Zugaben entschließen mußte. Frau Kammersängerin Wanda Achsel-Clemens wirkte fasz'nJprend. sang mit ihrer blendenden, klangschönen Stimme d5e Fluth-Arie aus ..Di" lust^en Weiber von Winds^r" und rrhipit störrischen Beifall. E'ne vorzüglirnp Leistung bot Fräulein Fmmv Perov. dr>s ifinp-ste M'+fHed des Purgfhpif^rs. m't dpm rf»i^v°Hen und anmut'Vpn Vortrage heilerer Gedichte. Mit prr^Rpm. Befall wurde Frau D e 1 a L i n i n s- V a i a v^m ..cimpJi7i«simus" beda.-.ht. die in ihrer unnaebphmorifffnr.ilen yVrf russische Lieder sang. Fur"r«!ch3"sr>io1er Philinn 7e*ka ^pip-te »nfs pene sein* schr'f+stelleri^he und sehAii«Tvp1,»rfcMiA Rpnrijvirxr dt,roh den wirkungsvollen Vnrtr3f s»ibc+v«»rfoRtPT Oedicbte. Die künstlerische Leitung lag in den Handln des Professors Ludwig Mahler.. - JfipMc G*>fd«teln: ..R a s s e und Politik. Dieses be- Jonnte r*»*s vcnrnnp-Hrb dpr R*»rlf«*»r Pbilo-Verlatj }iF»roii<;<ToV>*-o/->'iit Hat i<:+ ipt^t rhrrch dpn Ernst O'd^iKnrir-Vprljig in T ,p?r»7f«r übernommpn worden, und es ist zu hoffen. daR dör Ti^iip T p!r>^'orPr V^rlqfir p'tip pbonco. fnfpns'vo T>rorsqp-iriH.i für H*»s ViiHtii-oH v'irhf'o-p "Werk Oeldste?n<; pntwifVolf Man soll in allen Kreisen auf Grund der wissenschaftlich durchschlagenden Ideen Goldsteins kulturpolitische Diskussionsabende über ..Rasse und Politik" veranstalten, was der Menschheitsentwicklung mehr nützen würde als aller antisemitische Erklärungskleister. Die Menschheit könnte bei dieser Gelegenheit einige Stücke ihrer DekadenzphllosoDhie, die zweifellos zum großen Teil auf das Konto der antisemitischen Destruktion zu bringen ist, loswerden. Gerade deshalb bildet Goldsteins Abhandlung für die antisemitische Rassenverblerdune e'ne dauernde Gefahr: aus diesem Grund kann die Lektüre von ..Rasse und Politik" nicht oft sre.r n u g und dringend jedem ehrlichen Knlturp^litiker empfohlen werden. Walter F u n d e r. Dr. F. Thellhaber: .Jüdische Fliecer im Weltkriege". Dieses Buch ist das erste, das der Schild-Verlag des Re'chsbundes jüdischer Frontsoldaten in der Reihe seiner Publikationen im eigenen Verlag herausbringt. Der Inhalt des Büches, das überaus fesselnd geschrieben und mit zahlreichen Illustrationen versehen ist. muß die Juden aller Völker in ganz besonders hohem Masse interessieren, weil es ein Ruhmesblatt von Selbstaufopferung, Tapferkeit und Wagemut der Juden überhaupt ist. Maimonides-Institut, 3. Bezirk, Hetzgasse 40, Samstag, %4 bis rs5 Uhr: Rabbiner Dr. A. Kaminka, Pentateuch. Montag, 6 bis 7 Uhr: Rabbiner Dr. A. Kaminka, Erklärung des Buches Jesaja; 7 bis 8 Uhr: Derselbe, Maimonides, More Nebuchim: Dienstag, 7 bis 8 Uhr: Rechtsanwalt Dr. Nissan Goldstein, Mischna, Baba Kama. juristisch erläutert; Mittwoch. 6 bis 7 Uhr: Pabbiner Dr. A. Kaminka. Talmud; 7 bis 8 Uhr: Derselbe, Maimonides. More Nebuchim; Samstag, Dienstas: und Donnerstag. Wl bis H8 Uhr: Dr. M. Wundermann, Bibelkurs für Studierende. JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien II., Taborstraße 44