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Die Wahrheit · 1925-02-27 · Heft 8 (27.2.1925) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 8 (27.2.1925)
Date
1925-02-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAH Deulscnösterreictiiscfte Wochenschrift igt ffldlsdie Interessen nn dem Beiblatt: Veröftentttdinngen der „Union demschösierreichischer Jaden** Redaktion und AÖministraflon: Wien HL. H«eBm«9tfratt«e 13. - Femruf 42-2.16 XLI. Jahrgang Wien, 27. Februar 3925 Nummer 8 An unsere Abonnenten! Die Administration der „Wahrheit" ist derzeit mit der Neuaniegung des Adressenkatasters beschäftigt und bittet Adressenänderungen, resp. Richtigstellungen uns umgehend bekannt zu geben. Administration der „Wahrheit'* Wien II., HeinestraBe 13. ^mmmmmmmmmmmmmkmmaBammmtmmmmBt?' Die Legende vom jüdischen Bolschewismus. Von Dimitri Bulaschow. Vor mir liegt die Nummer der „Königsberger Allgemeinen Zeitung" vom 13. September, die an zweiter Stelle einen ausführlichen Artikel über Sowjet-Rußland enthält, in dem die alte Lüge aufgefrischt und neu begründet wird, daß der Bolschewismus eine Schöpfung der Juden sei, der erste Schritt zur Begründung ihrer Weltherrschaft, wie sie in den Protokollen der Weisen von Zion geplant und beschrieben wurde. Von verschiedenen Seiten wurde uns dieser Artikel zugesandt. Offenbar hat er auf jüdische Leser Eindruck gemacht. Wir erhalten neuerdings öfter derartige Zusendungen, woraus man schließen kann, daß in letzter Zeit die Propaganda der Legende vom jüdischen Bolschewismus erheblich in der Provinzpresse zugenommen hat. Der Artikel des Königsberger Blattes ist für die antisemitische Kampfmethode besonders charakteristisch. Er gründet sich nämlich auf eine vor kurzem in Reval erschienenen Broschüre von Axel de Vries, aus der aber nur diejenigen Stellen zitiert werden, die eine ungünstige Deutung für die Juden zulassen. Der Verfasser rechnete bei der Abfassung seines Artikels wohl damit, daß ja doch niemand nach der Broschüre greifen werde. Wer es aber doch tut, der kann zum Beispiel auf Seite 75 der Broschüre folgendes lesen: Nur zu oft wird man in Westeuropa die Ansicht verlautbaren hören, daß die Juden den Kommunismus entdeckt hätten, daß der Kommunismus ein jüdisches Werkzeug sei, um Rußland in die Hände zu bekommen. Wer aber näher die Verhältnisse in Sowjet-Rußland kennt, wird bald zum Schluß kommen müssen, daß nur ein Mensch, dem die jüdische Frage, besonders unter den heutigen Verhältnissen in Rußland, ganz unbekannt ist, überhaupt zu einer solchen Ansicht kommen konnte. Von allen Antisemiten wird niemals in Betracht gezogen, daß die Kämpfe innerhalb der jüdischen Rasse zum mindesten ebenso scharf sind, wie sie unter den anderen Rassen und Völkern Europas vorkommen. Besonders klar tritt nun dieser Kampf fn der Sowjet- Union hervor. Nur ein Beispiel: Als in diesem Herbst viele Tausende von „Nep"-Leuten Moskau ausgewiesen wurden, konnte festgestellt werden, daß fast 90 Prozent dieser Leute Männer jüdischer Rasse waren . . . Der kommunistische Orden hat den Kampf gegen den jüdischen Bourgeois mit derselben Konsequenz geführt wie gegen den christlichen. Von diesem Gesichtspunkte aus ist es also ganz verfehlt, von einem jüdischen Plan der Besitzergreifung Rußlands zu sprechen. Es kommt aber noch ein anderer Umstand hinzu. Es ist Tatsache, daß die jüdische Rasse, wenn ihre Glieder einmal ihren alten Glauben abgelegt haben, in der Großstadt fast noch schneller dem Zersetzungsprozeß unterworfen ist wie andere Völkerschaften ... In Rußland sehen wir nun, daß durch die Politik der Sowjetregierung . . . eine gewaltige Bewegung in die jüdischen großen Ansiedelungsrayons gekommen ist. Dieser Umstand bedeutet für die jüdische Rasse in Rußland sicher eine große Gefahr, denn sowie die Angehörigen der jüdischen Rasse in die Großsiädte kommen, werden sie einer erbitterten und schonungslosen Propaganda der kommunistischen Partei, die gegen jede Religion, aber vor allem gegen die jüdische gerichtet ist, ausgesetzt. Besonders den Kampf gegen die jüdische Religion führt heute der kommunistische Orden mit den unglaublichsten Mitteln und mit einem Zynismus, der jeden Menschen, der für Ehrfurcht empfänglich ist, schaudern macht. Die Sowjetregierung gibt heute ein besonderes Witzblatt zum Kampfe gegen die Religion heraus, den sogenannten „Gottlosen" (Beloshnik). Dieser „Gottlose" kämpft vor allem gegen die jüdische Religion. Die Folge dieser Propaganda ist natürlich eine rasche Zersetzung der festen jüdischen Glaubensformen. Wenn wir nun in Betracht ziehen, daß der jüdischen Rasse jetzt in der Sowjet-Union ein gewaltiger Impuls zum Zug in die Großstadt eingeimpft ist und daß der Zersetzungsprozeß ihrer Rasseangehörigen durch die bolschewistische Propaganda unheimliche Fortschritte macht, so kann man es verstehen, daß in jüdischen Kreisen dieser Frage eine ernste Beachtung geschenkt wird . . . Es ist ein unheimlicher Vernichtungsprozeß, der sich im Judentum in der heutigen Sowjet-Union bemerkbar macht . . Um die unheimliche Macht zu verstehen, die die Kommunisten ausüben, verweist der Verfasser darauf, daß „die Führer der revolutionären Masse, die das alte Rußland zertrümmert haben, zum größten Teil aus den Reihen der russischen Ober-

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