Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 6 (13.2.1925)
- Date
- 1925-02-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Deutsdiösferrelchische Wochenschrift fflr indische Interessen HM dem Deihlatt; YeröftenOKhungen der „Union deutschösterreUhisdier Juden~ Redaktion und Administration: Wien Heünestrfflifie 13. - Fernruf 42-2-18 XLI. Jahrgang Wien, 13. Februar 1925 Nummer 6 Die volkische Bewegung in Deutschland. Von Siegfried J a c o b y, Berlin. Das Wesen der völkischen Bewegung in Deutschland wird am besten durch die Angabe eines völkischen Flugblattes gekennzeichnet, wonach die Nationalsozialistische Partei Deutschlands die Partei der geistig Enterbten sei. Durch die ganze Tätigkeit der Völkischen wird diese autoritative Aussage bestätigt. Die Völkischen beginnen mit ihren Auffassungen etwa da, wo die Stöcker und Ahlwardt, .die Väter der antisemitischen Demagogie, aufgehört haben. Ebenso wie die antisemitische Bewegung der Achtziger- und Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts, kann man die völkische Bewegung als den „Sozialismus der dummen Kerle" bezeichnen. Die politische Einstellung der Völkischen wird durch die wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen, die sich trotz des Krieges oder besser infolge des Krieges in der Welt vollzogen haben, nicht berührt. Ihre organisatorische Tätigkeit zeigt ein seltsames Gemisch von Abenteuerlust, Qewaltanbetung, romantische Phantastik mit Anklängen an die unverstandene sozialistische Gedankenwelt. Aus diesem Gewirre kann natürlich kein ernsthaftes Arbeitsprogramm entstehen, wenn auch noch so geschrien wird. Die Völkischen begnügen sich deshalb auch mit der Aufstellung von „Richtlinien", sie hüten sich aber vor der Feststellung eines „starren" Systems. Von der ganzen völkischen Fraktion gilt das, was der volksparteiliche Abgeordnete Dr. Kahl am 4. Juni 1924 im Reichstage von dem Abgeordneten Hennig gesagt hat: „Ihre Rede, Herr Mennig, hat ein Maß von politischer Minderwertigkeit dargestellt, das nicht zu überbieten ist. Sie haben die Palme aller demagogischen Reden hier im Hause zu erringen versucht." Die geistige Enterbung der völkischen Bewegung hat ihre Ursache in der wirtschaftlichen Enterbung sehr vieler völkischer Führer und deren Gefolgschaft. Wir finden bei den Völkischen vor allem jene Kreise, die durch den Krieg und seine Folgen aus ihrer bisherigen Bahn geraten sind und in ihrer Ratlosigkeit nunmehr ein leichtes Opfer der völkischen Phrasen werden. Die Haltlosigkeit der völkischen Bewegung, zugleich aber ihr reaktionärer Charakter, offenbarte sich schon bei ihrem Einzüge in den Reichstag. Auf Grund ihrer Behauptungen im Wahlkampf, sie seien eigentlich die sozialistischeste Partei, bestand zuerst die Neigung, sie noch hinter die Kommunisten zu setzen. Dagegen wehrten sie sich mit Händen und Füßen, sie verlangten als äußerste Rechtspartei anerkannt ziu werden, sie wünschten, daß ihnen die Plätze noch hinter den Deutschnationalen angewiesen werden, und schließlich hat man sie zwischen Deutschnationalen und Deutscher Volkspartei placiert. Die Völkische Partei ist ja nur aus Schmutz und Blut geboren, die ersten Truppen der völkischen Bewegung fanden sich in jenen Räuberbanden zusammen, die im Baltikum vorerst die Juden plünderten, dann aus Oberschicsien, Bayern und im Ruhrgebiet, wo sie mit allen Mitteln soldatischer Verrohung die freiheitliche Entwicklung der deutschen Republik zu hindern suchten. Der Abgeordnete Paul Lobe sagte am 5. Juni im Reichstage: „Wie können Sie überhaupt glauben, daß auf Ihre Seite eine Mehrheit des deutschen Volkes treten kann, wenn es sieht, welche lange blutige Spur hinter den Anfängen Ihrer Organisationen einhergeht" Der völkische Abgeordnete von (iraefe antwortete darauf wörtlich: „Herr Lobe hat erklärt, unsere Bewegung sei auf blutigen Wegen in die Erscheinung getreten. Jawohl, meine Herren, wir sind stolz darauf. (Im Hause „Hört! Hört!) Herr Graefe sagt weiter: „Wenn Sie sich ausgespuckt haben, hören Sie mir vielleicht zu. Meine Damen und Herren: Wir sind stolz darauf. Auf diesen Frontgeist, den wir als den Urquell unserer Bewegung betrachten, sind wir stolz!" So die Worte eines exponenten Führers einer völkischen Partei, die das deutsche Volk auf gesunde Wege und Bahnen lenken will. Ein Räuberhauptmann würde das nicht offen sagen, aber dieser Graefe ist ja der geistige Kopf dieser deutsch-völkischen Bewegung, das sagt schon alles. Herr Ludendorff, der so auf die verhaßte Juden-Republik schimpft, bekommt eine Pension von 22.000 Mark. In der Fraktion der völkischen Bewegung sind in der Legislaturperiode Mai-August 16 ehemalige Offiziere, ferner eine Anzahl höherer Verwaltungsbeamter gewesen, aber keiner dieser Herren hat bisher auf die Pension oder auf den Gehalt verzichtet, wie auich die einzelnen Abgeordneten in den einzelstaatlichen Parlamenten nie auf die Diäten, Freifahrkarten usw. entsagt hätten. Sie wollen aber das Vaterland unbedingt retten, man staune, unter 32 ehemaligen Abgeordneten sind nur 21 Front- und Etappenkämpfer. dagegen 11 Drückeberger. Die Namen der Herren sollen auch genannt werden: Chwatal,, Feder, Dr. Frick, Dr. Ganßer, Graf Reventlow, Dr. Roth, Schliep-