Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 3 (23.1.1925)
- Date
- 1925-01-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Deutschösferreichische Wochenschrift fOr indische Interessen Nil dem Beiblatt: Veröfientiidiungen der ..Union deuischösterreichisdier Juden" Redaktion und Administration Wft«»v» VI.. H«»aw»«**r«0« *». - Femruf 42-2-16 XLI. Jahrgang Wien, 21. Jänner 1925 Nummer 3 Wie und wo Hitler und Ludendorff Gelder „schnorren44. Von Siegfri?d J a c o b y, Berlin. Die seit langer Zeit festgestellten Beziehungen gewisser Kreise in der Schweiz zuden völkischen Organisationen Deutschlands haben das eidgenössische Justizdepartement sowie die schweizerische Bundesanwaltschaft zu einer amtlichen Untersuchung veranlaßt, die gegenwärtig noch schwebt. Dieses amtliche Verfahren mag wohl in der Hauptsache darauf zurückzuführen sein, daß eine hochgestellte militärische Persönlichkeit in der Schweiz m diese Angelegenheit verwickelt ist. Ohne der amtlichen Untersuchung vorgreifen zu wollen, kann ich heute schon folgende Feststellungen bekanntgeben, die für die Einleitung des Verfahrens maßgebend gewesen sind. Schon seit längerer Zeit bestand der Verdacht, daß die Finanzierung der Hitler-Organisation sowie des letzten Putsches und anderer Zweige der völkischen Bewegung in Deutschland zum großen Teil durch schweizerische Geldgeber besorgt wurden. In Frage kommen neben der erwähnten militärischen Persönlichkeit auch Industrielle und neben diesen mit den alldeutschen Bestrebungen sympathisierende Geiegenheitspolitiker in der Schweiz. Hitler war im Herbst 1923, also vor dem Putsch in München, in der Schweiz, und hat bei dieser Gelegenheit um finanzielle Unterstützung seiner Pläne geworben, und hierbei eine in die Zehntausende von Schweizer Franken gehende Summe erhalten. Diese Gelder sind dann zur Vorbereitung und Durchführung des Kovember-Putsches in München verwendet worden. Vor und nach den Besuchen Hitlers in der Schweiz bestanden schon engere Beziehungen zwischen einzelnen schweizerischen Persönlichkeiten und den völkischen Führern sowie zwischen den sogenannten vaterländischen Verbänden der Schweiz und Deutschlands. Ludendorff empfing in München den Besuch eines schweizerischen Generalstabsoffiziers, der sich mit ihm über die gegenseitigen Beziehungen der Organisationen unterhielt. Umgekehrt weilte Ludendorff zu dem gleichen Zweck auch in der Schweiz, Hm sich über die Möglichkeiten eines Ausbaues der schweizerischen Organisationen zu informieren. Ludendorff war übrigens nicht der einzige deutsche General, der sich in den völkischen Kreisen der Schweiz herumtrieb, unter anderen hat auch der glorreiche Verlierer der Marneschlacht die Gastfreundschaft der Schweizer Freunde Ludendorffs und Hittlers genössen. Die organisatorischen Beziehungen bestehen heute noch weiter und wurden im Laufe der Zeit sogar noch weiter ausgebaut. Die Zusammenarbeit geht so weit, daß die Pläne von gewaltsamen Erhebungen gemeinsam ausgearbeitet werden. Es ist anzunehmen, daß die amtliche Untersuchung sich auch nach dieser Richtung ausdehnen wird. Die Geldmittel sind endlos geflossen. Erst kurz vor dem Putsch hat Hittler anläßlich seiner persönlichen Anwesenheit in der Schweiz 33.000 Franken erhalten. Was speziell mit dieser ihm persönlich ausgehändigten Summe geschehen ist, ob er sie ausschließlich für sich verwendet hat oder auf welche Art sie verbraucht wurde — darüber ist er selbst seinen schweizerischen Geldgebern bisher Rechenschaft schuldig geblieben. Wie ich schon oben schrieb, weilte außer Hitler auch Ludendorff in der Schweiz, nicht etwa zur Kur, sondern dieser „nationale" Mann hat dort mit schweizerischen Generalstabsoffizieren, also Ausländern „vertrauliche Verhandlungen"* über die Vorbereitung des Münchener Putsches unseligen Angedenkens gepflogen. Das ist der bayrischen und der Berliner Regierung nicht unbekannt geblieben, und soweit ich informiert bin, gibt es auch im Reichswehrministerium hohe Militärs, die von dieser Reise und ihrem Zweck unterrichtet waren. Ludendorff hat aber im Verlauf des Hitler-Prozesses wiederholt erklärt, daß er jede „gewaltsame Erhebung" der völkischen Bewegung ablehne. Das Gericht glaubte seinen Darlegungen und machte sie sich in der Urteilsbegründung sogar auch teilweise zu eigen. Nur deshalb wurde Ludendorit freigesprochen. Aus dem amtlichen Material der Schweizer Regierung ergibt sich jedoch, daß Ludendorff schon damals, als er in der Schweiz weilte, die Teilnahme an einer gewaltsamen Aenderung der bestehenden Verhältnisse beabsichtigt hat, ja er sc?ll sogar gemeinsam mit den schweizerischen Offizieren einen Putschplan ausgearbeitet haben; also nicht nur das Geld, sondern auch die geistigen Voraussetzungen von Putschen holten sich die „so treuteutschen Männer" aus der Schweiz. Weder die amtlichen Persönlichkeiten Bayerns, noch die unterrichteten Persönlichkeiten im Reiche, vor allem Berlin, haben den Mut aufgebracht, die Ausführungen Ludendorffs im Verlaufe des Prozesses zu widerlegen und der Wahrheit die Ehre zu geben. So wurde in Deutschland ein Mann freigesprochen, der in Wirklichkeit irgendwo anders hingehört als in den Reichstag zu Berlin. Ein Wiederaufnahmeverfahren gegen das Urteil des Volksgerichtes ist vorläufig nicht möglich- Aber es ist eine der dringendsten Pflichten des jetzigen Reichs-