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Die Wahrheit · 1925-01-07 · Heft 1 (7.1.1925) · page 17

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 1 (7.1.1925)
Date
1925-01-07
Page
– (sequence 17)
Language
German
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bewilligt. Die feierliche Enthüllung dieser Tafel, <4ie der Verein gestiftet hat, fand Dienstag, den 30. v. M., dem Jahrestage des Ablebens Dr. E. Thalers, im Rahmen des Abendgottesdienstes, bei dem Oberkantor Heinrich Fischer ebenso wie bei der anschließenden Gedenkfeier mit großem Chor mitwirkte, statt. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max G r u u \v a 1 d sagte in seiner Ansprache etwa folgendes: Dr. Thal er war tiach dem Prophetenworte edel im Rat und auf seinem Rate treu beharrend edel in der Tat. Als er in die Aktion für den Wiederaufbau des Leopoldstädter Tempels eintrat, schien die Frage an das Schicksal endgültig verneint: „Wird der Tempel jemals wieder auferstehen?" Offenbar deshalb, weil auch die Frage, die das Schicksal in dem Tempelbrand an die Wiener Juden gerichtet hatte: „Braucht ihr diesen Tempel noch?" mit einem deutlichen Nein beantwortet wurde. Seit dem Bau des Tempels vor 60 Jahren war eben eine neue Zeit heraufgezogen. Chronos hatte wieder eines seiner Kinder verschlungen. Die aber mit Dr. Thaler in den alten Anschauungen wurzelten und den Tempel als eine Notwendigkeit wiederherstellen wollten, mußten deshalb kämpfen. Nicht von einzelnen Gegnern sei die Rede. Die Gedenkfeier soll nicht ein Opfern der Feinde werden, wie die Trauer um Patroclus. Alle Voraussetzungen für einen Führer in diesem Kampfe gegen den neuen Zeitgeist besaß in idealer Vereinigung Dr. Thaler. Und er beharrte bei seinem Entschlüsse, während andere die Fahne verließen. Während Rüben seine Kinder als Geiseln stellt. Juda mit seiner eigenen Person für den jüngeren Bruder bürgt, stellte sich Dr. Thaler mit seiner Person und seinen Kindern in die Bresche. Er führte zum Siege. Von Kultus- und Bethausvorstand empfing er an der Spitze der Tempelfreunde öffentlichen Dank für die Verdienste um den Wiederaufbau. Er wußte auch, daß seine Arbeit würdige Fortsetzung erfahren werde. Die Worte auf der Gedenktafel kennzeichnen den Mann und sein Werk, das dem harmonischen Zusammenarbeiten mit allen den Kräften geweiht war, die der Kultusgemeinde Wohl und Ehre wahren wollen. — Sodann erfolgte im Vestibül des Tempels die Enthüllung der künstlerisch ausgeführten Gedenktafel. Bezirksrat Kultusvorsteher E. Hoffmann, der in Vertretung des Vorstandes der Kultusgemeinde mit dem I. Sekretär Dr. Adler erschienen war, übernahm die Tafel in den Besitz der Kultusgemeinde und gab seiner besonderen Genugtuung darüber Ausdruck, daß der Verein seinen verdienstvollen Obmann in solch schöner Form geehrt hatte, was ihm selbst zur Ehre gereiche. Redakteur Ludwig Hirschfeld dankte dem Präsidium und dem Vorstande der Kultusgemeinde für die Würdigung der Verdienste des leider zu früh verstorbenen Obmannes und für die Ehrung desselben durch die Anbringung der Gedenktafel im Gotteshause, die den Ruhm Dr. Thalers für ewige Zeiten künden solle. Er gab im Namen des Vereines die Erklärung ab, daß derselbe nach wie vor bemüht sein werde, mit der Gemeinde Hand in Hand zu arbeiten, um den Tempel wieder in seinem einstigen Glanz erstehen zu lassen. Redner dankte auch Herrn Ingenieur L i n d n e r. dem Leiter des Technischen Amtes der Kultusgemeinde, für die werktätige Unterstützung und kunstvolle Ausführung der Gedenktafel. Dr. Heinrich T h a 1 e r, der Sohn des Verstorbenen, gab tiefbewegt dem Dank der Familie gegenüber dem Vertreter der Kultusgemeinde sowie dem Vorstande des Vereines der Tempelfreunde für die Ehrung des Andenkens seines verewigten Vaters Ausdruck. Tempelverein „Aeschel Awrohom". Wie bereits berichtet, veranstaltet der Vorstand dieses Vereines Donnerstag, den 25. v. M., eine große Chanuka-Feier im Jubiläumstempel (II., Pazmanitengasse), welche sich durch die Einweihung einer bedeutend erweiterten Tempelbeleuchtung, die das schöne Gotteshaus im hellen Lichte erstrahlen ließ, besonders wirkungsvoll gestaltete. Rabbiner Dr. S. Funk hielt eine Festrede, in welcher er die Ereignisse seit dem nunmehr zehnjährigen Bestände des Tempels Revue passieren ließ und auf die hervorragenden Leistungen des Vorstandes, der unter Führung seines verdienstvollen Obmannes Oskar Schramek vollzählig erschienen war, und der Mitglieder des Tempelvereines hinwies. Ein besonderes Kapitel widmete Sr. Ehrwürden der unter Leitung des Obmannstellvertreters S. Adler stehenden -Bibelschule sowie den charitativen Einrichtungen des Vereines. Die kantorale Funktion versah Oberkantor J. L. Müller mit verstärktem Chor in gewohnt meisterhafter Weise. — Anschließend an die Tempelfeier fand im Restaurant J. N a g e 1 ein Festbankett statt, das infolge der Bemühungen des rührigen Komitees, bestehend aus den Herren Obmannstellvertreter I. Schönherz, Franz Engel und S. W a c h s in a n n, sehr stimmungsvoll verlief. Obmann Üskar Schramek begrüßte die zahlreich erschienen Festgäste, darunter Herrn und Frau Rabbiner Dr. S. Funk, eine Deputation des Oesterreichischen Kantorenvereines mit Obmann Oberkantor I. L ö w i t an der Spitze, und schilderte in kurzen Worten,den Anlaß, der die Mitglieder und Anhänger des Vereines zusammengeführt hatte. Nach einer mit großem Beifall aufgenommenen Rede Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiners Dr. S. Funk hielten die Herren S. Leenman n. Chefredakteur L. H i r s c h f e 1 d, Prof. Nasche, der alle Lichter seines urwüchsigen Humors aufsteckte, Franz Engel und S. Wechsler dem Charakter des Abends angepaßte Tischreden. Einen Sturm der Begeisterung lösten die liturgischen und gesanglichen Vorträge der als Gäste anwesenden Oberkantoren J. Alter (ganz besonders das Lied „A Heim", Text nud Musik von Oberkantor Em. Frankel), J. Müller, S. P o s t o 1 o w („Schlaf mein Kind", Jüdisches Volkslied von A. S h i t o v s k y) und A. Stift aus. Mit den hübschen Darbietungen der kleinen K o 1 le r, Tochter des Herrn Direktors Josef Koller, schloß die ebenso schöne als gelungene Feier. Trauungen. Sonntag, den 28. Dezember 1924, fand im Ottakringer Gemeindetempel die Trauung des Fräuleins Grete D o n a t, Tochter des bekannten und geachteten Kaufmannes Herrn Emanuel Donat, mit Herrn Bruno Täuber statt. Herr Rabbiner Dr J. M. Bach hielt au das Brautpaar eine herzliche Ansprache, in der er die jahrelangen, hervorragenden Verdienste des Vaters der Braut im Verein zur Ausspeisung armer Schulkinder rühmend erwähnte. Unter der großen Zahl der Gäste, die das Gotteshaus füllten, sah man den Gesamtvorstand des genannten Vereines mit dem Präsidenten Herrn Direktor K a h a n e an der Spitze und Vertreter aller Wohltätigkeitvereine des 16. und 17. Bezirkes. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Kogan mit Chor- und Harmoniumbegleitung in feierlicher Weise. — Donnerstag, den 1. d. M., fand im Tempel II., Leopoldsgasse, die Trauung des Fräulein Cilly Vorschirm, Tochter des Herrn S. Vorschirm und seiner Gattin Sophie, geb. Landau, mit Herrn Sigmund M a j e r c i j k, Sohn des Rotterdamer Großkaufmannes Herrn W. M a j e r c i j k und seiner Gattin Gisela, geb. Linden bäum, statt. Sowohl der Bräutigam wie auch die Barut stammen von hervorragenden jüdischen Gelehrtenfamilien und ist es nicht zuletzt der großen Verehrung, welcher sich das Brautpaar in weitesten Kreisen erfreut, zuzuschreiben, daß der Tempel bis zum letzten Plätzchen von illustren Gästen, darunter hochgestellten Vertretern öffentlicher Korporationen, gefüllt war. Der Trauungsakt wurde von Rabbiner M. Mayersohn und Oberkantor Emanuel F r ä n k e 1 mit verstärktem Chor in feierlicher Weise vollzogen. Die glänzende Tafel am Abend im Hotel Continental sah einen auserlesenen Kreis von Festgästen und es sei hervorgehoben, daß ein streng rituelles Menü, hergestellt vom Restaurateur S. Mayersohn, geboten ward. Den mit gerechtem Jubel aufgenommenen Tischreden schlössen sich die ausgezeichneten gesanglichen Darbietungen des als Gast erbetenen Oberkantors Emanuel F r ä n k e 1 an und löste ganz besonders die unvergeßliche Komposition Baruch Schorrs „Aw Horachamlm" große Begeisterung aus. Zur Nachahmung empfohlen. Herr Michael Max Weiß. Vorstandsmitglied des Tempelvereines „Chewra Beth Hatfllah". IX., Müllnergasse, ließ nach seinen Angaben eine überaus praktische Vorrichtung zur Registrierung von Tempelspendeii anfertigen, welche selbst bei einer großen Anzahl von Spendern und Spenden präzise alle Vorkommnisse widergibt. Die Einlegematrizen, die aus schwerem Metall hergestellt sind und sich in einer kunstvollen Kassette befinden, bilden eine Sehenswürdigkeit in der Ausführung. In einer zweiten, ebenfalls kunstvoll ausgeführten Kassette sind Buchstaben, Ziffern und Spendentafeln sowie anderweitige zum Einlegen noch notwendige Behelfe äußerst sinnreich angebracht. Die von Herrn Michael Max Weiß und seiner Gattin Regine obigem Tempel gewidmete Spende wurde am 18. Dezember 1924 in einer außerordentlichen Vorstandssitzung des Tempelvereines überreicht. Der verdienstvolle Präsident Börserat I. Glück dankte in beredten Worten dem Ehepaare Weiß für das ebenso wertvolle wie praktische Geschenk. Wir empfehlen den p. t. Vorstehern der Tempelvereine die Besichtigung der überaus sinnreichen Einlegevorrichtung. Todesfall. Am 1. d. M. ist der, namentlich in der Leopoldstadt sehr bekannte Advokat, Dr. Eduard B i x nach längerem Leiden im Alter von 70 Jahren gestorben. Er war ein gebürtiger Boskowitzer und hat viele Zeit humanitären Werken gewidmet.

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