Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 50 (12.12.1924)
- Date
- 1924-12-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064071-3064118--13299-3080797- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DIE WAHRHEIT Dculsdiösterrektilscise Wocbensdulft fflr Jfldlsdie Interessen HU dem Bei&Bati; VerOiientiidiiingen der „Union deutschösierreKiiisdier Jaden" Redaktion und Administration: Wien IM— HclnciliiUOe 13. - Fernruf 42-2-16 XL. Jahrgang Wien, 12. Dezember 1924 Nummer 50 Der zerschmetterte Ludendorff. Das mit solch ungeheurer Spannung erwartete Ergebnis der deutschen Wahlen Öegt nun vor und man kann sagen, daß die Wahlen zwar keine eindeutig klare Lage für die Parlamente <äes Reiches und Preußens geschaffen haben, aber immerhin zwei zweifellos befriedigende Momente bieten. Klar und deutlich kam in den Wahlen der Wille des deutschen Volkes in seiner überwiegenden Mehrheit zum Ausdruck, den Radikalismus in jeder Form abzulehnen und damit allein ist schon das Wachsen der demokratischen Partei erklärt. Das ist ein erfreulicher Beweis dafür, daß das deutsche Volk sich von dem Weg der ruhigen Entwicklung, der aHein zur Gesundung führen kann, nicht abdrängen läßt und daß die Mehrheit der Wähler in imponierendem Maße gewachsen ist, dSe ist dem Umsturz, mag er von welcher Seite immer propagiert werden, nicht das Heil, sondern das Unheil und Verderben für die Gegenwart und die Zukunft erblickt. Und womöglich noch klarer und unzweideutiger, durch die unwiderlegliche Sprache der Ziffern gestutzt, ergibt sich aus den Wahlen der Niedergang, der völlige Zusammenbruch der deutschvölkischen Partei, die Zerschmetterung Ludendorffs. Diese Partei hat mehr als zwei Drittel ihres Bestandes eingebüßt, und zwar nicht durch den Verlust wesiger Stimmen, der bei manchen Wahlen oft nur durch Zufälligkeiten herbeigeführt wird. In keinem einzigen Wahlkreise haben die Deutschvölkiscben weniger als 50 Prozent der Stimmen verloren, in erozemen Kreisen erreichte ihr Verlust die im gewissen Ssnaie imponierende Höhe von 90 Prozent und in Berlin wurde auch nicht ein einziger Deutschvölkischer gewählt. Man kann nicht behaupten, daß General Ludendorff von dem Schicksal eines geschlagenen Führers keine Ahnung habe, aber so zerschmettert ist er noch aus keiner Schlacht her vorgegangen. , Zum zweitenmal steht General Ludendorff als geschlagener Heerführer da, aber mit dem Unterschiede, daß diesmal alle wahren Freunde Deutschlands die Niederlage Ludendorffs mit Freuden und als verheißungsvolles Symptom begrüßen. General Ludendorff hat sich im Krieg wie im Frieden als eine verhängnisvolle Gestalt für sein Land erwiesen. Nicht jeder Heerführer hat den Nimbus seiner militärischen Größe durch einen verlorenen Krieg eingebüßt. Auch das Genie kann im Kampfe gegen die Uebermacht unüberwindlicher Verhältnisse unterliegen, und die Weltgeschichte kennt große Soldaten, die Schlachten, aber nicht den Kopf und auch nicht den Ruhm verloren haben. Aber Ludendorff hat, lange schon, bevor er in der Wahlschlacht seine Niederlage als Politiker erlitten, die in letzter Zeit abermals durch hervorragende Fachmänner verstärkte Kritik über sich ergehen lassen müssen, daß er auch ein schlechter, ein unzulänglicher Heerführer gewesen, der zweimal durch seine Kopflosigkeit die Armee und das Land ins Unglück stürzte. Einmal, als er den richtigen Moment zum Friedensschluß verkannte, das zweitemal, als er zur Unzeit, einem Zusammenbruch seiner Nerven allein folgeleistend, alles für verloren erklärte und dadurch auch alles verlor. ja, General Ludendorff war eine verhängnisvolle Gestalt für Deutschland und1 es ist zum staunen, daß man erst jetzt aus dem Schwinden seiner Parteigänger merken muß, daß seine Autorität immer mehr verblaßt. Auch in anderen Ländern hat es geschlagene Heerführer gegeben und darunter auch solche, die zum Unterschiede von General Ludendorff aus den verlorenen Schlachten den Ruhm ihres militärischen Genies retteten. Aber sie trugen ihr Schicksal mit Würde und ziemender Bescheidenheit. Sie zogen sich in das Dunkel zurück, um durch ihre Erscheinung nicht an noch kaum vernarbte Wunden zu erinnern. Ludendorff glaubte, durch neihts hierzu berechtigt, berufen zu sein, auch als geschlagener Feldherr im Kriege der siegreiche Führer seines Volkes im Frieden sein zu können. Er durfte allerdings mit dieser Möglichkeit rechnen, da mancher Die »Wahrheitf* — gratis f Wir versenden an alle neueintretenden Abonnenten, die die Bezugsgebühr für das 1. Halbjahr 1925 (K 60.000) jetzt einzahlen, die „Wahrheit14 bis 1. Jänner gratis! Üff..-