Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 49 (5.12.1924)
- Date
- 1924-12-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 49 wohl zu dieser „Entdeckung" Körners sagen? Er wird gewiß mit uns das Ganze als einen arischen Purirascherz betrachten. Theodor Fritsch als Gesinnungsschieber. Im Verlage von Viktor Engel in Leipzig sind jetzt die „Völkischen F ü hr e r** erschienen. Mit Interesse lesen wir dort über Theodor Fritsch: „Dr. Urias, Hamburg, hatte Herrn Fritsch vorgeworfen, daß er ein gewinnsüchtiger Fälscher und Zitatenbetrüger sei. Als ihn Fritsch deshalb verklagte, wurde ürias freigesprochen, weil das Gericht den W a h r h e i t s- Streicher, Wulle und anderer „Erneuerer Deutschlands", die Mark kostende Broschüre das Leben, die Strafen und die Leistungen der Bartels, Hitler, Ludendorff, Dinter, Kunze, Streicher, Wulle und anderer Erneuerer „Deutschlands'*, die sich für den Kenner der Verhältnisse als politische Sumpfhlnmen erwiesen haben. Eiu getaufter Jude Bischofskandidat in Amerika. Eine Abordnung der griechisch-katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten weilte vor kurzem in Rom, um vom Papst die Ernennung eines Bischofs zu erlangen. Sie präsentierte als Kandidaten den erst 34 Jahre alten Doktor Johann Török. Török wurde in Budapest als der Sohn des jüdischen Kaufmannes Adolf Toch geboren. Nach Absolvierung des Gymnasiums trat er zum Katholizismus über und änderte seinen Familiennamen in Török. Er trat in das griechisch-katholische Seminar zu Karlsburg ein, von diesem wurde er nach Rom zur Vollendung seiner Studien geschickt. In Rom wurde er vom Papst selbst zum Priester geweiht. Er kehrte nach Ungarn zurück und machte den Weltkrieg als Feldvikar mit. Vor einigen Jahren ging er nach Amerika, wo er der populärste Pfarrer der griechischen Katholiken wurde, die ihn jetzt zum Bischof vorschlugen. Der ungarische Numerus clausus vor dem Haager Gerichtshof. Die offenkundige Verletzung der Staatgrundgesetze, die Ungarn durch das Numerus clausus-Gesetzsich zuschulden kommen ließ, hat die- Allianz sowie das englisch-jüdische Auswärtige Komitee veranlaßt, die Sache vor den Völkerbund zu bringen. Die ungarische Regierung erwiderte mit einem Memorandum, in welchem nachzuweisen versucht wird, daß der Prozentsatz der Juden an den Universitäten größer ist, als das Verhältnis der Juden zu der allgemeinen Bevölkerung Ungarns. Wie konnte dies geschehen? Indem man ganz einfach alle jene Studenten den Juden zuzählt, die in dritter Generation von Juden abstammen. Es ist unerhört, daß eine verantwortliche Behörde es wagt, sich an das höchste Tribunal der Völker mit einer solchen Tatachenverdrehung zu wenden. Der Völkerbund, der ein solches Manöver nicht erwartete, konnte sich nur an die vorgelegten Statistiken halten. Herr Lucien Wolf schlug dem Grafen Apponyi, dem ungarischen Repräsentanten in Genf, vor, die Frage dem permanenten Internationalen Gerichtshofe im Haag zu unterbreiten. Sollte Ungarn die Initiative hierzu nicht ergreifen, so wird der Völkerbund das tun müssen. Henrik Sienkiewicz uud die Judenpogrome. Ans Anlaß der eben stattgefundenen Ueberführung der sterblichen Reste des großen polnischen Dichters Henrik Sienkiewiez nach Warschau, wo ihm ein Staatsbegräbnis zuteil wurde, veröffentlicht das „Neue Wiener Journal" zum_ersten Male einen Brief Sienkiewiczs aus dem Jahre 1913 an Davis Erdfcracht, der in seinen Hauptteiien lautet: „Der Brief des. Grafen Tolstoi, den Sie mir einzusenden die Liebenswürdigkeit hatten, liat mich wahrhaft gefreut. Es ist zum erstenmal, daß ein russischer Staatsmann so mutig für die gemarterten Opfer des Zarismus an die Bresche tritt. Ich zweifle nicht, daß seine Stimme in der gesamten Kultur weit Widerhall finden und in erster Reihe die offiziellen russischen Kreise zur Besinnung bringen wird. Nicht nur ihre Glaubensgenossen, alle anderen Völker und in erster Reihe mein eigenes Volk leiden fürchterlich. Was helfen uns aber unsere Proteste, wenn das gesittete Westeuropa den ungeheuren Greueln des Mobs unter dem Schutze der russischen Regierung stumm gegenübersteht. Wir Polen, selbst verfolgt und gemartert, empfinden 'das große Unrecht, welches Ihren Glaubensgenossen tagtäglich zugefügt wird, hören mit größtem Mitgefühl den Schnei dier unschuldigen Opfer der Soldateska. Wir Alten haben nicht rnehr die Kraft, diese Verlotterung der heutigen Kultur auszurotten, aber unsere Jugend — hoffe ich — wird m. ejinesm andje/en Geiste erzogen werden, im Geiste der Verständigung und Versöhnung, der Liebe und Zufiammenarbeit um die Regenerierung unserer dem Verfalle nahen Kultur .. ." Leider haben sich die Hoffnungen des Dichters, daß die neue pohlische Jugend den iüdüschcn Schicksalsgenossen Verständnis entgegenbringe, nicht erfüllt. Das Testament eines Freidenkers. Vor kurzem ging durch die jüdischen Blätter die Nachricht vom Tode Dr. Sirkins. des bekann ten Führers der radikalsten P o a 1 e Z i o n. Die näheren Umstände dieses Todes verdienen festgehalten zu werden. Dr. Sir km. der eingefleischte Sozialist und Bibelkritiker, der in einer ganzen Lebensarbeit in Wort und Schrift die Idee eines sozialistischen Palästina ohne Religiensgesetz propagierte und viele Jünger für diese Lehre und diese Bestrebungen erzogen hat, dieser Dr. Sirkin starb mit e i n e in vollen Bekenntnis zum Judentum der Th.ora. Er sprach das Sündenbekenntnis und legte seine „letzte Lebeinspliilo'sophi'e" in einem Testamieut fest, in dem es u. a. heißt: „Die Thora der Juden ist von Gott gegeben und nur mit ihr und durch sie kann man d'ie Welt richtig verstehen. Es selie ein jeder Jude darauf, nach frommer jüdischer Art mit eine m „S c h m a" auf d e n L i p p e n z u sterbe n.dcnn das Größte, das wir Juden der Welt geschenkt haben, ist das Ideal der E i n z i g e i n h e i t G. o 11 e s", Es sei festgestellt, daß Sirkin bei vollem klarem Bew a ß t s c i n und ungetrübtem Verstände g estorben i.st. Er bestand beharrlich darauf, daß diese seine letzten Worte der Welt bekanntgegeben werden, und da er Grund hatte, seinen nächsten Genossen in dieser Beziehung nicht zu trauen, zog. er zwei Bekannte aus den konservativen Kreisen an sein Sterbebett. Rabbi M a ß 1 i a n s k i und C z e rnowitz, denen er seine letzten Erkenntnisse und Bekenntnisse in die Feder diktierte- Er empfand es als sehr tragisch, daß er seinen Schülern nicht mit der Autorität, die jeder Rabbi alten Schlages auf seine Jünger ausübte, die Konsequenzen dieses letzten Erkennens als die Grundlage einer neuen Lebensbahn vorschreiben konnte, ja, daß er ihnen nicht einmal trauen konnte, daß sie seine Gedanken und Worte weitergeben würden. Darin hat er sich nicht geirrt. In Wahrheit suchte man sein letztes Vermächtnis zu u n t e rschlagen, und, als es dennoch an die Öffentlichkeit kam, als Ausfluß dier verworrenen Sinne ieines Sterbenden dahinzustellen. Die antisemitische Zirkulatur des Quadrates. In der Monatsschrift „Es werde Licht" (Leipzig) lesen wir: Herr Alfred Roth, dier Führer des deiutschvölkiischien Schutz- und Trutzbundes, bezieht seine Lesefrüchte aus den jesuitischen „Stimmen der Zeit". Herr Albrecht v. G r a e f e - Goldebee verkauft, obgleich Führer der Deutschvölkischen Freiheitspartei, sein Getreide an Herrn L ö w e n t h a 1 in Wismar, Herr Reinhold Wnlle, M. d. R., Berufsantisemit, trat im November 1918 für Schwarz-rot-gold ein. Herr Danüel H uß, der gewesene Drucker der „Deutschvölkischen Blätter", wurde im Weltkriege wegen Granatensch.iebung mit Gefängnis bestraft. Die Defetschnationale Partei, vielmehr ihre Vorgängerin, die Konservative Partei, wurde durch den Juden Stahl gegründet. Als im Jahre 1893 bei der Gelegenheit der Gründung des ..Landbundes" (früherer „Bund der Landwirte") die agrardeutsclmatkraale „Deutsche Tageszeitung" ins Leben gerufen wurde, hat man dem Juden Maximilian Harden den Cheiredakteurposten angeboten; Harden aber lehnte ab, weil ihm die übrigen Mitglieder des Redaktionsverbandles zu „knollig" erschienen. Die SQhwarz-wejiß-rote Monarchistenflagge war vor vielen Jahrhunderten die Lagerfahne des Stammes Leyi. — Das alles sind Binsenwahrheiten. Für die Deutschnationalen und ihre deutschvölkischen Deserteure ist diese kulturelle Zirkulatur des Quadrats längst „hypothetisch gelöst", denn unser© reaktionären Elmente haben es zu keiner „eigenen" Philosophie gebracht, denn sie stahlen sich bei Nietzsche die ..Herrenmoral" und ließen sich ja bekanntlich von getauften Juden — wie Stahl — führen. Und dieser „Stahl" hieß noch dazu Schlesinger. Die jüdische Großmutter. In der Nummer 29 der Heilbronner „Sonnrags-Zeitung" lesen wir: Die Deutschnationaleii haben kürzlich eine „völkische Woche" abgehalten. Ob die Herren Maretzkv. Quaatz trotz ihrer i üd i$,c h>eni Abstainm u n g daran teilgenommen haben? Oder Fürst Otto v. B i smarck, der eine jüdische Großmutter (Gräfin H o j o s, geb. W i h t e h e a d) hat? (gelles IRÖT6A55E-1 w