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Die Wahrheit · 1924-12-05 · Heft 49 (5.12.1924) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 49 (5.12.1924)
Date
1924-12-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Oerade vor kurzer Zeit ist 2u Prerau in Mähren eine neue Ausgabe dieses Buches in tschechischer Uebersetzung erschienen, ein Spekulationsobjekt auf die niedrigen Instinkte der breiten Massen gegen die J-uden. Es hat eben immer gewissenlose Metzer gegeben, welche den Haß gegen die Juden schürten, um ihn, sei es materiell sei es politisch auszuschroten. Wir Juden sind ja nicht sonderlich verwöhnt in der Wahl der Mittel, welche gegen uns zur Anwendung gebracht werden. Aber gerade in diesem Falle wird der Verleger der Broschüre allem Anscheine nach sein Ziel verfehlt haben und wird das Buch wohl recht lange als Ladenhüter verwahren können. Denn kein seriöses tschechisches Blatt wird es wagen, dieses vor ungefähr vier Jahrzehnten öffentlich gebrandmarkte Buch als ernste wissenschaftliche Arbeit auszugeben und dem Publikum zu empfehlen. Hat doch kein Geringerer als der derzeitige Präsident der tschechoslowakischen Republik, . T. G. M a s a r y k, damals außerordentlicher Universitätsprofessor in Prag, bei seinem Eintreten für den ungerecht beschuldigten H i 1 s n e r, vor fast einem Vierteijahrhundert, den „Talmiddjuden1' Rohlings als gemeine Fälschung bezeichnet Nein, solche Bücher, und mögen dieselben in noch so großer Auflage erscheinen, sind nicht geeignet, dem Judentum auf die Dauer Nachteile zuzufügen; denn sie werden gelesen, weggelegt und wieder vergessen. Sondern der viel gefährlichere Feind befindet sich in unseren eigenen Reihen, es ist das immer mehr abnehmende jüdische Bewußtsein und religiöse Empfinden. Da ein großer Teil der Wiener Juden aus Böhmen und Mähren stammt, wird es sicherlich nicht ohne Interesse für sie sein, zu vernehmen. daß in diesen beiden Ländern die alten jüdischen Wohnstätten, an denen jüdisches Wissen gepflegt wurde,' in denen durch viele Jahrhunderte reges, jüdisches Leben pulsierte, zum großen Teile dem Verfalle entgegengehen. Zufolge der geänderten Existenzverhälmisse ist ein großer Teil der Juden aus den Provinzstädten in die größeren Städte übersiedelt, wo sich Sammelpunkte der jüdischen Bevölkerung gebildet haben. So zählt die Landeshauptstadt Brünn mehr als ein Viertel der gesamten mährischen Judenschaü, während ein weiteres Viertel auf das Gebiet der Industriestadt Mährisch-Ostrau und auf die Stadt 01 m ü t z entfällt. Von den 50 Kultusgemeinden Mährens steht mehr als die Hälfte ohne Rabbiner da, ein großer Teil überhaupt ohne jeden Gemeindefunktionär und es liegt auf der Hand, daß ohne diese Religionsdiener, mag man mit ihnen vielfach auch unzufrieden sein und mögen auch hie und da Beschwerden gegen sie laut werden, das religiöse Leben dem Untergange anheimfällt. Denn nur sehr selten findet sich ein Kultusangehöriger, der in der Hast des Alltags sich noch der Pflege der religiösen Institutionen im Interesse der Gemeinde widmen würde. Und so kommt es, daß in manchen Gemeinden Mährens — in Böhmen sind die Verhältnisse noch viel schlimmer — fast nur an den hohen Herbstfeiertagen Gottesdienst abgehalten wird, daß mehrere Tempel baufällig sind, daß zurolge schadhafter Bedachung Feuchtigkeit eindringt, die schönen, alten Skulpturen und Wandmalereien vernichtet werden, daß zufolge der um sich greifenden Verwesung die wertvollen gold- und seidegestickten Thora-Mäntel, Prauchessim und andere Tempelatensilien, meist fromme Widmungen, dem Verderben ausgesetzt sind. In der böhmischen Kultusgemeinde K o s o 1 u p bei Pilsen ist im verflossenen strengen Winter der alte Tempel sogar eingestürzt, ein trauriges Zeichen der Zeit, das früher nicht möglich gewesen wäre. Einer der ältesten Judenfriedhöfe der Sudetenländer in der alten mährischen Enklavengemeinde H o t z e n p 1 o t z ist insoferne in seinem Bestände gefährdet, als ein Grabstein nach dem anderen weggenommen und von den Ortsinsassen zu Pflasterzwecken verwendet ward. Denn die Holzeinfriedung, weiche gleichfalls bereits an vielen Stellen fehlt, gewährt einen gar zu leichten Zutritt zu diesem nahezu herrenlosen Gut. Im Sommer besuchte Schreiber dieser Zeilen eine in der Nähe Brünns gelegene Kultusgemeinde und suchte bei dieser Gelegenheit auch den Tempel auf. An der Türklinke befand sich ein großes m?

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