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Die Wahrheit · 1924-11-07 · Heft 45 (7.11.1924) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 45 (7.11.1924)
Date
1924-11-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DHE WAHRHEIT Nr. 45 die Versammlung, die sich „wie eine Familie zu einem Feste" eingefunden habe. Es sei kein neuer Inhalt, sondern nur ein neuer Rahmen; denn die seit 25 Jahren von Dr. Kaminka in Wien gehaltenen religionsphilosophischen und biblisch-talmudischen Vorträge seien nicht nur in Wien, sondern auch in fernen Ländern bekannt und gewürdigt. Er habe sich in entgegenkommender Weise bereit erklärt, dieselben in einem eigenen Institute fortzusetzen, wofür ihm alle zu innigem Danke verpflichtet sind. Vom Präsidenten der Kultusgemeinde Prof. Dr. Pick war ein Glückwunsch-Schreiben eingelaufen. Herr Altmann richtete auch einen Appell an die Versammlung, sich durch Geld- und Bücherspenden an einer würdigen Ausgestaltung des Institutes zu beteiligen. Rabbiner Dr. Kaminka hielt hierauf seinen einleitenden Vortrag über die Grundideen der Ethik des Moses Maimonid.es, Anknüpfend an die Bemerkung des Obmannes, daß kein neuer Inhalt geschaffen werde, sagte er, daß dies seit der Sinai-Offenbarung immer so gewesen. In keiner Epoche sei man berechtigt gewesen, einen neuen Inhalt oder neue Wege zu suchen; man habe nur immer ein neues Verständnis und einen neuen Sinn für die heilige religiöse Tradition zu erwecken gesucht Mainonides habe dies mit Hilfe des universellsten Wissens seinerzeit am erfolgreichsten getan und ist dadurch für uns vorbildlich geworden. Einen Midrasch-Gedanken fortspinnend, wonach Moses in seinem Segen an das letzte Wort Jakobs; David in seinen Psalmen an das letzte Wort Moses angeknüpft — könne man als weiteres Glied hinzufügen, daß an den Ausklang der Psalmen: „Jeder Atemzug preise den Ewigen" der Rambam mit dem Gottesnamen am Anfang des Mischne Thora erinnert. Als Grundideen, die wie Tragbalken für das ganze ethische System Maimonides sind, könnten besonders zwei Gedanken bezeichnet werden. Erstens: „Das Erfassen der Wahrheit ist* eine Frage der Menschenwürde." Die moralische Persönlichkeit des Menschen, sein «Zelem Elohim" hänge nach „Alore Nebuchim" von der vollen Hingebung an die Wahrheit ab. Als Maßstab für die zentrale Bedeutung dieses Gedankens diene, daß z. B. einer der weisesten und edelsten Dichter unserer Zeit, der vor kurzem verstorbene Anatole France, obwohl er von der Höhe des Geistes ähnlich wie Maimonides auf alles Eitle und Gemeine unter den Menschen herabsieht, nichtsdestoweniger in seinem „Aufruhr der Engel" es als zwecklos hinstellt, daß man vom Verstände der Menschen etwas erwarte.: man könne nur an ihre Interessen oder Leidenschaften appellieren. In einer anderen Schrift meint dieser Dichter: Die Lüge sei für die Menschheit unentbehrlich. Nach Maimonides. ist sie eine Entwürdigung des Menschengeschlechtes, die durch den Geist bekämpft werden müsse. — Der zweite Zentralgedanke sei: „Das Gute allein ist das Positive in der Welt." Das Böse existiere nur als Negation in der materiellen Welt und als Verschulden der Menschen infolge ihrer Ignoranz in sozialer Beziehung. Die Vermehrung des Wissens, namentlich des religiösen Wissens, wie es Maimonides propagiert, führe zur Besserung und Veredlung der Menschen. Das Komitee wurde von allen Seiten zur Eröffnung der Anstalt beglückwünscht. Die Vorträge finden bis auf weiteres (Hetzgasse 40) Montag und Mittwoch 6 bis 8 Uhr abends und Samstag 3 bis 4 Uhr statt Barmizwah-Feier. Am 25. v. M. fand im Gemeindetempel zu Fünfhaus das Barmizwahfest des Studenten Erwin Schleifer, Sohn des dortigen Oberkantors Herrn Jakob Schleifer, statt Der Konfirmand rezitierte mit großem Verständnis die Hafthora. und Herr Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t hielt an ihn eine überaus herzliche Ansprache, in der er die Verdienste seines Vaters würdigte. — In den Sonntagnach- Hiittagsstunden versammelten sich fast sämtliche Mitglieder des Kantorenverefnes unter Führung des Präsidenten Oberkantor J. L ö w i t, viele Freunde der Familie, Rabbiner Dr. Taglicht, der Bürgermeister von Mauer Herr R u z i t s k a, viele Vorstände des Tempels, an welchem Oberkantor Schleifer wirkt im gastlichen Hause des Festgebers. Treffliche Trinksprüche der Herren Rabbiner Dr. Taglicht, Präsidenten J. Löwit, Bürgermeister Ruz11ska, Max Vogelfänger, Vizepräsidenten der Fünfhauser Chewra-Kadischa, Vorstandsmitglied Julius Fritz würzten das reichliche Festmahl, das seinen gelungenen Abschluß durch die geistreiche launige Rede des Herrn Prof. Nasche fand. Mit herrlichen gesanglichen Gaben erfreuten die Oberkantoren P o s t o 1 o w und Alter die animierte Tischgesellschaft bis in die vorgerückten Abendstunden. Trauungen. Sonntag, den 2. d. M., fand im Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Herrn Isidor Herbst. Cbef der Finna Herbst & Gaon, mit Fräulein Renee Blumenkranz - Wertheimer statt, die, dem Wunsche des Brautpaares entsprechend, in schlichter,, jede persönliche Note vermeidender Form gehalten war. Diese Intention respektierend, beschränken wir uns darauf, den Neuvermählten auch an dieser Stelle unseren wärmsten Glückwunsch zu entbieten und damit einem Hause Gedeihen zu wünschen, dem die weitesten Kreise der Wiener Judenschaft die herzlichsten Sympathien entgegenbringen. Sie kamen bei der Trauung selbst zum Ausdruck, indem man unter der unübersehbaren Schar der Gäste Vertreter angesehenster Korporationen bemerkte. Sonntag, den 2. November, fand im Pazmanitentempel die Trauung des Herrn Robert Stern, Sohn des allgemein geachteten Buchdruckereibesitzers Herrn Max Stern, mit Fräulein Grete Brenn statt. Rabbiner Dr. S. Funk hielt an das Brautpaar eine herzinnige Ansprache. Oberkantor J. M ü 1- 1 e r versah die kantoralen Funktionen in meisterhafter Weise. Todesfälle. Sonntag, den 2. November d. J. wurde der im 2. Bezirk allgemein bekannte und verehrte Trafikbesitzer Max Politzer, langjähriger Präsident und Ehrenpräsident des Verbandes der Trafikanten, unter einer Teilnahme zu Grabe getragen, die an Größe der Sympathie entsprach, welche der Hingeschiedene verdientermaßen genoß. Ein Mann,, der keinem Menschen Unrecht oder nur die geringste Kränkung zugefügt, deshalb auch keinen Feind und nur lauter Freunde zurückgelassen, musterhaft in seinem Familienleben, das ganz in der Liebe zu seiner Frau Friederike, mit der er achtunddreißig Jahre in glücklicher Ehe lebte, und zu seinen Töchtern und Schwiegersöhnen Irma und Fery Deujsch, Lily und Dezsö S c h o r r somit zu seinem Enkelkinde Ditty S c h o r r aufging, so wird das Charakterbild Max Politzers in der -Erinnerung aller, die ihn kannten, fortleben. Rabbiner Dr. S. Funk hob in seiner Ansprache hervor, daß der Hingeschiedene als leuchtendes Beispiel gottgefälligen Lebenswandels gelten könne. Für den Verband der Trafikanten sprach der I. Vizepräsident herzliche Worte des Abschiedes. Oberkantor J. Müller stimmte ergreifend, innig die Trauergesänge an. Am offenen Grabe ließ der Tempelverein „Aschel Awrohom" durch ersten Kantor A. Stift seinem langjährigen Mitgliede ein „El mole rachmim" nachklingen, und als die ersten Schöllen dumpf auf den Sarg fielen, wurden aller Augen feucht. Es war, als hörte man den letzten Gruß aus Grabestiefe, den Gruß an die geliebte Frau, an die lieben Töchter und Schwiegersöhne und an die zahlreichen Freunde, den Gruß eines edlen, guten Mannes. — Er ruhe in Frieden. Am 28. Oktober 1924 wurde Herr Bernhard Silberberg zu Grabe getragen. An der Bahre trauerten zwei Töchter und ein Sohn. Als Funktionär fungierte Oberkantor Fischer mit dem Chor aus der Tempelgasse. Als Trauergäste war das Personal der Firma Rothschild vertreten. Als Delegierter der Chewra-Kadischa erschien der Kaufmann Herr David Stark. Eröffnung einer Koscherfleischbank im 9. Bezirk. Die neue ganz separate Koscherfleischbank der bestbekannten Fleischhauerfirma Sigmund Kornmehl im 9. Bezirk, Befggasse 15, die unter der Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Wiener israelitischen Kultusgemeinde steht, hat in der jüdischen Bevölkerung dieses Bezirkes allgemeinen Anklang gefunden. Die neue Fleischbank ist eine der besteingerichtetsten Wiens und entspricht den modernsten hygienischen Anforderungen, so daß dieselbe bestens zu empfehlen ist. ELISABETH-HEIM in Not! Bewahret über 100 jüdische Waisenkinder vor der endu*i*\tw^m*m^m^m^mmwmmmamawMmmnwämwam^i^M]^miammKti^mmmmmamM!^^mm^mm^-^^m gültigen Sperre dei Heimes! Spenden zu richten an: ELISABETH-HEIM für Kriegswaisen, Lehrmädchen und Arbeilerinnen Wien, 2. Bezirk, Matzgasse Mr. 7 Tel. 43-5-40 :-: Pottsparkassenkonto Wien 83.571

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