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Die Wahrheit · 1924-11-07 · Heft 45 (7.11.1924) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 45 (7.11.1924)
Date
1924-11-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 45 DIE WAHRHEIT Seite 9 öffnet "wird, daß der Belag von 130 Betten auf 240 erhöht werden wird und daß dieses Spital jetzt auch den jüdischen Studenten die praktische Fortbildung, die ihnen durch den Antisemitismus auf unseren Kliniken erschwert wird, ermöglichen wird. 4. Hinsichtlich des „Greisenasyles" leistet sich die Wahlvereiniguinig die vom ersten bis zum letzten Worte wahrheitswidrige Kritik: „Fortbestehen der sprichwörtlich gewordenen Mißstände." Jeder Wiener Jude weiß, daß die Wiener Judenschaft mit berechtigtem Stolze gerade auf dieses Versorgungsasyl blicken darf, in weilchem gerade dank der ziel- •bewußten Verwaltung des abtretenden Kultusvorstandes unsere Greise ihre letzten Lebensjahre in einem wahrhaft jüdischem Heime verleben können. 5. Für soziale und Kinderfürsorge hat der Kultusvorstand angeblich „im Wesentlichen nichts geleistet". Der der Wählerschaft bereite zugesandte Rechenschaftsbericht des Vorstandes über seine Tätigkeit in den Jahren 1912 bis 1924 behandelt „das Fürsorgewesen" einschließlich des Spitals, des Kinderamibulatoriuims, der Versorgungsanstalt und dler Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge auf Seite 28 bis 46. Verabsäume es kein Wähler, diesem so überaus instruktiven Bericht zu lesen*), er wird selbst ein Urteil über die gehässige Kritik der Wahivereinigung zu bilden. 6. Dem Kultusvorstande wird die Einstellung der jüdischen Mensa academica zur Last gelegt. Diese Einstellung wurde vollzogen, ohne 'daß der Vorstand vorher irgend welche Mitteilung erhalten hätte. Seine nach Einstellung angebotene Intervention bei den akademischen Behörden wurde von der Studentenschaft zunächst angenommen, dann a*ber abgelehnt. 7. „Auflassung des Stipendienamtes." Die Verwaltung der Stipendien, im Betrage von K 17 bis K 170 jährlich, verursacht soiwohl der Gemeinde als auch den etwaigen Stipendisten mit dem Betrage des Stipendiums im krassesten Mißverhältnis stehende Kosten, die Stiftungsbehörde selbst hat deshalb eine Zusammenlegung' der Stipendien, durch welche ein oder mehrere namhaftere Stipendien begründet werden sollen, nahegelegt. 8. Unter der Spitzmarke: „Ausgestaltung der Gotteshäuser", beschuldigt die Wahivereinigung den Vorstand „der Gleichgültigkeit auch in religiöser Hinsicht". Das Verdienst jener Männer aus der Wählerschaft, welche nach dem Brande des Tempels in der" Tempelgasse tatkräftig Geldmittel für die Wiederherstellung der Ruine sammelten, kann nicht hoch genug gewertet werden. Aber ihre opferwillige Arbeit allein hätte nicht genügt, wenn nicht der Vorstand für die Beistellung *) Wir kommen auf diesen vom 1. Sekretär der Kultusgemeinde Guido Fuchsgelb verfaßten ausgezeichneten Bericht noch zurück. *" (Die Red.) der fehlenden, überaus bedeutenden Mittel Sorge getragen hätte. Dank seiner Arbeit erscheinen auch die beiden Tempel in der Seitenstettengasse und in der Turnergasse im neuen, prächtigen Gewände. Endlich wurde das Defizit aller Tempelvereine, soweit sie dies nicht aus eigenen Mitteln besorgen können, von der Kultusgemeinde bestritten. Schließlich noch ein Wort über die Angestellten der Gemeinde, welche der Vorstand angeblich als „Parias" behandelt, welche er „wiederholt in mutwilliger Weise zur Anwendung der schärfsten gewerkschaftlichen Mittel gezwungen hat, und in deren Reihen Verdrossenheit, Mißmut und Arbeitsumlust getragen wurde". Im Programm dieser Partei wurden im Punkte IV, 3 für die Angestellten „zumindest die gleichen Bezüge mit 'denen der Angestellten der Gemeinde Wien" gefordert. Dieser Prograimmpunkt ist aber bereits seit geraumer Zeit, dank einer mit ihrer Vertretung getroffenen Vereinbarung des Vorstandes, erfüllt. Wenn nun ein Teil der Beamten trotzdem noch eine 30prozentige Erhöhung verlangte und wenn sie sogar das Aushilifeangebot des Kultusvorstandes von 300 Millionen Kronen ablehnte, und) am 15. Mai 1923 in den Ausstand trat (Seite 41 des Berichtes), welcher sogar in einer Verweigerung der Mithilfe bei der Bestattung unserer Toten ausartete, so muß man wahrlich die Kühnheit bewundern, diesen unerhörten, allgemein verurteilten Streik dem Kultusvorstande zur Last zu legen. Wir ^vollen aber gerne anerkennen, daß die angeblich durch den Vorstand verursachte „Arb^itsnnlust" nur bei wenigen Beamten vorherrscht, und daß über 80 Beamte und Angestellte der Gemeinde jede Solidarität mit diesen „arbeitsunlustigen, verdrossenen" Beamten in öffentlicher Erklärung abgelehnt hat. Die Wählerschaft kann auf Grundlage des Berichtes der Kuiltusgemeinde und dieser Ausführungen feststellen, daß der geradezu feindselig geführte Kampf gegen den bisherigen Kuitusvorstand vollkommen unbegründet ist. Die Wählerschaft wird gewiß zu der Schlußfolgerung gelangen, daß sie das Schicksal unserer Gemeinde auch weiterhin jenen bewährten Männern anvertrauen kann und soll, die das Schiiff der Kultusgemeinde durch alle Klippen und Untiefen, in den ruhigen Hafen gesteuert haben. Allein jeder Wähler muß am 9. November sich seiner Pflicht bewußt sein, d'aiß er die Verantwortung zu tragen hat, wenn durch seine Stimmenthaltung jene Partei in die Kultusgemeinde einziehen sollte, deren Bestand die Erhaltung der Gemeinde in schwerster Weise bedroht. Darum wähle jeder die Liste der „Vereinigten jüdischen Parteien!" Dr. Jakob O r n s t e i n, Präsident der Union d. ö. Juden. B! Wählet am 9. November öie Liste Oer Vereinigten jüOisdien Parteien!

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