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Die Wahrheit · 1924-10-31 · Heft 44 (31.10.1924) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 44 (31.10.1924)
Date
1924-10-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 Nr. 44 An die Kultuswähler. Am 9. November findet die Neuwahl des gesamten Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde in Wien] statt. Die Wähler siiild zur Entscheidung berufen, ob sie das Schicksal der Kultusgemeinde für die nächsten vier Jahre wieder jenen bewährten Männern anvertrauen wollen, welche sich im abtretenden Kultusvorstand in der höchsten Not der Gemeinde unter Zurückstellung, wenn auch unter Aufrechterhaltung iihrer Parteigrundsätze zu einer Arbeitsgemeinschaft verbunden haben. Dieser gemeinsamen Arbeit allein ist es zu verdanken, fdiaß unsere altehrwürdige Kultusgerneiiide von dem damals unvermeidlich erscheinenden Zusammenbruch errettet wurde und daß sie durch die zielbewußte mühevolle Tätigkeit unserer bisherigen Mandlatare finanziell saniert, sich den hohen Aufgaben, die Idler Kultiisgemeinde, der einzigen autonomen jüdischen Vertretung, obliegen, mit Erfolg widlmen konnte. Die in dieser Arbeitsgemeinschaft vertretenen Parteien (Union d e i\ t s c h ö s t e r. r e i c h ischer Juden, Verband glauben Streuer Juden und Zionistische Landeso rg an isation) haben sich zu einem Wahlbündnis vereinigt, um gemeinsam auch die Erneuerung des Kultusvorstandes dürclizuführen. Allein trotz der Vereinigung dreier großer Parteien befinden wir uns schon jetzt in einem harten und schweren Wahlkampfe, in welchem die „Wahlvereinigung ftia* soziale Tätigkeit, in der israelitischen Kultiisgemeinde" die Führung der uns gegnerischen Parteien übernommen' hat; s&e ist bemüht, (durch Schärfe und Rücksichtslosigkeit ihrer Kampfmethode die Schwäche ihrer Argumente zu ersetzen. Sie geht so weit, eine vom „uneigennützigen jüdtechen Mäninemi geifjührtej Verwaltung" zu fordern", als ob nicht unsere bisherigen Mandatare in pflichtmäßiger, höchster Selbstlosigkeit unendlich viel Zeit und Mühe, lediglich geleitet von dem Interesse der Gemeinde, geopfert hätten. Sie will die Wählerschaft durch ein ausgedehntes Programm der sozialen Fürsorge blenden und geht in ihrer Demagogie so weit, daß sie einerseits erklärt: „Nicht eine Vermehrung der Einkünfte der Kultusgemeind'e tat not" und daß sie anderseits die Ausdehnung der Fürsorge in einer Weise fordert, welche mit den bisherigen Mitteln nicht geleistet werden kann, vielmehr mit Notwendigkeit zu einer ganz ungeheuren Vermehrung der bisherigen Steuern führen muß. Sie nümmt sich nicht die Mühe, dem in den nächsten Tagen allen Wählern zugehenden „Bericht der israelitischen Kultusgemeinde Wien über, die Tätigkeit im der Periode 1912—1924" zu studieren, sondern erkühnt sich, gegen die bisherige Kultusverwaltung den grundlosen Vorwurf zu erheben, daß die nunmehr: abtretenden Vorsteher „die sozialen Pflichten vernachlässigt haben". Obzwar aus (diesem Berichte (Seite 28) zu ersehen ist, daß die Kultusgemeinde ungefähr ein Drittel ihrer gesamten Einnahmen (im Jahre 1923 K 7.080,174.510) Fürsorgezwecken gewidmet hat. Sie verlangt, daß „für eine auskömmliche Existenz der Angestellten der Kultusgemeinde zu sorgen ist und ihnen zumindest die gleichen Bezüge wie den Angestellten der Gemeinde Wien zu gewährleisten sind", obzwar diese Beamten schon seit dem Jahre 1920 auf Grund einer zwischen dem Vorstand und der Beamtenschaft geschlossenen Vereinbarung die gleichen Bezüge erhalten wie die städtischen Angestellten. (Bericht Seitie 40—41). Im ersten Halbjahre 1924 wurden aus diesem Titel K 7.049,000.000 ausbezahlt. Und dennoch haben diese Gemeindebeamten — zur Ehre unserer Angestelltenschait müssen wir hervorheben, daß sie nur einen Teil der Beamtenschaft bilden — sich der Gemeinde, m deren Dienst sie stehen, entgegengestellt und im März 1923 einen mutwilligen Streik provoziert, der selbst vor den Toten nicht Halt gemacht hat und es verhindern sollte, daß unsere Dahingeschiedenen im Schöße der Mutter Erde Ruhe finden. Dieselben Beamten sind1 sich auch jetzt noch nicht der unerhörten Ungehörigkeit ihres damaligen Verhaltens bewußt, sondern vergießen in einem ihrer Aufrufe bittere Tränen über die „Technische Not hilf e durch Kultusvorsteher", allein wie der Vorstand in seinem Berichte mit vollem Rechte die „beispiellose Opferwilligkeit, mit der damals die Gemeindemitglieder dem Kultusvorsteher zur Seite standen und sich dem Dienste für die jüdische Gesamtheit widmeten, hervorhebt, so dürften wir von unseren Gemeindemitgliedern a in 9. November mit aller Bestimmtheit erwarten, daß sie sich auch an diesem Tag um unseren altbewährten Kultusvorstand und die „vereinigten jüdischen Parteien", aus welchen er hervorgegangen ist, scharen . und mit dem Stimmzettel der „Wahlvereiniguug für soziale Tätigkeit" die gebührende Antwort erteilen werden. Wir erwarten weiters, daß jeder Wähler, der die Ueherzeugung gewonnen hat, daß nur die Grundsätze und die gemeinsame Arbeit der „Vereinigten jüdischen Parteien" unsere Wahlparole: „Erhaltung der Kultusgemeinde"* zur Wahrheit machen kann, dieser seiner Ueberzeugung auch mit dem Stimmzettel Ausdruck geben wind. Mag sich aber auch jeder Wähler, dessen Indolenz auch an diesem für die Kultusgemeinde so bedeutungsvollen Tage nicht zu überwinden ist, bewußt sein, daß er auch die Verantwortung für eine unheilvolle Zukunft der Gemeinide trägt! Für die „Union deutschösterreichischer Juden": Der Präsident: Dr. Jakob O r n s t e i n. III ■■=^ Danksagung. i Es sind mir anläßlich meines 25jährigen Amtsjubiläums von Körperschaften, Vereinen, Verbänden und vielen Freunden und Gönnern so zahlreiche Beweise der Freundschaft und des Wohlwollens zugekommen, daß es mir mit dem besten Willen unmöglich ist, jedem Einzelnen geziemend zu danken. Ich bitte daher alle jene, die meiner in freundschaftlicher Weise gedachten, den Ausdruck meines tiefgefühlten Dankes auf diesem Wege entgegenzunehmen. - Rabb. Dr. A. Abeles ^»

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