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Die Wahrheit · 1924-10-24 · Heft 43 (24.10.1924) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 43 (24.10.1924)
Date
1924-10-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 Dm WAHRHEIT Nr. 43 ■ Von Woche zu Woche Die Wiener Kultusgemeindewahlen. Die im Appell, ■den der Präsident dfer „Union deutschesterreichischtr Juden", Herr Dr. Jakob O r n s t e i n, in der Neujahrsnuminer unseres Blattes an die Wiener jüdischen Parteien richtete, ausgesprochene Hoffnung, daß der 9. November der Wiener Jmdenschaft ein Bild des inneren 'Friedens bieten soll, wird an diesem Tag nur teilweise in Erscheinung treten. Neben den „Vereinigten jüdischen Parteien" des bisreichischen Kjultusvorstandes — der „Union deutsch- Österreichischer Juden", der Zionistischen Landespartei und der Agudah — die auf Grund ihrer derzeitigen Stärke in der Kultusstube ein Wahlkompromiß geschlossen haben und deren Wahlaufruf und Kandidatenliste wir in der „Unionbeilage" der heutigen Nummer veröffentlichen, treten drei kleinere Parteien auf den Plan und zwar: Der „religiöse Block", Listenführer Herr Jakob März, die „Wahlvereinigung für soziale Tätigkeit in der Kultusgemeinde", Listenführer Herr Dr. Edwin B a d e r und schließlich der Verein zur Wahrung jüdischer Interessen „Achduth Israel", Listenführe M. S c h a r f s t e i n. Es ist bedauerlich, daß die geplante Einigung nicht restlos durchgeführt werden konnte, denn abgesehen von dem Schauspiel, das durch den Bruderzwist den äußeren Feinden zu deren höchsten Vergnügen geboten wird, hätten die für einen Wahlkampf heute notwendigen Mittel^ hunderte Millionen, relativ wichtigeren Zwecke zugeführt werden können. Barmizwahfeien Samstag, den 25. d. M., 9 Uhr vormittags, findet im israelitischen Kultustempel, XV., Turnengasse 22, d'ie Barmizwahfeier des Studenten Erwin Schleifer, des Sohnes des Oberkantors dieses Tempels, Herrn Jakob S c h.l e i f e r und Frau, statt Verlobung. Mittwoch, den 15. d. M., fand die Verlobung des Fräulein Bertha M a y e r s o h n, Tochter des geachteten Restaurateurs Herrn S. Mayersohn, mit Herrn Georg 0 ii J11, Bratislava, statt- Goldene Hochzeit. Samstag, den 25. Oktober, 9 Uhr vorm., feiert der überaus verehrte Bethausvorsteher Herr Salomon Kohn, XVII., Hemalser Hauptstraße 60, mit semer Gattin Henriette, geb. Lnnzer, im Gemeindetempel XVI., Hubergasse 8, das schöne und seltene Fest der Goldenen Hochzeit. Todesfall. Am 16. d. M. wurde Herr Oberkarvtor Raphael Mohr unter Beteiligung der vollzäihüiig erschienenen Kantoren zu Grabe geleitet Nachdem in der ddühtgefüllten Zeremonienhalle die Obierkantoren S. Postolow und! Simon Weiß alternierend die Gebete verrichtet hatten, hielt der Präsident .des Oesterredcbisehen Kantoren Vereines, Herr Öberkantor J. L ö w i t, dem Verstorbenen!, an dessen Baihre Frau- und Tochter sowie zahlreiche FamÜieiiangehöräigien trauerten, einen tiefempfundenen Naclirui. Er sprach von Möhrs Bedeutung als Chasen, Kantor und Musiker und seiner idealen Auffassung der Hoheit des Amtes, nach welcher Auffassung .er nicht mir selbst wirkte, sondern auch jüngere Kantoren an seiner Art zu bilden suchte. Sein Nachlaß ist4 eine wahre Schatzgrube des Synagogengesanges und insbesondere sein „Schir kodausoh" entbehrt nicht nur jeder Banalität, sondlern ist sogar echtestes Rezitativ. Am Grabe sang Kantor S. K u n s t a d t, assistiert vom Männerchor der Kultusgemeiradie, ein ergreifendes El mole raemnim, in das die anwesenden Kantoren einstimmten, worauf Scholle auf Scholle fiel. Kaiser Franz Josef und die Juden. Im Anschluß an diese Notiiz in Nr. 41 unseres Blattes sendet uns einer (unserer Mitarbeiter folgenden interessanten Ausschnitt aus dem Volkskalender und Jalirbuch für Israeliten 1855, herausgegeben von K. Klein, Stuttgart: „Im Jahre 1846 hatten sich die böhmischen Juden zur Ablösung der damals noch bestandenen Judensteuer mittels eines in fünfjährigen Terminen abzutragenden Pauschalbetrages verstanden. Zwei Raten mit 120.000 Guildlen waren schon entrichtet, als im Jahre 1848 die Aufhebung sämtlicher Judensteuern erfolgte. Die böhmichen Juden reklamierten nun diese 120.000 Gulden, welche sie zur Begründung eines Wohltätigkeitsfonds bestimmten. Das Recht zur Reklamation des bezaMten Geldes wurde aber bestritten, die Streitfrage ging durch alle Rechtsinstanzen und gelangte bis vor den Kaiser. Dieser entschied zugunsten der böhmischen Juden und gestattete, daß das GeM zu wohltätigen Stiftungen verwendet werde, von denen die eine seinen und die andere den Namen der Kaiserin tragen dürfe, sobald er die Statuten gesehen und genehmigt haben würde. — Bei der Musterung eines Kavallerüeregiments in dem Lager von Olmütz bemerkte der Kaiser einen W'achtmedister, dessen Brust die Tapferkeitsmedaille zierte. „Wo haben Siedieses Ehrenzeichen erhalten?" fragte der Kaiser. „Bei Custozza, Ew. Majestät!" antwortete der Gefragte. „Wie kommt es, daß diieser Wachtmeister noch nicht zum Offizier befördert wurde?" fragte der Kaiser den dabeistehenden Obristen. „Es sind im Regimente wenig Offiiziersstellen erledigt worden," antwortete der Obrist verlegen, „und überdies ist dieser Wachtmeister ein J u d e." Ohne ein weiteres Wort zu sprechen, »sagte der Kaiser zu dem Wachtmeister: „Treten Sie vor, Herr Leutnant!" und als dieser schüchtern zögerte, rief der Kaiser: „Vorwärts denn, H'err Oberleutnant!" Ist ein solches Beispiel nicht ermutigend? — Aber selbst für die jüdische Wissenschaft bewahrte der Kaiser seiinie huldvolle Gesinnung, denn Rabbiner Schwarz aus Jerusalem, der eine Geographie und Topographie Palästinas herausgegeben, erhielt, von ihm die goldeneMedaille. — Wir schließen unseren Bericht über Oesterreich mit einem Kuriosum. In Praß hat ein jüdischer Schuster eine Erfindung gemacht, Stiefel dur Cheine Maschine: zu fertigen. Der Kaiser beehrte seine Werkstätte mit einem Besuche und war Zeuge, wie im wenigen Minuten ein Paar Srtfietfeü gefertigt wurden. Also können Juden auch tüchtige Schuster sein!" Der geschattete Einsender übersendet uns den Ausschnitt, der zugleich einen Beitrag zum Thema .„Juden als Erfinder" enthält, mit der Anregung, daß sich vielleicht noch einige Leser mit solchen Anekdoten melden, die für ein Geschichtsbild schließlich nicht unämteressant sind Wir geben diese Anregung weiter und wollen hoffen, daß sie auf fruchtbaren Boden fällt Statt Karten geben Herr und Frau Oberrabbiner Dr. ALTMANN in Trier Verwandten und Freunden bekannt, daß die Bcirmizwah-Feier ihres Sohnes MANFRED Samstag, den 1. November 1924, in Trier stattfindet. Ansprache des Barmizwanten 12 hhr mittags in der Wohnung. Empfang Samstag und Sonntag Berta Mayersohn Wien Gerson Quitt Bratislava empfehlen sich als Verlobte

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