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Die Wahrheit · 1924-09-26 · Heft 39-40 (26.9.1924) · page 25

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 39-40 (26.9.1924)
Date
1924-09-26
Page
– (sequence 25)
Language
German
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sfiaMMmuaaa Veröffentlichungen der „Union deutschösterreichischer Juden" : Postsparkassen - Konto: : Nr. 9464 : | Telephon Nr. 19-2 77 [ Die Wiener Kultasgemeindewahleu. Der Vorstand der „Union deutschösterreichischer Juden" befaßt sich, durchdrungen von der hohen Bedeutung der bevorstehenden Kulituswahien für das Wiener Judentum, seit vielen Monaten in intensiver Weise mit der Vorbereitung dieser Wahlen. . Vom Anbeginne seiner Arbeiten war er von der Ueberzeugung geleitet, daß ein einiges, geschlossenes Vorgehen der gesamten jüdischen Wählerschaft durch die Not der Zeit geboten sei; unser ureigenstes Interesse gebietet uns, in diesen schweren Zeitläuften einen Kampf in unserer Mitte selbst möglichst zu vermeiden. Ein solcher Wahlkampf verursacht gegenwärtig ungeheure Mittel; aber dieser Umstand würde allein oder doch zum geringeren Teil in* die Wagschale fallen; in weit höherem .Maße muß die Leitung der Erwägung Raum geben, daß durch die Herbeischaffimg solcher überaus beträchtlicher Summen für den Wahlkampf die so notwendigen Mittel für unsere wohltätigen Institutionen und für unsere Armen entzogen werden, zumal die gegenwärtige Wirtschaftskrise ohnehin der Betätigung des altbewährten, jüdischen Wohltätigkeitssinnes naturgemäß engere Schranken zieht. Wir wollen ferner in der gegenwärtigen Zeit, in welcher unser antisemitischer Widersacher kühner als je wieder sein Haupt erhebt und unsere, fiasiser. uns geradezu mit unserer Vernichtung bedrohen, der gegen uns sich einig erhebenden Welt unserer Feinde kein Schauspiel' des inneren Zwistes und der Zerklüftung bieten. Wir wollen aber auch nicht erhitzt vom Wahlkampf in die Kjultusstube eintreten; wir wollen gemeinsam beraten* was unserer -altehrwürdigen Kuitusgemeinde frommt; jeder Erwählte soll nach seiner ernsten Ueberzeugung für das Wohl unserer Gemeinde eintreten und sich den ihr gestellten Aufgaben mit allen Kräften widmen; 'so kann jeder Mandatar, zwar auf verschiedenen Wegen, aber doch zu dem allen gemeinsamen Ziele, unsere Gemeinde zu erhalten, und ihr Gedeihen, uns und dem Judentume zum Segen zu fördern, gelangen; aber dieses uns allen vorschwebende Bestreben .wird vereitelt, oder zumindest sehr erschwert, wenn wir in die Beratungsstube all die Erbitterung mitnehmen, die ein leidenschaftlicher Wahlkampf notgedrungen erzeugen muß; wir wollen die Einigkeit vorbereiten, indem wir als Wähler einig zur .Wahlurne schreiten; unser Beispiel soll unseren Mandataren immerdar vorschweben und ihre Einigkeit begründen und bekräftigen; sie wird dann immer erhalten werden können, wenn der Kultusvorstand sich seinen Aufgaben ferne von allen p o 1 it i s c h e n Tendenzen und Bestrebungen widmet. Diese Gedanken waren für den Vorstand der Union richtunggebend, als er seine Anhänger innerhalb und außerhalb des Vereines zur Mitarbeit an den Wahlvorbereitungen aufrief; es dient ihm zur besonderen Genugtuung, daß das große, aus zahlreichen Mitgliedern und aus hervorragenden außerhalb der Union stehenden Persönlichkeiten gebildete1 Wahlkomkee nach eingehender, überaus lebhafter Wechselrede den gemeinsamen Anschauungen des Vorstandes und des für die W ahlen bestellten Exekutivkomitees seine rückhaltlose Billigung zutei!l werden ließ; so hdt sich das Exekutivkomitee sehr gerne der ihm durch das Wahlkomitee übertragenen Aufgabe gewidmet, die Einigkeit der jüdischen Wählerschaft für die am 0. November stattfindenden Kultuswahlen herbeizuführen; das Programm der U n i a n wird auch durch ein Zusammengehen mit anderen Parteien nicht berührt, wir werden für ihre Ideale, für ihre Ziele und Bestrebungen jederzeit und wenn es nottut, auch im Kampf einstehen, allein wir hegen die begründete Hoffnung, daß der 9. November der Wiener Judenschaft ein Bild des Friedens bieten wird und daß wir als Ergebnis der von uns mit allen Parteien eingeleiteten Verhandlungen unseren Wiener Glaubensgenossen als Festgruß zu den kommenden Festtagen das Wort zurufen können werden: Scholaum! Für den Vorstand: Dr. Jakob O r n s t e i n. Auszug aus der Wahlordnung. I. Wahl des Kultusvorstandes. § 1. Das GesamtgebLet der Wiener israelitischen Kultusgem&'müe bildet zürn Zwecke der Wahl der Vorstandsmitglieder einen einzigen Wahlkreis. § 2. - Die Zahl der zu wählenden Vorstandsmitglieder beträgt 36, welche von der Gesamtheit der wahlberechtigten Gemeindemitglieder gewählt werden. § 3. Die Mitglieder des Kultusvorstandes werden iür eine vierjährige Mandatsdauer gewählt. Di« Mandatsd-auer wiird vom Tage der Konstituierung des Kultusvorstandes gerechnet. Die Neuwahlen haben in der Regel in der ersten Hälfte des Monats November stattzufinden. § 4. DLe Wahl erfolgt nach dem System der Verhältniswahl in Gemäßheit der nachfolgenden Bestimmungen. § 5. Das aktive Wahlrecht haben alle Kultussteuer träger der israelitischen Kultusgemeinde Wien, ohne Unterschied des Geschlechtes, soferne sie das für die Erlangung dier Eigeaiberechtigung gesetzlich vorgeschriebene Lebensalter erreicht haben, welche mindestens in den dem Jahre der Wahl vorausgegangenen zwei Verwaltungsjahren in Kultussteuervorschreibtuig gestanden sind und die ihnen für das Jahr der Wahl oder das vorangegangene Verwaltungsjahr statutengemäß vorgeschriebene Kulfeussteuer bis zum Ablaufe der Reklamationsfrist (§ 9 W. Ö.) entrichtet haben. Die Gemeindlerabbiner und die definitiven männlichen und weiblichen Angestellten der Kttltusgemeinde haben das^ aktive Wahlrecht ohne Rücksicht darauf, ob ihnen eine KutoissfreMex vorgeschrieben worden ist oder nicht.

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