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Die Wahrheit · 1924-09-26 · Heft 39-40 (26.9.1924) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 39-40 (26.9.1924)
Date
1924-09-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite lö DFE WAHRHEIT Nr. 39/40 von ihm erbrachten Beweise angeschlossen habe. Ursprünglich harte Fritzsch die Echtheit der Schwindelberichte der „Geheimnisse der Weisen von Zion" angezweifelt, als er in seinem Verlage die deutsche Uebersetzung des F o r d sehen Buches „Der internationa l'e J u d e" herausgab, das sich auf diesen Schwindelberichten aufbaut, bekehrte er sich auf einmal zu dem Glauben an deren Echtheit. Die Herausgabe dieses Fordschen Buches durch Fr. ist überhaupt eine der stärksten Leistungen, die jemals ein deutschvölkischer Führer fertig gebracht hat, denn dieses Buch iist in Wirklichkeit von einem fanatischen Nationalpolen verfaßt, der ein ebenso glühender Deutschenfeind wie Judenhasser ist, ja gegen d'ie Deutschen mit eimem noch erbitterteren Haß zu Felde zieht als gegen die Juden. Es ist doch ein unerhörter Skandal, daß eich hier ein Deutscher zum Sprachrohr einer so wahnwitzigen und gehässigen Lüge macht, die Liga gegen Napoleon I. und die deutschen Befreiungskriege seien efn jüdis c h es Werk gewesen, und daß er es billigt, wenn in dem Pamphlet die leider sehr kümmerlichen Zugeständnisse, die von amerikanischer Seite im Versaiiller Friedensvertrag zum Schutze der in Polen lebenden Deutschen durchgedrückt worden sind, in der fanatischesten Weise bekämpft werden. Auch als Kritiker der Einstein-Theorie hat sich F. versucht, obwohl er, der gelernter Müller ist, keine Ahnung von Mathematik, Physik und Astronomie hat. Erst neuerdings ist ihm nachgewiesen worden, daß er selbst die sogenannten „Großrabbiner-Rede" aus dem Goedscheschen Roman „Biarritz" zusammengefälscht hat. In dem im Jahre 1909 durchgeführten Erpressumgsprozeß gegen den Verleger der Berliner „Wahrheit" B r u h n und dessen Mitarbeiter D e s s e 1 wurde dieser zu 1 % Jahren Gefängnis und drei. Jahrens Ehrverlust verurteilt. Letzterer wurde zwar freigesprochen, aber die Presse aller Parteien war einmütig in der Verurteilung der in seinem Blatte betriebenen niederen Praktiken, Ohne daß seitdem der antisemitische Pressesumpf auch nur im geringsten minder verpestend geworden wird Auch eine extraf eine Nummer ist Georg Q u i n d e 1, der schon mehrere Zuchthäuser frequentiert hat und auf dem besten Wege ist, den Rekord des Meistergauners Lüdecke zu schlagen. Kürzlich hat Ouindel in Hannover einen „Sehl ageter-Gedächtnisbun d" mit dem Abzeichen „H akenkreuz im G a,r d es t ern" gegründet, dessen L Vorsitzender er natürlich ist. In d&eser Eigenschaft hat er ein Schreiben an die Ortsgruppenleiter des Bundes gerichtet, in dem es heißt: „Die Vorstandsmitglieder Ulrich und Lantenbach unternehmen im Gegensatz zu anderen Vorstandsmitgliedern eigenmächtig Schritte, die den Ruin des Bundes herbeiführen. In der Generalversammlung werde ich den Autrag stellen, diese beiden Vorstandsmitglieder und den angeblichen Führer der Bannerschaften Ochsemann aus dem Bund auszuschließen, weil sie einzeln oder, zusammen 1. Aufrufe wegen Geld unter falschen Angaben erlassen haben und über die Gelder eigenmächtig verfügten, 2. als Vorstandsmitglieder allnächtlich in einer Kaffeeklappe verkehren, in denen nur Zuhälter und Homosexuelle ihr Handwerk ausüben, 3. Lauterbach soll junge Leute des Bundes zu U nsä ttlicn kielten v ejr f üb; r e n. — Gegenwärtig erregen die ungeheuerlichen Verbrechen des Massenmörders und Polizeispitzels 'Haarmann in Hannover, die sämtlich eine homosexuelle Unterlage haben, das größte Aufsehen Der Inhalt des Rundschreibens des Herrn Quindel macht es der Hannoverschen Polizei zur Pflicht, der dortigen hakenkreuzlerisöhen Organisation des Schlageter-Gedächtnisbundes ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Es scheint, daß nicht nur in Hannover, sondern auch anderswo das Hakenkreuz zum Deckmantel für gewisse Dinge verwandt wird, die das Licht des Tages zu scheiten haben. Es muß auffallen, daß man dieses Zeichen gerade jetzt besonders häufig an gewissen geheimen Orten vorfindet Bs ist traurig, daß \dias alt ehrwürdige;, indische! Symbol idier Swastika in kurzer Zeit so tief sinken konnte. Herr Quindel vergißt, daß man in Glashause nicht mit Steinen um sich werfen darf. So ist es mit den Heroen des teutschen Schrifttums bestellt, die in ihren bedeutendsten Vertretern ein getreues .Spiegelbild gefunden haben. |iiiiiiyiiiiiiiiyiiiiiiiiiiiii wWdtt ms MM*., www llll!lll!ll"ll!l!lll"llll]|llH"ll BS« jpjfA ■MMM An unsere seehrfen beser! Mit dem Herannahen der Festtage verzeichnen wir wieder eine neue Wegmarke auf der von uns mit Erfolg betretenen redaktionellen Bahn. Durch die treue Opfer Willigkeit unserer stetig wachsenden Freundesschar ist es uns anfangs des bürgerlichen Kalenderjahres gelungen, die „Wahrheit" zu einem Wochenblatt umzugestalten und durch Neugewinnung bedeutender in- und ausländischer Mitarbeiter inhaltlich zu erweitern. Und da ist es am ersten Rosch-Haschonohfeste, das dieses Blatt als Wochenschrift feiert, nur eline selbstverstänid- Iiche Pflicht der Redaktion, daß sie vor allem ihren Mitarbeitern den herzlichsten Dank für ihre uneigennützige Tätigkeit ausspricht. Nicht minder herzlich sei der Dank an unser treues opferfreudiges Gefolge, das uns die Möglichkeit der Erreichung des obigen Zieles geboten hat. Ihnen allen sei in dieser ernsten Stunde, da wir, nach vielen Anzeichen zu schließen, vor einem neuerlichen Ansturm des äußeren Feindes stehen, die Bitte zugerufen, dem Blatte, das sich die Bekämpfung des Antisemitismus zur Hauptaufgabe machte und macht, weiterhin treu zur Seite zu stehen. Wir versprechen dafür die gleiche entschlossene Bereitschaft, die wir bisher in dieser, wie in allen übrigen das- Judentum bewegenden Fragen, an den Tag gelegt. In solchem Bewußtsein, mit froher Zuver^ sieht auf ein glückliches Gelingen, entbieten wir allen unseren Gönnern, Freunden und Lesern die herzlichsten Feiertagsgrüße. Die Redaktion der „Wahrheit".:

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