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Die Wahrheit · 1924-08-22 · Heft 34 (22.8.1924) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 34 (22.8.1924)
Date
1924-08-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 34 bestrebt und so zum unentbehrlichen Berater derselben geworden ist. Ebenso scheint die ganze Ortsbevölkerung, von welcher die meisten Gäste beherbergen, gut und verträglich zu sein. Ein Zeichen, daß die Hofgasteiner Kirchenfunlctionäre nicht in verhetzender Weise ihr Amt ausüben, sondern mit dem wahrhaft gottgefälligen Motto: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" auf ihre Seelenbefohlenen einzuwirken bestrebt sind, was man leider von den wenigsten österreichischen Kurorten und Sommerfrischen behaupten kann. Kein Wunder, daß sich Hofgastein zu einem der beliebtesten Kurorte entwickelt und man heuer, sobald man nicht vorgesorgt hatte, schwerlich eine Unterkunft finden konnte. Hofgastein ist nicht der Platz für solche Gäste, die selbst im Kurorte die Gesundheit strapezierende Unterhaltungen suchen. Die einzige Zerstreuung bietet die ausgezeichnete, in ihren Leistungen wahrhaft künstlerische Kurkapelle unter der bewährten Leitung des berühmten Wiener Geigenvirtuosen Prof. R us c h i t z k a. Die erstklassigen Darbietungen dieses großen Meisters tragen nicht wenig zur angenehmen Bereicherung der Hoigasteiner Eindrücke bei. J. G r o b. Samson Wertheimer. Am alten Wiener Judenfriedhofe in der Seegasse liegt der ehemalige Hofjude, sein offizieller Titel war kaiserlicher Oberhoffaktor, Samson W e r th e i m e r. der am 6. August 1724 — also genau von 20ö Jahren — nach einem an Ehren und Erfolgen reichen Leben hinüberging. Er war der Diener dreier Kaiser, Leopold I., Josef I. und Karl VI., die ihn mit ihrer Gunst und Gnade auszeichneten. Samson Wertheimer war ein Finanzgenie und wußte unter schwierigen Verhältnissen den Bedürfnissen des Staates und des Hofes zu genügen. Er war keine überhebliche, ärgerniserregende Natur und ließ in der ihm gewordenen Huld auch seine oft bedrängten oder verfolgten Glaubensbrüder hochkommen. Eine ragende interessante Erscheinung des Wiener Judentums war in ihm verkörpert. Sein Andenken ist auch im Wiener jüdischen Museum verewigt. Silberne Hochzeit. Am 15. August beging der erste Sekretär der Wiener Kultusgemeinde Herr Guido. Fuchsgelb mit seiner Gattin Ernestine, geb. D o h a n, das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Obgleich dies dem Wesen des Jubilars entsprechend eine Feier in sorgsamer Zurückgezogenheit war. um lauten Ovationen zu entgehen, hatte das Ehepaar eine Peise unternommen, ließen die vielen persönlichen Freunde der Silbernen Hochzeitler den gegebenen Anlaß gleichwohl nicht ungenützt, um ihren Gefühlen der Verehrung und Sympathie in schmeichelhafter Weise Ausdruck zu geben. Die langjährige verdienstvolle Tätigkeit des Herrn Sekretärs Guido Fuchsgelb ist so hinlänglich bekannt und hinreichend gewürdigt worden, daß wir sie hier mit ruhigem Gewissen unbesprochen lassen können, und schließen auch wir uns mit den besten Glückwünschen der großen Schar der Gratulanten an. Todesfall. Der Kantor des Mariahüfer Tempels, Herr Leo Heller, hat einen schweren Verlust erlitten. Seite Gattin Frau Rosa Heller, ist Freitag, den 15. d. M., nach kurzem Leiden verschieden. Das Begräbnis fand Dienstag, den 19. d. M., am Zentralfriedhofe, 3. Tor, statt. Rabbiner Dr. D r o b i n s k y hielt einen ergreifenden Nachruf, Oberkantor L e w i n und Chor versahen die Trauerfunktionen. Unter den zahlreichen Trauergästen sah man eine Anzahl Kantoren mit dem Präsidenten des Kantorenvereines Oberkantor Low it. Am einem ergreifenden Trauerchoral .schloß die würdige Feier. Koscher! Mit keinem anderen als gerade mit diesem Worte wird schon seit langem solch maßloser, ja geradezu sträflicher Unfug getrieben in unserem lieben Wien. Die vielfachen Klagen hierüber aus Leserkreisen haben uns schon mehrfach veranlaßt, in der .»Wahrheit" eine Stellungnahme . zu ergreifen und dies soll wieder einmal geschehen, angesichts der Tatsache, daß der Koscherunfug besonders auf dem Gebiete der Selchwaren unvermindert fortdauert. Es ist bedauerlicherweise bewiesene Tatsache, daß gegen das Prinzip des Kaschrus in gewissen jüdischen Wurstiabrikenderart gesündigt wird, daß der Konsument nicht selten auf Speckstücke, manchmal sogar mit Schweinsborsten(I) stößt; aber auch weniger krasse Fälle geben eine Handhabe für die schamlose Verletzung des Kaschrus. Was derartige Fabriken gesündigt, findet in den gleichfalls unter dem geduldigen Firmenschild „Koscher" verkaufenden Selchwaren-Geschäften seine herausfordernde Ergänzung. Hier werden neben den scheinkoscheren Selchwaren aus offenen Blechdosen Corned Beef und alle Arten Käse verabreicht. Den sachkundigen Wiener, der wirklich koscher lebt, regt dieser Skandal nicht weiter auf, denn er kennt den Unfug, geht ihm aus dem Wege und deckt seinen Bedarf in solchen Geschäften, die sein religiöses Gewissen beruhigen, weil sie aus streng rituell geleiteten Produktionsstätten beziehen. Der aus der Provinz herkommende Jude aber wird leicht ein Opfer seiner Vertrauensseligkeit und muß deshalb geschützt werden. Dies kann nur dann geschehen, wenn die Kultusgemeinde wie beim~ Fleischverschleiß auch hier die oberste Aufsicht übernimmt und es ist zu begrüßen, daß das Rabbinat sich zu diesem Schritte entschlossen hat. Eine unter der Aufsicht des Rabbinats stehende Selchwarenfabrik wird allen Koschervoraussetzungen genügen. Die erste dieser Art ist die in'Wien neuetablierte Selchwarenfabrik „Maadani m" von Gronner & C o. Aber auch die Chefs der Firma geben in dieser Beziehung vollste Garantie. Herr Jakob Gronner, Sohn des Herrn Abraham Gronner, der ein von den orthodoxesten Krakauer Rabbinern als koscher anerkannte Selchwaren-Fabrik leitete, wird es als Gewissenspflicht betrachten, sein Wiener Unternehmen in diesem Sinne zu leiten, es wird ihm Ehrensache sein, die Tradition seines Vaters nicht nur zu wahren, sondern auch zu mehren. Vom Ankauf bis zur Fertigstellung und Versendung der Ware wird, strengste rituelle Aufsicht beobachtet. Der Betrieb der „Maadanim" wird aber auch durch modernste Maschinen unter Beobachtung aller hygienischer Vorschriften gesichert. Nachdem auch die Erzeugung der Wurstwaren nach der berühmten Krakauer Methode. geschieht, also dem feinsten Wohlgeschmack Rechnung trägt, wird die „Maadanim" ihre führende Stellung erlangen und behaupten. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Vom Rabbinate der israel. Kultusgemeinde Wien wird hiermit bekanntgegeben, daß die rleischbank des Herrn Jakob K u r z r o c k, XVI., Ganstergasse 6, nicht mehr unter seiner Aufsicht steht und daher nicht mehr als Koscherfleischbank bezeichnet werden kann.?OQ4K>OQCOOQQOQOOOOeOOOOC9QOOOeQOQÖ»eOOC4^ sucht während der Sommermonate M&M 3fii@Is£^P Referenzen erteilt die Redaktion des Bialtes, an die Zuschriften zu richten sind. ^eoaof^og^oeeo60oog60oeoooo<M?ooooo80€>oot. Menorah Illuslrierie Monatsschrift für die jüdische Familie [/ Im jüdischen Hause ein jüdisches BlattI '4 Verfangen Sie kostenfose Zusendung einer 'Ercdenummer! "?st Administration: Wien IX., Berggasse 31 nuoH«HfHuniniuu»uim ErSßtss Spezialhaus aller Qualitäten j Seidenstoffe für Kleider und Futter. Herr- | liehe Brokate, Crepe de Chine, Crepe Maro- \ quine etc., zu staunend biBiigen Preisen \ - Telephon Nr. 79.201 und 79.202" ■ §

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