Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 31 (1.8.1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 8 DIE WAHRHEIT Nr. 31 ein Gutachten des Herrn Rabbiner Dr. Baeck, wogegen Herr Goslar anführte, daß die Konservativen, wenn es sich um die wirkliche Weltanschauung der Liberalen drehe, diesen niemals Schwierigkeiten machten; bei der Verbrennung wolle man aber nur eine moderne Mode nachmachen, die gar nicht auf religiöser Ueberzeugung beruhe. Allerdings sei zugegeben, daß mit der Einführung der Orgel und mit der Preisgabe des Sabbats der Bruch mit dem Judentum derart vollkommen sei, daß die Feuerbestattung nur einen weiteren Schritt auf diesem abschüssigen Wege bedeute. Schließlich wurde der Ausschußantrag, der die Position „Krematorium" aus der Gebührenordnung vorläufig ausschaltet, angenommen. Ueberariscbe Turnerei. In der „Deutschen Hochschulzeitung" vom 5. Juli 1924 wird vom Standpunkt des österreichischen „Deutschen Turnerbundes" zum deutschen akademischen Olympia in Marburg Stellung genommen und eingehend begründet, daß die Deutsch-Oesterreicher nicht aus sportlichen, sondern aus völkischen Gründen sich diesem Sportfest fernhielten. In diesem Aufsatz heißt es an der für uns .charakteristischen Stelle: „Daß die deutschen Studentenschaften bei uns wirklich nur aus Deutschen (Ariern) bestehen, ist allgemein bekannt. Der weitaus überwiegende Teil der deutschen Studenten, die Leibesübungen betreiben, gehört den Vereinen des Deutschen Turnerbundes an, dem auch die drei deutschösterreichischen Vereine des A. T. B. (A. T. B. Graz, Akad. Jahnbund Graz, Wiener A. T. V.) und die V.-C.-Turnerschaft „Hellas" angeschlossen sind. Nur ein verhältnismäßig kleiner Kreis deutscher Hochschüler ist bei verschiedenen Sportvereinen. Für Mitglieder des „Deutschen Turnerbundes*' ist aber ein Antreten in Marburg ganz ausgeschlossen. Nach den Satzungen des Bundes ist es nämlich seinen Mitgliedern aus völkischen Gründen heraus nicht gestattet, an Wettkämpfen teilzunehmen, an denen gleich ihnen Angehörige nichtgermanischer Volksstämme sich beteiligen oder beteiligen können! Und letzteres ist in Marburg der Fall, wie es auch schon in Hannover der Fall war. Die deutschakademische Olympia ist nicht auf Deutsche beschränkt, ja nicht einmal auf germanische Volksstämme, so widersinnig dies auch klingen mag. Von den Nichtdeutschen werden ja tatsächlich wohl nur Semiten (Juden) in Frage kommen; denn Juden sind von der Teilnahme nicht ausgeschlossen. Sie werden in Marburg genau so zu den Wettkämpfen antreten, wie sie es in Hannover getan haben! Dies ist aber gegen unsere Grundsätze. Solange in dieser Richtung keine Aenderung eintritt, ist es für den größten Teil der deutschen Studenten Deutschösterreichs, die Leibesübungen treiben, ausgeschlossen, auf einer d.-a. Olympia mit den Reichsdeutschen in Wettbewerb zu treten. 0! Schmerz! Jetzt müssen sich die Deutschen im Reich von den waschlappigen Brüdern der Ostmark Mangel an Strammität vorwerfen lassen. Der unpolitische Deutsche. Sollte es denn wirklich so sein, wie Theodor Fritsch in Nn 350 seines „Hammer" behauptet daß der Deutsche von Politik nichts verstehe, daß sein Hirn anders veranlagt ist als jenes seiner Nachbarnationen? Vom Volk der Dichter und Denker bliebe so nur die erste Hälfte vorhanden. Es dürfte aiuch so sein. Nicht etwa, weil Herr Friitsch es sagt, sondern aus einem anderen, von ihm geführten Beweis. Er hat nämlich aus der von ihm gewidmeten Jubiläuinsspende einen Preis abgeschrieben für die beste Beantwortung der Frage: „Wile erziehen wir den Deutschen zum politischen Denken?" Und siehe da, das Preisausschreiben ist völlig ergebnislos verlaufen trotz der lockenden Geldsumme, die viele veranlaßt haben dürfte, den klingeniden Lorbeer zu errängen. UetbelwoUends könnten vermuten, daß es dem Ausschreiber nicht ernst um die Sache war, daß er das Geschäft in sich machen wollte. So schnöden Verdacht weisen wir von uns und halten uns an diie Be- hauptumg, daß dem Deutschen tatsächlich ein geistiges Armutszeugnis in politischen Belangen auszustellen seil Was folgt dann aus dieser Tatsache? Daß auch die leitenden Männer der nationalen Bewegung in Deutschland1 des Denkens unfähig sind, nicht nur des politischen, auch des vernünftigen, was wir ja oft genug behauptet und durch Tatsachen erhärtet gesehen 'haben. Dann aber geht die ganze Chose der Herren Fritsch. Reventlow, Roth, Quändel und Konsorten auf platten Gimpelfang hinaus, was jeder politisch oder unpolitisch ehrlich denkende Deutsche erkennen wird, wenn ihm diese Erkenntnis nacht schon längst geworden ist. Der aufgeregte Liebhaber. Bei der Zusammenziehung irregulärer Putsohverbänide an der bayerisch-tnüritr^schen! Grenze sind w,ied!erhdt Atisschreiitungeni . und Plimdöruingen gegen jüdische Geschäftsleute dier Gegend voirigielcoimanien!. Selbstverständlich haben die Behördlein in dem meisten Fällen die Täter nicht ermitteln können! In Untermerzbach idnang eine etwa zwanzigköpfige Bandle, die 'als Abzeichen das Wickinger-Schiff der Ehrhard-Brigade führte, in idlie Wolhnung des Kaufmanns Golidstein eilm und! raubte sie vollständig aus. Als dier Verpflegungsunterioffizier beilm jiungdauifcsohen Regiment der Brigade Ehrhardt, zweites Bataillon Max Förster ans Elberfeld als Mittäter verdächtigt wunde, stürmte er in das Haus Goldstieins und versuchte, 'diesen durch «mehrere Schüsse zu töten. Aber Goldstein verteidigte sich mit der Schußwaffe, so daß Förster ohne sein Zilell erreicht zu haben, in das Versammlungslokal des jungdeutschen Ordens zog und dort durch den hingeworfenen Revolver zwei seiner Kameraden schwer verwundete. Bei der Verhandlung vor dem Volksgericht in Bamberg verteidigte steh Förster damit, dlaß ilhm seine Geliebte, die sich ebenfalls iim Lager der vaterländischen Verbände aufhielt, seine Uhr gestohlen habe und er dadurch sehr aufgeregt gewesen sei. Bin Zeuge bekundete:, daß im Standquartier unter dem Schutze eitnes großen Hakenkreuzes Beiträge gesammelt wunden, die man dann, in Schnaps umsetzte. Das Urteil gegen Förster lautete auf oYz Monate Gefängnis. Juden im deutschen Reichstag. Wieder ist Kürschners unübertrefflicher „Deutscher Reichstag" erschienen. Selbst ein flüchtiger Rundgang bietet so viele Anregungen., und manches, was in der deutschen Politik bisher sellbst. Eingeweilhten sieh verborgen hielt, das tritt plötzliöh klar zutage. Gewinnbringend ist auch ein Studium dies einleitenden Textes. Kürschner ist ja nicht nur ein fleißiger Bildersammler und gewisser Biograph, sondern auch ein konsequenter Statistiker. Das bestätigt schon die Rubrik „Religionsverhältnisse der Abgeordneten." Da erfährt man1 genau, wieviel Herren katholisch und evangelisch sind; ein Kommunist ist ails Freidenker geeicht; ein Sozialist bezeichnet sich ails Atheist. „Jüdischer Abstammung sind," so heißt es weiter, „soweit sich dies feststellen ließ, 15 Abgeordnete." Wiie hast diu das festgestellt, lieber Statistiker? Neujahrsgratulationen der „Wabrlieirf" Mit Rücksicht darauf, daß die in der „Wahrheit" erscheinenden Neujahrsgratu- Jafionen bei unseren Lesern derart Anklang gefunden, daß diese Tabellen in ständiger Zunahme begriffen waren, ist ein gleiches auch heuer um so mehr zu erwarten, als bei den teueren Herstellungskosten spezieller Gratulationen und den damit verbundenen Versandspesen sich gegenüber den Publikationen in unserer Zeitung ein Ersparnis erübrigt, abgesehen von der weit größeren Verbreitung, die eine solche Gratulation in unserem Blatte zur Folge hat. Da nun im vorigen Jahre infolge verspäteten Einlangens viele Aufträge leider keinen Raum mehr finden konnten, erlauben wir uns die höfl. Bitte, uns die geschätzten Aufträge schon jetzt zu erteilen. Muster: k Zahntechniker iudwi^ Fisdher und Frau II., Novaragasse 21