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Die Wahrheit · 1924-08-01 · Heft 31 (1.8.1924) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 31 (1.8.1924)
Date
1924-08-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Deutechösferreicliische Woctiensdiritt 50r ffiöisdie Interessen fllt dem ßelölatt; Veröyenüiöiongen der „Union deulscMsferreldilsffier Jaden* Redaktion und Administration: Wlen lL, Helnestrcsße *3. - Fernruf 42-2-16 XL. Jahrgang Wien, 1. August 1924 Nummer 31 Kriegsgedenktag. . Als noch ganz junger Mensch las ich in einem der damals üblichem Musenalmanache ein biedermeierisches Gedicht, das mit der Strophe anhob: . <•■ Gedenken und Vergessen Hat beides seine Zeit, Wie du es zugemessen, Bringt Leid es oder Freud'. Nämlich: Gedenken all des Guten und Angenehmen, das der liebe Gott und freundliche Menschen beschneiden haben, vergessen all die Kümmernisse, die ein hartes Schicksal den Menschen auferlegt hat Der damals unbekannt gebliebene Dichter, hat auf seinem Pegasus offene Türen eingeritten, denn eigentlich ist es im Leben gar nicht so häßlich eingerichtet, daß zwischen Leid und Freud' der Lethestrom seine Fluten wälzt, die die ursprünglich lebhaften Erinnenungsfarben allgemach so verwischen und1 verwaschen, daß sie kaum noch erkennbar sind. Jedes Erlebnis wird1 im Laufe der Zeit ein objektiv angeschautes, dem wir mit ganz an-, deren Empfindlungen wie ursprünglich gegenüberstehen. Wieviel des Grauenhaften und Entsetzlichen hat der vierjährige Weltkrieg über die Völker gebracht! Kaum eine Familie unter ihnen, die nicht einen oder mehrere Tote zu beklagen hätte, die nicht auf dauernd Schwerverletzte verweisen könnte, deren Besitzstand sich nicht erheblich geschmälert hätte~ und deren Existenzen vernichtet oder doch wenigstens bedroht erscheinen. Wenn diese Tatsache als im allgemeinen unumstößlich gelten kann, wie viel mehr von den Juden, die nicht nur die gleichen Gm¬ und Blutopfer gebracht haben, sondern deren unauslöschlich brennende Wunde noch immer aufs neue zum Bluten und Schwären gebracht wird. Denn zum Dank für ihre Aufopferung werden sie und ihre unvergeßlichen Toten noch geschmäht und beschimpft. Als der große jüdische Künstler Liebermann sein ergreifendes Bild schuf, das eine jüdische Frau unter einer unabsehbaren Reihe von Grabsteinen darstellt, war dies gewiß auch ein Symbol. Die jüdische Frau, diese wahrhafte Mater dolorosa, darf wohl die Klage anstimmen: „Ihr alle, die ihr vorübergellt, seht, ob ein Schmerz gleich sei meinem Schmerze." Die Juden sollen es gewesen sein, die nach' der Behauptung ihrer Widersacher den Weitkrieg angezettelt haben, um sich die Herrschaft über alle anderen Völker zu sichern. Dieselben Juden haben aber nach der Behauptung von der gleichen Seite den^ deutschen Armeen den Dolchstoß von hinten beigebracht. Welch-ein Widerspruch! Wenn dies Wahnsinn ist, so hat er gewiß die Methode, in alter Weise die Juden für alles Unglück und Unheil auf dieser Erde verantwortlich zu machen. Daß aber der Jude nie kriegerisch gesinnt war oder ist, wissen « seine Feinde ebenso gut wie wir, wenn sie es auch nicht Wort haben wollen. Als die Juden in grauer Vorzeit von Kanaan Besitz nahmen, war es das Land der Verheißung, das gelobte, nämlich den Erzvätern angelobte Land, in dem sie siedelten. Und nachdem sie es erworben, waren sie keineswegs auf weitere Eroberungen bedacht. Die jüdischen Propheten waren keine Sänger des Krieges, sondern des Fliedens, und sie verhießen es als höchsten Lohn für gottgefälliges Leben, daß jeder Jude geruhsam im Schatten seines Feigenbaumes und Weinstockes werde sitzen können. Es ist auch bezeichnend, daß König David nicht den Tempel des Ewigen erbauen durfte, denn an dem Schwerte Davids klebte zuviel fremdes Heldenblut. Erst sein Sohn, der Friedens- und Weisheitsfürst Salomon, durfte das Haus des Herrn errichten. Als die Juden aus dem heiligen Land und der heiligen Stadt nach einem entsetzlichen Krieg, der ihnen die Staatlichkeit kostete, nach aller Welt vertrieben wurden, da lag ihnen iioch lange das Grauen des zerstörten Jerusalems auf der Seele und sie sprachen davon auch zu ihren Kindern und Kindeskindern. So hat sich naturgemäß die Furcht und der Abscheu vor dem Kriege bei den Kindern Israels durch mehr als 5Q Generationen traditionell vererbt und ist kaum zu erschüttern. Auch die Anwendung von Gewalt zur Erreichung des Rechtes ist gegen jüdische Denkart und Sitte. Die Sederlegende vom Böcklein, das eines grausamen Todes sterben mußte und dessen Tod auch an den Rächern gerächt wurde, hat wohl gewiß tiefe Bedeutung. Vom weisen Hille! wird erzählf, daß er, als er einst auf den Finten einen" Totenschädel treiben sah, diesen ansprach: Weil du ertränkt hast, bis diu auch ertränkt worden, aber die dich ertränkt haben, werden wieder ertränkt werden. In diesem Spruche des Weisen und in dem Chadgadju-Sang spricht sich offenbar aus, was ein späterer vielzitierter Dichter in die Worte gekleidet , hat: „Das eben ist der Fluch der bösen Tat, daß sie fortzeugend Böses muß gebären." Wahrlich nein, der Jude hat es niemals mit dem Krieg und den Kriegsgewaltigen, mit den Vertretern des bewaffneten Schreckens gehalten und wer ihn dessen beschuldigt, macht sich einer schamlosen Lügfc schuldig. Um jedoch der historischen Wahrheit die Ehre zu geben, sei erklärt, daß. die Kinder Israels einem m^:^m**r,^r^,.

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