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Die Wahrheit · 1924-07-18 · Heft 29 (18.7.1924) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 29 (18.7.1924)
Date
1924-07-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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schalt. Es ist daher Ehrenpflicht der Wiener Judenschaft, seinen 20. Todestag durch eine Massenbeteiligung am Gang zu seinem Grabe zu ehren. Wir fordern auf diesem Wege alle bewußten Juden auf, an diesem Gang massenhaft teilzunehmen. Treffpunkt: Sonntag, den 20. Juli, 9 Uhr mittags, XIX., Hochschulstraße (Endstation 40er-Wagen, Türkenschanzpark). Talmud-Thora-Schule des IV. und V. Bezirkes. Sonntag, den 22. Juni fand die Schlußprüfung der Schüler und Schülerinnen dieser Anstalt in Anwesenheit des Terapelvcretaspräsidenten Adolf Hof mann, des Vere&nsriabbiners Dr. G. M e h r e r bei zahlreicher Beteiligung der Eltern und Mitglieder des Tempelvereines und des Vereines „Machsike - Thora" statt. Der Obmann, Herr Desider W o 11 n e r, leitete die Prüfung mit einigen die Bedeutung der Schule würdigenden Worten ein; er führte aus, daß auch diese Schule an den Folgen dter Kriegs- und Nachkriegszeit leiden mußte und seit dem Jahre 1914 heuer das erste ordentliche Schuljahr' abgehalten wunde. Von den SO ein— geschriebenen Kindern sind im Laufe des Schuljahres 15 ausgetreten. Zur Prüfung sind 45 Schüler und Schülerinnen erschienen; zirka 20 sind schon auf dem Lande. Der Obmann fordert schließlich den ewig jungen, und bei keinem Anlaß fehlenden Präsidenten Adolf Hofmann sowie die Anwesendem a*uf, für »diese heiligste jüdische. Sache mit vollem Cifer weiter zu wirken. Präsident Hofmann dankte in einer zu Herzen gehenden Ansprache dem Obmann für' die ausgezeichnete Führung der Schule, worauf mit der Prüfung begonnen wurde. Es war herzeTfreuend, die unterder Leitung des ausgezeichneten Religionslehrers Rabbiner J. F r i e d m a n n stehenden 3 unteren Gruppen beim Lesen aus dem Gebetbuche, l'ebersetzungen und Erklärungen über die täglichen Religionsgebräuche zu beobachten. Die zwei oberen Gruppenv (Pentateuch und Rasschi) standen unter der bewährten Leitung des Religionslehrers Herrn Kampfer. Auch hier war der Unterriohtserfolg ein vorzüglicher. Nach Schluß der Prüfung dankte der Obmann den beiden Lehrern für die viele Mühe und Plage /als auch für die Liebe, die sie bei der Ausbildung der Kinder aufgewendet haben. Afle Anwesenden hatten nur ein Gefühl, daß hier ein guter Same gesät wurde, der reiche Früchte tragen wird, zum Heile und zum Segen des Judentums. Die Eröffnung des Vöslauer Ferienheimes. Vor einigen Tagen wurde das in ein Kinder-Erholungsheini umgewandelte, reizende MüMschlössel. in Vöslau mit der Ankunft von 50 Kindern eröffnet; der rührige Verein „F e r i e n h e i m", dessen Tfaus in G r a d o seit vielen Jahrzehnten lungenkranken Kindern Rettung bringt, hat auch hier wieder, fein großartiges Stück Arbeit geleistet. Es war ein Vergnügen, die armen Kinder (die erste Partie besteht aus Mädchen) bei der Ankunft zu sehen: wie sie im modernst, mit allem Komfort eingerichteten Waschraum zuerst sorgfältig gebadet werden, dann im geräumigen, luftig hellen Speisesaal das reichliche Nachtmahl verzehren -und sich diann in den reiinen, weiß lackierten Schlafsälen gemütlich einrichten und auf" schneeweißen Federbetten zur Ruhe legen. Frühmorgens geht's in den ungeheuer weiten, herrlichen Park, dann an die Arbeit in dem Obst- und Gemüsegarten, naclnnäittags ins Sonnenbad auf grünem Rasen und zu lustigen Spielen. Die Kinder sind hier .in keinem Heim, sondern in einem wahren Schlößchen untergebracht, sie werden einen Monat reinsten Glückes verleben, echte Menschenliebe spüren. Man kann es der Vereinsieitiung (Präsidentin Grünfeld) nicht.genug diaarken, daß sfe für das ihr von den Tschechen abgenommene Ferienheim in T i s c h n o w i t z nun einen so vollwertigen Ersaitz gefunden hat. . - Verlobung. Frl. Elsa B a s s e r, Tochter des Herrn Oberkantor Josef Basser und Frau, Sufoottca (S. H. S.), hat sich am 29. Juni mit Herrn Ladislaus Horvath;, Gesellschafter der Firma Horvath und Farago, Budapest, verlobt. Hochzeiten. Vor kurzem fand die Trauung des Herrn Dawid P e r 1 s t e i n mit der ältesten Tochter von Rabbi Josef Baumgarten statt. Die Schiffschul war aus diesem Anlasse festlich dekoriert und eine ungewöhnlich große" Zahl von Freunden und Verehrern des berühmten Rabbiners und Führers fand sich ein, um an dem Feste teilzunehmen. Der alte Oberrabbiiner -von Wattersdorf, Rabbi Simche Bunem E h r e n f e 1 d, ließ es sich trotz seines schlechten Gesundheitszustandes, nicht nehmen, an der Trauung persönlich teilzunehmen Die Hochzeitstafel fand im Festisaale dies Bayrischen Hofes statt und dauerte bei gehobenfer Stimmung der Gäste bis in die späte Nacht. Mögen alle Wünsche, die an diesem Tage auf fo herzlicher Weise geäußert wurden, in Erfüllung geh#n. — Sonntag, den 6. Juli fand in Baden bei Wien die Trauung der einzigen Tochter Gretel des langjährigen Vorstehers und Kassiers der Chewra Kadischa, L. Lackenbache r, mit Herrn Ludwig R e i s z statt. Die Trauung fand im prachtvoll-dekorierten und hellerleuchteten Tempel statt, unter enormer Beteiligung der Bevölkerung Badens. Die kautorale Funktion versah Oberkantor Weiß vom 10. Bez., die Trauungsrede hielt Oberrabbiner Wilhelm Reich aus Badeu mit gewohnter Meisterschaft. Unter anderen waren erschienen der Gesamtvorstand der israelitischen Kultusgemeinde mit ihren Damen, Obermedizinalrat Dr. Raab, die Vorstandsdamen des Frauenwohltätigkeitsvereines, Vertreter sämtlicher jüdischer Vereine. Die fröhliche Feier beschloß eine Familieniause im Cafe Schopf in Baden. Todesfall. Hoch-betagt ist Ida 1) i a m a n t, geborene S t i a s s n y, eine der letzten Veteraninnen moderner Armenpflege, Sonntag, den 6. Juli, eines plötzlichen Todes verschieden. Aus einem Wiener Patrizierhause stammend, "Cousine des unvergeßlichen Baurates Wilhelm Stiassny und Schwester zweier wahrhaftvornehtjier Brüder Ludwig und Karl Stiassny, von denen der erstere nicht nur als Kaufmann, sondern auch als Förderer musikalischer und schriftstellerischer Talente sich bemerkbar machte, letzterer einer der ersten Wiener Kaufleute war, die in Johannisburg den Wiener Namen zu Ehren brachten, stand sie schon als Mädchen den •damals wenigen jüdischen Frauen vereinen vor. Site gehörte zu den Mitbegründerinnen des Wiener Mädchienunterstützungsvereines und dies Wiener Hausfraueiwereiinies, von dietai mianche vergessen, 'das er Hast ausschließlich eine Schöpfung jüdischer Frauen ist Als Frau hait' sie eine Zeit lim Triester Salon- und Wohlfahrtsleben eine Rolle gespilelt In späteren Jahren suchte sie Trost für manches Leid, in der Sorge um da!s Siechenhaus in der Seiegasse, wo sie als Präsidentin des Damenkomitees durch viele Jahre von Früh bis Abend beschäftigt war. Eine durchaus .moderne Frau gehörte sie auch zu den Proponentiinnen der „Weiblichen Fürsorge'* und plante mr't anderen Frauen dieser Vereinigung die Gründung 'eines Altersheimes für den gebildeten Mittelstand'.. Es war ihr ein Hochgefühl, immer neue Kreise der Wohlfahrtspflege zu gewinnen und so können sich viele, heute hervorragend wirkende Philanitrop'iinnen stolz als Schülerinnen von Ida Diamant bezeichnen, die durch einen Autounfall schwer leidend, geistig bis in-ihre leiteten' Stunden regsam geblieben *st. Die Kültusgemeinde hat die Verdienste dieser seltenen Frau durch Beistellung eines Bhrengrabes gewürdigt und Rabbiner Dr. Armin Abel es hielt eine ergreifendle Rede bei der Trauerfeier, die in aller Stille stattfand. Amerika, du hast es besser! Eine besondere Delegation der Exekutive des jüdischen Kongresses mit Dr. Stephau S. Wise an der Spitze erschien auf dem Konvent der Republikanischen Partei und machte die Delegierten auf die Gefährlichkeit der Ku-Kux,Klan aufmerksam, die* eine ungewöhnliche antisemitische Tätigkeit entfalten. Die führenden Persönlichkeiten der Republikanischen Partei versicherten, daß Ku- Kux-Klan mit allen Mitteln bekämpft wird. Berichtigung. In dem Artikel von Dr., M. Spanier, Magdeburg, über Hermann Cohens „Jüdische Schriften" (Nr. 27 unseres Blattes), haben sich einige sinnentstellende Druckfehler eingeschlichen: Der Herausgeber der Schriften heißt Dr, Bruno Strauß, nicht Stransky. Statt reife Segensquelle ist r e i c h e Segensquelle zu lesen, statt Justizrat Bocher J u s t i z r at B a c h e r. Seidenbaus RUH STADT Wien I.. Fleisthmorhl Mr, 26 BrBBfes Spezialhaus aller Qualitäten Seidenstoffe für Kleider und Futter. Herrliche Brokate, Crepe de Chine, Crepe Maroquine etc., zu staunend billigen Preisen .....^ — Telephon Nr. 79.201 und 79.202 ■ 't >•■•■•■■■■■■

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