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Die Wahrheit · 1924-07-11 · Heft 28 (11.7.1924) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 28 (11.7.1924)
Date
1924-07-11
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Nr. 9.8 sich an dieses Bureau wenden. Jedoch wird bemerkt, daß neu ankommende Studenten mit Stipendien und sonstigen Unterstützungen nicht zu rechnen haben. Die Adresse des Bureaus lautet: Organisation des etudiants Juifs, Boite postale 142 Liege, Belgique. Das neue Institutum Judaicum. Das Institutuni Judaicum, von dem bekannten Professor der Theologie Hennann L. Strack begründet, diente bisher der Schaffung des wissenschaftlichen Rüstzeugs für die Judenmission. Nunmehr ist es der theologischen Fakultät der Universität Berlin angegliedert worden, um voraussetzungslos der Wissenschaft zu dienen. Es steht unter der besonderen Leitung des Herrn Professor Dr. Greßmann, der für den 23. Juni zur Feier der Einweihung des neuen Institutuni Judaicum geladen hatte. Er schilderte die Ziele und Aufgaben des Instituts, das durch Sammlung der einschlägigen Literatur, durch Vorlesungen, Uebungen und Publikationen der Erforschung der jüdischen Geschichte dienen soll. Als Vertreter der Kultusministeriums sprach Staatssekretär Dr. Becker, für die Universität deren Rektor Professor Roethe. Sie sowohl wie die Vertreter der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, die Professoren Guttmann und. Torczyner, die ihre Bereitwilligkeit zur Mitarbeit betonten, begrüßtem die Umgestaltung des Instituts zu einer Stätte gemeinsamer Erkenntnis und damit der Anbahnung der Verständigung. Den Beschluß der Sitzung bildete ein formvollendeter Vortrag Professor Greßmanns über „Die Bedeutung des nachbiblischen Judentums in der hellenistischr ö m i s ic h e»n Zeit" iDie Zusammenarbeit jüdischer und christlicher Forschung soll ihren ersten sichtbaren Ausdruck in einer neuen großen Veröffentlichung finden, die unter dem Titel „Judaica Monumenta et Studia" erscheinen wird, herausgegeben von den Herren Professoren Dr. Greßmann, Dr. Lietzmann und Dr. Torczyner. Diese Gründung zeigt, daß wir doch noch nicht alle Hoffnung auf ein Schwinden des Hasses aufgeben brauchen. „Unsere deitschen Föhnen brangen Recht und Freiheit." Von verschiedenen Seiten werden wir aufgefordert, den Aufruf der obersten Heeresleitung aus dem Winter 1914/15 nochmals zu veröffentlichen, in dem diese sich an die „Jiden in Paulen" wendet und ihnen jegliche Freiheit und jegliches Recht im Gegensatz zu dem früheren russischen Regiment verbürgt. — Der Generalstabschef des Oberkommandos Ost war damals General L u d e n d o r f f. Er sei daran erinnert, daß General Ludendorff im Münchener Prozeß ausführte, er habe die jüdische Gefahr vor und im Weltkriege erkannt. Mit dieser Erkenntnis wird sich dieser Aufruf an die jetzt gerade von den Völkischen so schwer beschimpften Ostjuden kaum vereinigen lassen: Zu die Jiden in Paulen. Die heldische Armees vun de grausse müyteleuropäische Regierungen, Deitschland uu Estcrreich-Ungarn. seinen arein in Paulen. Der mechtiger Marsch von unseren Armees hat gezwungen die despotische russische Regierung zu entlaufen. Unsere Föhnen orangen cicli Recht un Freiheit, gleiche Bürgerrechte, Freiheit vorn Glauben. Freiheit zu arbeiten ungestört in alle Zweigen von ökonomischen un kulturellen Leben in eier Geist. Zu lang bot ihr sich gcplogt unter dem eisenen moskowitischen Joch. Wie Frcind kumuen mir zu eich, die barbarische fremde Regierung ist aus! Die gleiche Recht vor Jiden soll weren gebaut auf feste Fundamenten. Losst eich nicht, wie a zsach (= schon) mal friher. obnarren durch chanufedige (= nichtssagende) Versprechungen! Hot nischt auch 1905 der Zar zugesagt die gleiche Recht vor Jiden, un hot er nischt darauf zugegeben den höchsten Manifest? Wie hat man eich abgezohlt dem dosigen Chauw (= die damalige Schuld), wos man hot auf sich genommen vor der ganzen Welt? Gedenkt des Araustreiben. wos man treibt togtäglich die jidische Massen vun eiere eingesessene Mekaumaus! (= Ortschaften). Gedenk! Kischinovv. Hornel. Byalistok, Siedletz uu viel hunderter andere blutige Pogromes! Gedenkt dem Beilis-Prozess un die Arbeit vun die barbarische Regierung, zu verbreiten dem schrecklichen Ligen von Blutgebrauch bei die Jiden! Asau hot der Zar gehalten ein monarchisch Wort, wos er hot gegeben. Eidenhaus RUHST elendig in die Klemm! Er ist jetzt wieder in die Klemm! — Ot, dos ist die Siboh (= Vergeltung) von seine Versprechungen. Eier heiliger Chauw (= Pflicht) ist a jetzt, zusammen zu nehmen alle Kräften, mitzuarbeiten, bei die Befreiung. Alle Volkskreften: eier junger Daur (= Geschlecht), eiere Kehillaus (= Gemeinden), eiere Chewraus (= Vereine) müssen sich schtellen wie ein Mann, mitzuhelfen zu die heilige Sach. Alir erwarten, als ihr wet beweisen durch Fakten eier Verschtand und eier Ergebenheit. Wendet sich nit dem grössten Bitochaun (= Vertrauen) zu den Kommandanten vun unseren Militär in die Oerter, wos seinen nohe zu eich. Alle Sorten Lieferungen wellen bald und gut bezohlt. Bahnt den Weg, zu bezwingen in ganzen den Ssaune (= Feind) un zu breiigen den Nizochaun (= Sieg) vun Freiheit un Gerechtigkeit. Die obere Leitung von die verbindet deitsche un esterreichischungarische Armees. Das Malheur von Kapernaum. Wir haben kürzlich von Ausgrabungen in Palästina berichtet, bei denen die Ruine einer Synagoge in Kapernaum freigelegt wurde, in der sich an einem Fries bereits das Motiv des Hakenkreuzes verwendet zeigte. Wir haben damals einem Anfragenden im „Fernsprecher" geantwortet, daß diese Entdeckung unsere teutonischen Hakenkreuzler in Schrecken setzte.. Eine Gänsehaut überlief sie. Dann aber machten sie sich daran, das fatale Faktum zu „erklären". Der famose „Hammer", das Organ, das die Radauantisemiten der Straße mit „geistigem" Rüstzeug versorgt, hat es (Nr. 528) bereits auf zwei solcher Erklärungen gebracht. Daran, dafe ihr heiliges Hakenkreuz „arisch" sei, lassen sie nicht tippen. Also einfachste Erklärung: „Was ist nicht alles schon aus arischem Besitz in jüdischen übergegangen? Es gibt ja kaum etwas, das die Juden* nicht gelegentlich gestohlen hätten — greifbares wie geistiges Eigentum. Jüdische Kultur ist ja im wesentlichen die „Kultur dos Diebstahls". Eigentlich sollte diese Erklärung für jeden Hakenkreuz-Bruder ausreichen. Aber — doppelt hält besser: darum „möchte" der „Hammer" aus besagter fataler Tatsache „eher folgern, daß die betreffende Synagoge-von nicht-jüdischen Bauleuten errichtet wurde, die aus eigenem Antriebe das Hakenkreuz anbrachten. Das Bauen war ja von jeher nicht die Stärke der Juden. Wird doch in der Bibel berichtet, daß Salomo zur Erbauung seines Tempels t y r i s c h e Bauleute kommen ließ." Na also! In der nächsten Nummer des „Hammer" wird nachgewiesen werden, daß b a j u v a r i s c h e Akkordmaurer aus Germaniens Gefilden nach Kapernaum geholt wurden, die dann das damals auf ihren heimischen Maßkrügen befindliche Hakenkreuz in die Synagoge schmuggelten. — 0, hätten sie geahnt, was sie damit für später angerichtet' Konzert. Herr Aloritz D z i a 1 o v s k y, welcher mit seinem 13jährigen Sohne .1 a n als Kantor nach Chigago engagiert wurde, beabsichtigt in der nächsten Zeit in Wien ein religiöses Konzert in hebräischer Sprache zu geben. Der Künstler ist durch sein langjähriges Studium auf eine neuartige wissenschaftliche Gesangsmethode gekommen und dürfte es jedermann interessieren, ihn kennen zu lernen. Es wird daher allen Sangeskundigen empfohlen, diesen vielversprechenden Abend zu besuchen. Zur gefälligen Beachtung! Die erste Auflage des Handbuches der Judenfrage von Mittelschullehrcr H. Stern: „Angriff und Abwehr" ist vergriffen. Herr Stern ist, wie wir erfahren, im Begriffe, die Neuauflage vorzubereiten, die zu Beginn des Herbstes fertig'vorliegen soll. Er will bei dieser Neuauflage nach Möglichkeit neue Erfahrungen und Wünscht berücksichtigen und wir sind bereit. Anregungen in dieser Richtung weiterzuleiten. Danksagung. Fräulein Rosalie Mannes, Tochter des Kriegswaisenfonds-Vorstandsmitgliedes Herrn Max M a n n e s, Zürich, hatte die Güte, für das Badener Waisenhaus, das sich in sehr prekärer Lage befindet, in Zürich eine Aktion einzuleiten, die mit bestem Erfolg gekrönt ist. Fräulein Manner sandte dem Waisenhaus drei Liebespakete, beinhaltend Kleider für alle Waisenkinder. Die Direktion des Waisenhauses spricht Fräulein Mannes, wie auch allen Spendern den wärmsten Dank aus. Wien I., Nr. SM* BrBBfBS Spezialfalls aller Qualitäten Seidenstoffe ffilr Kleider und Futter. Herrliche Brokate, Crepe de Chine, Crepe Maroquins etc., zu staunend billigen Preisen ■ Telephon Nr- 79.201 und 79.202 - «»»■».■.■«■■■■—»

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