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Die Wahrheit · 1924-07-04 · Heft 27 (4.7.1924) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 27 (4.7.1924)
Date
1924-07-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 27 Rabbiner Dr. M. Grunwald hielt an das Brautpaar eine herzinnige Ansprache. I. Kantor Funke, mit Chor und Harmoniumbegleitung, sang die Hochzeitsgesänge in feierlicher Weise. — Sonntag, den 29. Juni 1924 fand im Leopoldstädter Tempel die Training des, Fräulein Auguste Schlesinger, Tochter des in weiten Kreisen bekannten Stampiglienerzeugers Herrn Jakob Schlesinger, mit Herrn Heinrich Leider statt Den Trauungsakt vollzog Rabbiner Dr. M. Grunwald, die kantoralen Gesänge versah L Kantor Funke mit Chor und Harmoniurnbegleitung. Silbernes Hochzeitsfest. Dieser Tage feierte der Prager ObeTrabbiner Dr. Brody und Frau das Fest der silbernen Hochzeit. Auch wir schließen ims den zahlreichen Gratulanten mit unseren herzlichen Glückwünschen an. Auszeichnung eines Oberrabbiners. König Alexander I. geruhte, den Oberrabbiner des Departments Syrmien in Vukovar, Dr. Julius Diamant, mit dem Orden des Heiligen Sava auszuzeichnen. Aus Anlaß der hohen Auszeichnung erhielt der Oberrabbiner vom Kultusminister Dr. J a n i c, von zahlreichen hohen Ministerialbeamten, von vielen Kultusgemeinden und aus allen Kreisen des Departments Syrmien und der Stadt Vukavar herzliche Glückwünsche. Unter Führung des Präsidenten der Kultusgemeinde, Heinrich Steiner, err schien die vollzählige Repräsentanz in der Wohnung des Ausgezeichneten. In seiner Gratulationsrede betonte der Präsident, daß das fast 31jährige Wirken des Oberrabbiners im wahren Sinne des Wortes ein „Kidusch Haschern" genannt werden kann, auf welches nicht nur seine Kultusgemeinde, sondern der Rabbinerstand, sowie das Gesamtjudentum mit gerechtfertigtem Stolz blicken kann. Denn alle Kreise der Bevölkerung — ohne Unterschied der Religion und der Nationalität — sehen — ohne Unterschied der Religion und der Nationalität — sehen in der Person des Rabbiners das Ideal eines edlen Priesters und wetteifern miteinander, sichtbare Zeichen der der ungeteilten Beliebtheit und Wertschätzung zu1 geben. Er steht an der Spitze der schönsten Wohlfahrtsinstitutionen Vukovars, und als vor kurzem Sr. Heiligkeit der Metropolit Dimitrij, der Papst aller Serben Jugoslawiens, dort weilte, stattete er mit seiner aus 15 hohen kirchlichen Würdenträgern bestehenden Gefolgschaft dem Oberrabbiner im schönen Gotteshause einen Besuch ab, bei welcher Gelegenheit Sr. Heiligkeit in seiner von edler Menschenliebe getragener Rede betonte, dal der Oberrabbiner von Syrmien auch Von dem Anhängern seiner Kirche als ein im hehretf Sinne der Propheten wirkender Priester verehrt wird. Die allerhöchste Auszeichnung wird daher überall mit der größten Freude begrüßt Mit dem Wunsche, der Allgütige verleihe dem allgemein verehrten und beliebten Oberrabbiner körperliche Frische und Rüstigkeit, daß er noch zahlreiche Jahre segensreich wirken könne zum Wohle der dankbaren Gemeinde und zur Ehre des noch in unseren Tagen so verbannten Judentums, schloß die wirkungsvolle Rede des Vorstehers, auf welche der Oberrabbiner tief gerührt antwortete. Todesfall. Am 20. Juni starb nach langem schweren Leiden Frau Katharina M a i e r im Alter von 66 Jahren. Unter großer Beteiligung fand am 22. v. M. das Leichenbegängnis statt Die religiösen Funktionen versahen Herr Rabbiner Dr. S. Funk und Herr Oberkantor J. Müller. Die Verstorbene hinterließ eine Tochter; Frau Malvine Kusznier, Gattin des in weiten Kreisen wegen seiner vornehmen Gesinnung bestbekannten Herrn N. Kusznier, und einen Sohn Richard. Der Schwindel der „Zionistischen Protokolle". Wie in unserer letzten Nummer berichtet, hat die Zionistische Vereinigung für Deutschland vor kurzem eine Erklärung in der Presse veröffentlicht, daß sie gegen den Leipziger Antisemiten, Abgeordneten Theodor FTitsch, Klage erhöben hat, weil Fritsch in einem Vorwort zu der Neuausgabe der „Weisen von Zion" behauptet hat daß die Protokolle auf denr erstem Zkmisten-Kongreß verlesen wurden und noch heute den Zionisten als Richtschnur, dienen. In der neuesten Nummer seiner Zeitschrift „Hammer" veröffentlicht nun Theodor Fritsch eine Erklärung, in der er unter anderem sagt: „Die Zionistischen Protokolle sind durch einen Zufall (eine russische Haussuchung) in nichtjüdische Hände geraten. Der Kronzeuge ist der russische Professor Sergei Nilus, der sie aus, dem Hebräischen ins Russische übersetzte. Dieser Zeuge aber ist zurzeit — das heißt solange eine jüdische Schreckensregierung in Rußland; herrscht — nicht erreichbar. Er muß sich verborgen halten — wenn ihn die Tscheka überhaupt noch am Leben gelassen hat. Dann aber macht Fritsch weitere Ausflüchte und schreibt: „Wir sagen mit Hem-y Ford: Der Beweis für die Echtheit der Protokolle wird erbracht durch die Vorgänge der Wirklichkeit ..." Es rauft also eine verborgene Gesellschaft geben, die nach diesem politischen Programm handelt Wenn es die Zionisten nicht sein wollen, so eine andere jüdische Geheimgesellschaft — etwa der Bue Brith- O rden oder die Alliance» Israelite. Daß diese Protokolle auf dem Zionistischen Kongreß 1897 vorgetragen worden seien, haben wir nur als Vermutung ausgesprochen! ... Es ist auch die Möglichkeit, zugegeben, daß das hebräische Manuskript der Protokolle der Entwurf eines Einzelnen ist — etwa des Rabbi (!) Ascher Ginsberg (Achad Haara) oder eines anderen." Berichtigung. In Siegmund Schönau's Aufsatz „Walter Riehls Glück und Ende" in Nummer 26 unseres Blattes sind folgende Druckfehler zu berichtigen: Seite 3.links, 4. Zeile von unten „geistlichen" statt „geistigen"; Seite 3 rechts, 10. Zeile: so etablierte sich ein ehemaliger „deutschnationaler" Student; Seite 5 links, 15. Zeile statt Sprudelmühle" heißt es „Spindelmühl". AUFRUF! Die Wiener Krankheit, die verheerende Tuberkulose, hat in der Nachkriegszeit ungeheure Dimensionen angenommen. Wohl nimmt die Stadt den Kampf in großzügiger Weise auf, wohl hat das Rote Kreuz erfolgreiche Fürsorgemaßnahmen getroffen und den Bund österr. Frauenvereine „Frauenhilfe" zu gleichem Zwecke geschaffen; Den Würgeengel zu bekämpfen', der unsere Jugend dahinzuraffen droht, ist Sache aller Frauen. Sie mögen in Vereinen organisiert sein oder nicht Darum! wendet sich der „Bund jüdischer Frauen" an alle seine Mitglieder, wie an alle Außenstehenden! mit der dringenden Bitte, ihm im Kampfe gegen diese Volksseuche beizustehen. Am wichtigsten, am notwendigsten erscheint es, im Kindesalter vorzubeugen. Das gefährdete Kind muß in sorgfältigste sachkundige Pflege und Obhut, in ein hygienisch einwandfreies Heim gebracht werden. Noch erlauben es unsere Mittel nicht, solche Heime selbst zu schaffen. Das kranke, tuberkulosverdächtige Kind aber kann nicht warten, denn die Krankheit wartet auch nicht Daher bringen wir solche Kinder in vorderhand bereits bestehenden Heimen unter und zahlen die Unterhaltskosten. Um diese Aktion so umfassend als möglich zu ge-* stalten, erbitten wir aller Beistand; auch die kleinste Hilfe ist willkommen. „Wenn Jedermann nur ein Geringes gibt, kann doch ein Großes daraus werden", die Retturig des heranwachsenden! Geschlechtes vor dem Schreckgespenst der Tuberkulose. Gütige Spenden und Mitgliedsbeiträge, Mindestbeitrag K 10.000, werden erbeten an das Postsparkassenkonto Nr. 149.146 und an das Postsparkassenkonto Nr.' 107.692 der Wechselstube Mariahilf Wien VII., Mariahilferstraße 60, der österr. Kredit-Anstalt für Handel und Gewerbe. Für den Bund jüdischer Frauen D.-Oe.: Regine Ulmami Hermine Kadiseti Rechä Theodor Jenny Adler. Seidenbaus HÜHSTilOT Wien iL, irktf Mr. fc«3 Breites Spezialhims aller Qualitäten Seidenstoffe für Kleider und Futter. Herrücke Brokate, Crepe de Chine, Crepe Meroqulne etc., »Ii st*un«nd billigen Presen; Telephon Nr. 79.201 und 79.202 1

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