Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 27 (4.7.1924)
- Date
- 1924-07-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Deutscüösferreicliisclie Wochenschrift für jödisdie Interessen Pitt dem Deihlatt; VeröHenflidiungeii der «.Union denfschesterrelddsdier Juden Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 1». - Fernruf 42-2-16 XL. Jahrgang Wien, 4. Juli 1924. Nummer 27 Die „zionistische" Hakoah. Ein vorläufiges Schlußwort. Von Rudolf Seiden, Mödling. I. Der Kampf, dien ich seit einigen Wochen in diesem Blatte*) 'gegen die „Hakoah" führe* ist nicht ohne Erfolg geblieben. Weite Kreise der jüdischen Oeffentlichkeit haben die „Hakoahfräge" mit Interesse verfolgt und mich in vielen Zuschriften versichert, daß sie eins mit mir in der Ablehnung des un jüdischen und u n z i o n i s t i s c h e n Verhaltens der „Hakoah" sind. Aber auch die „Hakoah" und Herr Dr. D. Friedmann vom zionistischen Parteiigericht, an die sich meine offenen Anfragen richteten, haben zu meinen Artikeln Stellung genommen. Diese Antworten will ich in folgendem publizieren und ihnen kurz das hinzufügen, was mir zum vorläufigen Abschluß der „Hakoahfräge" notwendig erscheint. Die „Hakoah" veröffentlichte in der Sportrubrik der „Wiener Morgenzeitung" von Sonntag, den 8. v. M. eine Resolution**), die inj einer Sektionsleitersitzunig, an der sämtliche Vertreter der einzelnen Sektionen teilnahmen, gefaßt wurde: „Die Klubleitung der „Hakoah" war in letzter Zeit Gegenstand von Angriffen, in denen der Vorwurf erhoben wurde, daß der jüdische Verein seinen zionistischen Pflichten nicht nachgekommen sei. Die Sektionen sehen sich veranlaßt, zu erklären, daß die Klubleitung unermüdlich t ä t i g i s t, u m d e n z i o mi s t ischen Pflichten zu genügen. Wenn diese Arbeit im Innern des Vereines nochnichtdenvond er „Hakoah" selbst g e w ü n s c h t e n g r o ß e n E r f olg zei t i g t, so liegt das darin, daß gut Ding Weile braucht. Obwohl sich die Sektionen dessen bewußt sind, daß noch vie11 Arbeit zu leisten ist, weisen) sie dennoch dlie von unverantwortlichen und unberufenen Elementen gegen di e K l'u b 1 e itung erhobenen Angriffe als völlig unbegründet auf das Entschiedlenste zurück. Die Sektionen sprechen der Leitung des Vereintes das vollste Vertrauen aus und fordern sie auf, die eingeschlagene Richtung weiter zu verfol'gien." *) Siehe „Wahrheit" Nr. 19 (Ist die „Hakoah" zionistisch, ist sie überhaupt jüdisch?) und Nr. 22 (Der Zionismus der „Hakoah"). **) Sämtliche gesperrt gedruckten Stellen dieser Erklärung und des folgenden Briefes des Herrn Dr. F. sind von mir hervorgehoben. Soweit die Sektionen. Glauben aber die Herren von der „Hakoah", daß die jüdische Oeffentlichkeit ihnen das Vertrauen aussprechen würdie? Ich zweifle... Wenn die jüdische Oeffentlichkeit meine Kritik der Zustände bei der „Hakoah" verworfen und diesem Verein für seine jüdische und zionistische Pflichterfüllung Anerkennung zollen würde — dann wüßte ich, daß die „Hakoah" die richtige Auffassung von den Notwendigkeiten und von dier Größe des Zionismus hat —, aber so kann es mach wenig tangieren, wenn mich diese Sektionsleitersitzung, die sich und die Ihrigen das Vertrauen ausspricht, als „unberufene und unverantwortliche Elemente" erklärt. Ich hatte natürlich nie erwartet» daß ich von der „Hakoah" als berufen und' verantwortlich bezeichnet werde; diese Ehrung durch den Geklagten ist meines Wissens noch nie einem „Ankläger" erwiesen worden. Daß ich aber das Mandat zur Einreichung der Klage gegen die „Hakoah" hatte, also berufen war, geht aus dem folgenden Passus eines an mich gerichteten Schreibens des J. N. F. hervor: „Besonders bedauerlich i s t e s,. d a ß wir in den größten Jugendorganisationen, das sind: die Turn- und Sportvereine, und allen voran die „Hakoah" mit ihren tausenden Mitgliedern, überhaupt keine Unterstützung finden. Diese Tatsache ist uns seit 2 Jahren bekannt, ohne daß es bisher den Leitern d e r N. F.-A rbeit inOest er reich möglich gewesen wäre, etwas daran zu ändern. Wir erteilen Ihnen daher als Organisationsreferent im Auftrage der außerordentlichen Bundeskonferenz des J. N. F. für Oesterreich vom 4. Juni 1923 Vollmacht und Mandat, alle Ihnen geeignet erscheinenden Schritte zu tun, um diesem bedauernswerten Zustand ein Ende zu machen, und versprechen Ihnen w e ii t -a s t g e h e n de Unterstützung von unserer Seite." Und daß ich nicht unverantwortlich handelte, als ich daran ging, die „Hakoah"-Frage öffentlich zu diskutieren, das beweist dier Umstand, daß ich in zwei andie „Hakoah" gerichteten Schreiben ausdrücklich erklärte, den Weg in die Oeffentlichkeit zu nehmen!, wenn ste ihre materiellen Verpflichtungen dem J. N. F. gegenüber nicht erfüllt; da die „Hakoah" nur leere Versprechungen gab, das Parteigericht schwieg, di e „W r. Morgen-