Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 23 (6.6.1924)
- Date
- 1924-06-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 25 allen Zuhörern tiefen Eindruck erweckte. Nach dem hierauf erfolgten Maskir Neschomaus und dem Absingen ergreifender Trauergesänge von Kantor und Chor formte sich ein Zug zum Besuche des jüdischen Friedhofes, wo ein Requiem abgehalten und vom Herrn Oberrabbiner ein Gebet gesprochen wurde. Bei dem, anschließenden Brudermahle (Chewra-Sude) hielt der Kultusvorsteher und Obmann der Chewra Kadischa Herr Hermann E r b e r einen geschichtlichen Rückblick über die Entstehung und Entwicklung der *Che.wra Kadüschia und' der Kultusgemeinde in Klosterneuburg, der großes Interesse und allgemeinen Beifall fand. Nach einem längeren gemütlichen Beisammensein, bei dem mehrere Toaste gesprochen und namhafte Beträge für die Chewra Kadischa gespendet wurden, löste sich die Tischgesellschaft mit dem Bewußtsein auf. daß diese erhebende Feter bei allen Teilnefimern noch lange in Erinnerung bleiben wird. Aus Lwidenburg wird uns geschrieben. Es war ein Chillul haschem-Prozeß, der den Kantor Paul Kabatschnik mit Umgehung des privaten Ausgleiches zum Gerichte führte. Ein Mitglied der Kultusgemeiede. Herr Max G o 1 d b e r g, ließ durch den erwähnten Kantor seinem Sohne eine kurzfristige Barmizwah - Vorbereitung erteilen. Als der Vater des Konfirmanden dem Kantor Kabatschnik, ein Honorar von K 300.000 (150 Kc) und eine Spende von K 200.000 zukommen ließ, beanspruchte dieser noch weitere K 300.000, die Herr Goldberg als widerrechtlich nicht bezahlen wollte. Da lief der Kantor im Vereine mit dem Rabbiner Dr. Schwangerzu Gericht und ließen die geldlüsternen Herren den Vorstand der Gemeinde, der für den Geklagten eintrat, beeiden, um an diesem Herrn ihr Mütchen zu kühlen. Der Ausgang des Prozesses ist irrelevant, allein das Debüt des Rabbiners und Kantors in einer Honorarfrage vor Gericht machte in allen Kreisen peinliches Aufsehen.- Mädchenkonfirmation im Großen Leopoldstädter Tempel. Vor Jahresfrist haben wir darauf hingewiesen, . wie von gewisser Seite die Mädchenkonfirmation sabotiert wird, obwohl diese Einrichtung, von Mannheimer eingeführt, von der Kultusgemeinde noch immer gepflegt wird und jeder ihrer Seelsorger wie alle anderen Amtshandlungen, zu denen er kontraktlich verpflichtet ist. persönlich diese Feier vorzunehmen hat. Wir schlugen damals vor, falls, in leitenden Kreisen eine Stimmung gegen diese Institution sich geltend machen sollte, hierüber die Gemeindemitglieder zu befragen. Jedenfalls gebühre sich ein offenes Vorgehen, nicht ein Unterminieren durch passive Resistenz. Da diese Obstruktion, wie manche Anzeichen verraten, schon weitere Kreise ergriffen zu haben scheint, berief der- „Verein der Freunde des Großen Leopoldstädter Tempels" für Mittwoch, den 26. v. M. in den stattlich renovierten Zeremoniensaal, Tempelgasse 3, eine Versammlung der" Eltern aller — über fiO — zur Konfirmation in diesem Gotteshause angemeldeten Mädchen ein. in der Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald, ohne für die Konfirmation prinzipielle Stellung zu nehmen, die Geschichte dieser Feier in der Wiener Kultusgemeinde kurz beleuchtete und darauf hinwies, daß, wenn die Konfirmation, die allerdings, wie anderwärts passender mit „Religionsweihe'', wie in Frankreich mit '„Initiation religieuse", bezeichnet werden könnte, gegen das Religionsgesetz, verstoße, die orthodoxen Mitglieder des Kultusvorstandes die berufene Instanz wären, gegen sie Stellung zu nehmen. Im Anschluß an seine mit ungeteiltem Beifall aufgenommenen Ausführungen, die in einen Appell an die gleichfalls anwesenden Konfirmandinnen ausklangen, verteilte der „Verein der Freunde des Großen Leopoldstädter Tempels" an die Mädchen Exemplare der vom Kultusvorstande seinerzeit für diesen Zweck eigens bestellten Mädchenausgabe des Gebetbuches „Beruria", jedes Buch mit einer besonderen Widmung für die Empfängerin versehen. (Dem Verein wurde die Genugtuung zuteil, daß man seitdem auch in anderen Gemeindetempeln zu dieser Gepflogenheit zurückgekehrt ist.) Die Konfirmätionsfeier am 1. Juni bot in dem trotz seiner großen^ Fassungsfähigkeit überfüllten Tempel ein farbenprächtiges, eindrucksvolles Bild.. Die gesamte Feier nahm Herr Rabbiner Dr. Grunwald vor. Der gesangliche Teil wurde von Herrn 1. Kantor Funke und dem Tempelchor unter Leitung des Herrn Heimann ausgeführt. Die zum Teil von Herrn Dr. G ru'nwal d, zum Teil von Herrn Schulrat Prof. Dr. P o 1- 1 a k vorbereiteten Mädchen trugen ihr Pensum mustergültig üvor. Das Glaubensbekenntnis trugen vor die Mädchen Schönherz, Wein er, Rosner, Gold mann; die Fragen beantworteten die Mädchen Schacherl, Preßburger, Vag o, Gold berger, Mandler, Wachsmann, Kuner, Israel, Schwadron, Ulmer, E. Goldmann, Bokh a u t und Dicker. Alle Teilnehmer der Feier standen unter dem Eindruck, daß diese Institution, besonders der vorangehende, von berufenen Kräften erteilte Unterricht, eine Notwendigkeit ist, so lange wir nicht über geeignete Religionsschulen für Mädchen, etwa nach deutschem Muster, verfügen. In unserer Zeit der Widerstände gegen alles Religiöse muß man zu erhalten suchen, was noch irgend die Jugend mit dem Judentum in Verbindung hält. Das bewährte Bestehende einreißen ■ oder verfallen zu lassen, wäre unverantwortlich, so lange nicht etwas Besseres da ist, was an seine Stella treten könnte. Barmizwahfeier. Samstag, den 31. v. M., fand iin großen Leopoldstädter Tempel das Barmiizwahfest des Studenten Ludwig Böhm, Sohn des allgemein geachteten Kaufmannes Adolf Böhm und seiner Gattin, Olga, geb. Maler, unter großer Beteiligung der Freunde, Verwandten und Verehrer der Familie des Konfirmanden statt Nachdemdieser die Haftorah schön verlesen hatte, hielt Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald eine wahrhaft herzerhebende Rede, im welcher er) dem Barmizwantetf ans Herz legte, im Sinne seiner hochverdienten Eltern dein Judentum alle Zeit treu zu bleiben. Am Sonntag, den L' Juni vereinigte eine hübsche Feier die Familie des Barmizw anten ■und benützten seine erschienenen Onkeln, die Herren Otto Böhm,. Josef Herraa n n, Richard K u 1 k a, Siegmund PI aschk.es, Moritz Po Hak, Richard Schöps, Friedrich, Leopold und S. Wechsler, alle hochangesehene Wiener Kaufleute, das schöne Fest zu namhaften Spenden an verschiedene Wohltätigkeitsinstitutionen. Trauung. Am 22. Mai d. J. fand im Bethause und dem anstoßenden Garten der T a I m u d - T h o r a, IL, Malzgasse 16, die Trauung von Frl. Frieda D u k e s z, Tochter des langjährigen geschätzten Kantors obiger Synagoge Herrn Jakob Duckesz mit Herrn Harry E i b u s ch i t z, einem Nachkommen des gerühmten Rabbi Jonatan Eibenschitz, statt. Der ehrwürdige Herr Rabbiner und der Vorstand des . Beth- Hamidrasch und des Tempels gestalteten diese Feier zu einer besonders schönen und würdigen. Die Braut ist auch eine Nichte des Altohaer Gelehrten Herrn Rabbiner Eduard Dukesz. Todesfall. Die Gattin des ehemaligen Wiener Oberkantors Don Fucns, Frau Malka Fuchs, ist am 18. Mai in New-York nach kurzem Leiden gestorben. Oberkantor Don Fuchs weilt seit etwa vier Jahren in New-York, wo er sich großen Ansehens erfreut. Seime Gattin, die eine ausgezeichnete Jtebraistin und auch schriftstellerisch begabt war, -genoß in Amerika in den künstlerischen und auch in den schriftstellerischen Kreisen große Wertschätzung. . Da.s Leichenbegängnis dieser idealen Frau . fand unter außergewöhnlich großer'Beteiliguing statt. Vor dem Tempel Emanuel in der 5. Avenue tnug der gleichfalls von Wien her bekannte Oberkantor K wart in die Trauergesänge unter großer Assistenz in ergreifender Weise vor An unsere Leser f Werbet für unsere Zeitung! Eine erfreuliche Erhöhung der Abonnenlenzahl ist zu verzeichnen! Jeder Bezieher muß es sich zur Pflicht machen, einüen neuen Abonnenten zu gewinnen, damit wir schon in Kürze das Blatt weiter ausbauen Können ■•«■>■■»••••■■ Seidenbaus BUHSTilDT B Wien I., Flei§«limarkl Nr. 26 Spezialtiaus aller Qualitäten Seidenstoffe für Kleider und Futter. Herrliche Brokate, Crepe de Chine, Crepe Maroquine etc., zu staunend billigen Preisen — ■ . Telephon Nr. 79.201 und 79.202 - iMiwitmimmi >Ü