Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 22 (30.5.1924)
- Date
- 1924-05-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 22 DIE WAHRHEIT Seite U Karl Bienenstein. Heimat, Roman (Verlag Gr et hl ein & Co., Leipzig—Zürich 1923). Ein H&imatsroman im besten Sinne. Den Autor reizte^das stets neue, vielleicht überhaupt unlösbare Problem, inwieweit eine ausgesprochene Persönlichkeit, die nach inniger Verwurzelung mit der heimatlichen Scholle strebt und sich einem Manne verbindet, der für sie den Innbegriff bodenständiger Eigenschaften verkörpert, sich selbst bewahren und den Lebensgefährten in ihre Sphäre hinüberziehen kann. Können zwei Menschen, von denen jeder nach den angeborenen Besonderheiten seines Charakters die Bestimmung des eigenen Daseins zu erfüllen trachtet, einander verstehen und eine ideale Ehe eingehen? Der Autor meint, dies sei nur dann möglich, wenn Mann und Weib auf gleichem Bildungsniveau stehen, sonst reiben sich die beiden Individualitäten, die natürlich zur Anpassung nicht taugen, 5h nutzlosem Kampfe auf. Deshalb muß Dora Breitwieser zugrunde gehen, denn die Erkenntnis, daß sie an der Seite des seelenverwandten Sonnhütters hätte restlos glücklich werden können, kommt zu spät. Gewiß: Eine Frau vermag den Geliebten nur dann umzumodeln, wenn er anschmiegsam ist; viel eher formt er die Erwählte nach seinem Bilde, denn sie ist jedenfalls aus weicherem Stoff. Wäre also der Mann der Gebende, die Frau die Empfangende, könnte der Roman folgerichtig versöhnlich enden. Bienenstein hat sich zum Thema zweifellos richtig eingestellt und besonders in den Landschaftsschilderungen warmes Naturempfinden offenbart. Die Personen wachsen aus der Natur heraus, die ihnen Trost und Rückhalt ist, die Befriedigung in ihrer Pflicht und wenn es sein muß, in der Entsagung finden lehrt. Was uns die Heimat bedeutet, wissen wir erst jetzt recht gut, seit wir den teuren Boden in hartem Kampf verteidigten. Und wenn der müde Wandererdie Lebensbahn durchschritt, sinkt er beruhigt der treuen Mutter in die Arme. Dr. Otto Fröhlich (Wien). Silbermann. Roman von Jacques de L a c r e t e 11 e. E. P. Tal cVCie., Verlag Leipzig,"Wien, Zürich 1924 (Uebersetzung von Walter Rode). Man liest diesen Roman nicht ohne tiefste Erregung, obwohl ihm ein altes Motiv zugrunde liegt. Silbermann — der Name kündet schon die Konfession an — besucht das Oberlyzeum, erweist, sich als tüchtig und geistig hochragend und bildet deshalb die Zielscheibe arger Verfolgungen -seiner antisemitischen Mitschüler. Nur einen christlichen Freund erwirbt er sich, der für ihn in die Bresche tritt und dafür von den anderen-in Acht und Bann getan wird. Wir Juden kennen das Martyrium. Mit vollem Rechte sagt der Held des Werkes seinem Freund gegenüber: „Ein Haß ist dasselbe .Gefühl, welches bewirkt, daß oft in einer Arbeitergruppe derjenige," der am geschicktesten und geschwindesten arbeitet, von den anderen einen Messerstich bekommt." Wir wünschen dem Buch viele christliche Leser, die durch die Lektüre vielleicht doch ein menschliches Rühren fühlen und von ihren Vorurteilen sich dann lossagen. Sp. M. ' Die Versuchung des Priesters Anton Berg. Von Jakob Stab. Verlag Josef-Kösel &. Friedrich Pustet, München. Das Werk enthält nichts Jüdisches, im Gegenteil, grausige Szenen aus dem Weltkriege, drastisch geschildert, aber der Menschheit ganzer Jammer erfaßt uns. Nichts als Barbarentum. Nicht homo sum kann als Motto gelten, sondern der Mensch — eine Bestie. Wir können ausrufen: Wie lange noch? Noch immer leben wir im Kriegszustands in der Zeit roher Verwilderung, antisemitischer Wutausbrüche, die jeden Augenblick in Kannibalismus ausarten können. „Sie sind ein Volk, jeder Einsicht bar, es. waltet bei ihnen keine Vernunft." (Deuterononium, C. 32 v. 28.) Sp. M. Lachendes, liebendes Rom. Erzählungen aus dem Italien von heute von Theodor Böhne r, Basel. Im R h e i n - Verlag. Leipzig. Wohl fast durchwegs Selbsterlebnisse eines versonn- _ten Verfassers. Bis 1915 Direktor einer deutschen Schule in Rom, ist Dr. Bohner zurzeit Direktor einer höheren Mädchenschule in Magdeburg. Dr. Bohner ist eine prachtvolle Persönlichkeit und ein famoser Erzähler, das ist im übrigen schon irüher bezeugt worden durch sein „Rivabla, die Geschichte einer . Jugend". In dem vorliegenden Buche ist die Geschichte vom „Ritter Bissi" besonders ergötzlich zu lesen. Wir geben keine Inhaltsangabe an, um den Leser zu empfehlen, sich selbst mit dem Buche zu beschäftigender wird uns für den Hinweis dankbar sein. Sp. M. Türkisch-Sephardische Gemeinde Wien. Freitag, den 23. d. M., Vil Uhr abends, fand im schönen Gotteshause obiger. Gemeinde die Installierung des von der Landesbehörde und vom Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde im Sinne des . § 44 des Gemeindestatuts bestellten Rabbiners Nissin 0 v a d j a statt, zu welch schöner Feier sich sämtliche Vorstandsmitglieder und Mitglieder der türkischen Gemeinde, Honoratioren, Vereine. Freunde und Verehrer eingefunden haben. Die Kultusgemeinde war durch ihren Präsidenten Prof. Dr. Alois Pick und Vizepräsidenten Dr. D. Friedman« vertreten. Ferner erschienen Rektor Prof. Dr. S c h w a r z, Prof. Dr. S. Krauß u. v. a. Rabbiner O v a d j a wurde vom Zeremoniensaal durch Präsidenten Lazar S u s s i n und Vizepräsidenten Robert dt M a j o eingeholt und unter Absingung. eines -von Oberkantor J. L ö w i t für diesen Anlaß komponierten Begrüßungschors „Baruch haba" zu seinem Sitze geleitet. Vizepräsident Herr de Majo hielt eine herzliche Ansprache an den Rabbiner, welche sein segensreiches Wirken zum Gegenstand hatte. Nun ergriff Rabbiner N. Ovadja, der sich in seiner Gemeinde bereits großer Popularität erfreut, das Wort zu einer Rede, in der er in großen Umrissen seine Bestrebungen für und um die Gemeinde entwickelte, was allgemeinen Anklang fand. Sodann verrichtete er bei offener Bundeslade ein Gebet für das Wohl der Behörden, Vorsteher und Gemeindemitglieder. Mit Absingung des Psalms „Halleluja" schloßdie schöne Feier. Bethausverein „Montefiore". Wie wir erfahren, hat der Bethausverein „Montefiore" für seine Synagoge, in der stets die hervorragendsten Schüler der Preßburger Jeschiwah amtierten, den Breslauer Rabbiner Curt P e r i t z nach einem Probevortrage einstimmig zum Rabbiner gewählt, nachdem dieser seine rabbinischen -Studien in Preßburg abgeschlossen hat. Die Barmherzigen Brüder. Der Vorstand des Spitals der Barmherzigen Brüder teilt mit, daß mit dem Erlös des JAnnahof e s.", den Viktor S i 1 b er e r dem Spital vermacht hat, das zweite Stockwerk des Spitals hergerichtet und voll belegt werden wird und daß für die laufenden Auslagen das Spital auch weiterhin auf die S p e n d e n der Wiener Bevölkerung angewiesen ist. Bris Miloh. Am 24. d. M. fand im festlich beleuchteten Tempel des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" die Bris Miloh des ersten Sohnes des beliebten Oberkantors J. L. Müller, statt. Es hatten sich der Gesamtvorstand unter Führung des Herrn Obmannes - Oskar Schräme kT zahlreiche Mitglieder, Kollegen, Freunde und Bekannte, wie die Verwandten der Familie eingefunden und gaben der Weihe des Tages das äußere Gepräge. Unter Absingung der rituellen Gebete wurde die Beschneidung von Herrn Sam. Glück vorgenommen, wobei Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Funk das Ehrenamt des Sandek übertragen wurde. Anschließend fand in der Wohnung des Oberkantors ein Festmahl statt, bei dem zahlreiche Gratulanten erschienen und nebst diwre Tauroh auch andere gediegene Ansprachen von verschiedenen Seiten gehalten wurden. Wie es bei allen festlichen Gelegenheiten heilige Tradition bei den Juden ist, wurde auch der Wohltätigkeit nicht vergessen und infolge der Mischeberach große Beträge gespendet Die schöne Feier hat den erfreulichen Beweis für die vielen Sympathien erbracht, die sich Oberkantor J. Müller trotz seiner kurzen Tätigkeit im Pazmanitentempel zu erwerben verstand. Barmizwahieier. Samstag, den 17. Mai fand im Tempel zu Oberhollabrunn die Barmizwahfeier des Bürgerschülers Otto H a u s e r, Sohn des Herrn Wilhelm H a u s e r und seiner Gattin Hermine, geb. Weinberger, statt. Zu derselben fanden sich im hellbeleuchteten Tempel der Präses Herr M. B e rg e r, der .Tempelvorstand nebst zahlreichen Freunden und Verehrern der Familie ein, um dieser, die ob ihres WohJtätigkeitssinnes allgemein hochgeachtet ist, ihre freudige Teilnahme zu bekunden. Nachdem der Konfirmand die Hafthora sehr korrekt verlesen hatte, hielt Religionslehrer S. J e 11 i n e k an ihn eine eindrucksvolle Ansprache, in welcher er dem Barmizwanten ans Herz legte, im Sinne seiner Eltern dem Größtes fiagep in feinst. Efidisen, Etoles n. Capes Reiche Auswahl neuester Pelzmodelle in sämtl. Pelzarten - Pariser u. Wiener Geschmack vereint - erzeugt nur in eigenen Werkstätten, unter pers. Leitung des bestrenommierten Inhabers der Firma Pnfarstr. 3-11 .Muifiig.2-6