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Die Wahrheit · 1924-05-23 · Heft 21 (23.5.1924) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 21 (23.5.1924)
Date
1924-05-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 21 und Filmwelt gaben dem wackeren Manne, der sich um die Kunst unschätzbare Dienste erworben, das.Jetzte Vjelefltö.. Eine große Anzahl Berliner jüdischer Vereine, deaen der Verblichene ein treuer Förderer gewesen, beweinen sein viel zu frühes Hinscheiden. -An der Bahre trauern die tiefgebeugte Witwe -Hilda, sein einziger Sohn Jäffet, sowie die Familien LipowetzTu, Goldenberg und Maer. Ehre seinem Andenken und himmlischer Trost der trauernden Familie. Am 18. d. M. wurde unter großer Beteiligung Frau. Katharina W ä r n d o r f e r, ^Öie im 71. Lebensjahre nach kurzem Leiden verschieden ist, zu Grabe getragen. Die Verstorbene war eine tiefreligiöse Frau, eine Esches Chajil, die sich wegen ihres trefflichen, echt jüdischen Charakters wohlverdienter Achtung erfreute. Wer dieser braven Frau jemals näher gekommen, der war von ihren vornehmen und dennoch schlichten Umgangsformen — sie war eine echte Burgenländerin — gefangen. Herr Rabbiner Dr. S. F u n k" konnte mit Recht In seiner ergreifenden Grabrede sagen, sie ist mit „reinem Herzen" durch das Leben gegangen. Bescheiden und wunschlos für ihre eigene Person, lebte sie als ein Musterbild treuer Pflichterfüllung und widmete, vor 23 Jahren Witwe geworden, ihr ganzes Leben dem Wohle ihrer Kinder. Die Verewigte betrauern sechs Töchter und die Söhne Heinrich, Moriz, der mit seiner Frau Minna der innigstgeliebten Mutter für deii Lebensabend ein überaus gastliches Heim geboten hatte, Emil und Siegmund, sowie Schwiegersöhne, Schwiegertöchter, Enkelkinder, Neffen und Nichten. Unter den zahlreich anwesenden Trauergästen sah man sehr^ viele Vorstandsmitglieder und Mitglieder des Tempelvereines „Aeschel Awrohom". Die kantoralen Funktionen versahen Oberkantor I. Müller und I. Kantor A. S t i f t. H. — Sonntag, den 18. d. M., wurde der allgemein geschätzte Buchdruckereibesitzer Josef L ö f f 1 e r unter allgemeiner Teilnahme "zu Grabe getragen. Trauerfeier. Sonntag, den 18. d. M., fand in der Synagoge des Vereines „Beth Israel" eine Trauerfeier für den verewigten Ehrenpräsidenten Herrn Alexander Landau statt. Im Gotteshause hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden, unter anderen in Vertretung der Kultusgemeinde Kommerzialrat Markus und in Vertretung der Chewra Kadischa Vizepräsident Otto, des weiteren Abordnungen verschiedener Humanitätvereine und viele' Vorstandsmitglieder. Rabbiner M a y e r s o h n hielt eine Trauerrede, die auf alle Anwesenden tiefen Eivndruck machte. Oberkantor Frankel rezitierte, unterstützt von dem ausgezeichneten Chor des Tempelvereines, Psalm 49, Schewisi und Ei mole rachamim in meisterhafter Weise. Die 'christliche Lehre gottlos. In der völkischen Zeit schritt „Neues Leben" heißt es in der Nummer 12 des Jahres 1919: .AVenn Herkules oder Siegfried, wenn Wolfram von Eschenbach, ja selbst Goethe oder Schiller zum Leben erweckt wären und etwa im Weltkrieg eine Kompagnie hätten führen müssen — sie hätten es gekonnt. Aber Jesus Christus? Nach den Grundsätzen der Bergpredigt? Nein. Ich wage jetzt zu sagen, daß die christliche Lehre gottlos ist." Kommentar überflüssig. Maxim Gorkt zur Judenfrage in Rußland. Die Zeitung „Mezzogiorno" in Neapel veröffentlicht ein Interview mit Maxim Gorki, der sich zur Zeit in Sorrento aufhält. Der russische Schriftsteller äußerte sich, die in Europa verbreitete Meinung, daß die russische Revolution von Juden vorbereitet und durchgeführt worden sei, beruhe auf Unwissenheit. Die Revolution ist von echten Russen, wie Bakunin, Kropatkin-und Dostojewski vorbereitet worden. Die „Protokolle der Weisen von Zion", sagte er, seien idiotische Phantasien. Der Prozentsatz der Juden in hohen Staatsämtern und im Staatsdienst stimmt nicht mit dem überein, was darüber in Europa gesagt wird. Unter den 14 Volkskommissären sind 11 Russen, 1 Georgier und 2 Juden. Der „Mezzogiorno" wird von dem antisemitischen Publizisten Don Prezioso geleitet, der die berüchtigten „Protokolle" in Italien vorbereitet hat und dafür mit Gefängnis bestraft wurde. Der Numerus clausus auf dem internationalen Soziologen- Kongreß. Der III. Internationale Soziologen-Kongreß fand in Rom unter dem Vorsitz des Staatsministers Luigi L u z a 11 i statt. Luzatti schloß mit dem Appell für Gerechtigkeit gegen die nationalen und religiösen Minderheiten. Das Komitee der jüdischen Delegation in Paris war durch Prof. Enzo Bonaventura von -der obersten Studienanstalt in Florenz vertreten, der ein Memorandum über die Rechte der jüdischen Minderheiten und des Problems des Numerus clausus vorgelegt hatte. Der Kongreß hat an seinem letzten Sitzungstag einstimmig die folgende Resolution angenommen: „Der Kongreß verlangt von allen Regierungen die absolute Achtung der den Schutz der nationalen und religiösen Minderheiten . betreffenden .Klauseln in den0 internationalen Verträgen; er wendet sich auf Grund der Prinzipien der menschlichen Pflicht gegen jedes Regime, das andersrassige Bürger in eine untergeordnete Stellung zwingen oder ihnen die den anderen Bürgern zustehenden Rechte versagen will; weiter betont der Kongreß mit besonderem Nachdruck, daß die Einführung des „Numerus clausus" an den Universitäten (ganz gleich von welcher Autorität dies ausgeht und in welcher Form das geschieht) ein Attentat auf das primärste und unverletzlichste Recht jedes Menschen darstellt, auf das Recht nämlich, Wissen zu erwerben, den Geist zu kultivieren und am Fortschritt der ganzen Menschheit mitzuwirken, indem er an der Arbeit' der modernen Kultur teilnimmt." Nacktkultur. Während sich die patentarischen Moralisten die ungewaschenen Mäuler zerreißen, wenn von jüdischer Seite in Wort und Bild oder darstellender Kunst eine Laszivität verübt wird, die wir grundsätzlich stets gerügt haben, glauben die germanischen Herrenmenschen ein Vorrecht auf ein Ausleben in Schönheit zu besitzen. In deutschen Gauen wird jetzt lebhaft für Nacktkultur geworben. Unter dem Sammelnamen „Lichtbünde" werden Vereinigungen mit den kühnsten Zielen gebildet. Da gibt es einen Freiluftbund, einen Hochzielbund für Körper und Seelenpflege, Treubund für aufsteigendes Leben und ähnliche andere, deren Zweck es ist, hüllenlos in Rudeln Luft- und Sonnenbäder zu nehmen. Hoffentlich nach Geschlechter geschieden. Wippchen hätte gesagt, daß diese sonderbaren Heiligen ihrer Nacktheit ein Mäntelchen-umhängen und die Gesundung ah Leib und Seele zum Vorwand' nehmen. Einigermaßen im Widerspruch damit steht die Tatsache, daß diesen Reinen nicht alles immer rein war und mehr oder weniger Skandälchen unterlaufen sind. Es kann eben niemand aus seiner Haut heraus, aus der nackten schon gar nicht. Alle derartigen Konventikel haben notwendig etwas Verfängliches. So ging es beispielsweise mit der religiösen Sekte der Adamiter, die höheren Zwecken zu dienen vorgaben und den gröbsten Unfug verübten. Den neudeutschen Lichtbunden wird mit nicht unberechtigtem Mißtrauen begegnet werden müssen. Wiener Bank-Verein. Zufolge Beschlusses der am 14. Mai 1924 abgehaltenen 54. ordentlichen Generalversammlung der Aktionäre des Wiener Bank-Verein wird der Kupon pro 1923 der dividendenberechtigten Aktien Nr. 1 bis 5,000.000 mit österr. Kronen 8000 vom 15-. Mai 1. J. an, eingelöst. (Entgeltlich.) Am unsere leser? Werbet für .unsere Zeitung! Eine erfreuliche Erhöhung der Abonnenlenzahl ist zu verzeichnen! 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