Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 15 (11.4.1924)
- Date
- 1924-04-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Deuischösferreichische Wochensdiriif für Jüdische Interessen Mit dem Beiblatt: Veröffentlichungen der „Union denfschosferreidüsdier Juden Redaktion und Administration: Wien II- Heinesirafie «3. - Fernruf 42-2-16 XL. Jahrgang Wien, 11. April 1924 Nummer 15 Unsere Pessaclinunimer -? QoppelnummeP ™S.5 Chomez-Schtttteln. Von Rabb. Dr. Armin A b e 1 e s. Die Größe und Bedeutung des herankommenden Pessachfestes zeigt sich unter anderem auch darin, daß es bereits mehrere Wochen vor seinem Eintreffen seine Lichtspuren in die jüdischen Häuser und Herzen sendet. Wie ein Fürst zum Besuche emer ihm in festlicher Stimmung entgegenharrenden Stadt, also erscheint Pessach in den jüdischen Landen. Schon Wochen vorher erscheinen seine Herolde, um die bevorstehende Ankunft des hohen Gastes zu vermelden und gleichzeitig für einen würdigen Emp- ' fang Sorge zu tragen. Vollends aber ist vom Rosch- Chodesch Nissan angefangen unser Sinnen und Denken fast ausschließlich der Pessachfeier zugewandt und für das jüdische Haus beginnt von diesem Tage an die von einem eigentümlichen Zauber erfüllte Zeit eifrigster Festvorbereitung. Unter den mannigfachen Arbeiten und Verrichtungen, die diesem Zwecke dienen, steht obenan: Das Chomez-Schütteln. Da wird die ganze Wohnung von oberst zu unterst gekehrt, da werden Schränke, Kasten und Behälter bis aufs letzte Bröselchen durchstöbert und ausgeleert, Kleider, Bücher, Schriften durchrüttelt und durchschüttelt und in den verschwiegensten Ecken und Nischen nach den kleinsten Resten von Chomez gefahndet, um sie allesamt der Vernichtung preiszugeben, entsprechend der Vorschrift der Thora „Und am ersten Tage sollt ihr vernichtet haben alles Gesäuerte (Sauerteig) in Euren Häusern".*) Nach der Ansicht unserer Lehrer im Talmud bezieht sich aber diese Vorschrift nicht nur auf den engen Bezirk der Wohnung und des Hauses, sondern sie erstreckt sich auch auf außerhalb desselben liegende Räumlichkeiten und Gebiete. Fürwahr, auch auf dem weiten Gebiete der UMischen Gesamtheit gibt es eine nicht unbeträchtliche Menge von Ghomez, dessen Vernichtung nachgerade eine Lebensfrage für das Judentum bedeutet: Es sind dies neben vielen anderen traurigen Erscheinungen vor allem die seit Jahrtausenden wiederkehrenden, in unserer trüben Nachkriegszeit mit besonderer Vehemenz auftretenden feindlichen Bestrebungen, dahingehend, das durch Not und Tod der Jahrtau- *) Die obige Uebersetzung von Exod. 12/5 stützt sich auf die talmudische Diskussion im babL Pessachim 55 a, 35 a, über die Auffassung von Jörn Horischon. sende fleckenlos erhaltene Panier des Judentums zu besudeln, den jüdischen Geist zu erniedrigen, jüdisches Leben und jüdische Lehre als minderwertige Gebilde, hinzustellen. Für sich allein betrachtet, fast unscheinbar und unsichtbar wie der Sauerteig im Brot, sind diese Bestrebungen in ihrer letzten Auswirkung von ungeheurer Folgenschwere für die Geschichte und Geschicke des Judentums gewesen und sind es bis auf den heutigen Tag geblieben. Denn sie hören nicht auf, auch darin dem Verhalten des Sauerteigs zu dem ihm beigemischten Teige gleichend, die jüdische Bekennerschaft sowohl in ihrer Gesamtheit wie in ihren Teilen in steter Gärung und Erregunig. zu halten, lassen sie nicht zu Ruhe kommen und zwingen sie, in ununterbrochenen Abwehrkämpfen nutz- und zwecklos die Kräfte zu vergeuden. Ebenso wichtig und dringend wie in den engbegrenzten Wohnungen Israels erscheint es daher auch auf dem weitem Gebiete der jüdischen Gemeinschaft, den altehrwürdigen durch Thoragebot geheiligten Brauch zu pflegen: Das Chomez-Schütteln. Mag auch der Vorgang bei dem letzteren viel schwieriger sein als beim ersteren, es ist umso mehr heilige Pflicht jedes jüdischen Menschen, der auf seine und die Ehre seines Volkes hält, diesem Ohomez mit allen Kräften bis in die letzten Schlupfwinkel naohzufahnden und an ihm zu erfüllen das Gebot der Schrift: „Und am ersten Tage sollt ihr vernichtet haben alles Gesäuerte in Euren Häusern." In Nr. 13 vom Sonnabend, den 29. Lenzing des von ihm redigierten „Reichswart" hat der hochgeborene Graf Reventlo,w mir die außerordentlich große Ehre erwiesen, sich mit meiner unmaßgeblichen Person zu beschäftigen und meine am 14. März 1924 in der „Wahrheit" unter dem Titel „Esau, Amalek 'und Haman" erschienene Purimbetrachtung in seiner bekannten Art zum Ausgangspunkt rüder Beschimpfungen und wüster Angriffe auf das Judentum und dessen Lehre zu machen, In seiner Art, die sich vor allem darin äußert, daß er aus meinem Aufsatz einige Sätze aus dem Zusammenhange reißt und sie, zum Teil in sperrgedruckten Lettern, seinen gläubigen Lesern zur weiteren Amtshandlung überläßt, eine. Art, die ich in dem erwähnten Aufsatz als die Amaleks bezeichnen zu sollen glaubte. Daß sich der edle Graf ausgerechnet die Stelle aussucht, an welcher als der