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Die Wahrheit · 1924-03-14 · Heft 11 (14.3.1924) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 11 (14.3.1924)
Date
1924-03-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Se&e 10 DIE WAHRHEIT Nr. 11 positive Judentum in allen Lagern entweder im Zeichen der agudisti sehen Grundidee finden oder — was Gott verhüten möge — überhaupt nicht finden wir d." Dann setzt der „Israelit" fort: „Wir empfehlen dieses ehrliche und mutige Wort eines Mannes, der von der Orthodoxie niemals durch Ehrenstellungen irgendwelcher Art in der Unabhängigkeit seines Urteils beeinflußt worden ist, der Beherzigung aller derer, die durch Neugründung von gesetzestreuen Organisationen zur Mehrung des Friedens im Judentum beitragen zu können wähnen." Vom Karussel des Hasses. Es lohnt sich, die politische Presse diesseits und jenseits des Rheins in ihren Auswirkungen auf den Verständigungsgedanken zu beobachten. Hüben und drüben ist der Begriff national gleichbedeutend mit vaterländisch, beide aber identisch mit nachbarfeindlich. Vergebens mühen sich die besten Köpfe, die redlichsten Seelen im eigenen Lande, den Frieden zu predigen. Diese Penelopenarbeit will nicht fördern, denn was tagsüber gewebt wird, wird im nächtlichen Dunkel der Gehässigkeit getrennt. So geht es seit Versailles. So antwortet dem Schrei nach Kampf und Wiedervergeltung der Ruf nach Vorsicht und Härte. Um nur Eines anzuzeigen: Die deutsche Schuld am Kriege, die friedensprotokollarisch festgelegt wurde — ob zu Recht oder nicht soll hier nicht untersucht werden — gilt als ein Kardinalsverbrechen der deutschen Unterfertiger; Aber gerade in die Schuldfrage haben sich die Franzosen derart verbissen, daß jeder Versuch, sie zu leugnen, bei der Siegernation die Erbitterung zum Rasen steigert. Die Schuldfrage ist bereits eine res judicata, eine Sache, über die die Akten geschlossen und zur Tagesordnung geschritten wurde. An ihr zu rütteln fiele der Masse des deutschen Volkes gar nicht ein, wenn nicht immer wieder berufsmäßige Hetzer in Schrift und Wort dieses Steckenpferd in allen Gangarten vorritten. Es bleibt aber nicht bei dieser an sich harmlosen Justamenterei. Als Folgerung des Nichtschuldstandpunktes wollen die Ludendorffisch eingestellten Soldschreiber die Verwerfung des Schandfriedens und Züchtigung . des Erbfeindes. Das ist Wahnsinn ohne Methode, denn an die Ausführbarkeit eines Windmühlkampfes glauben die Rufer im Streite selber nicht. Aber gleichwohl, man nehme irgend ein beliebiges Blatt der Völkischen zur Hand — es braust darin wie Donnerhall in Vers und Prosa. Jede Zeile eine Fanfare. Fast möchte man glauben, Herr Poincare habe diese deutschen Hetzer aus seinem Dispositionsfonds bezahlt, um sich gegen die Opposition in Kammer und Senat behaupten zu können. Dem Kriegsgeschrei im „Reichswart" antwortet prompt ein solches im „Marin". Selbst die gemäßigten Pariser Zeitungen haben keine schwere Arbeit, die politische Welt. davon zu überzeugen, daß der deutsche Militarismus noch lange nicht überwunden ist und von ihm aus die ewige Gefahrenquelle kommt. Die vielleicht nicht unberechtigte, jedenfall aber begreifliche Einstellung der „patriotischen Beklemmungen" weckt ebensolche auf der Gegenseite. Auf einen Schelm anderthalb ist "eben das politische Prinzip. Der eben verhandelte Prozeß gegen die Münchener Njvemberputschisten ist auch wenig geeignet, an dfe guten Gesinnungen der deutschen Generalspartei glauben zu lassen. Man braucht ja nur die Stimmen der französischen Chauvinisten zu vernehmen und wie die deutschvölkischen darauf reagieren. Es wäre fast belustigend, wenn es nicht so maßlos betrübsam wäre — dieses Karussel des Hasses. Der Müncheiter Novemberputsch. Der Münchener Rabbiner Dr. Ehren treu hat angeordnet, daß in Zukunft, zunächst auf zehn Jahre, der 1. Kislew (9. November), an welchem Tage die Juden Münchens in besonders großer Pogromgefahr geschwebt sind, im Gottesdienst hervorgehoben werden soll. Theater, Kunst u. Literatur | Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Seitdem der Vorstamd der Wiener Kultusgemeinde in dankenswerter Erkenntnis der Bedeutung eines Vereines für jüdische Ge schichte und Literatur diesem den Festsaal des Gemeindehauses für seine Vorträge zur Verfügung gestellt hat, erfreuen sieh dieselben eines regeren Zuspruches- Noch im Biblrothekssaale sprach Ehrw. Herr Dr. Chajes über „Das Hebräische als Volkssprache", es wurden 'interessante Tatsachen aus alter Zeit, wie die Verwendung des Aramäischen und Griechischen, vorgetragen und die aller jüngste, in Palästina erfolgte Wiedergeburt einer hebräischen Muttersprache wahrheitsgemäß als die kühne Tat einer einzelnen Familie und nicht als aus dem völkischen Drang einer Masse heraus entstanden, geschildert. Sehr instruktiv würdigte der rührige gelehrte Vorsitzende Herr Professor Dr. S. Krauss in einer, anläßlich dies 70. Geburtstages.des Ehrw. Rabbiners Dr. Low aus Szegedin gehaltenen Festrede die höhen allgemein- und spezialwissenschaftMchen Verdienste desselben auf talmudischem Gebiete. Herr Professor Otto Simon sprach über „Mendelssohn und die neuie jüdische Schule." Herr Professor Dr. Wilhelm Stein über „Die literarischen Salons der Berliner Jüdinnen zu Anfang des 19. Jahrhunderts". Dem glänzenden, auch manches Neue über jene schöngeistigen Kreise bietenden Vortrage folgte eine Diskussion, in welcher der Vereiirasleitung sonderbairerweiise seitens eines Zuhörers ein Vorwurf darüber gemacht wurde, daß siie ein Thema zur Besprechung zuließ „über Weiber, die dem Judentum zur Unebne gereichen." Herr Dr. med/ Emil. A dl er sprach über „dfe jüdisch-hellenistische Weltanschauung" und bot eine historische Kritik der Gegensätze von jüdischen und griechischen Gottes- und Sittlichkei'.tsbegriffen, in welcher in allzu einseitiger Weise bloß Homer für hellenistische Denkart herangezogen wurde, wogegen Herr Rabbiner Dr. K aminlca in ebenso anregender wie eingehender Aussprache berechtigte Einwände erhob. .Uns persönlich hat, aufrichtig gesagt, der letzte Vortrag des jungen Dr. S. Lieber über „Die Juden in der modernen französischen Literatur" am meisten angesprochen. Fast wie einst der jüdische Geist sich vom hellenischen heftig angezogen fühlte, so ist uns deutscher. Juden der französische Esprit stets höchst sympathisch gewesen. In kenntnisreicher Weise schilderte der Vortragende den großen Anteil der Juden an den bedeutendsten literarischen Erzeugnissen von Roman und Drama des zeitgenössischen Frankreich und beleuchtete die erstaunliche Tatsache, daß auch in den Schriften mlchtjüdlsciher Autoren dort wie anderswo gegenwärtig die Judenfrage einen sehr breiten Raum einnimmt. Namen, wie Catulle Mendez, Bernstein Decröiosez (ursprünglich Wiener), Gilbert und andere werden, weil ihre. Träger Juiden sind, von Henri Pierre, einem gallischen „Bartels", in Bausch und Bogen kritisch vernichtet, obwohl andere, z. B. George de Portoriche mit Racine in eine Linie gestellt haben. Eingehend werden die wegen ihrer gut vorgetäuschten Autentizität besonders gefährlichen Romane der Brüder Tarrant: „quatidie Israel est roi" und „ä rhornbre de läcroix" gesohildert, welche das angebliche Weltherrschaftsstreben der Juden mit Sicherheit behaupten, und die jüngste Sensation, „Siilbermann". Diese Autoren erfassen begreiflicherweise nach der Auffassung des Vortragenden nur das Aeußere und geben sich nicht die Mühe, die eigentliche Psyche der Juden zu ergründen. Die hübsche, gut rentierte Entschuldigung Paul Claudels, daß er di'ese, besonders die Jüdinnen, in so schlechtem Lichte in seinem Drama erscheinen läßt, war ebenso interessant, wie die Würdigung der Objektivität Romain Rolands gerecht war. Medizimalrat Dr. Heinrich H a a s e 1 fon der Bundesregierung bewilligte _ _ ä9K*u m ■? ■ m I : mon m ^ä. m EilS AD K m 11 - Ii K1 Fl : Bi YB^MB4*WllAfl'H#*l*lA* für Kriegswaisen, Lehrmädchen und Arbeiterinnen :! EllCIliOu VliCl IC * Gesamttreffer 600 Millionen Kronen | Haup^reffer 15£0, GO, 35», 20 nnd lO MKUfionen Kronen \ und tousend andere 1"ar«sfier i nur Lose in allen Banken und Trafiken erhältlich! - Wiederverkäufer gesucht! *t*C :

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