Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 9 (29.2.1924)
- Date
- 1924-02-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 10__ DIE WAHRHEIT Theater, Kunst u. Literatur Verein „Wohlfahrt". Die unter der bewährten Leitung des Herrn Bezirksrates S. Weiner stehende Sektion I/IX des im Titel genannten Vereines veranstaltete Samstag, den 9. d. M., anschließend an die Generalversammlung des Vereines „Wohlfahrt" einen gemütlichen Vortragsabend, der bei dem zahlreich erschienenen Gästen voll und ganz den Zweck der Veranstaltung auslöste. Es waren wirklich gamütiiche Stuanden: den Clou des Abends bildeten Vorträge Oskar Beregis. Oesterreich-Deutschland. Unter diesem Titel erscheint seit Beginn des Jahres ein Zentralorgan des österreichischdeutschen Volksbundes in Berlin. Das Blatt, das die Verwirklichung des großdeutschen Gedankens, wie ihn die Demokraten in Deutschland und die Sozialisten in beiden Ländern verwirklichen wollen, fördern will, wird von Herrnann Kienzl geleitet. Es ist lesenswert. Vor allem darum, weil es mancherlei neues Material bringt und das bekannte handlich zusammenstellt. Wirksam sind auch die kritischen Glossen, durch die der Bürokratismus gewisser deutscher Amtsstellen gegenüber uns Deutschösterreichern kritisiert wird. So wird z. B. erzählt, daß auf einem Berliner Postamt für ein Telegramm nach Graz Gebühren, di nach Jugoslawien gelten, verlangt werden, weil Graz in Jugoslawien liegt. Trotz allen Protestes, daß es sich um eine österreichische Stadt handle, bleibt der Beamte dabei: „Das sei nach dem Friedensvertrag anders geworden." 0. H. Der Seekönig oder die Rätsel des Weltalls. Die Verfasserin Adele Zamarsky bezeichnet ihre Arbeit als ein ^poetisches" Schauspiel mit Musik und Gesang in sechs (!) Akten und einem Vorspiel und stellt bedeutende Anforderungen an die Geduld des Lesers, bzw. des Zuschauers, falls dieser Seekönig, einstweilen natürlich als Manuskript gedruckt, bei W. Müller, Wien, verlegt, jemals auf der Bühne erscheinen sollte. In einer Vorbemerkung teilt die Zamarsky mit, daß ihr Werk ursprünglich als Opern- oder Operettenbuch gedacht war, schließlich aber doch zum Schauspiel umgearbeitet wurde. Als Sujet soll ein altes Märchen" gedient haben. Uns will jedoch bedünken, daß Anklänge an „die Frau vom Meere" bestimmend waren, denn auch hier hat sich die tragische Heldin mit einem Phantom, dem Seekönig, verlobt und folgt ihm, den lebenswarmen Bräutigam verlassend, in sein Wasserschloß. Die endlosen Verse strömen auch wie entfesselte Schleusen. Die gute Absicht soll nicht verkannt werden, aber sq weit reicht die Frauenemanzipation doch nicht, daß eine Dame, die ans Dichten geht, Reime wie Seelen-Schwellen, Nöten-Ketten, Seele-Hölle und ähnliche bieten darf. Ganz so ungebunden läßt sich die gebundenen Sprache nicht behandeln. d. Fritz Baer: Untersuchungen über Quellen und Komposition des Schebet Jehuda (Veröffentlichungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, historische Sektion). Berlin. E. A. Schwetschke u. Sohn. 1923. — Es ist erfreulich, wie trotz aller Nöte der Zeit die Akademie fleißig am Werke ist und in verhältnismäßig kurzer Zeit eine stattliche Reihe von Bänden herausgebracht hat. Von Fritz Baer, der eben erst das Protokollbuch der Landjudenschaft des Herzogtums Kleve veröffentlichte, liegt nun diese Arbeit vor, die zeigt, welche erheblichen Resultate zu gewinnen sind, wenn man mit den Methoden moderner Quellenkritik an einen Schriftsteller herangeht, der bisher sch'on oft benutzt wurde, aber den man nach dem Umfang der gesamten in ihm enthaltenen Probleme noch niemals völlig untersuchte. Die Ergebnisse, die Baer gewinnt, sind erheblich; an dieser Stelle kann der Gang der Auseinandersetzungen im einzelnen nicht wiedergegeben werden. Die Feststellung ist von Bedeutung, daß das Buch Schebet Jehuda „zum erstenmal von jüdischer Seite aus die wirtschaftlichen, sozialen und nicht zum wenigsten die rein menschlichen Erscheinungen des jüdischen Schicksals in umfassender Weise behandelt: es ist innerhalb des christlichen Kulturkreises die erste von einem Juden in hebräischer Sprache verfaßte Schrift über .die Judenfrage." Dr. Willy Cohn, Breslau. Adolf Jacobus: Der Gottesstaat. Berlin, C. A. Schwetschke u. Sohn, 1923. — Kein Buch kann in diesem Augenblick sozialer Krisis bedeutsamer sein als dieses. Wenn der Rezensent ein derartiges Urteil an die Spitze seiner Besprechung stellt, so ist er verpflichtet, es zu begründen, will er nicht in den Verdacht kommen, eine hundertmal gebrauchte Phrase zu wiederholen. Was der Verfasser hier leistet, ist nichts anderes, als daß er ein Bild des mosaischen Staates entwirft und ganz besonders durch die Darstellung seines Rechtswesens und der volkswirtschaftlichen Grundgesetze zeigt, wie unserer zerrütteten Welt durch die Befolgung eben dieser Grundsätze das Heil erwachsen kann. Soziale Fragen stoßen ja jetzt immer auf ein erhebliches Interesse, immer neue Theorien treten auf, die der gequälten Menschheit die Erlösung bringen sollen, aber all das, was zu diesen Dingen im Kern zu sagen ist, ist in den Bestimmungen der Thora über Sabbath und Jobeljahr enthalten. Es ist ein überaus dankenswertes Beginnen des Verfassers, daß er ein geschlossenes, auf eingehender Kenntnis des Gesetzes beruhendes Bld entwirft, das auch jedem dem Judentum ganz entfremdeten oder ihm völlig fernstehenden Menschen zeigen muß, welch ungeheure Werte in dem Gesetz der Thora verschlossen liegen und wie sie zum Wohl der Menschheit nutzbringend verwendet werden könnten. Für das Judentum selbst aber kann es nur ein Heil geben: die Rückkehr zu eben diesem Gesetz und der Aufbau des Landes in seinem Sinne. Wie die Halacha der israelitischen Gemeinschaft ein Führer durch die Jahrtausende gewesen ist, so ist auch in Zukunft ihre Rolle nicht ausgespielt. Ein stolzes Gefühl erfüllt.den Leser bei der Lektüre dieses Buches, daß seine Gemeinschaft dazu berufen ist, diesen Gottesstaat auf Erden zu verwirklichen. Dr. Willy C o h n, Breslau. Die Schuld am Weltkrieg. Noch immer wollen die Akten über das grauenhafteste Verbrechen aller Zeiten nicht zum Abschluß kommen. Während sich der unglückliche Konrad von Hötzendorf mit der Geschwätzigkeit des bösen Gewissens bemüht, in Büchern und Zeitungsartikeln das Unvermeidliche des Völkermordens aufzuzeigen, haben wir in der in der Frankfurter Sozietätsdruckerei kürzlich erschienenen Schrift „Die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand" von Stanoje Stanojevic* den zwingenden Gegenbeweis. Der Autor berichtet mit der ruhigen Sachlichkeit eines braven Untersuchungsrichters die Tatbestände der letzten Jahrzehnte, berichtet, wie sich aus der bornierten Gewaltpolitik Oesterreich-Ungarns logisch und naturnotwendig die Ereignisse vollziehen mußten. Die Annexion Bosniens und der Herzegowina war nur der Tropfen, der den Becher des serbisch-kroatischen Hasses zum Ueberschäumen brachte. Das offizielle Serbien, nach zwei Balkankriegen ausgeblutet und erschöpft, konnte und wollte keinen Krieg mit dem übermächtigen Nachbar; es hatte auch nicht seine Hand im Spiel, als das Attentat auf Franz Ferdinand geplant und verübt wurde. Es war auch zur Sühne im Bereiche des Möglichen bereit Ebenso waren die Großmächte, besonders England, zur Beilegung des schweren Konfliktes bereit, aber die böswillige Rotte um den alten Kaiser drängte zum Kriege und entzündete bewußt den Weltbrand. Die Hötzendorie und Ludendorffe werden vergebens die Märchen von der schlimmen Entente und dem guten Mitteleuropa erzählen. Die Weltgeschichte weiß es bereits anders und Stanojevic ist ein unbefangener, glaubwürdiger Zeuge für die Hauptschuld der Donaumonarchie am Weltkriege, wenn auch die großen Generäle zur Rechtfertigung ihres Blutgewerbes anders behaupten. d. Die bekannte Buchhandlung Hermann Tuchner, IL, Große Stadtgutgasse 7 (Ecke Taborstraße 52), bringt ihren verehrlichen Kunden zur Kenntnis, daß ihre Telephonnummer .41-4-20 lautet. Nachdem die Buchhandlung ein reiches Lager von Büchern jeder Geistesrichtung besitzt, kann sie dem Lesepublikum bestens empfohlen werden. Von der Bundesregierung bewilligte Elfektenlotlcrle zugunsten des ELISABETH-HEin für Kriegswaisen» Lehrmädchen und Arbeiterinnen ■I., l*l€ftlz£«SSe 'S Telenhon Mr. 4I3-S-40 Gesatnttreffer 600 Hillionen Kronen HaupMreffer 120, #M>, SS, 20 and lO Millionen Kronen 3V Lese In allen Banken und Trafiken erhältlich "WC